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Thema: Mass Effect - Nur eine Soldatin

  1. #21
    Newbie Avatar von xsm4sh3r
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    super skizze und tolles Kapitel, wie gewohnt

  2. #22

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    Vielen Dank an Drellinator92, Milky_Way und xsm4sh3r!! Ich hab mich sehr über eure Kommentare gefreut <3

    Und das nächste Kapitel:

    Kapitel 14: Das Lager

    Drei Jahre zuvor in einem Krankenhaus auf der Citadel…

    Es regnete. Tropfen für Tropfen prasselte an das kleine Fenster und erzeugte einen ganz eigenen Rhythmus der Jane für einen kurzen Moment vom Packen ablenkte. Sie wusste selbst nicht genau wieso aber irgendwie dachte sie daran, wie gut dieser plötzliche Regen zu ihrer Stimmung passte. Der Verband an ihrer Stirn drückte etwas und sie erwischte sich dabei, wie sie versuchte, ihn etwas zurecht zu rücken um das unangenehme Drücken, was mit Sicherheit auch teilweise für ihre Kopfschmerzen verantwortlich war zu vermeiden.
    Das Zimmer war klein, hatte weiße Wände und sah aus, wie ein klassisches Krankenzimmer. Jane hatte Captain Anderson mindestens fünfzig Mal gesagt, dass sie nicht ins Krankenhaus musste, es ging ihr gut – zumindest körperlich. Sie hatten die Sovereign besiegt, genauer genommen hatte Shepard eine unglaublich große Leistung vollbracht, für die Anderson sie in den Himmel gelobt hatte. Aber Jane fühlte sich alles andere als gut. Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Obwohl sie den Rat gerettet hatte und das vielleicht die richtige Entscheidung gewesen ist, hatte dieser Kampf dennoch verdammt viele Leben gekostet und sie konnte sich so oft einreden wie sie wollte, dass es richtig war, es fühlte sich einfach ganz anders an. Schließlich hatten viele auf Grund von ihrem Befehl ihr Leben lassen müssen.
    Sie ließ sich auf das Bett fallen und schüttelte den Kopf. Es war falsch. Jede Entscheidung die sie traf und die Leben kostete egal wie viele war falsch. Frustriert schloss sie die Augen und lauschte dem Regen.
    Es würde nicht gut ausgehen. Die Reaper, der Krieg der ihnen unmittelbar bevorstand. Sie würde diese ungeheure Macht nicht aufhalten können. Da würden ein paar Opfer hin oder her auch nicht viel daran ändern. ¨Verdammt...¨, murmelte der Commander und sah wieder konsterniert an die Decke. Das hatte sie nicht gewollt. Jane hatte immer nach einem höheren Rang gestrebt, davon geträumt irgendwann ihr eigenes Schiff, ihre eigene Crew zu haben. Aber jetzt kam ihr das alles total belanglos vor. Was brachte ihr all das, wenn sie trotzdem die Personen verlor, die ihr am nächsten standen?
    Ashley...
    Jane schüttelte wieder den Kopf, versuchte den Gedanken an ihre gefallene Kameradin und Freundin zu verdrängen. Sie hatte auf der Normandy geschwiegen, sie würde auch weiterhin schweigen. Sie erinnerte sich an Wrex, Garrus, Tali und Liara die allesamt gesagt hatten, dass es eine verdammt schwere Entscheidung gewesen ist und sie überhaupt keine Schuld an Ashleys Tot traf. Aber Kaidan und Jane wussten es besser. Kaidan hatte ein enorm schlechtes Gewissen, hatte sich viel zu oft bei dem Commander entschuldigt, bis sie ihn angeschrien hatte, das sein zu lassen. Und sie? Sie hatte sich in ihr Quartier zurückgezogen, sich in ihre Arbeit vertieft um nicht länger über die Mission auf Virmire nachdenken zu müssen. Sie hatte den Kontakt zu ihrem Squad weitestgehend vermieden, nur mit ihnen gesprochen, wenn es die Arbeit verlangte und ansonsten hatte sie geschwiegen. Sie wusste, dass sich ihre Crew Sorgen um sie gemacht hatte, aber seit sie Ashley dem Tod überlassen hatte, war ihr das egal gewesen.
    Und dann hatten sie gegen Saren gekämpft und Jane hatte den Hass in Garrus und die Wut in Wrex´ Augen gesehen. Beide hatten gegen den Turianer gekämpft, gemeinsam mit Jane an ihrer Seite. Und sie hatte diese negativen Gefühle überhaupt nicht nachvollziehen können. Selbstverständlich war sie wütend. Aber viel mehr auf sich selbst als auf den ehemaligen Spectre. Sie war diejenige, die die Verantwortung für ihre Crew hatte, sie hätte es nicht so weit kommen lassen dürfen, dass sie diese Entscheidung zwischen Kaidan und Ashley hatte treffen müssen. Und Saren... Jane wusste nicht genau wieso, aber irgendetwas sagte ihr, dass er das alles gar nicht gewollt hatte. Zumindest nicht so.
    Und dann stürzte dieses verdammte Ding auf die Citadel und Shepard hatte gedacht, nun wäre es um sie geschehen. Sie war so weit gekommen um nun von ein paar Trümmern erschlagen zu werden.
    Aber dann war sie aufgewacht und mit ein paar mehr oder weniger schweren Verletzungen davon gekommen.
    Als sie Garrus´ und Wrex´ erleichterte Blicke gesehen hatte, hatte sie seit langem mal wieder richtig ehrlich gelächelt. Sie hatte daran geglaubt, die Citadel gerettet zu haben und erst ein paar Tage später war ihr bewusst geworden, dass das nur der Anfang war. Es war noch lange nicht vorbei und diese Erkenntnis hatte sie mit einem ziemlich unguten Gefühl getroffen.
    Jane vernahm ein leises Klopfen an der Türe und sie warf einen kurzen alarmierten Blick auf die offene Tasche, die auf einem Stuhl lag und in der sie die wenigen Sachen die sie bei sich hatte verstaut hatte. Sie hatte die Tasche in einem kleinen Geschenkladen im ersten Stockwerk des Krankenhauses gekauft. Schließlich hatte sie nicht vor, wie Anderson ihr befohlen hatte, noch drei weitere Wochen hier zu bleiben. Eigentlich, hatte Jane sich aus dem Staub machen wollen - am besten unbemerkt. Aber nun so schien es hatte sich das von ganz alleine erledigt. Sie schnellte zu der Tasche und versuchte den Reisverschluss zu schließen, während sie das leise Quietschen der öffnenden Tür vernahm.
    ¨Gott, Anderson, nein, Sie müssen nichts sagen. Ich weiß Sie wollen, dass ich noch länger hier bleibe, aber ich kann das einfach nicht! Es geht mir gut! Und selbst wenn ich noch ein bisschen angeschlagen bin, ich bin auf jeden Fall wieder diensttauglich.¨, Jane stand mit dem Rücken zur Tür und sie meinte, Andersons strengen Blick förmlich spüren zu können, ¨ Und ich will zurück auf mein Schiff. Meine lange Abwesenheit vermittelt meiner Crew einen völlig falschen Eindruck von meinem momentanen Gesundheitszustand! Ich will jetzt ganz sicher nicht meine Autorität gegenüber meiner Leute verlieren und außerdem-¨, wie lange hatte sie an diesen Argumenten gefeilt, damit sie sich wenigstens einigermaßen gut anhörten, sollte der Captain sie bei ihrer Flucht erwischen? Jane drehte sich schlagartig um und starrte perplex in die blauen Augen des verwirrten Turianers ihr gegenüber. ¨Garrus.¨, sagte sie einfach nur knapp, überrascht und letzten Endes auch ein wenig peinlich berührt. Das hatte er nun wirklich nicht alles mitbekommen müssen.
    ¨Commander... Verzeihen Sie, ich wollte Sie nicht...stören. Ich dachte nur ich...¨, er verstummte und beobachtete Jane wie sie die Tasche langsam auf den Boden gleiten ließ und ihn mit einem beschämten Blick musterte.
    ¨ Also ich äh...¨, sie starrte kurz auf die Tasche, dann wieder zu ihm der ihrem Blick gefolgt war und stöhnte dann genervt auf. ¨Ja, ich weiß, ich sollte theoretisch noch länger hier bleiben. Und ich weiß wonach das aussieht. Aber ich bitte Sie, sagen Sie nichts zu Anderson! Ich muss hier raus, Garrus, ich bin einfach nicht so... Ich kann hier nicht länger bleiben. Ich habe Aufgaben, Pflichten den ich nachgehen muss, das kann ich nicht von einem Krankenbett aus. Also wenn Sie mir auch sagen wollen, dass ich besser noch länger hier drin liegen sollte, dann lassen Sie es bitte, es bringt nichts.¨, erklärte Jane störrisch und schmiss die Tasche auf ihr Bett um das letzte Datenpad hinein zu packen.
    ¨Das wollte ich gar nicht...¨, entgegnete Garrus ruhig und irgendwie bekam Jane das Gefühl nicht los, dass er nervös oder unsicher war. Sie hatte keine Ahnung warum er so auf sie wirkte, aber irgendetwas schien ihn zu beschäftigen, da war sie sich sicher.
    ¨Was ist los?¨, fragte sie und setzte sich an die Kante ihres Bettes. Jane mochte Garrus. Genau genommen war er nicht der erste Turianer der ihr sympathisch war, schließlich hatte sie Nihlus auch gut leiden können, aber ihn hatte sie ja leider nicht sehr gut kennen lernen können. Aber Garrus hatte etwas Besonderes an sich. Seltsamerweise fühlte sie sich in seiner Gegenwart immer richtig wohl und sie hatte nie das Gefühl, dass irgendetwas zwischen ihnen stand. Obwohl viele Menschen ihr Misstrauen gegenüber den Tuiranern nur zu deutlich machten, konnte Jane diese offensichtliche Abneigung überhaupt nicht nachvollziehen. Garrus war ganz anders wie das typische Bild, dass die restlichen Menschen von seiner Spezies hatten.
    Garrus schwieg einen Moment lang. Und als dieser Moment in mehrere Minuten ausartete glaubte Jane, dass es für ihn vielleicht leichter war, wenn sie ihm einen kleinen Anstoß gab.
    ¨Sie können sich gerne neben mich setzen.¨, meinte sie und deutete auf die Stelle neben ihr auf dem Krankenbett. Garrus nickte kaum merklich und setzte sich neben sie. Er schwieg weiterhin und schien ihr nicht einmal in die Augen sehen zu können. ¨ Ist alles in Ordnung?¨, fragte sie und begann sich langsam wirklich Sorgen um ihn zu machen. Gut, eine gewisse Schweigsamkeit sprach sie ihm zu, er hatte noch nie gerne viel von sich aus gesprochen vor Allem nicht dann, wenn es um ihn selbst ging. Aber dass er sie so anschwieg, das war bisher auch noch nicht vorgekommen. Jane musterte ihn und ihr fiel zum ersten Mal auf, dass ihr seine blaue Clanfarbe sehr gefiel und komischerweise verspürte sie auch diesen seltsamen Drang darüber zu streichen. Einfach nur um zu wissen ob sich seine Wangenplattte an den blauen Stellen anders anfühlte. Jane wusste, dass sie das nicht machen konnte und sah schnell auf den Boden. Auf was für bizarre Gedanken kam sie da eigentlich?
    ¨Ich habe nachgedacht...¨, fing er an und Jane konnte sich einen sarkastischen Kommentar nur schwer verkneifen.
    ¨Worüber?¨, fragte sie und begann wieder die Züge ihres turianischen Freundes zu studieren. Er hatte einen beinahe zu komplett anderen Körperbau wie die Menschen. Allein seine Beine faszinierten sie. So anders, so...alienartig.
    ¨Über Sie und... Die Normandy.¨, setzte er fort und verstummte dann erneut. Was es auch immer war, er hatte wirklich große Schwierigkeiten mit ihr darüber zu sprechen.
    ¨Okay...¨, erwiderte sie und hoffte er würde nun einfach weiterreden. Sie wollte wissen, was ihn so nervös machte. Inzwischen war sie der Meinung, dass sie ihrem Freund ansehen konnte, wann er was dachte. Obwohl ihr Turianer immer noch seltsam vorkamen war Garrus eine recht große Ausnahme. Er hatte etwas... Außergewöhnliches an sich. Er war immer höflich, respektvoll, charmant... Sie hatte noch nie erlebt, dass er jemals ein vulgären Ausdruck benutzt hatte. ¨Was genau schwebt Ihnen vor?¨, fragte sie und starrte ihn interessiert an. Und vermutlich konnte sie auch gar nicht verhindern dabei ein bisschen besorgt auszusehen.
    Garrus überlegte einen Moment ob er dem Commander die Wahrheit sagen sollte. Aber dann entschied er sich dagegen - zumindest teilweise. Er wusste, dass sie seine Beweggründe nicht wirklich verstehen würde. Das war einfach ein turianisches Ding. Etwas, dass für Menschen vermutlich total dämlich und lächerlich klang.
    ¨Ich werde zurück nach Palaven gehen.¨, erklärte er und erntete einen verdutzten Blick Shepards.
    ¨Wie bitte?¨, fragte sie zuerst irritiert und dann mischte sich ihr Blick mit etwas, das Garrus im ersten Moment gar nicht benennen konnte.
    ¨Ich bin mit Ihnen gekommen um Saren aufzuhalten. Er ist tot also...¨, versuchte er zu erklären aber Janes Blick verriet, dass sie immer noch nicht ganz verstand was er da eigentlich sagte.
    ¨Sie wollen...gehen?¨, fragte sie und Jane klang dabei alles andere als begeistert. Komischerweise wollte er sie beruhigen, ihr sagen, dass es nicht wegen ihr war und er immer dazu bereit war zurück zu kommen sollte sie ihn brauchen aber aus irgendeinem Grund bekam er keinen Ton raus.
    ¨Ich...muss.¨, war seine eher unbefriedigende Antwort und er sah weiterhin auf den Boden. Es fiel ihm zunehmend schwer ihr in die Augen zu sehen, vor Allem weil er glaubte zu wissen, was er dort sehen würde.
    ¨...dann wollen Sie, dass ich für Sie eine Empfehlung schreibe?¨, fragte sie nach einigen Sekunden eisigem Schweigen.
    ¨Was? Ich nein... So war das nicht gemeint, Commander, ich...¨, entgegnete er schnell, verwirrt. Er merkte, dass das alles in die vollkommen falsche Richtung ging. Das hatte er damit nun wirklich nicht sagen wollen. Jane schüttelte den Kopf und stand auf.
    ¨Nein, schon gut. Das ist verständlich. Sie waren...¨, sie verstummte, sah auf ihr Universalgerät und suchte nach einer passenden Datei um ihm eine Empfehlung zu schreiben. Jedes Unternehmen könnte sich glücklich schätzen einen Angestellten wie ihn zu haben. Kurz fragte sie sich ob er vorhatte auf Palaven zu bleiben oder ob er seinen alten Job bei C-Sec wieder annehmen wollte. Dann drängte ihr sich eine ganz andere Frage in den Vordergrund. Warum eigentlich?
    ¨Nein, Commander, Sie verstehen das falsch, ich wollte keine Empfehlung von Ihnen ich wollte nur...¨, konterte Garrus und es klang fast schon ein wenig verzweifelt. Jane ging zu dem kleinen Fenster und beobachtete einige Skycars die in einem hohen Tempo an dem Krankenhaus vorbeiflogen.
    ¨Wissen Sie ich...¨, begann Jane und obwohl sie vorhin noch gedacht hatte, wie schlecht sie sich eigentlich fühlte war das kein Vergleich zu diesem Moment. Er wollte gehen. Traurig dachte sie daran, dass sie ihm immer sehr vertraut hatte und ihr obwohl der Kampf gegen die Sovereign ihre Mission gewesen war, ihre gemeinsame Zeit mit ihm sehr viel bedeutet hatte. Er würde ihr unheimlich fehlen und Jane war überrascht, dass ihr bisher nie aufgefallen war, wie gern sie ihn eigentlich hatte. Wie gerne sie ihn auf dem Maschinendeck besucht hatte, einfach nur um sich ein bisschen mit ihm zu unterhalten. ¨...Ich bin froh, dass Sie an meiner Seite waren.¨, sagte sie schließlich, wandte sich wieder von dem Fenster ab und sah ihm in die Augen.
    Garrus wusste nicht, was er sagen sollte. Es gab wohl kaum irgendetwas das er hätte tun können um den Abschied leichter zu machen. Die Galaxie war verdammt groß und sollte Shepard keine Mission auf Palaven oder irgendwo in der Nähe haben, würden sie sich so bald wahrscheinlich nicht mehr über den Weg laufen. Jane reagierte auch ganz anders wie er erwartet hatte. Eigentlich hatte Garrus gedacht, sie würde ihn fragen warum er gehen wollte, aber natürlich hatte er sie was das betraf vollkommen falsch eingeschätzt. Seit Ashley gestorben war, hatte sich Shepard zurückgezogen und auch die privaten Gespräche mit ihren Crewmitgliedern eingeschränkt. Selbstverständlich würde sie ihn nicht nach seinen Gründen fragen.
    ¨Sie sollen wissen, dass ich...wenn ich eine Wahl hätte, würde ich lieber auf der Normandy bleiben.¨, erklärte er und erwiderte ihren Blick. Erstaunt stellte er fest, wie traurig sie aussah. Allem Anschein nach ging ihr seine Entscheidung sehr nahe. Oder sie machte sich einfach Gedanken darüber, wie sehr sie ihn vermissen würde.
    ¨Warum bleiben Sie dann nicht?¨, erwiderte sie mit einem seltsamen Unterton, den Garrus bei ihr noch nie gehört hatte. Er musterte sie einen Augenblick lang, bevor er daran dachte, wie verwirrend sie sich eben verhielt. Er hatte geglaubt, sie würde ihn nicht danach fragen.
    ¨Wollen Sie, dass ich bleibe?¨, entgegnete er und Jane sah aus, als fühle sie sich etwas ertappt. Erneut. Garrus stellte fest, dass ihm dieser schüchterne Blick und der rosane Schimmer auf ihren Wangen sehr gefiel. Das machte sie irgendwie menschlicher. War Jane ja sonst immer sein distanzierter, unnahbarer Commander gewesen. Und man hatte nie geglaubt, dass sie solche einfachen Gefühle wie Scham, Neugierde oder Freude so zeigen konnte.
    Jane antwortete nicht sofort. Am liebsten hätte sie ihm gesagt, wie sehr sie wollte, dass er blieb. Aber sie wusste, dass ihr das nicht zu stand. Genau genommen war Garrus nie so richtig unter ihrem Kommando gestanden, er war freiwillig auf die Normandy gekommen und hätte jederzeit gehen können.
    ¨Ich kann Ihnen nicht verbieten zu gehen.¨, erwiderte sie und biss sich konzentriert auf die Lippe. Sie wusste, dass Garrus sie auch gern hatte und irgendwie verwirrte sie diese Beziehung mit ihm zunehmend.
    ¨Das war nicht meine Frage, Commander.¨, meinte er und hielt ihrem Blick stand. Jane spürte, wie ihr langsam heiß wurde. Er würde wissen wenn sie log. Das war also schon mal keine Option. Zumal Shepard auch eine verdammt schlechte Lügnerin war.
    ¨Ich will nicht, dass Sie gehen.¨, sagte sie ehrlich und sah dann für einen Moment wieder auf den Boden, bevor sie ohne wahrgenommen zu haben, dass er aufgestanden war, seine Hand auf ihrer spürte. Er stand nur ein paar wenige Zentimeter entfernt vor ihr. Jane hörte seinen Atem, spürte die Wärme auf seiner Haut und ihr fiel auf, dass er gar nicht seine Handschuhe trug. Es entstand eine seltsame Stille, und Jane wünschte sich nur, dass er sie einfach brechen würde.
    ¨Dann bleibe ich.¨, entgegnete er und verschränkte seine Finger mit ihren. Jane lächelte. Es war eine unheimlich schöne Geste und für ein paar wenige Sekunden fragte sie sich, ob er recherchiert hatte, was diese kleine, einfache Berührung bei Menschen zu bedeuten hatte.
    ¨Ganz sicher nicht.¨, erwiderte sie mit so viel Autorität wie sie aufbringen konnte und warf ihm einen ernsten Blick zu. Obwohl sie schon so viel Zeit miteinander verbracht hatten bemerkte sie erst jetzt, wie groß er eigentlich war. Ein angenehmer Unterschied. Jane dachte daran, dass sie sich nur auf die Zehenspitzen stellen müsste, um ihn zu küssen. Entsetzt wandte sie den Blick wieder auf den Boden. Wie zum Teufel kam sie nun auf diesen Gedanken?!
    ¨Aber wenn Sie wollen, dass ich bleibe, dann werde ich versuchen alles so hinzudrehen, dass-¨
    Jane legte ihm einen Finger auf den Mund.
    ¨Nichts da. Sie haben gesagt, dass Sie gehen müssen. Das ist in Ordnung. Ich werde schon irgendwie...damit klarkommen. Ich bezweifle zwar, dass ich jemals wieder einen so äh so...¨, Jane suchte nach dem richtigen Wort um Garrus zu beschreiben und dabei nicht zu schmachtend zu klingen. Ja sie mochte ihn und sie befürchtete, ihm das gleich ohne es wirklich zu wollen ganz deutlich ins Gesicht zu sagen. Vielleicht war das auch gar nicht so schlecht, schließlich waren sie Freunde und wenn er gehen wollte, wäre es doch auch nur verständlich wenn sie ihm sagte, was sie von ihm hielt, oder? Aber vielleicht würde sie damit auch einen vollkommen falschen Eindruck vermitteln. Und erneut spürte sie, wie die Nervosität wuchs. Herr Gott, wieso konnte sie auch einfach nicht mit diesem Tuiraner auf einer normalen, freundschaftlichen Basis sprechen?
    Garrus lachte leicht. ¨Schon gut, Shepard. Sie müssen mich nicht beschreiben... Wenn Sie meinen, dass es für Sie in Ordnung ist, gut dann gehe ich. Aber ich will, dass Sie mich kontaktieren, sollten Sie mich irgendwann mal wieder brauchen.¨ Garrus verspürte diesen typisch turianischen Drang, seine Stirn nun an ihre zu lehnen, allerdings war er sich nicht sicher ob Jane nicht vielleicht wusste, was das bedeutete. Er wollte nichts machen, was sie nicht erlauben würde.
    ¨Gleiches gilt für Sie. Ich würde mich freuen ihren Heimatplaneten mal zu sehen.¨; meinte sie, grinste leicht und drückte seine Hand ein wenig fester. Es war seltsam seine Hand zu halten, schließlich hatte sie nicht einmal gewusst, dass das so gut möglich war. Nur drei Finger...
    ¨Sie sind jederzeit willkommen. Fragen Sie einfach nach Vakarian und ich hole Sie gerne von der Andockbucht ab.¨, erwiderte er und beide lachten leicht.
    ¨Ich werde Sie vermissen.¨, meinte sie leise und Garrus musste erstaunt feststellen, dass der traurige Ausdruck in ihren Augen zurückgekehrt war.
    ¨Ich werde Sie auch vermissen, Commander.¨, erwiderte er und in diesem Moment war es ihm egal, wie viel Jane über die turianischen Gesten wusste, er lehnte leicht seine Stirn an ihre und meinte ein sanftes Lächeln auf ihren Lippen zu sehen. Dann wusste sie es vermutlich doch.
    ¨Viel Erfolg bei was auch immer Sie tun müssen.¨, wünschte sie und Garrus fühlte sich richtiggehend unwohl ihr seine Gründe nicht nennen zu können. Er hätte Jane zu gerne erklärt, was er mit seinem Vater besprochen hatte. Warum familiäre Angelegenheiten bei Turianern so hohes Gewicht hatten. Warum der Erhalt der Ehre und das erfüllen der Pflichten die höchsten Ziele bei ihnen waren. Aber er wusste, dass Jane das nicht verstehen würde. Menschen hatten ein komplett anderes Verständnis von diesen Dingen.
    Er wusste, dass ihr Kommentar eben eine Art letzte Aufforderung war, ihr doch zu erzählen, was er vorhatte, aber er würde es ihr nicht sagen. Das konnte er einfach nicht. Also schwieg er.
    ¨Du bist wirklich hartnäckig.¨, stellte sie mit einem fest und schmollte.
    ¨Du?¨, fragte er und Jane sah ihn kurz entsetzt an, als ihr bewusst wurde, welchen Fehler sie eben begangen hatte.
    ¨Oh nein ich äh… entschuldigen Sie...¨, murmelte sie peinlich berührt und konnte kaum fassen, dass ihr das nun wirklich passiert war. Ausgerechnet bei ihm.
    ¨Kein Problem, Shepard. Ich finde es angenehm, wenn Sie mich duzen.¨, erwiderte er und Jane überlegte ob das wirklich in Ordnung war. Eigentlich gab es nichts, dass sie daran hindern könnte, mit ihm auf einer privateren Ebene zu sprechen.
    ¨Dann… bleiben wir bei dem Du?¨, fragte sie, sah ihn forschend an und erntete ein leises Lachen des Turianers.
    ¨Sehr gerne.¨


    - „Arrr, Shepard?“
    Der Commander zuckte kurz zusammen, als die raue Stimme des Vorchas sie aus ihren Gedanken riss. Jane erinnerte sich versucht zu haben, irgendetwas Brauchbares aus Zurr herauszubekommen aber ihr Gespräch war ziemlich einseitig verlaufen. Irgendwann musste sie dann wohl mit ihren Gedanken abgeschweift sein. Irritiert fragte sie sich, wie sie wohl auf diesen Abschied mit Garrus gekommen war. Genaugenommen, war das, das einzige Mal gewesen, dass sie sich richtig hatten verabschieden können, ansonsten wurden sie bisher entweder gewaltsam voneinander getrennt, oder Jane war von der Allianz überrascht worden und hatte die Normandy verlassen müssen ohne vorher noch mit irgendjemand reden zu können.
    Zurr hatte wohl bemerkt, dass sie mit ihren Gedanken wo vollkommen anderes war und sie deswegen leicht in den Arm gezwickt. Sonst hatte er bisher immer ziemlich Distanz gehalten.
    „Wo waren wir eben…?“, fragte sie und erntete wieder denselben verwirrten Blick, den er die ganze Zeit aufgelegt hatte, seit sie angefangen hatte mit ihm zu reden.
    Jane stöhnte, die ganze Sache mit den ausgefallenen Translatoren nagte an ihren Nerven wie nichts anderes. Eigentlich musste sie sich nur umschauen und schon wurde ihr wieder bewusst, wie schlimm die Lage auf der Erde war und das es eigentlich viel schwerwiegendere Dinge gab als diese fehlende Kommunikationsmöglichkeit. Es gab viele Verletzte, die ihrer Meinung nach noch mal auf die Krankenstation gehörten, es dort aber vermutlich nicht genug Platz gab um diese auch noch zu behandeln. Außerdem sah sie immer wieder Leute die andere um etwas zu Essen baten. Jane schüttelte den Kopf. Wie hatte es nur so weit kommen können? Von wegen sie würde die Galaxie retten. Das hatte sie sich garantiert nicht unter Rettung vorgestellt…
    „Commander. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich auch gerne mal ein bisschen mit Ihnen reden. Immerhin waren Sie verdammt lange weg.“, bat James, der urplötzlich vor ihr stand und die junge Frau nickte nur. Sie versuchte Zurr zu zeigen, dass er hier auf sie warten sollte. Der Vorcha setzte sich auf den Boden und sah ihr nach, als sie dem Lieutenant folgte. James winkte sie in ein kleines, von außen schmutziges Zelt. Innen war es überraschend sauber und ein paar Decken auf dem Boden verrieten, dass der kleine Raum erst vor kurzem gemacht worden war. „Sie werden vorerst mal hier untergebracht. Ich weiß, es ist nichts Besonderes aber wir haben momentan leider nichts-“
    „James, es ist vollkommen in Ordnung.“, unterbrach Jane ihn und lächelte dankbar. „Ich hatte nicht einmal erwartet so schnell eine äh Unterkunft zu bekommen.“, ergänzte sie und setzte sich auf die Decken. Ein leises Stöhnen verriet James, dass sie erneut Schmerzen hatte.
    „Kommen Sie, wir reden später, ich bringe Sie erst mal zur Krankenstation. Sie sehen wirklich schrecklich aus.“, schlug James vor.
    Jane schüttelte den Kopf. „Es geht schon.“
    Der Lieutenant musterte seinen Commander einige Sekunden lang noch missbilligend, ließ sie dann aber auf den Laken sitzen. Er setzte sich neben sie und schwieg. Er hatte sich zum ersten Mal richtig Gedanken um Jane gemacht. Seit sie vor sechs Monaten zumindest von seinen Leuten für Tod erklärt worden war, hatte er immer öfter an sie denken müssen. Daran, dass er sie vielleicht hätte retten können. Dass ihr Tod seine Schuld war. Er hatte sie nicht aus dem Kopf bekommen und inzwischen war ihm auch bewusst, dass ihm Jane schon immer mehr bedeutet hatte, als er bereit war zuzugeben.
    Jane wartete. Immerhin hatte er sie um ein Gespräch gebeten, da würde er ja sicher irgendwann anfangen. Und während sie auf dem Laken saß und wartete, dachte sie an den Rest ihrer Crew. An die Normandy, an Tali, Liara, Joker, Kaidan und insbesondere an Garrus. Sie vermisste den Turianer und sie machte sich unheimlich Sorgen um ihn. Außerdem spürte sie einen Frust, der noch nie so groß war wie in diesem Moment. Es war einfach ungerecht. Sie hatte so sehr für die Zukunft der Galaxie gekämpft, und jetzt konnte sie nicht mal den Mann den sie über alles liebte wiedersehen. Und auf ein baldiges Treffen war auch nicht zu hoffen. Wenn schon sechs Monate vergangen waren, in den weder ein Shuttle am Himmel zu sehen war noch irgendein Translator repariert werden konnte, würden sie diesen Planeten so schnell auch nicht verlassen können. Und schon wieder wurde sie so urplötzlich von Garrus getrennt. Das war einfach nicht fair…
    „Ich habe… Oh man, wie sag ich das jetzt…“, fing James an und schaute überall hin, aber nicht zu Jane. Sie musterte den Lieutenant mit einem fragenden Blick. Er wirkte nervös und sie musste feststellen, dass sie das sehr sympathisch fand. Worum auch immer es ging, es schien ihm peinlich zu sein.
    „James, raus mit der Sprache.“, sie stieß ihn freundschaftlich in die Seite und wartete, bis er weiterredete. Seit wann war es ihm so unangenehm in ihrer Gegenwart zu sprechen? Sie erinnerte sich an die improvisierte Party, als sie mit ihm einkaufen gegangen war. Da hatte er sich ähnlich verhalten. Aber so schlimm wie jetzt noch nie.
    James atmete einmal tief durch. „Okay also… ich bin froh, dass Sie noch am Leben sind, Lola. Ohne Sie hätte wirklich… also ich glaube ich hätte hier ohne Sie nicht mehr lange durchgehalten.“, sagte er, merkte wie blöd das klang und dachte daran, dass er verdammt noch mal noch nie gut mit Commander Shepard umgehen konnte! Ihm war klar, dass sie sich gut verstanden, er mochte sie, und sie mochte ihn ja auch, aber irgendwie waren sie nie auf dieser freundschaftlichen Ebene gewesen. Zumindest nie so weit, dass sie ihm das ‘Du‘ angeboten hätte. Er dachte daran, dass ihr das bei den Aliens anscheinend leichter fiel und lächelte bitter.
    „James, tut mir leid, dass ich Sie vorhin so ignoriert habe. Das ging nicht gegen Sie. Ich habe mich nur einfach so gefreut Wrex zu sehen… Gerade weil er bei den Fronttruppen dabei war, hatte ich mir ziemlich große Sorgen um ihn gemacht.“, erklärte sie und ihr wurde bewusst, dass James ein wenig enttäuscht war. „Ich will damit nicht sagen, dass ich mir um di- äh Sie keine Sorgen gemacht hätte, ich meine nur…“, Jane merkte, dass sie nicht mehr wirklich wusste was sie eigentlich sagen wollte. Irgendwie schien James‘ Nervosität anzustecken.
    „Verstehe schon, Commander.“, erwiderte er und musterte sie eine Weile mit einem seltsamen Blick, den sie bei ihm noch nie zuvor gesehen hatte.
    „Danke, James.“, entgegnete sie und rang sich ein Lächeln ab. „Tun Sie mir noch einen Gefallen?“, fragte sie.
    „Klar.“, James sah Jane eine Weile an bevor sie antwortete. Und er hätte schwören können, dass da etwas zwischen ihnen war. Etwas, das er nicht benennen konnte.
    „Helfen Sie mir die Normandy zu finden.“, bat sie und klang dabei so ernst, dass er sich ein wenig überrumpelt fühlte. Redeten die beiden etwa schon wieder aneinander vorbei? Er hatte gedacht sie würden eben ein persönlicheres Gespräch führen. Er dachte es würde vielleicht darauf hinauslaufen, dass er sie… Moment Mal, für sie waren ja gar keine sechs Monate vergangen, richtig? James hätte sich mental eine richtig schallende Ohrfeige verpassen können. Das hatte er in diesem Augenblick komplett vergessen. Vermutlich dachte sie die ganze Zeit noch an Garrus, an den Rest der Normandy. Und eigentlich war das nur richtig. James sollte dasselbe tun. Gott, manchmal war er wirklich ein Idiot.
    „Selbstverständlich.“, antwortete er also, versuchte seine Scham zu überspielen und sah Jane lieber gar nicht an. Sie würde sofort merken, dass irgendetwas nicht stimmte.
    Jane legte sanft ihre Hand auf seinen Arm.
    „Danke.“, sagte sie und dieses Mal wirkte ihr Lächeln gar nicht mehr so gespielt wie eben noch.
    „Sie sollten wissen, dass sie das jeden Mann fragen könnten, da würde niemand nein sagen.“, erwiderte er und grinste.
    Jane lachte. „Ich frage aber keinen anderen Mann, James. Ich frage Sie, weil ich Ihnen vertraue.“, erwiderte sie und lehnte sich leicht an seine Schulter. Auf einmal überkam sie eine seltsame Müdigkeit und langsam dachte sie auch daran, dass es vielleicht Zeit wurde, der Krankenstation mal einen Besuch abzustatten. Schaden könnte es zumindest nicht. Außerdem sehnte sie sich nach Garrus, wollte, dass er sie in seine Arme nahm. Aber er war nicht da und James‘ Nähe fühlte sich irgendwie… richtig an.
    „Lola, sind Sie ok?“, fragte der Lieutenant und nahm zögernd seinen Arm um sie.
    „Ja… geht schon…“, murmelte sie und schloss die Augen. Wieso war sie auch auf einmal so müde? Und kam es ihr nur so vor, oder war es richtiggehend angenehm James so nahe zu sein? Sie lächelte, als sie daran dachte, wie warm er war.
    „Hey…“, erwiderte James.
    „Hm?“
    „Ich glaube, ich bringe Sie doch besser zur Krankenstation. Ich hab das vorhin ernst gemeint. Sie sehen richtig scheiße aus – immer noch.“, erklärte der Lieutenant und Jane lachte wieder leicht.
    „Ich hab doch gesagt, Sie sollen mich nicht mehr zum Lachen bringen, James.“, erwiderte sie und öffnete wieder die Augen.
    „Ist mir lieber als wenn Sie die ganze Zeit so deprimiert gucken. Das passt nicht zu Ihnen.“, entgegnete er.
    „Flirten Sie schon wieder mit mir, James?“, fragte sie und als sie seinen Blick sah musste sie wieder lachen. Er fühlte sich ertappt und versuchte seine Unsicherheit mal wieder zu verstecken. „Wissen Sie, eigentlich habe ich nie verstanden, warum Sie das machen. Aber ich muss zugeben, dass es mir irgendwie… gefällt. Sie erinnern mich manchmal ein bisschen an Garrus.“, erklärte sie und stand auf. Die Wunde an ihrer Seite riss wieder auf und begann zu bluten. „Ah, Mist…“, fluchte sie und hielt ihre Hand auf die offene Verletzung.
    „Kommen Sie, Lola, ich bring Sie hin. Das muss doch verdammt wehtun.“, meinte er und deutete nebenbei auch auf ihr Knie. Jane nickte leicht.
    „Gut.“
    Er legte ihre Arme in seinen Nacken und nahm sie hoch. Jane starrte ihn eine Weile lang ausdruckslos an.
    „Was?“, entgegnete er und fragte sich ob er irgendetwas falsch gemacht hatte.
    „Was soll das werden, Lieutenant?“
    „Soll ich Sie etwa Huckepack nehmen, oder was?“
    Jane schüttelte den Kopf und erwiderte einfach nichts mehr. Manchmal war James wirklich unverbesserlich…

    In den ersten paar Minuten war es Jane richtig unangenehm, wie sie von Allen angestarrt wurden, als James sie durch das Lager trug. Außerdem fragte sie sich warum die Krankenstation am anderen Ende dieser langen Straße war. Sollte so eine wichtige Einrichtung nicht in der Nähe des Eingangs sein? Ihr gefielen die Blicke der Leute um sie herum überhaupt nicht, allein schon aus dem Grund, weil sie wusste, wie schnell Gerüchte entstanden, wenn sich den Leuten so ein Bild bot.
    „James, lassen Sie mich bitte runter. Ich kann laufen. Das geht schon.“, meinte sie, merkte wie warm ihr war und hoffte, dass man ihr nicht ansah, wie peinlich ihr das war.
    „Sind Sie sicher, Lola? Sie sind nicht schwer, falls sie sich darüber irgendwie Gedanken machen sollten.“, James grinste sie amüsiert an. Amüsiert über Janes momentanes Verhalten ihm gegenüber. Eigentlich war sie ja doch nur eine ganz normale Frau. Immerhin wusste der Lieutenant, dass jede Frau wenigstens einmal in ihrem Leben von einem Mann so getragen werden wollte.
    Jane verdrehte die Augen. „Ist das Ihr Ernst, James? Denken Sie wirklich, dass ich nichts Besseres zu tun habe, als mir um mein Gewicht Sorgen zu machen?“, erwiderte sie schnippisch und sah ihn zweifelnd an.
    „Nein, so hab ich das nicht gemeint.“ – sie war wohl doch keine normale Frau. Jede andere hätte sich darüber gefreut von ihm zu hören, dass sie für ihn leicht wie eine Feder war, aber nicht Commander Jane Shepard. James gingen langsam so ziemlich alle Ideen aus, wie er Jane beeindrucken oder für sich gewinnen konnte. Sie war eine echte Herausforderung, das musste man ihr lassen. Er würde sie wohl nie durchschauen.
    „Also, lassen Sie mich bitte runter. Das ist doch lächerlich.“, meinte sie überzeugt und James gab mit einem genervten Stöhnen nach. Sie war so was von unvernünftig!
    Als Jane wieder festen Boden unter ihren Füßen hatte und eigenständig laufen konnte, fühlte sie sich gleich besser. Sie hasste es, Schwäche zu zeigen, egal auf welche Art und Weise. Und man konnte sagen was man wollte, wenn man es nicht einmal mehr schaffte alleine zu laufen war das mehr als nur schwach.
    „Gut, wie weit ist es noch?“, fragte sie und wunderte sich über die Größe des Lagers. Eigentlich hatte sie das alles gar nicht so eingeschätzt.
    „Nicht mehr weit. Wir sind gleich da.“, grummelte James und ging voran. Jane schüttelte fassungslos den Kopf. War er jetzt wirklich beleidigt? Ernsthaft? Sie beschloss, dass sie auch dafür keine Zeit hatte sich darum Gedanken zu machen. Sie war eine erwachsene Frau und wusste ja wohl selbst am besten, was für sie gut war.
    „Shepard!“, rief Wrex und kam schnellen Schrittes zu ihr.
    „Wrex.“, erwiderte sie blieb stehen und merkte, dass James sie wieder mit diesem eigenartigen Blick musterte.
    „Grunt ist wieder da. Ich wollte ihn eben zu Ihnen schicken, aber anscheinend haben Sie ihn verpasst.“, meinte der Kroganer und lachte laut.
    Jane schüttelte den Kopf. Irgendwie lief gerade alles ein bisschen schief.
    „Das wundert mich nicht.“, entgegnete sie und merkte wie ihr schwindelig wurde. Okay, das mit dem eigenständigen Laufen würde sie noch einmal überdenken müssen. Bildete sie sich das ein, oder begann wirklich der Boden unter ihr zu schwanken? Und was war das für ein furchtbares Hämmern?
    „Shepard?“, sie sah zwar, dass Wrex sprach, verstand aber kein Wort und auf einmal hatte sie das Gefühl die Schwerkraft wäre mit einem Mal gewaltig stärker geworden und riss sie geradezu auf den Boden. Sie sah noch wie James sich mit einem panischen Ausdruck im Gesicht zu ihr kniete und wie ihr kroganischer Freund einen kleinen Salarianer neben sich anbrüllte. Dann warf sie einen kurzen Blick zur Seite und nahm das schwammige Bild einer Person wahr, die mit einem ruhigen, kontrollierten Gang immer näher kam. War das… Mordin?

    - - - Aktualisiert - - -

    So ich wollte eigentlich noch ein Kapitel posten, aber das funktioniert leider nicht so wie ich das gerne hätte .__. Tut mir sehr Leid.

    Die Kapitel reichen wahrscheinlich noch für ein paar Tage... bin ja mal gespannt wann mir der Vorrat ausgeht ^^;

    Ich hätte da auch noch einen Oneshot zu Tali und Kal im Petto (ebenso wie einen Rückblick aus ME1 mit Wrex, Garrus, Jane und dem liebevollen Mako ) Falls Interesse besteht würde ich diese zusätzlichen 'Kurzgeschichten' auch noch posten Sagt mir einfach Bescheid

    Und dankeschön für's Lesen!
    Geändert von Sally78 (13.05.2015 um 18:28 Uhr)
    Man muss nicht selber in der Pfanne brutzeln, um über ein Schnitzel schreiben zu können.

  3. #23
    Dokkan Dokkan Tsuiteru Avatar von Drellinator92
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    Schön geschrieben... wiedermal ☺
    Ich würde mich freuen, mehr von dir zu lesen.
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    Skarr, die kroganische Atombombe, auch bekannt als Kampfmeister
    Bray, der batarianische Schläger Smėagol, der Vorchawächter




    "Du wirst dreist Eulchen" Horst Seehofer
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  4. #24

    Standard

    Vielen Dank Drellinator92

    Kapitel 15: Leere

    Es war Samstag. Zumindest glaubte Joker sich zu erinnern, dass es Samstag war. Er hatte keinen Kalender, einfach nur Striche an die Wand gemalt um die Tage zu zählen, die sie nun schon auf diesem beschissenen namenlosen Planeten zu brachten. Das durfte doch alles nicht wahr sein. Hätte er gewusst, dass die Reaper zu töten hieß, für immer und ewig ein einsames, scheiß Leben auf einem endlos leeren Planeten zu verbringen hätte er vermutlich nicht zugestimmt. Ihm wäre es beinahe lieber gewesen die letzten paar Tage mit seiner EDI verbracht zu haben und dann glücklich gestorben zu sein. Aber nein, Shepard hatte sich ja unbedingt in den Kopf setzen müssen, diese verdammte Galaxie zu retten. Und was hatten sie nun davon? Es kam ihm vor wie eine schreckliche Ewigkeit. Er saß täglich zur gleichen Zeit auf seinem Sessel im Cockpit und starrte die schweigende Silhouette seiner synthetischen, toten Freundin an. Wie lange waren sie nun schon hier? Er wusste es nicht. Er malte die Striche nur noch aus Gewohnheit. Folgte dem Alltag aus reiner Routine. Joker fragte sich ob er hier irgendwann noch verrückt werden würde. Er hatte zu wenig gesehen in seinem Leben, fand er. Es war einfach ungerecht.
    Legion hatten sie auch noch nicht reparieren können und Tali war deswegen mindestens genauso verzweifelt wie er wegen EDI. Wobei sie sowieso sehr übel aussah in den letzten Tagen. Oder waren es Wochen? Er wusste es nicht und genaugenommen, war es Joker auch egal. Sie würden hier vermutlich sowieso nicht mehr wegkommen. Da spielte es doch auch gar keine Rolle, wie lange sie nun schon hier waren.
    Liara gab nicht auf. Ihr Ehrgeiz und ihre positive Einstellung gingen dem Flight Lieutenant unheimlich auf den Geist und er hatte ihr schon tausend Mal gesagt, wie unwahrscheinlich es war, dass sie die Normandy jemals wieder zum Laufen brachten. Die Asari wollte das allerdings nicht hören und ließ sich von ihm auch nicht einschüchtern. Sie setzte sich weiterhin täglich mit Tali und ein paar anderen der Crew zusammen um über den momentanen Stand des Schiffs zu sprechen. Was sie tun konnten um endlich voran zu kommen.
    Aber weiter waren sie auch noch nicht gekommen. Garrus war einige Wochen lang im Koma gelegen. Zumindest hatte Dr. Chakwas gesagt, dass sie ihn absichtlich ins Koma versetzt hatte um ihn besser behandeln zu können. Sie sagte, sie kenne ihn gut genug und wüsste, dass er sich bei Bewusstsein ganz sichern nicht in Ruhe behandeln lassen würde.
    Als er wieder aufgewacht war, war er noch in einer beschisseneren Stimmung wie Joker. Und er hatte gedacht noch schlimmer konnte man doch gar nicht drauf sein. Schließlich waren seine Depressionen schon echt heftig und von Zeit zu Zeit zog er auch in Erwägung seinem Leben einfach ein Ende zu setzen. Aber die Anti-Depressiva die Dr. Chakwas ihm verschrieben hatten, halfen tatsächlich und hielten ihm so weit zumindest am Leben.
    Trotzdem war Joker natürlich nicht sehr gut gelaunt. Da der Turianer so ziemlich der einzige war, der ihm nicht auf die Nerven ging, hing er oft mit ihm ab. Auch wenn Garrus die meiste Zeit nur schwieg. Er war unheimlich ruhig geworden, seit er wieder wach war und Joker fragte sich hin und wieder was eigentlich in ihm vorging.
    Es war wieder einer dieser langweiligen Tage, die Joker nur im dunklen Cockpit der Normandy zu brachte. Irgendwann hatte sich Garrus auf den Stuhl neben ihn gesetzt.
    ¨Sind Liara und die anderen wieder auf dem Crewdeck?¨, fragte er und kritzelte auf den Block, den er in den Händen hielt. Nachdem die Datenpads nicht mehr funktionierten, hatten sie in den Lagerräumen nach anderen Dingen gesucht, die sie als Schreibmaterialien benutzen konnten. Joker hatte sich angewöhnt in das kleine Buch zu kritzeln. Einfach irgendwas. Meistens waren es Reaper die von der Normandy durchlöchert wurden.
    ¨Ja.¨, antwortete Garrus nur leise.
    ¨Sind Sie eigentlich wieder gesund? Ich meine, sind Ihre Wunden alle verheilt? Ich hab gehört, es soll wohl ziemlich übel gewesen sein.¨, murmelte Jeff und malte dem Reaper einen italienischen Schnurrbart.
    ¨Körperlich, ja.¨, erwiderte der Turianer und Joker konnte endlich erkennen, worauf er so konzentriert starrte.
    ¨Was ist das?¨, fragte er und wunderte sich, warum ihm der Ring an Garrus´ Finger bisher noch nicht aufgefallen war. Schließlich waren sie doch schon... Ach er hörte auf sich so krampfhaft daran erinnern zu wollen, wie lange sie schon hier waren.
    ¨...wir wollten heiraten.¨, erklärte er und Joker wusste sofort, dass Shepard gemeint war. Um Gottes Willen, er hatte sich über solche Sachen der Menschen informiert? Und er hatte um ihre Hand angehalten? Und sie hatte zugesagt?!
    ¨Und sie hat ja gesagt?¨, fragte Joker und konnte sein Entsetzen nicht verstecken. Shepard und heiraten? Irgendwie passte das nicht zusammen. Wenn es eine Frau gab, die ihr Leben komplett dem Militär verschrieben hatte, dann war es Shepard. Und das sie Garrus heiraten wollte, kam ihm irgendwie komplett verrückt vor. Das passte nicht zu ihr.
    ¨Warum überrascht Sie das so sehr?¨, fragte der Turianer, sah Joker aber nicht an.
    ¨Ich hätte nicht gedacht, dass Shepard so was machen wollte. Das... Ist irgendwie untypisch. Ich fand es ja schon faszinierend, dass sie überhaupt dazu in der Lage war, mit jemandem zusammen zu sein. Ich dachte immer, wenn sie heiratet, dann ihre Arbeit.¨, Jeff begann Shepard zu zeichnen. Zumindest soweit wie er sich erinnerte. Rotes Haar, faszinierend grüne Augen, einen ernsten Blick.
    Garrus warf einen neugierigen Blick auf die Zeichnung. Er hatte nicht gewusst, dass Joker so ein guter Künstler war.
    "Ich muss ehrlich sagen, dass sie mich auch ein wenig überrascht hat. Jane ist...", Garrus weigerte sich von seiner Geliebten in der Vergangenheit zu sprechen. Auch wenn sein geistiger Zustand alles andere als gut war, weigerte er sich doch von Shepard zu denken, dass sie tot war. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie überlebt hatte, war zwar extrem gering, aber immerhin war sie da. Und an dieser winzig kleinen Hoffnung hielt er fest. Er wünschte sich einfach, seine unbeschreiblich wundervolle Partnerin wieder zu sehen. Er glaubte einfach, dass er es spüren würde, sollte Shepard wirklich ums Leben gekommen sein.
    "Ja ich weiß, was Sie sagen wollen. Sie hat Ihnen wahnsinnig viel bedeutet. Aber Sie wissen genauso gut wie ich, dass wir den Commander vermutlich nie wieder sehen werden, da kann sie doch genauso gut auch tot sein.", knurrte Joker und erntete einen geradezu tödlichen Blick von Garrus.
    "Wie können Sie so etwas sagen...?", fragte der Turianer fassungslos.
    Durch die vielen Gespräche mit Garrus hatte Joker inzwischen erfahren, dass Turianer sich anscheinend einen Lebenspartner suchten und mit diesem dann für immer zusammen blieben. Schade nur, dass diese Partnerin unbedingt Shepard hatte sein müssen. So oft wie sie sich in Gefahr begeben hatte, war es doch eigentlich nur eine Frage der Zeit gewesen bis sie sterben würde.
    "Ist doch wahr...", erwiderte Jeff murmelnd und fand das alles einfach nur scheiße. Er wollte nicht mehr. Alles war einfach nur so schrecklich frustrierend.
    Garrus erwiderte nichts mehr. Er wusste, dass er Joker nicht überzeugen konnte und blieb einfach still. Es war ihm im Grunde genommen egal, ob Jeff ihm glaube oder nicht. Er wusste, dass seine Jane noch am Leben war. Und er würde sie finden. Egal wie lange es dauerte.

    Tali war einerseits total müde, hatte aber schnell eingesehen, dass sie in den nächsten paar Stunden wohl keinen Schlaf finden würde. Sie lief langsam durch das Crewdeck, dessen Lichter auf ein Minimum reduziert wurden und den Anschein machten, dass sich hier niemand mehr befand, der wach war. Jetzt, nachdem die junge Quarianerin wusste, dass sie schwanger war, spürte sie immer häufiger diesen heftigen Heißhunger auf turian chocolate. Sie schlich also auf leisen Sohlen zur Kantine und musste überrascht feststellen, dass sie anscheinend doch nicht die einzige wache Person an Deck war.
    "Shepard...", murmelte sie erstaunt und musterte ihren Commander, wie sie alleine an dem großen Tisch saß, in der einen Hand eine halb leere Packung Vanilleeis, in der anderen einen halb abgeschleckte Löffel.
    "Tali.", antwortete Jane nicht weniger überrascht. "Ich dachte du schläfst.", meinte sie leise und klang komischerweise nicht annähernd so müde wie Tali.
    "Ich... Ich kann nicht schlafen..", erklärte sie und stand einen Moment lang ruhig an Ort und Stelle, bis Jane ihr deutete sich neben sie zu setzen.
    "Willkommen im Club. Garrus schläft wie ein Stein. Ich frage mich, wie er das wohl macht...", erwiderte Jane und nahm einen Löffel voll Vanilleeis in den Mund.
    "...ich hab mit Kal gesprochen...", murmelte die Quarianerin leise und wirkte auf Jane ein wenig abwesend.
    "Was hat er gesagt?", fragte Jane und rutschte mit dem Stuhl etwas näher zu ihrer Freundin.
    "Er... Hat sich gefreut, aber er ist auch ein wenig beunruhigt, er meinte, die Lage auf Palaven sei sehr kritisch. Ich... Habe Angst, Shepard. Ich will ihn nicht verlieren...", erklärte sie und Jane hätte nun so viel dafür gegeben, ihr in die Augen sehen zu können.
    "Hey... Das wird schon. Kal ist klug, er weiß wie er sich verteidigen kann.", meinte Jane ruhig und legte ihre Hand auf Talis.
    "Ich weiß nicht, Shepard. Was soll ich denn... Tun, falls er wirklich...", sie verstummte. Jane spürte wie sich ihre Finger unter ihren anspannten.
    "Das wird schon. Du machst dir zu viele Sorgen. Wir besiegen die Reaper und danach schmeißen wir eine große Babyparty für dich und Kal.", Jane grinste und Tali fragte sich, wieso sie auf einmal s gut drauf war. Vor ein paar Stunden hatte der Commander noch sehr geknickt gewirkt. Tali sagte einige Sekunden nichts mehr, sie wusste nicht wie sie mit der glücklichen Jane umgehen sollte. Irgendetwas war anders an ihr.
    "Shepard, warum bist du so glücklich?", fragte Tali und versuchte irgendwie aus ihrer langjährigen Freundin schlau zu werden.
    "Was soll ich sagen...? Ich denke, ich bin es einfach Leid zu warten. Und jetzt, wo unser letzter Kampf unmittelbar bevorsteht... Freu ich mich beinahe darauf. Klingt das sehr verrückt?", erklärte sie und sah die werdende Mutter skeptisch an.
    "Nein... Du hast ja Recht... Ich... Ich hab nur einfach solche Angst, Jane...", murmelte Tali und drückte Janes Hand etwas fester. Sie vermisste Kal und sie verfluchte sich gedanklich, ihn nicht davon abgehalten zu haben nach Palaven zu gehen. Sie hätte ihn gebracht, jetzt, heute Nacht. Sie wollte einfach jemanden bei sich haben, jemand der sie festhielt und ihr sagte dass sie nicht allein war.
    "Hey...", erst als Jane Tali ohne jegliche Vorwarnung in ihre Arme zog wurde ihr bewusst, dass sie schon wieder weinte. Schon zum dritten Mal vor Shepard. Das durfte doch nicht wahr sein! "Schau mal... Ah! Da fällt mir ein... Ich hab etwas für dich.", meinte Jane, löste sich ein wenig von der Quarianerin und versuchte ihr durch den Helm in die Augen zu sehen.
    Tali schniefte. "Was denn?"
    "Komm, ich hab das jetzt nicht mit runter gebracht. Ich konnte ja nicht wissen, dass du wach bist.", Jane stand auf und zog ihre Freundin sanft hinter sich her zum Aufzug. Tali hatte absolut keinen blassen Schimmer, was Shepard für sie haben sollte, aber irgendwie verdrängte die Spannung ihre vorherigen Zweifel. Und allein dafür war sie Jane sehr dankbar. Der Fahrstuhl war wie immer entsetzlich langsam und irgendwann fing Jane an, ihr von der letzten Mission zu erzählen. Dass sie Kai Leng getroffen und getötet hatte. Tali merkte wie genervt Jane war als sie über den Cerberus Agenten sprach.
    "Wo wir gerade dabei sind... Ich schätze, Garrus schläft noch, wir sollten also ein bisschen leiser sein.", meinte Jane als sich die Aufzugtüre wieder öffnete und Jane schnurstracks in ihre Kabine ging. Tali folgte ihr - so leise wie möglich. Ihr war bewusst, dass es ein großes Zeichen von Vertrauen war, dass Shepard sie zu sich einlud obwohl Garrus noch anwesend war. Jane verlor nur selten ein Wort über ihre privaten Beziehungen. Tali lächelte als sie feststellte, dass sie für Jane wohl eine sehr gute Freundin war.
    "Hier...", flüsterte Jane. Die Quarianerin hatte gar nicht bemerkt wie Jane in einem kleinen Schrank gewühlt hatte und nun einen kleinen, quarianischen Umweltanzug in den Händen hielt. Sie strahlte Tali begeistert an und sie könnte schwören, Jane noch nie so gesehen zu haben.
    "Ist das nicht unheimlich süß?", fragte der Commander und ihre Entzückung kannte allem Anschein nach keine Grenzen. "Als wir auf der Citadel waren hab ich den hier gesehen und ich fand das einfach so süß und ich hab gedacht, dir würde das auch gefallen...", Jane versuchte leise zu sprechen, schließlich wusste sie ja, das ihr Partner noch schlief. Aber beim Anblick dieses winzigen Kleidungsstückes konnte sie sich kaum beherrschen.
    "Das...", Keelah so genau hatte sich Tali mit ihrem Kind gar nicht beschäftigt. Den kleinen Anzug in den Händen zu halten machte den Gedanken über ihre Schwangerschaft auf einmal richtig real. Sie hielt ein Stück Zukunft in den Händen. Und in diesem Moment wurde ihr zum ersten Mal klar, dass sie dieses Kind wollte. Dass sie wirklich Mutter werden würde. Und dass sie dieses kleine, ungeborene Kind beschützen würde. "Shepard ich... Ich weiß gar nicht was ich sagen soll...", murmelte sie hilflos.
    "Du musst gar nichts sagen, Tali. Freu dich einfach. Das hast du dir verdient und ich freue mich eigentlich schon die ganze Zeit für dich. Du bist meine erste Freundin, die ein Kind bekommt.", Jane konnte sich ein weiteres, freudiges Grinsen nicht verkneifen.
    "Danke.", Tali lächelte ehrlich, als ihr klar wurde, dass Jane das gar nicht sehen konnte umarmte sie ihre Freundin einfach. Obwohl Jane ja immer der Meinung gewesen ist, sie könnte mit solchen Situationen überhaupt nicht umgehen, wirkte es auf Tali so, als wüsste sie immer was sie sagen oder tun musste, damit sie sich besser fühlte.
    Jane lachte leicht und erwiderte die herzliche Umarmung. Eine Weile standen die beiden Frauen einfach nur da und Tali merkte, dass Shepard für sie eine Art große Schwester war. Woher wusste sie eigentlich immer, wie sie sie beruhigen konnte? Wo hatte sie das gelernt?
    "Shepard?", begann Tali zögernd.
    "Hm?"
    "Kann ich...", hoffentlich klang das nun nicht zu anhänglich, "... Wir haben doch noch ein paar Stunden Zeit bis wir die Erde erreichen, richtig? Kann ich... Dann noch ein bisschen bei dir schlafen?", fragte sie schüchtern, darauf gefasst nun eine Abfuhr von Shepard zu kassieren.
    Jane war sprachlos. Oder verdutzt. Vielleicht auch beides gemeinsam. Irgendwie fand sie Talis Frage so rührend, dass sie komplett vergaß, dass Garrus ja auch noch da war.
    "Natürlich. Wenn du dich dann besser fühlst, kannst du gerne noch bleiben.", erwiderte Jane und lächelte. So musste es sich anfühlen, wenn man jüngere Geschwister hatte. Jane war leider nie in den Genuss gekommen, solche Erfahrungen zu machen, war sie selbst - laut ihrer Mutter zumindest - ja auch nur ein Unfall gewesen. Aber jetzt wo sie Tali in ihren Armen hielt, glaubte sie zu wissen wie es war, wenn man jemanden hatte, den man um jeden Preis beschützen wollte. Außerdem war Jane beeindruckt, dass sich die Quarianerin getraut hatte, sie überhaupt zu fragen. Das hätte wohl kein anderes Crewmitglied gemacht.
    Garrus machte sich mit einem leisen Geräusch bemerkbar, gerade so als wolle er sagen, dass er auch noch da war, schlief aber weiter. Jane löste die Umarmung ein wenig und grinste belustigt.
    "Ich werfe ihn raus, dann kannst du es dir schon mal gemütlich machen. Ich muss dich aber warnen, ich habe keine Ahnung von solchen Pyjamapartys.", murmelte Jane und setzte sich an die Kante des Bettes.
    "Keelah, nein warte! Ich hatte ganz vergessen, dass er ja auch noch da ist. Ist schon gut, Shepard, ich sollte einfach wieder gehen.", wehrte Tali schnell ab und sie bekam sofort ein schlechtes Gewissen Jane auch nur darum gebeten zu haben, länger bleiben zu dürfen.
    "Ach was, Tali. Ich wecke ihn, er hat jetzt ohnehin lange genug geschlafen.", erwiderte Jane ungerührt. Sie strich ihrem turianischen Partner liebevoll über die Wange und gab ihm einen sanften Kuss auf den Mund. "Hey...", flüsterte sie leise, erinnerte sich wieder an eine ganz bestimmte, turianische Geste und schmiegte ihre Wange an seine. ¨Liebling...¨
    Garrus machte wieder ein Geräusch, dass sich Talis Meinung nach, wie ein Stöhnen anhörte und öffnete schließlich die Augen.
    ¨Jane...?¨, fragte er und klang furchtbar verschlafen. Shepard lachte leicht, lehnte ihre Stirn an seine und flüsterte ihm etwas zu, dass Tali nicht verstand. Dafür stand sie wohl noch etwas zu weit weg. Der Turianer warf einen Blick auf die Quarianerin, und sie las in seinem Blick, dass ihm die momentane Situation - in Janes Bett zu liegen, nur spärlich bedeckt von der Decke - ein wenig peinlich war. Es war mehr als nur offensichtlich was der Commander in den letzten Stunden noch mit ihrem Partner getrieben hatte. Tali war nur heilfroh, dass man ihr dank ihres Helms nicht ansehen konnte, dass ihr die Situation auch nicht gerade angenehm war.
    Garrus sagte noch etwas zu Jane und nachdem Tali sich höflicherweise umgedreht hatte, hatte der Turianer sich schnell angezogen und mit einem letzten Kuss von Jane das Quartier verlassen.
    ¨Du hättest ihn wirklich nicht wegschicken müssen. Ich wollte dir gar nicht solche Umstände bereiten, Shepard...¨, murmelte Tali und sie klang viel zu schuldbewusst.
    ¨Ach was. Sobald wir die Erde gerettet haben, werde ich genug Abende mit Garrus verbringen können. Mach dir darum mal keine Sorgen.¨, sie grinste leicht. ¨Komm.¨
    Tali legte sich zu Jane in das Bett und überrascht musste sie feststellen, dass Janes Bett um einiges gemütlicher war, als ihr eigenes auf dem Crewdeck. Außerdem war sie ihrer Freundin so unsagbar dankbar, dass sie sie einfach wortlos in ihre Arme nahm und ihr immer mal wieder beruhigend über den Rücken strich.
    ¨Ich weiß, das ist jetzt alles ein bisschen schwierig, Tali. Aber wir schaffen das, du bist nicht allein, ich bin immer für dich da und die anderen mit Sicherheit auch. Du wirst nie alleine sein...¨
    ....


    "Garrus?"
    Der Turianer schreckte hoch und sah die junge Quarianerin einen Moment lang entsetzt an. War er eingenickt? Jeff schien ebenfalls zu schlafen.
    "Entschuldige, ich wollte dich nicht wecken, aber... Hast du kurz Zeit?"
    Sie waren seit unzähligen, beschissenen Tagen hier, konnten nichts tun und Tali fragte ihn ernsthaft ob er Zeit hatte? Der Turianer wusste, dass die junge Frau nur höflich sein wollte, und ignorierte den Frust der sich unwillkürlich in hoffnungslose Wut verwandelte wenn man ihn ansprach.
    "Natürlich.", sagte er also leise und folgte ihr aus dem dunklen Cockpit. Ihm fiel auf, dass sie schon seit Längerem immer Mal wieder ihre Hand schützend auf den Bauch legte und Garrus war kurz davor sie zu fragen ob sie schwanger war, wenn er sich auch nicht recht erklären konnte, wer wohl der Vater war. Sie führte ihn in einen eher abgeschotteten Teil des Schiffs und bemühte sich nicht irgendwie Licht zu machen. Es war ein dunkler, enger Raum von dem Garrus nicht einmal gewusst hatte.
    "Es gibt da etwas, worüber ich gerne mit dir reden würde. Ich...traue mich nicht Recht, den anderen es zu erzählen...", murmelte sie und das blaue Licht seines Visors war der einzige Gegenstand der etwas Helligkeit spendete. Talis Helm spiegelte das Licht und machte es dem Turianer unmöglich ihre Gesichtszüge zu erkennen.
    "Worum geht es?", auch wenn er schon die ganze Zeit schlecht drauf war, versuchte er diesen Gemütszustand zumindest vor Tali unter Kontrolle zu halten. Sie schien so oder so schon ausgesprochen labil zu sein. Da konnte sie einen wütenden Turianer sicher nicht auch noch gebrauchen.
    Tali zögerte einen Moment lang und irgendwie wirkte sie auf ihn auch viel zerbrechlicher als sonst. "Ich wollte es eigentlich niemandem sagen. Ich hatte gehofft wir könnten schnell zurück auf die Erde und dann wäre Shepard bei mir aber...ich glaube, dass ich es nicht länger verheimlichen kann und ich schaff das nicht alleine, Garrus ich habe Angst.", meinte sie, redete viel zu hektisch und der Turianer musste erst einmal überlegen was sie ihm eben sagen wollte. "Ich hab es Shepard erzählt und sie war so verständnisvoll ich hatte einfach gehofft du...", sie verstummte einen Moment und als sie seinen verwirrten Blick sah rückte sie endlich mit der Wahrheit raus: "Ich bin schwanger."
    Garrus sagte im ersten Augenblick gar nichts und er schien sich über diese Nachricht auch kaum zu wundern.
    "Verstehe.", erwiderte er nur ruhig. Tali konnte gar nicht nachvollziehen warum ihn das so kalt ließ. Keelah, er hatte doch auch 'Flotte und Flottille' gesehen, sie wusste, dass Jane ihm sogar den Soundtrack geschenkt hatte, da musste er doch wissen wie verdammt kompliziert eine quarianische Geburt war. Wieso zum Teufel noch mal, war er dann immer noch so ruhig?! Auch wenn er damit vermutlich beabsichtigte Tali zu besänftigen, fand sie seine unangebrachte Gelassenheit viel zu irritierend..
    "Wa...warum lässt dich das so kalt?", fragte sie schließlich, schluckte einmal schwer und versuchte nicht anzufangen zu weinen. Seit sie schwanger war tat sie das nämlich regelmäßig. Sie musste nur an Kal, Legion oder Shepard denken und schon flossen wieder die Tränen.
    "Ich weiß nicht. Ist das denn nicht... Eine gute Nachricht?", fragte er und wirkte auf sie ein wenig unbeholfen. Jetzt wusste sie was Jane damit gemeint hatte, dass er sich in solchen Situationen immer bemühte, das richtige zu sagen, aber nie wirklich wusste was angebracht war. Und wären die momentanen Umstände auch nicht so extrem schwierig, hätte Tali das sogar vermutlich süß gefunden, aber in diesem Moment spürte sie wie in ihr die nackte Panik aufflammte. Keelah, wenn nicht einmal er wusste was für Schwierigkeiten die Geburt ihres Kindes mit sich bringen würde, dann wusste der Rest der Crew vermutlich auch nicht besser Bescheid.
    "Eine gute Nachricht?! Garrus, wir sind auf einem unbekannten Planeten im Nirgendwo und wissen nicht einmal wie wir von diesem blöden Bosh‘tet wieder runter kommen sollen, und du hältst meine Schwangerschaft für eine gute Nachricht?!", Tali klang viel verzweifelter als sie beabsichtigt hatte und ein Blick in Garrus‘ Gesicht verriet ihr, wie verwirrt er war.
    Reichte ja nicht, dass Shepard mit ihrem seltsamen, menschlichen Verhalten ihm unendliche Rätsel aufgab, musste er sich nun auch noch wirklich mit den quarianischen Sitten auseinandersetzen? Der Turianer schüttelte fassungslos den Kopf.
    "Ich verstehe zwar, dass das nicht der beste Moment ist, Tali, aber es ist doch trotzdem eine gute Nachricht, oder etwa nicht?¨, gerade bei Quarianer deren Bevölkerungszahlen nicht gerade sehr hoch waren, war das doch gut. Garrus verstand überhaupt nicht, wieso sie sich so aufregte.
    ¨Garrus! Hast du mir eigentlich zugehört?!¨, fragte sie entsetzt und am liebsten hätte sie angefangen zu weinen. Sie wollte doch nur, dass er sie unterstützte, so wie Jane es getan hatte.
    ¨Tali, ich habe keine Ahnung wie so etwas bei euch Quarianern abläuft, ich bringe dich zu Dr. Chakwas, sie kann dir sicher-¨
    ¨Nein! Ich will nicht zu Dr. Chakwas ich wollte mit dir sprechen!¨
    ¨Aber ich weiß doch nicht wie ich dir dabei helfen kann.¨, widersprach er und Tali schwieg.
    Einige Sekunden lang standen sie sich einfach nur gegenüber, bis die junge Quarianerin anfing zu schluchzen. Ach du Schande, das hatte er ja wirklich super hinbekommen.
    ¨Tali...¨, murmelte er und wusste nicht Recht, was er jetzt sagen sollte. So hatte er das nun wirklich nicht gemeint.
    Sie zitterte leicht und nahm ihre Hände vor ihren Helm. Als würde das irgendetwas bringen...
    ¨Es tut mir leid.¨, meinte Garrus leise und tat einfach mal das, was er bei Jane nun auch getan hätte. Er nahm sie sanft in seine Arme und fuhr ihr leicht über den Rücken. Tali schluchzte weiterhin, nahm dann aber irgendwann auch ihre Arme um ihn und kuschelte sich näher an den Turianer. Bei den Geistern, er mochte Tali, wer tat das denn nicht? Aber er fühlte sich geradezu überfordert mit dem, was sie von ihm verlangte. Er hatte keinen blassen Schimmer, wie er ihr beistehen könnte. Er hatte ja nicht einmal eine Ahnung, wie so eine Geburt bei Menschen von Statten ging, und über Janes Spezies hatte er sich wirklich ausreichend informiert.
    ¨Ich dachte, du hast auch Flotte und Flottille gesehen...¨, nuschelte Tali, als sie sich wieder ein wenig beruhigt hatte.
    ¨Hab ich ja auch.¨, entgegnete er und wusste was nun kommen würde.
    Tali schwieg wieder und schmiegte sich noch ein wenig mehr an ihren turianischen Freund. Es war angenehm, jemanden zu haben, der sie in seinen Armen hielt. Vielleicht gefiel es ihr auch besonders gut, dass dieser Jemand Garrus war, schließlich gab es eine Zeit in der sie ein wenig in ihn verliebt gewesen ist. Und sie war sich sicher, dass Flotte und Flottille einen großen Anstoß für diese Verliebtheit gegeben hatte. War das Turianer-Quarianer Paar doch einfach zu romantisch gewesen.
    ¨Ich muss dir was gestehen.¨, meinte Garrus leise.
    Talis Herz setzte einen Schlag aus. Was sollte das denn? Reichte es denn nicht, dass sie wegen Legion und Kal schon verwirrt war? Was hatte Garrus vor?
    ¨Ich hab...die Szene immer übersprungen.¨, setzte er fort und klang dabei extrem schuldbewusst.
    ¨Du meinst... Die Geburtsszene?¨, hakte Tali nach und konnte kaum glauben, was er da eben gesagt hatte. Tali hatte das Video auch mit Shepard geguckt und sie liebte diesen Film. Shepard hatte nur gemeint, dass ihr das viel zu kitschig wäre, sie stünde mehr auf Action. Aber Tali vergötterte diesen Film. Vor Allem wegen der unheimlich schönen Liebesgeschichte.
    Und Garrus wagte es, die beinahe zu wichtigste aller Szenen zu überspringen?! Was fiel diesem Bosh‘tet eigentlich ein!
    ¨Ja.¨, bestätigte er und erinnerte sich an die vielen Male, als er versucht hatte Jane zu überreden mit ihm das Video zu sehen. Sie hatte jedes Mal abgeblockt und gemeint, einmal mit Tali hätte ihr gereicht und sie verstehe überhaupt nicht, warum er, Archangel, auf so eine Schnulze stand. Garrus hatte sich davon allerdings nicht einschüchtern lassen und es immer wieder versucht, bis Jane irgendwann zugesagt hatte. Sie hatten sich abends auf das Sofa in ihrem Apartment gekuschelt und waren wirklich nicht sehr weit gekommen, weil sie irgendwann angefangen hatte ihn zu küssen. Garrus hatte sich danach überlegt, öfter mit ihr Romanzen zu schauen. Schließlich war die Wirkung auf Jane äußerst interessant. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihn zum Sex verführen würde.
    Tali war sprachlos.
    ¨Wie konntest du nur...¨, knurrte sie und der Turianer war überzeugt, noch nie einen derartigen Ton von seiner quarianischen Freundin vernommen zu haben.
    ¨Tut mir leid.¨, meinte er leise und Tali löste sich ein wenig von ihm.
    ¨Das ist... Sobald wir wieder auf der Erde sind, wirst du dir den Film ganz ansehen müssen!¨, meinte sie und klang dabei extrem ernst.
    ¨Sobald wir wieder auf der Erde sind.¨, stimmte er zu und war insgeheim froh darüber, dass sie nicht länger weinte.
    Tali seufzte, erinnerte sich wieder daran, dass es hier um etwas vollkommen anderes ging und lehnte ihren Kopf an seine Schulter.
    ¨Was soll ich nur tun...?¨, fragte sie und als sie wieder seinen Arm um ihre Hüfte spürte, wurde ihr ganz warm ums Herz. Garrus war ein wirklich guter Freund.
    ¨Du musst es Dr. Chakwas sagen. Wenn dir jemand helfen kann, dann sie.¨, meinte er.
    ¨...Gut. Kommst du mit?¨, fragte sie verlegen und hoffte er würde hinter ihr stehen.
    ¨Selbstverständlich.¨

    ---

    Soll ich die Kurzgeschichten in einem anderen Thread posten?
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  5. #25
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    Ja, ich glaub, es wär am Besten, wenn du für jede Geschichte einen eigenen Thread machst ☺

    Übrigens... gut geschrieben ☺
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    Skarr, die kroganische Atombombe, auch bekannt als Kampfmeister
    Bray, der batarianische Schläger Smėagol, der Vorchawächter




    "Du wirst dreist Eulchen" Horst Seehofer
    "Ich bin eine Zauberin und Zauberer sind boshaft und dreist." Angela Merkel

  6. #26

    Standard

    Kapitel 16: Unerwarteter Fund

    Virmire 2183

    Wrex stūrzte mit einem gurgelnden Geräusch aus dem Mako, kurz nachdem Shepard ihn zum Stillstand gebracht hatte. Sie verdrehte genervt die Augen und ignorierte den würgenden Kroganer.
    Kaidan warf Ashley einen vielsagenden Blick zu, als der Commander sich auf den direkten Weg zu den beiden machte.
    "Ich weiß was Sie sagen wollen. Ich habe mich auch immer gefragt, warum Shepard lieber die Aliens mit nimmt, aber wenn ich Wrex so Würgen sehe, bin ich eigentlich ganz froh, dass sie mich nie mit nimmt, wenn sie mit dem Mako fährt...", murmelte Ashley und grinste schadenfroh als sie Garrus musterte, der langsam hinter Shepard in wirren Schlangenlinien lief und auch nicht gerade sehr gesund aussah. Kaidan nickte nur zustimmend und obwohl er Wrex und Garrus nicht unbedingt sonderlich gut leiden konnte, taten ihm die beiden fast schon leid. Shepard hatte allem Anschein nach einen Narren an ihnen gefressen.
    "Müssen Sie immer dermaßen übertreiben?", schnaubte Jane an Wrex und Garrus gewandt und erntete nur einen fassungslosen Blick des Turianers.
    "Vielleicht sollten Sie einfach mal lernen, wie man richtig fährt, Shepard, oder wollen Sie uns noch ins Grab bringen? Der Junge sieht auch nicht unbedingt gut aus und komischerweise nehmen Sie immer uns mit, wenn Sie diese lebensmüden Momente im Mako haben. Es wundert mich, dass Sie mit Ihrem Talent überhaupt hinters Steuer dürfen.", knurrte Wrex und gesellte sich nun zum Rest des Squads. Jane verdrehte wieder die Augen.
    "Ich dachte ich hätte einen Kroganer und einen Turianer bei mir, keine zwei Memmen, die jedes Mal anfangen los zu jammern sobald eine Kurve nur in Sicht kommt.", Shepard erwiderte Wrex' Blick mit einem hämischen Grinsen.
    Oh, das würde sie schnell bereuen.
    Wrex Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen und er baute sich drohend vor seinem Commander auf. "Wie war das, Jane?", zischte er und Shepard wusste insgeheim, dass ihr kroganischer Freund ihr nie etwas antun würde. Kaidan zog irritiert eine Augenbraue hoch. Waren die beiden etwa schon so weit, dass Jane sich von ihm duzen ließ? Bisher hatte er das nur bei Ashley beobachtet. Das war wirklich interessant, Kaidan fragte sich, ob Garrus Shepard auch schon so nahe stand.
    Der Turianer beobachtete die Szene mit einem kritischen Blick. Es war ausgesprochen mutig von Shepard, Wrex zu beleidigen, vor Allem weil Ashley und Kaidan Janes Worte anscheinend auch noch sehr witzig fanden.
    "Ich denke Sie haben mich richtig verstanden, Wrex.", erwiderte Jane ohne mit der Wimper zu zucken und der Turianer war beeindruckt, wie selbstbewusst sie im Bezug auf den Kroganer war. Garrus hätte es nie gewagt ihn zu beleidigen. Jane tat es und nahm die Beleidigung nicht einmal zurück.
    "Das werden Sie schwer bereuen.", meinte Wrex, packte Jane, als wiege sie nichts und warf sie sich über die Schulter. Ashley lachte wieder, Kaidan verfolgte Wrex mit einem vielsagenden Blick, gerade so als überlege er ob er nun einschreiten sollte und ob das überhaupt etwas bringen würde, und Garrus stand an Ort und Stelle und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Wrex schleppte seinen Commander weiter in das tiefblaue Wasser.
    "Hey! Lassen Sie mich runter!", beschwerte sie sich und versuchte sich irgendwie zu wehren aber Wrex lachte nur über ihre kläglichen Versuche ihm Schaden zufügen zu wollen.
    "Zu Befehl Commander.", erwiderte er grinsend und schmiss Jane in das lauwarme Wasser.
    Ihr überraschter Aufschrei verriet, dass das Wasser wohl ein wenig zu kalt war. Jane spürte wie es durch den kleinen Spalt am Kopf ihrer Panzerung floss und ihren Anzug darunter komplett einweichte. Ein verdammt unangenehmes Gefühl.
    "Wrex!", schimpfte sie wütend, aber der Kroganer lachte nur laut. Wie kam es eigentlich, dass er
    sie immer wieder so auf den Arm nahm? Und wieso zum Teufel konnte sie ihm das überhaupt nicht übel nehmen?
    Sie ächzte als sie aufstand und das Gefühl hatte, ihre Panzerung wäre nun doppelt so schwer. "Na vielen Dank auch, ich hoffe Sie sind jetzt zufrieden.", murrte sie und stapfte beleidigt zurück zu ihrer Crew. Wrex folgte ihr mit einem breiten Grinsen.
    Ashley wollte eben zu einem sarkastischen Kommentar ansetzen, als ihr Shepard das Wort abschnitt: "Ich will nichts hören, Chief."
    Ashley hielt sich an diesen Befehl konnte allerdings nicht aufhören zu Grinsen. "Wo ist der Captain?", fragte Jane und rang nebenbei ihre klatschnassen Haare aus. Irgendwann würd sie Wrex das heimzahlen.
    "Ich schätze in dem Lager dort drüben.", vermutete Kaidan und deutete Richtung Norden.
    Jane machte einen Laut, der ihren momentanen genervten Zustand nur zu deutlich machte. Da hatten sie dieses Notsignal empfangen, waren so schnell wie möglich gelandet, und was hatte sie da als erstes erwartet? Ein Haufen wild gewordener Geth die es komischerweise immer insbesondere auf Shepard abgesehen hatten. Und dann mussten sich Garrus und Wrex auch noch permanent über ihren "katastrophalen" Fahrstil beschweren. Nachdem ihre Rüstung immer noch ein klein wenig zu schwer war, entschied sich Jane, schnell andere Klamotten anzuziehen. Wenn sie vorhatten in den nächsten paar Stunden gegen irgendjemanden zu kämpfen, sollte sie wenigstens dazu im Stande sein schnell ausweichen zu können und das war in ihrer jetzigen Rüstung wohl kaum möglich.
    "Gut, gehen Sie beide schon mal vor, ich muss mich erst einmal umziehen und komme dann nach.", grummelte Jane und lief zu einem der vielen Lager.

    Gott sei Dank war Liara schnell zur Stelle. Sie half ihr die schwere Panzerung abzulegen und geeignete Unterkleidung zu finden. Jane war dankbar für jedes trockene Stück Stoff, das ihr wenigstens teilweise passte. Und schon wieder verfluchte sie Wrex gedanklich, sie ins Wasser geworfen zu haben. Aber wenn sie genau darüber nachdachte, war sie wohl selber schuld. Irgendwie hatte sie es ja herausgefordert. Jane bemerkte Liaras bewundernden Blick als sie nur in Unterwäsche vor ihr stand und eben dabei war sich das Oberteil über zu streifen. Die Asari sah schnell auf den Boden. Sie wollte schließlich nicht, dass Shepard bemerkte, wie fasziniert sie von ihr war.
    "Sie sind wirklich..."- verdammt attraktiv wollte Liara sagen, schluckte die Worte schnell runter und fügte ein "gut trainiert" hinzu. Obwohl die junge Wissenschaftlerin noch nie eine Beziehung mit einem Mensch gehabt hatte, fühlte sie sich zu Shepard irgendwie sehr hingezogen.
    Jane lachte leicht. "Danke. Ich schätze, das kommt einfach wenn man bei der Allianz ist.", meinte sie und Liara glaubte, dass es Jane gar nicht aufgefallen war, wie sie sie eben angestarrt hatte. Oder sie zeigte nicht, dass sie es wusste.
    "Hm... Ich kenne nur wenige weibliche Soldaten die so... Äh naja so...", Liara merkte wie ihr heiß wurde - irgendwie begann das Gespräch aus dem Ruder zu laufen. Wenn sie so weiter machte würde sie ihrem Commander gleich sagen, wie sehr sie sie mochte. Weder eine gute Idee, noch der richtige Zeitpunkt. Außerdem bezweifelte Liara, dass Shepard überhaupt Interesse hatte.
    "Ich bin nur eine Soldatin wie jede andere, Liara. Der Job ist nur allem Anschein nach noch immer nicht sehr beliebt bei Frauen.", erwiderte Jane und schien nicht annähernd so nervös zu sein wie Liara. Sie streifte sich noch schnell die Hose über und die junge Asari konnte gar nicht sagen wie froh sie war nicht mehr so viel nackte Haut zu sehen.
    "Kommen Sie mit zum Captain?", frage Jane und begann wieder ihre inzwischen trockene Panzerung anzulegen.
    "Äh, wenn Sie möchten, ja gerne.", erwiderte Liara und folgte Jane aus dem Zelt.

    Captain Kirrahe war genauer gesagt der erste Salarianer der STG den Jane kennen lernte. Und obwohl sie ihre Vorurteile gegenüber seiner Spezies nicht ignorieren konnte, stellte sie fasziniert fest, dass er ganz anders war wie alle anderen die ihr bisher über den Weg gelaufen waren. Er strahlte einerseits eine extrem große Autorität aus und war andererseits so charmant, dass er seinem Gesprächspartner immer das Gefühl gab, auf der gleichen Ebene zu sein. Shepard fühlte sich erstaunlich wohl dabei Mut dem jungen Salarianer zu sprechen, sehr zum wachsenden Unmut des männlichen Teils ihrer Crew. Jane bemerkte die gereizten und zum Teil sogar misstrauischen Blicke ihrer Leute gar nicht, Kirrahe konnte sie mit seiner Art voll und ganz für sich gewinnen. Er schaffte es sogar ihre schlechte Laune komplett verschwinden zu lassen.
    Kaidan beobachtete seinen Commander mit gerunzelter Stirn. Bildete er sich das nur ein, oder gefiel ihr dieser STG-Agent wirklich so gut, wie es den Anschein hatte? Er warf Garrus einen fragenden Blick zu, der das Paar am anderen Ende des Zeltes genauso missmutig musterte. Und seltsamerweise lag da auch etwas sehr Kaltes in seinem Blick, das Kaidan für einen kurzen Moment an Eifersucht denken ließ. Als er Janes helles Lachen vernahm schüttelte er nur fassungslos den Kopf. Sie hatten hier eine verdammte Mission, und sein Commander hatte nichts Besseres zu tun als mit dem Captain zu flirten? Zumal er verdammt noch mal nicht mal ein Mensch war!
    Irritiert stellte der Lieutenant fest, dass er nicht der einzige war, dem dieses Bild nicht gefiel, denn Garrus machte wohl eher unterbewusst einen Laut der einem genervten Knurren wohl am nächsten kam.
    "Ich weiß was Sie denken.", meinte Kaidan seufzend und stützte da Gesicht auf die Hände. Was für ein demotivierender Anblick! Wie oft hatte er versucht, Jane zu beeindrucken? Und er hatte nie das Gefühl gehabt dass es ihm jemals richtig gelungen war. Und dann kam dieser salarianische Captain daher gelaufen und schon verhielt sie sich als wäre er ihr Seelenverwandter. Ätzend.
    "Ganz sicher nicht.", erwiderte Garrus mit einem ziemlich verärgerten Unterton.
    Wrex beobachtete das Paar ebenfalls, schien Janes Verhalten aber viel mehr lustig zu finden, denn er grinste über beide Ohren.
    "Was finden Sie eigentlich daran so lustig?", fragte Kaidan mit einem irritierten Blick.
    "Fragen Sie besser nicht, Lieutenant.", meinte Garrus und begutachtete zur Ablenkung sein Präzisionsgewehr.
    Wrex lachte.
    Kaidan warf nun beiden Aliens einen extrem verwirrten Blick zu. Was ging hier eigentlich vor sich?
    "Ich schätze, Sie müssen sich wohl ein bisschen mehr anstrengen, Garrus. Der Pyjak ist in ein paar Minuten weiter gekommen, als Sie in den ganzen letzten Monaten."
    Garrus stöhnte frustriert und spießte den Kroganer wortwörtlich mit seinem Blick auf.
    "Bei den Geistern, Wrex, das Thema war schon lange gegessen!", schnaubte der Turianer wütend, und Kaidan frage sich neugierig von welchem Thema wohl die Rede war.
    "So wie Sie den Wurm da drüben anstarren, ist es das wohl nicht.", entgegnete der Kroganer und deutete auf Kirrahe, der Jane mit einem - zumindest Kaidans Meinung nach - viel zu liebevollen Blick ansah. Sag bloß, Janes kindisches Geflirte beruhte auf Gegenseitigkeit. Kaidan konnte es selbst nicht fassen und ließ den Kopf langsam auf den Tisch sinken. Gott, er hatte gewusst, dass er schlecht in Liebesdingen war, aber dass er nun auch noch gegen einen Salarianer verlor... Wie erbärmlich!
    Garrus machte einen weiteren ziemlich genervten Laut, den wohl nur Turianer beherrschten und verließ das Zelt. Das würde er sich ganz sicher nicht noch länger mitansehen!
    Wrex schüttelte immer noch grinsend den Kopf. "Sie sind wohl auch nicht besser, was?", fragte er und Kaidan wusste dass er gemeint war, konnte aber nicht wirklich verstehen wovon der Kroganer sprach. Allem Anschein nach bemerkte Wrex, Kaidans verwirrten Blick und murmelte dann nur noch ein leises "Vergessen Sie's".
    Nach etlichen langen Minuten und für Kaidan gefühlte Stunden konnte sich Shepard endlich von Kirrahe losreißen und kam zu ihrer Crew zurück. Sie grinste breit und der helle, rosane Schimmer auf ihren Wangen gefiel dem jungen Lieutenant überhaupt nicht. Was fiel diesem salaianischen Schnösel eigentlich ein, sich so an seinen Commander ranzumachen? Jane fuhr sich durch das rote Haar und warf noch mal einen letzten Blick zu Kirrahe, der ihr nur vielsagend zuzwinkerte und sie wieder zum Lachen brachte.
    "Sie führen sich auf wie ein verliebter Teenager.", bemerkte Kaidan bissig und Jane stellte erstaunt fest, dass der Lieutenant wohl sehr angefressen war.
    "Ach, es wäre mir neu, dass Sie mir befehlen könnten wie ich mich zu verhalten habe.“, erwiderte Jane im selben Tonfall. Wie kam Kaidan dazu so etwas zu sagen? Er nahm sich ganz schön viel raus, stellte Jane erstaunt fest. Das hatte sie dem Lieutenant gar nicht zugetraut.
    Kaidan runzelte misstrauisch die Stirn, sagte aber nichts mehr. Er hatte kein Recht sich einzumischen, ja da lag sie richtig, aber es störte ihn einfach gewaltig, wie sie mit dem Captain umging. Und Allem Anschein nach, war er da auch nicht der einzige.
    ¨Wo ist eigentlich Garrus?“, fragte Jane und sah einmal fragend in die Runde.
    ¨Er ist raus gegangen. Ihr albernes Geflirte war ihm wohl auch zu viel.¨, meinte Wrex und lachte leicht. Jane spürte wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Gott, warum wurde sie auch vom Rest ihrer Crew beobachtet, wenn sie sich mit dem Captain unterhielt? Sie hatte nicht gedacht, dass sie so kontrolliert würde.
    ¨Das geht sie alle nichts an.¨, meinte sie, klang wie ein beleidigtes Kind und verließ ebenfalls das Zelt. Unglaublich! Was bildeten die anderen sich eigentlich ein?

    Garrus stand einige Zentimeter tief im Wasser und starrte auf das weite Meer hinaus. Virmire war wirklich ein schöner Planet. Er hatte Jane sofort beeindruckt, als sie mit dem Mako durch die vielen Täler gefahren waren. Das blaue Wasser sah wunderschön aus und die strahlende Sonne tat ihr Übriges.
    ¨Was ist los?¨, fragte sie direkt und platzierte sich neben dem Turianer.
    Einen Moment lang glaubte Jane, dass er irgendetwas sagen wollte, dann schluckte er einmal schwer und sagte nur: ¨Nichts.¨
    Wie albern war das denn?
    ¨Ich bitte Sie, Garrus. Es ist offensichtlich, dass Ihnen irgendetwas nicht passt.¨, Jane wollte einfach hören, warum er so reagierte. War das ein turianisches Ding? Wie behandelten die Turianer ihre Frauen? Lag es an ihrer Freundschaft? Wollte er nicht, dass sie sich mit anderen Männern unterhielt?
    Irritiert stellte Jane fest, dass er sich verhielt, als wäre er eifersüchtig und diese Erkenntnis zauberte ihr ein entzücktes Lächeln auf die Lippen. Sie hätte nicht gedacht, dass er sie so gern hatte.
    ¨Spielt es denn eine Rolle was mir passt und was nicht?¨, erwiderte er ohne sie an zusehen.
    Jane seufzte. Gut, sie würde hier wohl oder übel nicht weit kommen.
    ¨Captain Kirrahe sagt, dass Saren eben eine kroganische Armee züchtet. Er hat es mir im Vertrauen gesagt, weil er befürchtet hat, dass Wrex irgendwie...¨, sie verstummte und fühlte sich ein wenig schlecht als sie an ihren kroganischen Freund dachte. Sie war sich nicht sicher, ob er verstehen würde, dass sie diese Armee auslöschen mussten. Er hatte ihr bereits von der Genophage erzählt und wenn Saren tatsächlich ein Mittel gefunden hatte so eine Armee zu züchten, dann hatte er vielleicht ein Heilmittel. Jane hatte Angst, Wrex könnte dabei übersehen, dass Saren damit nur Sklaven schaffte.
    ¨Eine kroganische Armee?¨, Garrus sah Jane entgeistert an. Er schien gar nicht mehr so wütend zu sein. ¨Wie soll das möglich sein?¨, fragte er und irgendwie freute es ihn, dass Jane allem Anschein nach mit ihm als erstes darüber sprach.
    ¨Das wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass wir ihn davon abhalten müssen.¨, meinte sie und sah Garrus eine Weile schweigend an.
    Der Turianer erwiderte ihren Blick, sagte aber nichts weiter dazu.
    ¨Dann sollten Sie das Wrex sagen.¨, meinte er und er wusste, dass das unheimlich schwer werden würde.
    ¨Ja, ich weiß...¨, Jane verstummte und sah auf den Boden. ¨...Helfen Sie mir?¨, fragte sie leise und als Garrus sie wieder ansah, bemerkte er wieder, dass ihre Wangen leicht gerötet waren. Aus welchem Grund auch immer, sie schien in seiner Gegenwart manchmal auch etwas nervös zu sein.
    ¨...Ich wüsste nicht wie ich Ihnen dabei helfen könnte.¨, meinte er ehrlich. Einerseits gefiel ihm der Gedanke, dass sie ihn um Hilfe bat, aber andererseits wusste er auch nicht wie sie sich das vorstellte.
    ¨Egal wie das Gespräch mit Wrex ausgeht, Sie stehen doch hinter mit, oder?¨, meinte sie und Garrus wusste sofort, dass sie an ihre Freundschaft appellierte und sich ganz offensichtlich darum sorgte, ob ihr Gespräch mit Kirrahe etwas daran geändert hätte.
    ¨Selbstverständlich, Commander.¨, entgegnete er ehrlich und Jane lächelte.
    ¨Danke.¨
    Für einen kurzen Moment herrschte Schweigen, als sich die beiden einfach nur ansahen.
    ¨äh, ich muss noch mal zu Kirrahe. Kommen Sie mit?¨, fragte sie und Garrus nickte nur.
    Er folgte ihr in das Zelt und die beiden bemerkten bereits beim Betreten des kleinen Raumes, dass Wrex in einem ziemlich wütenden Ton mit dem salarianischen Captain sprach.
    Der Kroganer bemerkte Shepards Auftauchen und wandte sich sofort an sie.
    ¨Shepard, das kann nicht Ihr Ernst sein! Dieses Heilmittel ist vielleicht die einzige Hoffnung für meine Spezies!¨, herrschte er sie an und Jane sah kein Stück eingeschüchtert aus. Garrus bemerkte erneut, dass sie vor dem Kroganer allem Anschein nach kein bisschen Angst hatte.
    Kaidan hingegen schien schon etwas beängstigter zu sein.
    ¨Wrex, Saren hat sicher nicht vor die Genophage zu heilen. Selbst wenn das stimmen sollte und er irgendeine Möglichkeit gefunden hat, eine kroganische Armee zu züchten ist das noch lange nicht das gleich wie ein Heilmittel. Er würde sie nur benutzen.¨, erwiderte Jane.
    Wrex sagte einen Augenblick lang gar nichts und Jane befürchtete schon, er würde ihr gleich eine Kopfnuss verpassen. In seinen Augen spiegelte sich eine unheimliche Wut wieder, von der Shepard nicht genau wusste, ob sie darauf vorbereitet war. Sie wusste, dass Wrex ihr vertraute ja, dass sie sogar so etwas wie Freunde waren, aber ob ihn das davon abhalten würde, sie zu töten, wenn es um die Zukunft seiner Spezies ging, wusste sie nicht.
    ¨Die Kroganer sind kein Problem¨, meinte er ungewöhnlich ruhig und verließ das Zelt.
    ¨Shepard, ich befürchte Ihr Freund könnte uns ungeahnte Schwierigkeiten bereiten.¨, äußerte sich Kirrahe als er Wrex mit einem unsicheren Blick nachsah.
    „Ich regel das.¨, erwiderte Jane, sah den Salarianer kurz aufmunternd an und verließ dann ebenfalls das Zelt.
    Garrus überlegte einen Moment ob er ihr folgen sollte, als Kaidan dann aber ebenfalls ging, entschied er sich seinem Commander nach zu gehen. Er hatte ihr versprochen sie zu unterstützen.

    Das Gespräch verlief ziemlich schlecht, fand Kaidan und er beobachtete Jane und Wrex mit einem etwas angespannten Blick. Als der Kroganer schließlich seine Waffe zog und auf Shepard zielte, konnte er sich fast nicht mehr zurückhalten. Nur Liara, die plötzlich neben ihm aufgetaucht war hielt ihn am Arm zurück.
    ¨Besser nicht. Ich schätze, wenn wir jetzt auch noch unsere Waffen ziehen, wird er überhaupt nicht mehr zur Vernunft kommen.¨, meinte sie beruhigend und Kaidan musste feststellen, dass die Asari sehr gut mit solchen brenzligen Situationen umgehen konnte. Hatte sie keine Angst um Shepard? Befürchtete sie nicht auch, dass er den Commander gleich umlegen würde?
    ¨Wie können Sie nur so ruhig bleiben, T´Soni?¨, fragte er und zog irritiert eine Augenbraue hoch
    ¨Ich vertraue Shepard. Und außerdem...¨, Liara verstummte und sah kurz zu Garrus, der neben Ashley stand, eine Hand auf dem Griff seines Präzisionsgewehr. Immer dazu bereit, es zu ziehen und abzudrücken, sollte es zum Äußersten kommen.
    Kaidan hatte gar nicht bemerkt, dass die beiden Shepard und Wrex ebenfalls im Auge behielten.
    ¨Ich verstehe...¨, meinte er nur ruhig und ließ sich von Liara etwas weiter weg führen. Er konnte seinen Blick aber dennoch nicht von Jane abwenden. Beide wurden lauter und so hitzig wie die Diskussion inzwischen war, hatte er wirklich Angst um sie. Wenn Jane etwas zustoßen würde... Wieso war sie auch so verdammt lebensmüde? Sich mit einem Kroganer anzulegen! Und dann auch noch mit Wrex! Sie konnte doch nicht wirklich erwarte, dass sie ihn überzeugen konnte! Kaidan wusste nicht sehr viel über Wrex´ Spezies, aber eins war ihm klar: Kroganer waren die starrköpfigste und unvernünftigste Spezies überhaupt. Wenn sie nicht mehr weiter wussten, ließen sie ihre Fäuste sprechen. Und das war einer der Gründe, warum er Shepard immer noch mit einem besorgten Blick musterte. Jane ließ ihre Waffe sinken, warf sie sogar auf den Boden und kam mit ausgestreckten Armen näher zu Wrex. Sie sagte etwas und ihr beherrschter Ton schien den Kroganer tatsächlich etwas zu beruhigen. Schließlich ließ auch er seine Waffe sinken und Kaidan atmete erleichtert auf. Gott sei Dank.
    Jane schlug Wrex auf die Schulter und lächelte sogar. Er nickte nur und ging mit ihr zurück zu den Anderen. Auch Garrus schien unendlich erleichtert zu sein. Er nahm die Hand vom Griff seiner Waffe und kam den beiden entgegen.
    ¨Es freut mich zu sehen, dass Shepard Sie zur Vernunft bringen konnte.¨, meinte Garrus und Wrex lachte laut.
    ¨Glauben Sie wirklich, dass Sheprad zu so etwas in der Lage wäre? Ich hab mir einfach gedacht, dass die Idee, die ganze Anlage hier in die Luft zu sprengen eigentlich gar nicht so schlecht klingt. Zumal ich schon die ganze Zeit etwas anzünden wollte...¨, grummelte Wrex und Jane lachte nur leicht.
    ¨Sie sind unverbesserlich, Wrex.¨, meinte sie und stieß ihn freundschaftlich in die Seite.
    Ja, zu so etwas war definitiv nur Jane in der Lage. Einen Kroganer zu überzeugen kostete mit Sicherheit viel Nerven. Vor Allem wenn der mit seiner Schrotflinte direkt auf einen zielte.
    ¨Respekt, Shepard.¨, flüsterte Garrus, als Wrex bei Kaidan ankam und ihm auf die Schulter schlug. Der junge Lieutenant sah noch etwas bleich im Gesicht aus und nachdem ihm der Kroganer so nahe war wich auch das letzte bisschen Farbe aus seinem Gesicht.
    ¨Hm. Das hätten Sie auch geschafft.¨, meinte Jane nur unbeeindruckt.
    ¨Glauben Sie?¨, erwiderte Garrus und sah sie erstaunt an. Er bezweifelte, dass Wrex auf ihn gehört hätte.
    ¨Ja, Sie verstehen sich doch sehr gut mit ihm, oder etwa nicht?¨, entgegnete sie und lächelte. ¨Ich bin einfach nur froh, dass er sich beruhigt hat. Ich hätte nicht abdrücken können.¨, meinte sie leise und dachte daran, wie falsch das war. Er hatte die Mission gefährdet und als Commander hätte sie eigentlich gar nicht zögern dürfen. Sie hätte Wrex erschießen müssen in dem Moment, als er seine Schrotflinte zog.
    Garrus schüttelte den Kopf. ¨Ich hätte es nur gekonnt, wenn er Ihnen ernsthaft gedroht hätte.¨, meinte er und beobachtete Wrex der Kaidan noch mehr Angst einjagte und musste sogar ein wenig Grinsen. Das war so typisch. Der Kroganer mochte Kaidan nicht sonderlich und er wusste, wie viel Respekt der Lieutenant vor ihm hatte.
    ¨Dann hätten Sie es getan, um mich zu beschützen?¨, fragte sie und merkte wie ihr dieser Gedanke einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. Oh ja, Garrus mochte sie.
    ¨Selbstverständlich.¨, erwiderte er.
    Sie musste sich ein Lachen verkneifen und sah ihren turianischen Freund vielsagend an.
    ¨Ich mag Sie, Garrus.¨, sagte sie, genoss seinen erstaunten, leicht verlegenen Blick und ging dann ebenfalls zu Wrex und Kaidan um die beiden auseinander zu bringen und ihrem Lieutenant zu sagen, dass der Kroganer ihn nur auf den Arm nahm.

    ..
    .

    "Major Kirrahe...", Jane war überrascht den jungen Salarianer an der Kante ihres improvisierten Bettes sitzen zu sehen. Bei Allem was Recht war, sie hatte nicht erwartet ihn wiederzusehen. Und da fiel ihr auch gleich wieder ein, dass er sie vermutlich überhaupt nicht verstand.
    "Commander Shepard. Es ist mir eine Freude Sie wieder zu sehen. Ich hatte schon geglaubt Sie wären bei der Explosion der Citadel umgekommen.", erwiderte er mit einem Lächeln und klang dabei gerade so als hätte er ihren Tod sehr bedauert.
    "...wie bin ich hier her gekommen? Ich war doch eben noch bei Wrex und... Wo ist Zurr?", der Captain musterte Jane eine Weile und sie hätte sich mental schon wieder ohrfeigen können. Warum fragte sie ihn das? Er verstand sie doch ohnehin nicht.
    "Sie waren dehydriert. Keine Ahnung wie lange sie schon ohne Wasser auskommen mussten, aber anscheinend dachte ihr Körper, dass es nun lang genug war. Ich habe sie hier hergebracht nachdem ihr kroganischer Freund eine ganz schöne Panik ausgelöst hat. Er weiß wohl nicht viel über Menschen, jedenfalls hielt er sie für tot, nachdem Sie das Bewusstsein verloren haben. Ich konnte ihn zwar beruhigen, aber er bestand darauf, dass Sie sofort untersucht würden. Den Gefallen habe ich ihm gerne getan. Ihr Vorchafreund sitzt vor dem Eingang und hält Wache. Ich habe das Gefühl, dass er Sie beschützen möchte. Sie wissen wohl, wie sie den Männern den Kopf verdrehen können, was Commander?", Kirrahe lachte leicht, nahm einen nassen Lappen und wischte ihr vorsichtig das getrocknete Blut aus dem Gesicht.
    "Sie verstehen mich?", fragte Jane irritiert. Schließlich hatte sie gedacht, das so ziemlich alle Translatoren ausgefallen waren.
    "Ja. Es gehört zur Ausbildung bei der STG, verschiedene Sprachen zu lernen. Wir sind auf jeden Notfall vorbereitet.", erklärte er und legte den blutigen Lappen in eine mit Wasser gefüllte Schüssel. Jane war beeindruckt und froh darüber, dass sie Englisch sprach. Sie bezweifelte, dass der Salarianer alle Sprachen der Erde beherrschte.
    "Das ist...beeindruckend.", meinte sie und sah ihn mit ehrlicher Bewunderung an. Genaugenommen hatte Jane nie eine andere Sprache gelernt. Das war ja auch nie nötig gewesen.
    "Nicht doch, Commander. Ihnen gebührt viel mehr Respekt, Sie haben die Reaper vernichtet und die letzten sechs Monate weiß Gott wie überstanden. Sie sind eine bemerkenswert starke Frau, Shepard. Es ist mir eine Ehre mit Ihnen in ihrer Muttersprache zu sprechen.", normalerweise hatte Jane gedacht, dass das extrem übertrieben war, aber der Salarianer sagte das mit so einem Charme, dass Jane ihm wirklich jedes einzelne Wort glaubte. Wenn man Mordin kannte war es geradezu unfassbar wie attraktiv Salarianer eigentlich sein konnten. Und obwohl Jane das wirklich nur äußerst selten passierte, erwischte sie sich bei dem Gedanken, Kirrahe gerne so nahe zu sein. Er gab ihr irgendwie das Gefühl etwas Besonderes zu sein.
    "Sie übertreiben...", meinte Jane verlegen und strich sich eine Strähne hinter das Ohr. Seit wann verhielt sie sich wie eine schwer verknallte Jugendliche? Irritiert starrte sie auf den Boden, und stellte fest, dass sie sich gegenüber Garrus nie so kindisch verhalten hatte. Vielleicht lag das aber auch einfach nur daran, dass die beiden erst lange und eng befreundet gewesen waren, bevor mehr daraus geworden war.
    "Oh, Sie sollten wissen, dass ich nie zu Übertreibungen neige, Sie sind einfach nur zu bescheiden.", der Salarianer fuhr Jane über eine tiefe Schnittwunde an ihrer Wange und beäugte sie mit einem kritischen Blick. "Sie sollten das nähen lassen. Wenn Sie möchten, kann ich das gerne übernehmen.", fügte er mit einem faszinierend liebevollen Ton hinzu.
    Jane hielt das für keine gute Idee. Anscheinend hatte sie Garrus schlicht und ergreifend zu lange nicht mehr gesehen. Sie vermisste den Turianer unheimlich und die Tatsache, dass keiner wusste was mit der Normandy geschehen ist, minderte ihre Sorge keineswegs. Sie erinnerte sich an die Zeit als sie von der Allianz eingebuchtet worden war. Damals hatte sie sich genauso sehr nach ihrem turianischen Freund gesehnt, befanden sie sich am Anfang von ihrer Beziehung und waren beide unheimlich ineinander verliebt gewesen. Umso schlimmer war die plötzliche Trennung und die Begebenheit, dass Jane null Kontakt zur Außenwelt hatte. Wie oft hatte sie von Garrus geträumt, dass er sie aus diesem furchtbaren fensterlosen Apartment rettete und nach Palavan brachte, wo sie die Reaper vergaßen und den Rest ihres Lebens gemeinsam verbringen sollten? Sie hatte sich so sehr nach seinen Umarmungen gesehnt, seinem Geruch, seine unheimlich attraktive Stimme... Dann hatten Sie sich endlich wiedergesehen und es war für beide so seltsam gewesen, dass sie sich verhalten hatten, als wären sie wieder am Anfang ihrer Beziehung. Erst nachdem er sie auf das Dach des Präsidiums entführt hatte, war es, als hätte es eine Trennung nie gegeben.
    Und jetzt war sie wieder von ihm getrennt und da war Kirrahe, der ihr schon immer irgendwie gefallen hatte und sie fühlte sich in seiner Nähe so wohl, so sicher, dass das einfach nur falsch sein konnte. Sie schüttelte den Kopf. Nein, sie liebte Garrus und sie würde diese komische Situation sofort beenden, bevor es noch schlimmer würde.
    "Das ist nett von Ihnen, aber ich glaube es wäre besser, wenn das jemand anderes machen würde.", erwiderte sie ruhig.
    Der Salarianer sah sie kurz etwas verständnislos an. "Ich...hoffe ich habe nichts Falsches gesagt, Commander. Ich werde sofort nach einem andren Arzt fragen.", entgegnete er und sah ebenfalls weg. Er schien ein schlechtes Gewissen zu haben. Wieso war der Captain auch so verdammt attraktiv? Jane verkniff sich eine weitere Antwort und wartete einfach, bis er das Zelt verlassen hatte. Dann stöhnte sie und ließ sich zurück in das Kissen fallen. Sie hatte immer gedacht, sie wolle ein gutes Beispiel für die Menschen sein. Sie wollte Garrus zeigen, wie treu sie war, wie sehr sie ihn liebte und vor Allem das nichts zwischen den Beiden stehen konnte. Und dann kam Kirrahe daher und sie wusste überhaupt nicht mehr wie sie sich verhalten sollte. Er verwirrte sie, brachte sie total durcheinander und Jane wusste nicht was sie denken sollte. Sie wollte zurück zu Garrus, sie wollte ihn wiedersehen, sie vermisste ihn. Sie wollte, dass er endlich wieder bei ihr war, ihr sagte, dass nun alles in Ordnung war und dass sie wieder zusammen sein konnten.
    "Arrr, Commanderrr...", Jane öffnete wieder die Augen und sah zu Zurr der neben ihrem Bett mit einem gewissen Abstand stehen blieb. Der arme Vorcha wurde bisher einfach ignoriert, obwohl er Jane vermutlich das Leben gerettet hatte.
    "Hey Zurr...", sie lächelte ihn beruhigend an. Der Vorcha hielt einen runden kleinen, dreckigen Gegenstand in den Händen und starrte Jane eine Weile an.
    "Zurr hat was gefunden.", sagte er. Allem Anschein nach wusste er, dass Jane ihn verstand und er legte das, was er eben noch so verkrampft in den Händen gehalten hatte in Janes Hand.
    Sie musterte das runde, schmutzige Ding bis sie erkannte, was durch die Erdschicht hindurch schimmerte.

    Immer dein, in ewiger Liebe.

    Und dann hörte sie auf sich zu beherrschen, ließ die ganzen Schuldgefühle, den Schmerz einfach zu. Jane schluchzte, legte das Gesicht in ihre Hände und weinte.

    Zurr hatte ihren Verlobungsring gefunden.

    --


    Alles klar Vielen Dank! <3
    Man muss nicht selber in der Pfanne brutzeln, um über ein Schnitzel schreiben zu können.

  7. #27

    Standard

    Kapitel 17: Verlust

    Frust, Ärger, Verzweiflung. Drei Wochen. Es waren nun schon drei Wochen vergangen, seit Zurr Jane gefunden und zum Lager gebracht hatte. Sie saß auf dem kleinen hölzernen Stuhl und starrte konzentriert auf die Karte, die sie vor sich liegen hatte. Einige Gegenden darauf waren rot umkreist und als sie die Legende las, stellte sich heraus, dass diese Gegenden auf Überlebende schon abgesucht waren. Ein bestimmter Teil der Karte allerdings war frei von irgendwelchen Linien.
    ¨James?¨, fragte sie und der Lieutenant stand sofort aufmerksam neben ihr. ¨Was ist mit diesem Bereich?¨, setzte sie fort und legte den Finger auf den abgeschotteten Teil der Zeichnung.
    ¨Da ist es zu gefährlich.¨, meinte er nach einer kurzen Pause.
    ¨Zu gefährlich? Was meinen Sie damit? Warum zu gefährlich?¨, hakte sie nach und zog die Stirn in Falten. Inzwischen waren sieben Monate vergangen, seit sie gegen die Reaper gesiegt hatten, wer sollte denn da noch überlebt haben und ihnen gefährlich werden können?
    ¨...Commander, ich glaube, wir müssen noch mal unter vier Augen sprechen.¨, meinte er leise und deutete ihr, sich mit ihr ein wenig zurückzuziehen. Jane hatte einen Salarianer, Turianer, Kroganer und eine Asari ständig an ihrer Seite. Sie waren so etwas wie Botschafter für den Teil ihrer Spezies, der hier im Lager vertreten war. Und jedes Mal wenn sie eine Entscheidung traf, gaben sie die Information an die Anführer ihrer Bereiche weiter.
    ¨Wie Sie meinen.¨, stimmte sie zu und folgte James zu einem eher abgelegenen Platz des Lagers.
    Sie war ruhiger geworden, distanzierter. Sie hatte James, Wrex, Grunt und Jack genau erzählt, was das letzte gewesen ist, an das sie sich erinnert hatte, bevor sie hier aufgewacht war. Aber dann hatte sie sich zurück gezogen. Sie versuchte immer noch die Normandy zu finden und James wusste außerdem auch, dass sie immer häufiger das Lager der Forscher besuchte um herauszufinden, ob sie inzwischen schon ein wenig weiter gekommen waren. Der Lieutenant spürte die Last förmlich, die Jane empfinden musste. Immerhin hatte sie die Normandy weggeschickt. Und wer weiß, wie es ihr ergangen war.
    Jane ging voran. Sie gingen durch das Nord Tor des Lagers und liefen an den Mauern entlang. Einerseits gefiel es ihr fast von dem hektischen Gedränge und dem ständigen Bild der Notlage wegzukommen, aber andererseits könnte sie in der Zeit, die sie hier außen entlang spazierten auch viel sinnvollere Dinge tun.
    ¨Worüber wollten Sie mit mir reden, James?¨, fragte sie und kickte ein kleines Metallteil weg.
    ¨Wir haben einen Feind.¨, erklärte er und hatte Mühe mit ihr Schritt zu halten. Er wusste nicht genau was es war, Wut oder Verzweiflung, aber irgendetwas ließ Jane anders aussehen. Sie wirkte nicht mehr wie die starke, beherrschte Frau, die er gekannt hatte. Sie war viel... Kälter geworden und das gefiel ihm ganz und gar nicht. Vielleicht lag es auch an der Ungewissheit, was mit ihrer Crew geschehen war, Er wusste es nicht.
    ¨Die Reaper sind tot, James. Ich habe sie zerstört.¨, erwiderte sie ungerührt und hob eine kleine Stoffpuppe auf. Sie erinnerte sich vor zwanzig Jahren eine ähnliche gehabt zu haben.
    ¨Es sind auch nicht die Reaper.¨, entgegnete er gefasst. Er vermisste ihre alte, offene Art mit den Dingen umzugehen, Selbstverständlich hatte sie ihre Ängste, Probleme immer für sich behalten, aber dennoch war sie ihm nie so distanziert vor gekommen wie jetzt. Und obwohl sie direkt neben ihm stand, war in ihren Augen etwas, dass sie so weit entfernt schienen ließ, dass James fröstelte.
    Es wurde kälter. Durch den Krieg mit den Reapern lag ein ständiger Nebel in der Luft und die Sonne schien nur bedingt durch diese Dreckschickt auf die Erde herab. Er wusste, ihnen allen stand eine schwere Zeit bevor.
    ¨...Und wer soll dieser Feind sein?¨, fragte sie und konnte den Blick nicht von den kleinen Knopfaugen lassen. Mary hatte sie ihre Puppe genannt.
    ¨Wir kennen ihn nur unter dem Namen ¨Seli'sh¨. Er war... Anfangs auch in unserem Lager aber es gab... Sagen wir Komplikationen. Er war einer der vielen, die wir aus dem Lager verbannt haben. Allem Anschein nach, passte ihm das nicht wirklich und wir bekommen immer mal wieder zu spüren, dass er immer noch da draußen ist.¨, erklärte er und klang dabei ein wenig verbissen. Jane hätte das sicher anders geregelt. Wäre sie vor vier Monaten hier gewesen, wäre es vermutlich ganz anders gekommen. Sie wäre viel diplomatischer vorgegangen, da war er sich sicher.
    ¨Also macht er uns Probleme?¨, fragte sie, setzte die Puppe erschreckend liebevoll auf einen Schrank und ging weiter durch die Trümmer Londons.
    James folgte ihr, beobachtete jeden noch so kleinen Schritt. Jede einfache Geste ihrerseits.
    ¨Nicht direkt. Er greift uns nicht an. Ich höre nur immer mal wieder von den Truppen, dass ihnen einige seiner Leute über den Weg gelaufen sind und es zu einer kleinen... Prügelei gekommen ist.¨, meinte James.
    ¨Aha. Wenn sonst nichts ist, sollten wir wieder zurück gehen.¨, meinte Jane leise.
    ¨Lola.¨, James hatte sich eigentlich abgewöhnt sie so zu nennen, immerhin war Jane alles andere als gut gelaunt und ihre distanzierte Art ließ ihn auch immer häufiger darüber nachdenken, wie viel Respekt er ihr erweisen sollte. Da gehörte sie ¨Lola¨ zu nennen einfach nicht mehr dazu, aber irgendwie hoffte er, sie mit diesem Spitznamen besser erreichen zu können.
    Jane blieb stehen, verharrte in der Bewegung. ¨Ich mache mir wirklich Sorgen um sie.¨, sagte er ehrlich, versuchte dabei nicht zu unsicher zu klingen und hätte sie nun am Liebsten einfach in seine Arme gezogen. Er wusste doch wie schlecht es ihr ging. Er sah es ihr an. An jedem Schritt, an ihrer Art wie sie ihn ansah. Sie musste sich so beherrschen, nicht einfach zusammenzubrechen. Und das schlimmste an der ganzen Sache war, dass sie das alles für ihn und die anderen in dem Lager tat. Sie tat es nicht einmal um ihr Gesicht zu wahren, sondern einfach aus dem Grund, weil sie wusste, würde sie nun Schwäche zeigen, würden die anderen ihre ganze Hoffnung verlieren. Sie tat so stark um ihren Leuten den Glauben zurück zu geben. Die Hoffnung, dass doch noch alles besser werden konnte. Ihre verdammte Selbstlosigkeit, ging ihm manchmal so gegen den Strich.
    ¨Sie müssen sich keine Sorgen machen. Es geht mir gut.¨, log sie fast schon so gekonnt, dass er es ihr beinahe geglaubt hätte.
    ¨Shepard. Das kann nicht Ihr ernst sein.¨, erwiderte er zwischen zusammengebissenen Zähnen. Er hatte gehofft, dass sie wenigstens zu ihm ehrlich wäre. Jetzt wo sie so weit entfernt vom Lager standen, geradezu alleine waren.
    ¨Ist es aber.¨, entgegnete sie nur kalt und kniete sich auf den schmutzigen, staubigen Boden.
    ¨... Ich sehe doch, wie Sie leiden. Lassen Sie mich Ihnen helfen, bitte Lola.¨, schon nach den ersten Worten sah er, wie sie zusammenzuckte, dagegen ankämpfte nicht einfach los zu lassen.
    ¨Es geht mir gut James ich...¨, sie verstummte.
    James schüttelte den Kopf, konnte kaum fassen, wie stur sein Commander war und ließ sich dann neben ihr auf den Boden nieder.
    ¨Lola, ernsthaft, sehen Sie mich an!¨, bat er und war geschockt, als er den verletzten Ausdruck in ihren Augen sah. Sie starrte auf einen ganz bestimmten Punkt und hätte James den Captain zum Schluss nicht so oft gesehen, hätte er vermutlich gar nicht erkannt, dass diese Kappe ihm gehört hatte. Oh scheiße.
    Jane hatte nicht viel über den Kampf erzählt, über das was auf der Citadel vorgefallen war. Er wusste, dass Anderson gestorben war, und sie hatte nur sehr kurz erwähnt, dass die Reaper sie dazu gezwungen hatten abzudrücken. Er hatte gesehen, wie schwer es ihr gefallen war, das zu sagen, wie die Tränen in ihre Augen stiegen und sie sie nur mit Mühe und Not zurück halten konnte. Man musste Jane nicht gut kennen um zu wissen, wie viel ihr der Captain bedeutet hatte. Die ganze Zeit über, seit sie hier war, hatte er Mitleid mit ihr gehabt. Und er hatte immer wieder versucht sie aufzumuntern, mit ihr zu reden, ihr seine Hilfe angeboten. Aber sie wollte das nicht. Sie wollte wie immer alles alleine machen. Er wäre beinahe dankbar dafür gewesen, hätten sie irgendeine Nachricht, irgendeinen Hinweis darauf bekommen, dass die Normandy zerstört war. Vielleicht hätte Jane dann endlich einfach mal geweint, sich in den Arm nehmen lassen und er hätte sie trösten können. Aber nein, sie gab ja nicht auf, sie war mit Abstand die sturste Frau, die ihm je über den Weg gelaufen war. Dabei konnte er ihr das nicht einmal übel nehmen...
    ¨Das...¨, stammelte sie fassungslos. Ihre Finger zitterten, als sie die Kappe vorsichtig in die Hand nahm, gerade so, als könnte sie bei jeder noch so kleinen Bewegung einfach zerbrechen oder verschwinden. ¨Das ist...¨, ihre Stimme brach. Gott, wie sehr sie gehofft hatte, nicht damit konfrontiert zu werden. Wie sehr sie gebeten hatte, keine Beweise zu finden. Nichts, dass sie mit Andersons Tod in Verbindung bringen könnte.

    ¨Was zum...Shepard!¨, David Anderson verzog verärgert das Gesicht als er die Kappe ein wenig hochschob um der grinsenden Jane Shepard in die Augen sehen zu können.
    ¨Ein kleines Weihnachtsgeschenk.¨, meinte sie nur ungerührt, setzte sich auf seinen Tisch und stibitzte eines der Plätzchen, die er von Kahlee bekommen hatte.
    Fassungslos schüttelte er den Kopf und legte die Kopfbedeckung auf den Tisch. ¨Ist das Ihr Ernst? Sollten Sie nicht auf der Normandy sein und sich Gedanken über die Reaper machen?¨, fragte er, unterschrieb den letzten Antrag und legte ihn in die oberste Schublade.
    ¨Hey, Sie haben mich doch zum Zwangsurlaub verurteilt. Das war nicht ich.¨, entgegnete sie und nahm noch eines der Plätzchen. ¨ Außerdem dachte ich, Sie wären auf der Erde. Ich habe nur durch Zufall erfahren, dass Sie hier sind.¨, ergänzte sie kauend.
    ¨Nur für drei Tage, Shepard, Sie sind mich also bald wieder los.¨, erwiderte er und dachte daran, dass er Weihnachten vollkommen vergessen hatte. Er konnte sich gar nicht erinnern wann genau sie das eingeführt hatten, er wusste nur, dass er irgendwann vor einigen Jahren Shepard mal etwas geschenkt hatte. Und seitdem, tat sie das auch. Es waren immer nur Kleinigkeiten, meistens sogar irgendwelche Geschenke, den jeweils anderen ein wenig auf den Arm zu nehmen. Und er wusste nur zu gut, was Jane mit der Kappe beabsichtigte ihm zu sagen. Er wurde alt. Das wusste er selbst. Er hatte ja kaum mehr Haare auf dem Kopf und obwohl sie ihm immer öfter sagte, dass sie nicht fand, dass man ihm sein Alter ansah, wollte sie ihm damit doch unterschwellig sagen, dass er seinen kahlen Kopf wohl besser verstecken sollte. Jane war vermutlich die einzige die so etwas machen konnte, ohne dass er wütend auf sie wurde. Sie war ihm in den letzten Jahren so ans Herz gewachsen, dass er sie beinahe wie seine eigene Tochter sah.
    ¨Das ist schade. Ich hatte vor eine kleine Party in ihrem Apartment zu schmeißen und dachte, Sie hätten vielleicht auch Zeit.¨, erwiderte sie und klang dabei tatsächlich ein wenig enttäuscht.
    ¨Eine Party also, hm? Ich weiß nicht Shepard, dafür bin ich doch eindeutig zu alt, meinen Sie nicht auch?¨, er stand auf und ging zur Garderobe seines Büros. Er hatte auch etwas für sie, selbstverständlich. Anderson war schon immer die Art Mensch gewesen, die früh Weihnachtsgeschenke einkaufen geht. Wenn nicht sogar im August oder September. Er hatte lediglich vergessen, dass Weihnachten vor ein paar Tagen war.
    ¨Zu alt? Ich kenne wohl kaum irgendeinen anderen Mann, der in deinem Alter noch eine Schrotflinte in die Hand nimmt, zielt und sogar trifft. Also bei allem was Recht ist, David, du bist nicht alt.¨, meinte sie und biss einem weiteren Salarianerplätzchen den Kopf ab. ¨Die sind gut. Hat Kahlee die gebacken?¨, fragte sie und warf ihm auf seine Geste hin einen Keks zu.
    ¨Ja. Wenn du möchtest, kannst du gerne ein paar mitnehmen.¨
    Sie grinste und legte sich schon mal ein paar Kekse auf die Seite.
    ¨Ich kann leider nicht, Jane.¨, meinte er, kam zu ihr und gab ihr das kleine Päckchen.
    ¨Schade.¨ meinte sie mit ehrlichem Bedauern und nahm das Päckchen an. Er musterte sie, wie sie vorsichtig das Geschenkpapier löste und das kleine Kästchen öffnete. Sie lächelte. ¨David...¨, murmelte sie und klang dabei sogar ziemlich gerührt.
    ¨Es ist nur eine Kleinigkeit, Shepard.¨, meinte er und war insgeheim unheimlich droh darüber, dass ihr sein Geschenk so gefiel. Jane war eigentlich keine Frau, die viel und gerne Schmuck trug, aber dieser Anhänger hatte eine ganz bestimmte Bedeutung und Jane wusste ganz offensichtlich welche.
    ¨Das war die Dienstmarke deines Vaters. Man hat ja nicht viel von ihm gefunden, aber die haben sie mir gegeben.¨, erklärte er und merkte, wie sich ihr Blick änderte.
    ¨Du hast doch auch so eine, oder?¨, fragte sie ohne jeglichen Unterton.
    ¨Ja, wieso?¨, fragte er verwirrt.
    ¨Bekomme ich deine?¨
    Einen Moment lang fragte Anderson sich, weshalb sie denn seine haben wollen könnte. Bedeutete ihr Vater ihr gar nichts mehr? Sein Tod war zehn Jahre her, aber Anderson hatte gedacht, sie würde sich darüber freuen, etwas Persönliches von ihm zu haben.
    ¨Warum möchtest du meine?¨, fragte er also, immer noch ein wenig irritiert.
    ¨Du warst viel... mehr für mich da, als er es je gekonnt hätte. Wusstest du, dass meine Eltern mich ursprünglich gar nicht wollten? Ich habe mich bei dir immer besser aufgehoben gefühlt. Es wäre mir eine Ehre, wenn ich deine Dienstmarke bekommen könnte.¨, meinte sie leise. ¨Gerade jetzt. Wir sind im Krieg und es wäre schön für mich zu wissen... Etwas von dir zu haben, wenn wir da unten sind und gegen die Reaper kämpfen.¨, erklärte sie, drehte die Dienstmarke nachdenklich in den Händen, betrachtete sie von jeder Seite. Was hatte ihren Vater, ihre Mutter eigentlich dazu bewegt, sie letzten Endes doch zu behalten? Sie wusste ja, dass ihre Mutter sie über alles liebte, dennoch bekam sie den Gedanken nicht aus dem Kopf, dass sie nicht gewollt war.
    ¨Selbstverständlich.¨, antwortete er, öffnete das zweite Fach seines Schreibtisches und gab ihr seine Dienstmarke. ¨Aber tu mir bitte den Gefallen und trag sie beide. Du hast Ryan auch viel bedeutet. Ich weiß, dass er dir das nie so gezeigt hat.¨, meinte er wissend.
    Jane nickte nur und befestigte die zweite Dienstmarke an dem Anhänger. ¨Danke. Das ist vermutlich das beste Geschenk, das du mir machen konntest.¨, erwiderte sie und lächelte.
    ¨Bekomme ich dann deine Dienstmarke, Jane?¨, fragte er und in diesem Moment wurde ihr bewusst, dass er in jeder Hinsicht, ein besserer Vater für sie gewesen wäre, wie ihr leiblicher es je gekonnt hätte.
    ¨Natürlich.¨


    James wusste nicht was er sagen sollte. Er hörte sie schluchzen, merkte wie sie sich verkrampfte, die Augen schloss und anfing zu weinen. Er hatte zwar gewusst, dass sie sich nahe gestanden hatten, aber dass sie das so fertig machte, damit hatte er nicht gerechnet.
    ¨Lola...¨, murmelte er, legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter.
    Sie sagte nichts, saß einfach nur auf dem Boden und weinte. Wie sehr sie ihren Captain vermisste. Wie schwer es ihr fiel einzusehen, dass sein Tod nicht ihre Schuld war. Schließlich hatte sie die Waffe gehalten, sie hatte geschossen, auch wenn sie es nicht gewollt hatte. Er war tot, ihretwegen. Weil die Reaper sie kontrolliert hatten, weil sie es zugelassen hatte. Er hatte es ihr nicht übel genommen, hatte keine Sekunde Angst vor ihr gehabt, er hatte ihr vertraut und nun war er tot. Sie würde ihn nie wieder sehen, sie hätte nie die Chance ihm zu sagen wie dankbar sie für all die Jahre mit ihm war.
    James konnte kaum mit ansehen wie sie vor ihm saß und weinte. Er hatte sie noch nie so gesehen und es zerriss ihm förmlich das Herz zu sehen, wie sehr sie litt. Und schließlich war ihm egal, ob sie ihn von sich stoßen würde oder ob er sonst irgendeine Abfuhr bekommen würde, er zog sie in seine Arme und hielt sie fest. Versuchte sie zu halten, strich ihr hin und wieder sanft über den Rücken, bis sie sich langsam beruhigte. Aufhörte zu schluchzen und einfach nur noch stumm weinte.

    Jack stapfte durch den gefühlt metertiefen Schlamm. Ignorierte die Blicke und das Gemurmel der anderen im Lager. Sie hasste diesen Dreck, das Lager, die ganze beschissene Situation. Eigentlich wollte sie einfach nur nach Omega, sich betrinken und die ganze Kacke hier vergessen. Schön und gut, dass sie in Jane eine wirklich vertrauenswürdige Freundin gefunden hatte, aber hier festzusitzen war nun wirklich alles andere als optimal. Und jetzt war ihr Commander nicht einmal auffindbar. Der Salarianer hatte gesagt, er habe sie mit James rausgehen sehen. Das gefiel ihr ja mal ganz und gar nicht. Wenn jemand mit Shepard Blödsinn machen durfte, dann ja wohl nur sie. Jack verließ das Lager mit einem wütenden Gefühl im Bauch. Genaugenommen wusste sie nicht einmal warum sie die ganze Zeit so aggressiv war. Natürlich war sie das schon immer irgendwie gewesen, aber in den letzten Wochen, die sie hier in dem Lager verbracht hatten, war es irgendwie noch um einiges schlimmer geworden. Sie lief durch die vielen Trümmer, warf hier und da etwas mit ihrer Biotik Meter weit weg, einfach weil sie es konnte. Bis sie Jane und James bemerkte, die etwas weiter weg auf dem Boden saßen.
    ¨Hey Shepard, haben Sie Bock mal `n bisschen was kaputt zu hauen? Grunt ist auch dabei.¨, meinte sie und kam grinsend zu ihrem Commander. James warf ihr einen warnenden Blick zu. ¨Was is?¨, fragte sie und beobachte Jane, die an seine Schulter gelehnt auf dem Boden saß und irgendetwas in den Händen hielt.
    ¨Können Sie uns bitte allein lassen?¨, bat James so nett es ging und Jack empfand es alles andere als freundlich, sie wegschicken zu wollen. Das konnte sowieso nur Shepard.
    ¨Hey, Sheps, was ist los?¨, fragte sie, ignorierte James und kniete sich neben ihren Commander.
    Jane seufzte, fuhr sich einmal mit der flachen Hand über das Gesicht und schluckte schwer. "Nichts. Es...ist alles in Ordnung.", meinte sie, hörte James unzufriedenes Knurre und spürte seinen festen Griff um ihre Schulter.
    "Jack bitte, gehen Sie.", bat er erneut mit etwas mehr Nachdruck. Die junge Frau streckte ihm bloß die Zunge raus und dachte nicht einmal daran zu gehen.
    "Shepard, wenn Sie ihre Wut an irgendwas auslassen wollen, bin ich die perfekte Ansprechpartnerin dafür. Lassen Sie uns was kaputt hauen. Hier liegt eh so viel zertrümmerte Scheiße rum, da fällt's doch kaum auf, wenn wir noch was platt machen.", schlug Jack vor. Eigentlich hatte sie geglaubt so etwas wie Mitleid gar nicht mehr empfinden zu können, aber jetzt wo sie Jane so sah...
    "Das ist...", Jane schniefte, machte eine kurze Pause und sprach dann weiter. "Danke, Jack, aber ich glaube kaum, das ich Zeit dafür habe, ich muss mich noch um zig andere Angelegenheiten kümmern", meinte sie und stand mit James' Hilfe wieder auf.
    "Shep, das kann doch wirklich nicht Ihr Ernst sein. Sie sehen ja noch schlimmer aus wie ich, und das will was heißen.", entgegnete Jack energisch. Wollte ihr Commander sie verarschen?
    Jane lachte leicht." Schon gut, Jack. Wir sehen doch alle gerade nicht sehr gut aus.", erwiderte sie diplomatisch.
    "Zwischen "nicht sehr gut" und "hochprozentig scheiße" ist ein großer Unterschied. Spanier, überlassen Sie sie mir. Ich weiß was sie jetzt braucht.", meinte Jack selbstsicher.
    James war ihr einen zweifelnden Blick zu. Er wollte Jane nicht loslassen, nach so langer Zeit konnte er sie endlich stützen, für sie da sein und Jack sah wirklich alles andere wie vertrauenserweckend aus. Er bezweifelte, dass sie ihr auch nur annähernd helfen konnte. Außerdem glaubte er besser zu wissen, was Jane nun half Er würde sie in ihr Lager bringen und in seinen Armen halten. Er würde sie beruhigen, so lange bei ihr bleiben, bis sie keine Tränen mehr hatte. Und obwohl sich sein Plan so gut anhörte, machte Jack ihm gehörig einen Strich durch die Rechnung. Oder vielleicht auch viel mehr Shepard, weil er nicht damit gerechnet hatte, dass sie mit Jack gehen würde.
    Und in diesem Moment gab er endgültig auf, Jane durchschauen zu wollen. Er würde das wohl nie schaffen.
    ¨Gut. Wie Sie meinen.¨, stimmte sie zu, atmete noch einmal durch und warf James dann einen dankbaren Blick zu. Es war seltsam nach so langer Zeit zu sehen, dass sie immer noch dieselbe war. Da war etwas weiches in ihrem Blick dass ihm sagte, dass sein Einsatz, sie zu stützen nicht um sonst war. Vielleicht würde sie ja später noch mal auf ihn zukommen. ¨Danke James. Sie können wieder zurückgehen. Ich bleibe noch ein bisschen bei Jack.¨, meinte sie, strich kurz, sanft mit ihren Fingern über seine Hand, gerade so als wolle sie ihm damit irgendetwas vermitteln und folgte dann der Biotikerin etwas weiter weg.
    James stand einen Moment lang noch verdutzt an Ort und Stelle. Hatte er sich das eben nur eingebildet? Sollte das irgendetwas bedeuten? Herr Gott, wie oft wollte sie denn noch solche Aktionen bringen? Jedes Mal wenn er dann versuchte darauf einzugehen, machte sie ihm mehr als deutlich, dass er keine Chance hatte, dass sie ¨vergeben¨ war. Er schüttelte den Kopf, versuchte seine Gedanken irgendwie auf etwas anderes zu lenken. Aber da war nur sie. Jane Shepard. Die starke Frau, deren Willen nie gebrochen werden konnte, deren Mut und Selbstlosigkeit keine Grenzen kannte.

    ¨Also Shepard, kennen Sie Biotiball?¨, fing Jack an und Jane überlegte eine Sekunde lang, ob sie dieses Treffen mit Grunt abgesprochen hatte. Er stand am Rand eines riesen großen Trümmerberges und strahlte mit der Sonne um die Wette. Er schien aufgeregt zu sein, sich unheimlich auf das Spiel zu freuen.
    ¨Hm... Ich hab mit James und Cortez mal ein Spiel gesehen. Ich muss aber zugeben, dass ich die Regeln nie wirklich verstanden habe.¨, meinte Jane und sah ihre Freundin skeptisch an.
    ¨Kein Problem, Shep. Das ist auch nicht wie Biotiball. Hier gibt`s keine Regeln¨, erklärte Jack und hob mit ihrer Biotik einen kaputten Kühlschrank hoch. Was sollte dann die Frage? Jane beobachtete sie irritiert dabei wie sie das große Gerät zu Grunt manövrierte der eine Art lange Eisenstange in den Händen hielt.
    ¨Was... Wird das jetzt...?¨, fragte Jane leise, traute sich kaum sich einzumischen.
    ¨Wir spielen. Oder zocken. Klingt vielleicht erwachsener.¨, meinte Jack. Grunt lachte, holte mit der Stange aus und donnerte den Kühlschrank tatsächlich einige Meter weit weg. Jane war beeindruckt.
    ¨Das... Wow.¨, stammelte sie und musterte den Schrank mit einer hochgezogenen Augenbraue. Sie wusste nicht einmal, dass so etwas möglich war.
    ¨Gucken Sie nicht so. Ich hab seinen Schlag mit meiner Biotik verstärkt. Oder denken sie wirklich, man könnte einen Kühlschrank mit einer Eisenstange derart weit weg befördern?¨, Jack lachte und suchte nach den nächstbesten Trümmern, die sie ähnlich verarbeiten könnte.
    ¨Ist n‘ echt krasses Gefühl, Shepard.¨, meinte Grunt und sah sie begeistert an. Jane lächelte leicht, konnte sich aber kaum vorstellen, dass das bei ihr genauso funktionierte.
    ¨Sie haben wahrscheinlich nicht so viel Kraft... Da nehmen wir lieber mal... Den Toaster hier.¨, beschloss Jack und hob das verbeulte Ding in die Luft.
    ¨Hier.¨, Grunt gab Jane den Schläger. Da wurde ihr wieder bewusst, dass er sie doch gar nicht verstand, oder etwa doch? Sie hatten kaum miteinander geredet, seit sie ihn wiedergesehen hatte. Er war nur unglaublich froh gewesen, dass seine Kampfmeisterin noch am Leben war. Jane hatte ihn umarmt, sogar ziemlich lange und der Kroganer hatte nur gelacht. Sie war auch unheimlich froh gewesen, dass ihr Schützling überlebt hatte.
    ¨Jack...?¨, begann Jane und starrte die Eisenstange misstrauisch an.
    ¨Jep?¨
    ¨Grunt versteht Sie doch gar nicht. Wo ist der Dolmetscher?¨, fragte sie und sah ihre Freundin kurz verwirrt an.
    ¨Gott Shepard, für Gewalt braucht man keine Worte.¨, meinte sie und deutete ihr sich richtig hinzustellen.
    Jane konnte kaum glauben was sie da hörte. Hieß das etwa, die Beiden redeten nicht miteinander?
    ¨Moment, soll das etwa heißen, sie haben noch kein einziges Mal miteinander gesprochen? Sie kommen ohne Dolmetscher aus?¨, fragte sie verwirrt.
    ¨Klappe Shepard. Hauen Sie einfach drauf. Denken Sie einfach das wären... Die Reaper. Oder der Katalüstor oder wie auch immer sie das Teil genannt haben.¨, schlug Jack vor und ließ den Toaster direkt vor Jane in der Luft schweben.
    Jane beschloss sich nicht länger darum Gedanken zu machen. Ihre Freundin hatte Recht. Sie musste ihre Wut an irgendetwas auslassen. Alles, woran sie sich die Schuld gab. Der ganze Frust. Einfach alles, was diese Situation so schrecklich schwer machte. Sie nickte, konzentrierte sich auf den Schläger und beförderte dann mit einem lauten Krachen den Toaster so weit weg, dass sie ihn dank dem Nebel gar nicht mehr sehen konnten.
    ¨Wow...¨, murmelte Jack überrascht. ¨Nicht schlecht, Shepard.¨
    Jane hatte dem Gerät nachgesehen, bis es im Nebel verschwunden war. Grunt hatte Recht. Es war ein fantastisches Gefühl. Sie hätte nicht gedacht, dass das mit Jacks Biotik wirklich so gut funktionieren würde. Jack erklärte ihr, wenn sie so etwas nur allein mit ihrer Biotik machen wollte, würde sie das Gerät nie im Leben so weit und mit solch einer Geschwindigkeit werfen können. Verstärkte sie ihre Biotik allerdings mit körperlicher Kraft, erreichte das Ding ganz neue Dimensionen. So war das nicht nur für Grunt und Jane eine wirklich willkommene Abkühlung sondern auch für Jack unheimlich befreiend.
    ¨Sollten wir mit Ihnen echt öfter machen. Sie haben´s drauf.¨, Jack grinste wissend.
    Nachdem Jane gemeinsam mit Grunt noch einige andere Gegenstände demoliert hatte, stieß ein kroganischer Botschafter zu ihnen, der Grunt zurück ins Lager nahm.
    ¨Wollen wir auch zurück? Wir könnten noch was trinken gehen.¨, schlug Jack vor und Jane nickte nur. Sinnlos betrinken? Das klang in diesem Moment wirklich unheimlich verführerisch. Jane hätte nun alles gegeben die Schuldgefühle und den ganzen Rest zu vergessen. Da könnte ein bisschen Alkohol sicher aushelfen...
    Man muss nicht selber in der Pfanne brutzeln, um über ein Schnitzel schreiben zu können.

  8. #28

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    Kapitel 18: Fehler

    James konnte sich kaum konzentrieren. Ihm fiel auf, dass das schon so war, seit sie Jane gefunden hatten. Seit sie wieder am Leben war. Er hatte gedacht mit ihrem Tod abgeschlossen zu haben, aber jetzt wo er sie wieder so lebendig vor sich hatte, fiel es ihm unheimlich schwer damit klar zu kommen. Natürlich war er froh darüber. Unheimlich sogar. Vielleicht sogar etwas zu froh. Er hatte Jane immer sehr respektiert und er hatte die Gespräche mit ihr auf der Normandy sehr zu schätzen gewusst. Auch dass er sie so einfach Lola nennen durfte, hatte sie für ihn noch ein Stück sympathischer gemacht. Aber jetzt war das alles viel komplizierter. Sie redeten nicht. Sie hatte keine Zeit, wollte gar nicht reden. Der einzige mit dem sie hin und wieder sprach war Zurr. Dabei verstand der sie doch nicht mal. James wurde einfach nicht schlau aus ihr und es ging ihm gehörig gegen den Strich, dass sie sich so von ihm entfernte. Andererseits hatte sie ihn durch diese kurze, einfache Berührung vollkommen aus der Fassung gebracht. Er starrte nun schon seit gefühlten Stunden auf das Blatt Papier, las den Satz zum hundertsten Mal und konnte immer noch nicht wiedergeben was da eigentlich stand. Er schüttelte den Kopf. Nein, seine Konzentration war definitiv flöten gegangen. Er musste etwas dagegen tun, den Kopf frei kriegen. Jane aus seinen Gedanken verbannen. Nur so wäre er wieder dazu fähig produktiv zu arbeiten.
    Seufzend stand er auf und verließ sein Zelt. Es war inzwischen Abend geworden und nur einige wenige Fackeln erhellten das Lager. Hier und da saßen noch ein paar Personen am Feuer und redeten leise miteinander. Eigentlich hatte James vor, das Lager zu verlassen, an der Mauer entlang zu spazieren und seine Hoffnungen so weit zu bearbeiten, dass er nicht mehr ständig an Jane denken musste. Sie machte alles noch viel schwieriger als es sowieso schon war. Aber dann zog etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sich. Da war eine Gruppe bestehend aus einigen Menschen, zwei Kroganern, einem Salarianer und einer Asari. Als er das laute Lachen des Kroganers vernahm zog er überrascht eine Augenbraue hoch. Worum ging es da?
    Als er feststellte, dass Jane dort zwischen Jack und Grunt saß, gesellte er sich zu ihnen. Und weil er der Ansicht war, etwas mehr in die Offensive gehen zu müssen, setzte er sich direkt neben Jane.
    ¨James. Schön, dass Sie uns Gesellschaft leisten.¨, meinte Jane mit einem seltsamen Unterton der in James Ohren fast schon sinnlich klang. War sie angetrunken?
    ¨Da ist ja der Lieutenant! Wie war das? Sie haben von Shepard mal n` blaues Auge kassiert?¨, fragte Jack und auch sie klang nicht mehr ganz nüchtern.
    ¨Ach das... Ja, ist schon ne Weile her.¨, stimmte er zu und musterte die Biotikerin eine Sekunde lang. Sie nahm noch mal einen Schluck aus der Flasche und brach dann in helles Gelächter aus. James hörte dem Rest gar nicht mehr zu, er beobachtete Jane, die auf den Boden starte und mit den Fingern langsam über den Hals der Flasche strich.
    ¨Ist alles in Ordnung, Lola?¨, fragte er leise, darauf bedacht, nicht von den anderen gehört zu werden. Es wäre ihm eigentlich lieber gewesen mit ihr alleine zu sein, aber er war sich nicht sicher ob sie mit ihm kommen würde, würde er sie um ein privates Gespräch bitten. Inzwischen war er an dem Punkt angelangt, an dem er fest davon überzeugt war, mit ihr reden zu müssen. Er musste ihr sagen, dass sie ihn verwirrte, dass er nicht wusste, wie er mit ihr umgehen sollte. Dass er nicht wusste, was zwischen ihnen war. Und dass da etwas war, musste auch sie wissen.
    ¨Ich weiß nicht...¨, erwiderte sie leise und er glaubte diesen Gesichtsausdruck zu kennen. Auf ihrer Party damals waren ihre Augen genauso glasig gewesen, als sich der Abend dem Ende geneigt hatte.
    Sie war also wirklich schon etwas betrunken.
    ¨Wollen Sie nicht lieber schlafen gehen? Sie wissen, dass es schon spät ist, oder?¨, fragte er und bemerkte das leichte Lächeln auf ihren Lippen.
    ¨Sie machen sich immer Sorgen um mich, was, James?¨, endlich sah sie ihn an und er bemerkte den melancholischen Blick in ihren Augen.
    ¨Ja.¨, antwortete er nur ehrlich. Er würde sich nicht mehr rausreden.
    Sie schien überrascht zu sein, dass er ihr einfach so zustimmte.
    ¨Oh... Ich denke, dann sollte ich mich entschuldigen. Ich will Ihnen ja keine Umstände machen...¨, murmelte sie und sah wieder die Flasche an.
    Der Lieutenant war überrascht wie gewählt sie noch sprechen konnte. So wie sie da neben ihm saß hatte er eigentlich gedacht, sie würde schon mit Lallen anfangen. Aber tatsächlich sprach sie noch äußerst deutlich.
    ¨Tun Sie nicht. Ich bin einfach nur froh, dass Sie überhaupt da sind. Es läuft besser, wissen Sie? Die Leute hören auf Sie, glauben an Sie... Ich weiß nicht, wie lange wir es hier noch ohne sie ausgehalten hätten.¨, meinte er ebenso leise. Es gefiel ihm, dass sie anscheinend auch nicht wollte, dass andere zuhörten. Es war ein Gespräch zwischen ihnen beiden. Etwas Vertrautes.
    ¨Dann will ich mir gar nicht ausmalen wie es war als ich noch tot war.¨, erwiderte sie seltsam kalt und James zuckte etwas zusammen. Wie schnell sie ihre Stimmung wechseln konnte.
    ¨Sie waren nicht tot.¨, meinte er schließlich nach kurzem Zögern.
    ¨Aber das ist es doch, was sie alle gedacht haben, oder nicht? Sie hatten mich aufgegeben. Genau wie die anderen auch...¨
    James starrte Jane verdutzt an. Machte sie ihm eben Vorwürfe? War sie wütend auf ihn? War das vielleicht der Grund, warum sie sich so von ihm entfernte?
    ¨Habe ich nicht. Ich glaube Sie haben... Sie haben keine Ahnung wie sehr es geschme...Shepard, Sie wissen nicht was Sie da sagen.¨, erwiderte er bloß, bemüht sich zurückzuhalten und nicht lauter zu werden. Wie konnte sie nur so etwas sagen? Er hatte gelitten, und die anderen genauso. Jeder einzelne, der sie gekannt hat hat getrauert, gehofft, dass irgendein Wunder geschehen war und sie diese Explosion der Citadel überlebt hatte.
    ¨Ja...¨, entgegnete sie leise, nahm noch mal einen Schluck und stellte die Flasche dann auf den Boden. ¨Wahrscheinlich...¨
    James musterte sie einen Moment lang. Die Gruppe war immer noch laut, hatte von Janes Kälte anscheinend gar nichts mitbekommen. Was war nur los mit ihr? Er hatte sich so bemüht, ihr näher zu kommen, sie zu unterstützen wann immer es ging!
    ¨Kommen Sie.¨, bat er leise, stand auf und half ihr auf die Füße.
    ¨Sie gehen schon?¨, fragte Captain Kirrahe der Jane mit einem besorgten Blick ansah.
    ¨Äh ja, es ist schon spät und ich schätze... Der Commander hat einen harten Tag hinter sich.¨, erklärte James und machte eine Geste, die dem Salarianer vermittelte, dass alles in Ordnung war und dass er sich um sie kümmerte. Kirrahe nickte nur anerkennend und ließ die beiden gehen.

    Jane ging voran. Sie lief zwar nicht mehr ganz so gerade aus aber es schien als wüsste sie genau wo sie hinwollte. James folgte ihr einfach wortlos. Er hatte genug von ihrer Art. Wie sie sich gegenüber ihm verhielt. So undankbar und... Kalt. Er konnte damit leben, dass sie ihm Befehle erteilte, dass sie ihm sagte, was er falsch machte und ihn verbesserte, aber er konnte nicht damit leben, dass sie ihn genauso behandelte wie jeden anderen Soldaten auch. Das war er nämlich nicht. Sie waren Freunde, mindestens. Und Freunden gegenüber verhielt man sich nicht so.
    ¨Warum tun sie das eigentlich, James...?¨, fragte sie schließlich und blieb plötzlich stehen. Es war dunkel um sie herum, die nächste Fackel war noch weit genug entfernt um nur sehr wenig Licht auf die beiden Menschen zu werfen.
    ¨Was meinen Sie, Lola?¨, fragte er und schloss zu ihr auf. Sie sah schon wieder auf den Boden, konnte ihn allem Anschein nach nicht einmal mehr ansehen.
    ¨Ich hab so viel falsch gemacht... Die Normandy... Hätte ich nicht...¨, murmelte sie und schüttelte den Kopf. ¨ Es ist meine Schuld, James, wissen sie das? Es hätte alles anders kommen können. Aber ich habe so.... Selbstsüchtig gehandelt. Ich wollte nicht sterben, ich wollte zurück zu Ihnen, zu meiner Crew, ich wollte hoffen, dass Anderson es doch geschafft hat. Ich hätte anders entscheiden können. Es hätte zwei andere Möglichkeiten gegeben, die das alles hier verändert hätten. Der Wideraufbau würde nicht so lange dauern, ich wäre zwar tot, aber Ihnen und den anderen würde es garantiert besser gehen. Ich habe einen Fehler gemacht James, einen verdammt großen Fehler. Und warum? Weil ich Angst hatte. Weil ich nicht sterben wollte. Ich wollte...¨, Jane verstummte. Sie hatte ihnen nichts von den drei Lösungen erzählt. Sie hatte gesagt, dass der Katalysator ihr gezeigt hatte, wie sie die Reaper vernichten konnte. Aber von den anderen beiden Lösungen hatte sie nicht erzählt. Sie hatte sich nicht getraut weil ihre Freunde vielleicht anders entschieden hätten.
    James sagte im ersten Moment nichts. Jane konnte kaum glauben, dass sie das ausgerechnet ihm erzählte. Sie hatte es für sich behalten die ganze Zeit über, hatte sich Vorstellungen gemacht, wie die Erde, das Universum nun wohl aussehen würde, hätte sie ihre Ängste hinten angestellt. Sie hatte sich Vorwürfe gemacht und hatte niemanden damit belästigen wollen. Und jetzt stand James vor ihr. Sie hörte seinen Atem, sah seine schmutzige Kleidung, die nicht weniger dreckig war wie ihre eigene.
    ¨James...¨, stammelte sie. ¨Vergessen Sie, was ich eben gesagt habe.¨, sie schüttelte den Kopf, versuchte den Kloß in ihrem Hals einfach herunterzuschlucken und weiterzugehen. Aber er ging ihr nicht aus dem Weg. Er nahm ihre Hand und sah sie an. Er sah sie einfach nur an und sagte nichts.
    Jane hätte am liebsten einfach wieder geweint, sich fallen gelassen, das alles einfach zugelassen. Aber das konnte sie nicht. Sie musste das alles wieder gut machen. Und dazu zählte auch, sich nicht anmerken zu lassen wie schlecht sie sich fühlte.
    ¨Ist schon gut.¨, meinte sie, wollte ihre Hand aus seiner befreien, aber er ließ sie nicht los.
    ¨Jane.¨, begann er und sie hörte zum ersten Mal ihren Namen aus seinem Mund. Es klang seltsam, liebevoll, vorsichtig. Nicht annähernd so direkt und einfach wie ein Name klingen sollte. Er sagte es anders. Machte es zu etwas Besonderem und Jane konnte nicht anders als ihn einfach nur anzustarren. Kaum jemand hier nannte sie bei ihrem Vornamen. Wrex, ja, aber selbst er nannte sie hier viel zu oft Shepard. Sie hatte sich so an diesen Namen gewöhnt, dass er ihr vorkam wie eine Mauer. Wenn jemand sie damit ansprach war das nicht so persönlich. Und sie musste dabei nicht an ihre Freunde denken. Die Freunde, die noch da draußen waren, die ihren Vornamen benutzen als gäbe es gar keinen anderen.
    ¨Sie haben nichts falsch gemacht. Überhaupt nichts. Und es ist egal, wie oft Sie mir noch sagen wollen, dass das hier ihre Schuld ist, ich werde Ihnen nie einen Vorwurf machen, genauso wenig wie irgendjemand anders hier. Und verdammt ja, sie hatten vielleicht eine Wahl, aber Sie sind hier, genau wie ich, Grunt, Jack, Wrex, jeder andere. Ohne Sie, wären wir nicht hier. Wir wären tot. So wie es die Reaper geplant hatten. Sie haben uns gerettet, Shepard. Und ich... Ich kann nicht länger zusehen, wie Sie sich deswegen so fertig machen. Sie haben... Ich glaube Ihnen ist gar nicht bewusst, was sie bewirkt haben.¨, er wusste nicht mehr wie er weitersprechen sollte. Da waren so viele Dinge, die er ihr noch sagen wollte, so viel, dass er schon die ganze hatte sagen wollen. Und er hätte sie am Liebsten sogar angebrüllt, weil er der festen Überzeugung war, sie würde ansonsten gar nicht auf ihn hören, aber dann kam er auf diesen blöden Gedanken. Auf dieses bescheuerte Sprichwort, dass ihm schon so lange im Kopf herumspukte und er war kurz davor, diesen Gedanken wirklich in die Tat umzusetzen, als er sich gerade noch daran erinnerte es besser nicht zu tun.
    ¨Aber wir wissen nicht, ob sie noch leben, James. Tali, Joker... Garrus.¨, sie biss sich konzentriert auf die Lippe, und James sah, wie ihre Augen feucht wurden.
    ¨Jane. Wir finden einen Weg. Ich verspreche di- Ihnen, wir finden einen Weg.¨, sagte er leise, legte eine Hand an ihre weiche Wange und lächelte als sie ihn schweigend ansah. Das hatte er schon so lange machen wollen. Ihre sanfte Haut auf seiner spüren, ihre Wange an seiner Hand. Sie schloss ihre Augen und schmiegte sich sogar noch etwas fester an ihn.
    ¨Ich weiß. Es ist nur so... Verdammt schwierig, James.¨, erwiderte sie leise. Er hatte genug davon zu warten, jetzt war der richtige Augenblick. Er nahm sie in seine Arme und Jane erwiderte seine Umarmung. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl, dass sie sich ihm anvertraute, öffnete. Dass er die Chance hatte, mit ihr zu reden und sie zur Vernunft zu bringen.
    ¨Kommen Sie. Ich bring sie erst einmal zurück in ihr Zelt.¨, schlug er vor. Immerhin standen sie immer noch inmitten des Lagers, umgeben von purer Dunkelheit. Jane nickte leicht.
    ¨Gut, aber wehe sie kommen wieder auf die verrückte Idee mich zu tragen, Lieutenant.¨, warnte sie ihn mit einem gespielt ernsten Blick und er lachte leicht.
    ¨Niemals Lola.¨
    Sie lachte ebenfalls und er war mehr als dankbar, dass sie ihn nicht wegstieß als er seinen Arm um ihre Schulter legte und langsam mit ihr zu ihrem Zelt ging. Jane war endlich bereit mit ihm zu reden. Er konnte kaum glauben, dass er das Jack und dem Alkohol zu verdanken hatte. Hoffentlich würde sie sich morgen noch daran erinnern. Selbst wenn sie das nicht tat, würde sie mit Sicherheit merken, dass es ihr besser ging und er könnte ihr dann sagen, dass sie miteinander gesprochen hatten. Dass er für sie da war.
    Als sie ihr Zelt erreichten fiel ihm wieder auf, wie abgeschottet es eigentlich von den anderen stand. Eigentlich hatte es Ehrfurcht und Respekt darstellen sollen, dass alle wussten, dass Jane etwas Besonderes war. So etwas wie die Anführerin. Aber jetzt wirkte es viel mehr einsam und verlassen. James merkte sich, sich morgen darum zu kümmern, dass mehr Zelte in ihrer Nähe aufgebaut wurden. Das hatte so keine Zukunft, wenn er wollte, dass es ihr bald besser ging.
    Sie hantierte etwas ungeschickt mit dem Feuerzeug und James nahm es ihr schnell aus der Hand. Er befürchtete, sie könnte sich noch verbrennen. Jane setzte sich auf die Decken und beobachtete ihn wie er eine Kerze anzündete und sich dann dicht neben sie auf die Laken setzte. Es war jetzt schon verdammt kalt und er wollte gar nicht wissen, wie es erst war wenn es Winter wurde. Genaugenommen war gerade mal Juli, da sollte es doch eigentlich warm sein.
    ¨Also... War das der Grund, weshalb Sie sich so zurückgezogen haben?¨, fragte er und legte wieder vorsichtig seinen Arm um sie. Jane stöhnte und lehnte sich an seine Schulter.
    ¨Du. James. Sag du zu mir. Ich denke, wir sind so weit.¨, meinte sie und klang dabei ein wenig genervt. ¨Ich wollte nicht...¨, sie seufzte. ¨Ich kann so was nicht, James. Über solche Sachen reden. Das ist nicht... Ich konnte so was noch nie. Ich hasse das.¨, erklärte sie und James brauchte einen Moment um sich daran zu gewöhnen, dass sie sich eben an ihn kuschelte. An ihn. Kuschelte.
    ¨Das kann ich verstehen, glauben... Glaub mir, so was fällt keinem leicht.¨, erwiderte er so cool wie möglich musste dann aber schnell feststellen, dass er nicht gut darin war sich zu verstellen. Es machte ihn einerseits nervös, sie so nahe an ihn zu spüren aber andererseits gefiel es ihm auch und er hätte so viel dafür gegeben, dass dieser Moment ewig hielt.
    ¨Ich weiß nicht so Recht. Wenn ich an Liara denke... Sie hatte nie Probleme zu zeigen, wie sehr sie etwas störte oder beschäftigte. Erinnerst du dich an Thessia? Das war für uns alle schlimm, aber sie hat mir das ganz deutlich ins Gesicht gesagt.¨, meinte Jane und legte langsam ihre Hand auf seine. James hatte große, starke Hände. Jane hatte so etwas an menschlichen Männern immer attraktiv gefunden.
    ¨Liara ist auch ein ganz anderes Thema, Lola.¨, erwiderte er und runzelte die Stirn. Sie wollte also schon wieder ausweichen.
    ¨Gut, ich weiß...¨, sie fuhr sich kurz mit der Zunge über die Lippen bevor sie fortfuhr: ¨Es... Ist nicht nur deswegen. Es sind mehrere Dinge die einfach... Die schief laufen. Oder schief gelaufen sind. Ich fühle mich furchtbar, James. Jeden Tag, immer wenn ich aufwache denke ich daran, dass es doch besser wäre, wenn ich gestorben wäre.¨, murmelte sie und merkte dabei wie furchtbar armselig sich das anhörte.
    ¨Ich schwöre dir, dass es das nicht wäre. Ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber mich hat... Ich wollte nicht wahrhaben, dass du tot bist. Und ich hätte damit auch nicht leben können.¨, erklärte er und verschränkte seine Finger mit ihren. Ihre Hand sah überraschend zerbrechlich aus in seiner. Und da fiel ihm der Ring auf. Sie trug einen goldenen Ring. Und das obwohl sie normalerweise nie Schmuck trug.
    ¨Was ist das eigentlich?¨, fragte er neugierig und beäugte ihre Hand etwas genauer.
    ¨Ach... Das... Mein Verlobungsring.¨, erklärte sie kurz. Bildete er sich das nur ein oder war es ihr unangenehm darüber zu reden?
    ¨...von Garrus.¨, es war keine Frage viel mehr eine Feststellung. Eine Tatsache die ihm tief in seinem Herzen einen verdammt heftigen Stich versetzte. Jane nickte auch nur.
    ¨Das ist einer von vielen Gründen, warum ich nicht glauben kann und will, dass er tot ist, James. Ich weiß, dass die Normandy noch irgendwo da draußen ist. Und ich werde nicht aufgeben, nach ihnen zu suchen.¨, meinte sie und die Entschlossenheit die in ihrer Stimme mitschwang überraschte ihn ziemlich. Vor zwei Minuten hatte sie noch ziemlich verzweifelt geklungen.
    ¨Das verstehe ich.¨, erwiderte er bloß. Er wusste nicht, was er noch sagen sollte. Er wusste nicht einmal ob er überhaupt noch etwas sagen konnte. Er war so unsagbar eifersüchtig. Eifersüchtig auf jemandem der vielleicht schon längst tot war.
    ¨Danke.¨, sagte sie während er grimmig auf das kleine goldene Stück an ihrem Finger starrte.
    ¨Wofür?¨
    ¨Das du hier bist... Und das du so hartnäckig warst. Ich weiß ich kann stur sein.¨, erklärte sie und linste zu ihm. ¨Tut mir leid, dass ich so... Unausstehlich war. Ich will normalerweise keine Hilfe annehmen.¨
    ¨Das weiß ich. Daher sollte ich wohl viel mehr dankbar sein.¨, meinte er und grinste schief.
    Sie erwiderte das mit einem Lächeln.
    ¨Ich glaube, ich sollte besser schlafen. Und du vielleicht auch.¨, meinte sie und gähnte demonstrativ. James nickte kaum merklich und stand auf. Sie legte sich hin und war erstaunt, wie fürsorglich ihr Lieutenant sein konnte, als er sie zudeckte.
    ¨Dann schlaf gut, Lola.¨, flüsterte er und pustete die Kerze aus.
    ¨James?¨
    Er kniete neben ihr und sah sie fragend an.
    ¨Ich liebe ihn, weißt du...?¨
    Sie sagte das, als sei es eine Erklärung für das, was er schon die ganze Zeit wissen wollte. Als sei es das, was zwischen ihnen stand, warum er ihr nicht näher kommen konnte, als würde sie es auch wollen wäre da nicht dieser Turianer am anderen Ende der Galaxie der eventuell noch am Leben sein könnte. James konnte kaum glauben, wie wütend ihn dieser Gedanke machte, dieser kurze Satz, die wenigen Worte. Garrus war nicht hier. Vermutlich war er sogar tot. Aber James war hier und Jane empfand ganz offensichtlich auch etwas für ihn. Es war so verdammt ungerecht! Und weil James die Hoffnung, Jane würde irgendwann über Garrus hinwegkommen nicht aufgeben wollte, tat er etwas, das vermutlich sehr dumm war. Er tat es nicht einmal vollkommen bewusst, sondern einfach weil er sein Herz nicht länger aus dem Spiel lassen konnte. Er beugte sich zu ihr herab und küsste sie, legte seine Lippen auf ihre, spürte die Wärme ihrer Haut, hörte den überraschten Laut den sie von sich gab, als er mit seiner Zunge sanft über ihre Lippen strich. Aber sie stieß ihn nicht von sich, ließ es einfach zu, dass er im Dunkeln, neben ihr kniete und sie fest in seinen Armen hielt.
    Geändert von Sally78 (03.06.2015 um 18:31 Uhr)
    Man muss nicht selber in der Pfanne brutzeln, um über ein Schnitzel schreiben zu können.

  9. #29
    Newbie Avatar von xsm4sh3r
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    wieder toll geschrieben Sally, schöne wendung und sehr fesselnd. MkG xsm4sh3r

  10. #30

    Standard

    Vielen Dank xsm4sh3r! <3

    Kapitel 19: Marionettenkönig

    Als Jane die Augen aufschlug hatte sie furchtbare Kopfschmerzen. Sie stöhnte, schloss wieder die Augen und verfluchte Jack, dass sie sie gestern dazu überredet hatte mit ihr etwas Trinken zu gehen. Wobei sich „etwas trinken zu gehen“ nur auf das Gemeinsame Alkohol trinken um ein Lagerfeuer herum beschränkte. Es war also wirklich nicht mehr das, was sie vor einigen Monaten noch als „etwas Trinken zu gehen“ bezeichnet hätte.
    Jane saß auf, rieb einige Sekunden lang ihre Schläfen und hoffte so den Schmerz ein wenig lindern zu können. Sie hätte es wirklich nicht so übertreiben dürfen. Dabei stellte sie aber fest, dass sie komischerweise gar nicht mehr so frustriert war wie gestern noch. Das unangenehme Gefühl in ihrer Brust hielt sich in Grenzen. Zumindest so weit, dass sie es erfolgreich ausblenden konnte.
    Sie stand auf, streckte sich und verließ ihr Zelt. Sie hatte allem Anschein nach ziemlich lange geschlafen. Es war den Umständen entsprechend hell und musste schon Mittag sein. Sie schüttelte den Kopf, als sie sich fragte, warum man sie nicht geweckt hatte. Immerhin hatte sie erfahren, dass sie einen Feind hatten, auch wenn er momentan keine Gefahr darstellte, sollte man der Sache doch auf den Grund gehen.
    Jane machte sich schnurstracks auf den Weg zum Hauptzelt, in welchem Kirrahe, James und Zurr schon um den Tisch herum standen und auf eine bestimmte Stelle deuteten.
    „Morgen…“, murmelte Jane bloß, erinnerte sich schnell daran, Haltung zu bewahren und merkte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg, als Kirrahe sie mit einem Lächeln musterte.
    „Guten Morgen, Commander. Wir haben eben darüber diskutiert ob wir einen Aufklärungstrupp in Richtung des anderen Lagers schicken sollten.“, erklärte er und Jane war ihm dankbar sofort zur Sache zu kommen.
    „Klingt vielversprechend. Was erwartet uns in dem 'anderen' Lager?“, fragte sie und musste erneut feststellen, dass sie selbst nach knapp drei Wochen noch nicht ganz auf dem neuesten Stand war.
    „Das… wissen wir nicht so genau. Seli'shs Truppen haben sich eigentlich immer recht ruhig verhalten, wenn es Zusammenstöße gegeben hat. Ich würde vorschlagen die Lage einfach mal auszukundschaften. Vorher können wir nur Vermutungen anstellen.“, meinte der salarianische Captain nachdenklich.
    „Gut. Dann stelle ich ein Team zusammen und werde mir das andere Lager mal ansehen. Er wird uns ja kaum umbringen wenn ich ihn um ein Gespräch bitten werde.“, erwiderte Jane und überlegte welche Waffen ihnen zur Verfügung standen. Da hatten sie eben einen Krieg beendet und schon wieder musste sie eine Schrotflinte in die Hand nehmen. Warum musste eigentlich alles immer in Gewalt enden? Sie hoffte, dass ihr Feind vernünftiger war als er klang. Vielleicht würde sie das Schlimmste ja verhindern können.
    „Ich würde gern mitkommen, Commander.“, mischte sich James ein und Jane war irritiert wie lange er ihr in die Augen sah. Wollte er ihr damit irgendetwas unterschwellig mitteilen? Sie konnte sich nicht wirklich an den vorherigen Abend erinnern. Sie wusste nur, dass er sie in ihr Zelt gebracht hatte und sie ein wenig geredet hatten. Und irgendwie meinte sie auch, dass er sie geküsst hatte, oder sie ihn? Sie wusste es nicht so genau, vielleicht hatte sie den letzten Teil auch nur geträumt. Und bevor sie ihrem Lieutenant eine schallende Ohrfeige dafür verpassen könnte, musste sie erst einmal herausfinden ob ihr Verstand ihr vielleicht auch nur einen Streich gespielt hatte. Denn grundlos würde sie ihn nicht einfach hauen.
    "Okay. Captain, würde es Ihnen etwas ausmachen mich ebenfalls zu begleiten?", fragte sie und wandte den Blick von James ab. Seine Anwesenheit irritierte sie, zumindest solange sie an gestern Abend dachte. Vielleicht würde er sie ja nochmal darauf ansprechen und sie könnte ihn dann ohrfeigen. Oder er schwieg und Jane würde nie erfahren ob er sie nun geküsst hatte oder nicht. Wie sie so etwas hasste! Verdammter Alkohol!
    "Ganz und gar nicht, Commander. Gibt es außerdem noch jemanden den Sie gerne dabei hätten?", er faltete die Karte zusammen und verstaute sie in einer Art Rucksack.
    Zuerst dachte Jane an Jack, aber sie war um einiges zu impulsiv und gerade im Bezug auf Salarianer, die gern und viel redeten einfach die falsche Ansprechpartnerin. Dann dachte sie an Grunt, dessen Anwesenheit allerdings einen Dolmetscher erfordern würde. Kirrahe beherrschte mehrere Sprachen, aber kein Kroganisch. Und Jane verstand ihn zwar, konnte ihm aber nichts übersetzen. Dann war da noch Detective Anaya*, die gut mit Waffen umgehen konnte und auch so Shepard sehr freundlich gesinnt war. Jane entschied sie noch mitzunehmen. Sie verstand James und konnte sich mit Jane verständigen. Kirrahe könnte einfach auch Englisch sprechen und damit war die Sache dann erledigt.
    "Wir nehmen noch Detective Anaya mit. Sie hat Erfahrung mit Kriminellen und sollte dieser Seli'sh uns irgendwie blöd kommen, kann sie sicher sehr nützlich sein.", beschloss Jane und sah einmal prüfend in die Runde. Kirrahe nickte.
    "Verstanden."

    Die Asari war zwar nicht unbedingt begeistert von Janes Vorschlag, nickte allerdings wortlos und begann sich auszurüsten. Die beiden Frauen standen schweigend neben einander, bis Jane auffiel, dass sie im Grunde genommen gar nicht viel über den Detective wusste.
    "Wo haben Sie eigentlich Englisch gelernt? So weit ich weiß ist unsere Sprache nicht unbedingt beliebt bei Ihrer Spezies.", meinte Jane und legte sich die Panzerung an. Sie war schwerer als ihre alte, lag auch nicht so eng am Körper an und war ein wenig unbiegsam, was Jane in ihrer Gelenkigkeit ziemlich einschränkte, aber im Moment war das die beste Ausrüstung, die sie kriegen konnte. Und allein dafür sollte sie dankbar sein.
    "Da sind Sie aber schlecht informiert, Commander.¨, meinte die Asari kopfschüttelnd, ¨Ich hatte einen menschlichen Partner. Er kam aus Vancouver.", erklärte sie und seltsamerweise fand Jane, dass ihr die Rüstung viel besser stand als ihr. Jane sah einfach nur klobig aus.
    "Hatten? Haben Sie sich getrennt oder...?", Shepard wollte es gar nicht laut aussprechen. Allein der Gedanke, jemand der einem so nahe stand könnte tot sein...
    Anaya schwieg einen Moment und starrte einfach nur auf die Pistole in ihrer Hand.
    "Nein. Er war auf der Erde als Sie die Reaper abgeschaltet haben. Er war direkt neben mir, aber nachdem das rote Licht uns erreicht hatte, herrschte Chaos und wir haben uns verloren. Ich weiß nicht wo er jetzt ist.", erklärte sie und schloss mit einem Krachen das Magazin in ihre Waffe.
    Jane zuckte kurz zusammen. Ihr war schon lange aufgefallen, dass sie auf laute Geräusche sehr empfindlich reagierte, seit sie die Explosion der Citadel überlebt hatte.
    ¨Tut mir leid.¨, erwiderte sie fast schon automatisch.
    ¨Muss es nicht. Sie haben uns allen den Arsch gerettet, Commander. Sie sind die letzte über die ich mich jetzt beschweren würde.¨, entgegnete sie und steckte ihre Pistole in den Gürtel.
    ¨Ich weiß nicht ob das hilft, aber ich weiß wie Sie sich fühlen. Mein Partner ist auch...verschwunden.¨, murmelte sie.
    Die Asari lachte leicht. ¨Der Turianer, richtig? Ich kenne Ihre Geschichte.¨, meinte sie und zog den Gurt um ihre Hüfte etwas fester.
    ¨...Die Medien...¨, knurrte Jane und schüttelte den Kopf. Sie hatte mit Absicht so viel wie möglich unter Verschluss gehalten. Aber seit die Reaper eine realistische Bedrohung dargestellt hatten, war das Militär irgendwie sehr in den Vordergrund geraten. Und das Augenmerk lag dabei ganz besonders auf ihr, Jane Shepard, die den Kampf gegen die Reaper anführte. Kein Wunder wusste die gesamte Galaxie über ihre Beziehung Bescheid. Jane wollte gar nicht wissen, wie viel Anaya genau wusste.
    ¨Nicht nur die Medien, Commander.¨, sie schmunzelte, ¨Ihre Geschichte ist die Art, die man Kindern zum Einschlafen vorliest. Der Commander der für alle Spezies kämpft und sich dabei in ihren engsten Partner verliebt. Sie waren eine Inspiration für viele andere, Shepard. Zumal ihre Geschichte ziemlich aufgebauscht wurde, als man sie für tot erklärt hat. Ich weiß nicht einmal ob das alles stimmt was erzählt wurde.¨, murmelte sie und zog die Stirn in Falten.
    Jane hielt in der Bewegung inne.
    Garrus.
    Sie spürte einen heftigen Stich in der Brust. Ein Schmerz der sie fast alles um sie herum vergessen ließ. Wie sehr sie dafür betete, dass es ihm gut ging.
    ¨Shepard?¨
    Jane hatte gar nicht bemerkt wie sie in die Knie gegangen war.
    ¨... Es ist alles in Ordnung.¨, meinte sie schnell und rüstete sich weiter aus. ¨Ich wusste nicht, dass... Ich hätte nicht gedacht, dass so viel über mich geredet würde.¨
    ¨Soll das ein Witz sein? Sie waren die ganzen letzten Monate das einzige Thema. Der Lieutenant und Wrex haben viel über sie gesprochen. Ich muss aber zugeben, dass mich das nicht unbedingt so sehr interessiert hat. Ich schätze, dass über die Hälfte erfunden war.¨, meinte sie und lachte leicht. Anaya steckte die letzte Pistole in die Halterung an ihrem Gürtel und deutete dann Shepard, dass sie schon mal vorgehen würde.
    Jane nickte nur und versuchte den Gedanken an ihren Partner zu verdrängen. Sie wusste, wie sehr es weh tat nicht zu wissen wo er war und wie es ihm ging, aber hier und jetzt war nicht der Zeitpunkt wieder in Depressionen zu verfallen. Obwohl Jane definitiv genug davon hatte, die Welt zu retten, konnte sie dieses offensichtliche Problem das Seli´sh darstellte nicht einfach ignorieren.
    ¨Kommen Sie, Commander?¨, fragte die Asari und Jane lief ihr schnellen Schrittes hinterher.

    Genaugenommen war Jane eigentlich ganz froh gewesen, noch nicht so viel von der Erde gesehen zu haben. Ihr fiel erst jetzt auf, wie schlimm das alles eigentlich aussah. Überall lagen Leichen, Schutt, Asche. Ein schrecklicher Anblick den man sich eigentlich nur aus Kriegsfilmen gewohnt war. Aber real, direkt davor zu stehen, war etwas ganz anderes. Dieses Bild ließ sie wieder an die Citadel denken, als sie durch diesen seltsamen Flur gegangen war, dessen Boden von Leichen bedeckt gewesen ist. Ihr zog sich der Magen zusammen und sie hielt sich kurz die Hand vor den Mund. Die Erinnerung war so frisch, als wäre sie erst vor wenigen Tagen dort gewesen.
    ¨Alles in Ordnung?¨, fragte James der sofort neben ihr stand und sie mit einem besorgten Blick musterte.
    ¨Ja... Es geht schon...¨, erwiderte sie, rang sich ein Lächeln ab und führte ihre Gruppe dann weiter durch das Schlachtfeld. So schlimm hatte sie sich das alles nicht vorgestellt. Jane warf einen kurzen Blick auf ihre Gruppe. Kirrahe schien überraschend gefasst zu sein, es wirkte fast so, als wäre er sich diesen Anblick gewohnt, als hätte er nie etwas anderes gesehen. Der Detective ließ sich auch nichts anmerken, aber Jane wusste ja, wie cool sich Anaya immer gab. Als sie damals gegen Samara ermittelt hatte, war sie zwar genervt gewesen, hatte aber keine Sekunde Angst vor der Justikarin gehabt. Und James warf ihr immer wieder verstohlene Blicke zu. Er sorgte sich, das spürte Jane von Weitem. Da schien er die Toten geradezu auszublenden.
    Sie liefen noch einige Meter weiter und Jane war unheimlich froh, als sie endlich ein verbranntes Feld erreichten, das nicht länger von Leichen übersät war. Es war angenehmer zu laufen ohne ständig darauf achten zu müssen, nicht auf irgendwelche Körperteile zu treten.
    Unwillkürlich fragte sich Jane auch, ob sich denn niemand darum gekümmert hatte, die Toten zu vergraben oder zu verbrennen. Aber anscheinend hatte ihr Lager andere Sorgen oder Prioritäten gehabt.
    Und als hätte er ihre Gedanken gelesen, wandte sich James an sie. ¨Falls Sie sich fragen, warum wir eben durch dieses... Leichenmeer gewatet sind, das war nicht unser Bereich. Wir hatten einige unserer Truppen hier her geschickt, aber Seli´sh ist sehr stur wenn es um sein Territorium geht.¨, erklärte er.
    Jane nickte nur anerkennend für die Erklärung und ging weiter. Die Erde war verbrannt, voller Asche und Trümmerteilen. Aber keine Toten mehr. Vor einigen Monaten hätte sie diesen Anblick der zerstörten Landschaft noch schlimm gefunden, aber in diesem Moment war sie einfach nur erleichtert.
    ¨Wie weit ist es noch?¨, fragte die Asari und sah Jane erwartungsvoll an. Dabei hatte Shepard am allerwenigsten Ahnung. Sie zuckte nur mit den Schultern.
    ¨Nicht mehr lang. Sehen Sie das Hochhaus da hinten? Gleich dahinter fängt die Mauer an.¨, erklärte James. Jane sah ihn irritiert an. Die Mauer?
    Sie hatten ja auch eine Art Mauer um ihr Lager gebaut, aber Jane hatte nicht damit gerechnet, dass ihr Rivale das ebenfalls tat. Vielleicht unterschätzte sie ihn aber auch einfach nur.
    ¨Waren Sie schon mal dort?¨, erwiderte die Asari und warf nun James einen fragenden Blick zu. Ihr Akzent klang interessant. James hatte noch nie eine Asari Englisch sprechen hören.
    ¨Ja. Ein mal. Es ist... Fortschrittlicher.¨, James zog die Stirn in Falten. Er wusste nicht Recht wie er das Bauwerk des Salarianers beschreiben sollte. Ja, in gewisser Weise schienen sie schon um einiges weiter zu sein, als Shepards Lager. Aber Seli´sh weigerte sich, sein Wissen zu teilen.
    ¨Und wieso haben Sie nicht schon früher versucht mit ihm zu kooperieren?¨, fragte Jane und James sah sie irritiert an als er ihren genervten Unterton vernahm. War sie wütend auf ihn? Erinnerte sie sich an gestern Abend? Sollte er mit ihr darüber reden? Er hielt lieber den Mund und schüttelte zur Antwort einfach nur den Kopf.
    ¨Unmöglich. Sobald unsere Truppen sein Territorium... Betreten haben, hat er uns sofort angegriffen.¨, erklärte er.
    ¨Ich dachte es sei noch nicht zu solchen Auseinandersetzungen gekommen?¨, erwiderte der Commander und nun klang sie richtig angefressen.
    James blieb stehen. ¨Sind Sie wütend auf mich?¨, fragte er direkt. Er wollte sich das definitiv nicht gefallen lassen. Er hatte Jane geholfen und das konnte sie beim Besten Willen nicht leugnen. Und wenn sie sich an den Kuss erinnern sollte und ihm deswegen so böse war, dann sollte sie ihm das sagen.
    Jane sah ihn irritiert an.
    ¨Nein.¨, erwiderte sie schnell.
    ¨Dann sollten Sie mich vielleicht nicht so anfahren, Commander.¨, schlug er vor und sah sie eindringlich an.
    Jane schwieg einen Moment und beachtete Kirrahe und Anaya gar nicht, die die beiden mit einem verwirrten Blick beobachteten. Gerade so als ginge etwas vor sich, von dem sie gar nichts wussten oder wissen konnten.
    ¨Entschuldigen Sie.¨, gab sie schließlich nach. Genaugenommen war ihr Lieutenant zwar nicht dazu befugt, sie zu Recht zu weisen, aber andererseits meinte er es nur gut und genaugenommen lag er nicht ganz falsch, sie hatte ihn eben ohne Grund angeschnauzt.
    ¨Schon gut.¨, erwiderte er leise und führte die kleine Gruppe weiter an. Es herrschte ein betretenes Schweigen und Jane war nur zu bewusst, dass das ihretwegen war. Wieso verhielt sie sich auch so seltsam empfindlich? Sie war doch sonst nicht so sensibel. Einen Moment lang überlegte sie, was das alles aus ihr gemacht hatte. Der ganze Kampf gegen die Reaper, das Verschwinden der Normandy... Sie fühlte sich, als hätte sie die Kontrolle verloren, als wäre ein Teil von ihr, der immer wusste was zu tun war, mit den Reapern untergegangen. So hilflos hatte sie sich noch nie gefühlt. Was für eine Scheiße...
    Die Gruppe ging an dem kaputten Hochhaus vorbei. Anaya war kein Fan von Horrorvideos, aber sie erinnerte sich, einmal eines mit ihrem Partner gesehen zu haben. Es ging um Untote die Feros beherrschten und alle Lebewesen dort auslöschen wollten. Bis Commander Shepard mit ihrem Squad kam und den Planeten rettete. Sie erinnerte sich an eine wirklich heftig gruselige Szene und dieses kaputte, verlassene Hochhaus wirkte, als wäre es direkt aus dem Film gesprungen. Sie fröstelte und versuchte diesen unheimlichen Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen. Nun war nicht die Zeit dafür den Schwanz einzuziehen. Schließlich waren sie kurz vor dem anderen Lager.
    ¨Da vorne ist es...¨ James blieb wieder stehen und deutete an das andere Ende der langen Straße. Jane musste die Augen zusammenkneifen um das seltsame Bauwerk am Horizont erkennen zu können. War das... ein Teil von Stonehenge?
    ¨...Und dort hat sich dieser Seli´sh eingenistet?¨, fragte sie fassungslos und war beinahe schon beeindruckt, was der Salarianer alles auf die Beine gestellt hatte. Da wirkte ihr Lager wortwörtlich armselig.
    ¨Ja. Ich hoffe nur, er greift uns nicht wieder an. Aber ich glaube, mit Ihnen haben wir ganz gute Karten.¨, meinte James und grinste Jane schelmisch an.
    ¨Wenigstens etwas, wofür ich gut bin.¨, erwiderte sie sarkastisch.

    Tatsächlich gab es keine weiteren Probleme bis sie das Mauerwerk um das Gebäude herum erreichten. Die Tore öffneten sich fast lautlos und Jane konnte nicht verhindern das alles mit echtem Staunen anzustarren. Immerhin wirkte das alles ziemlich futuristisch auf sie und sie fragte sich auch sofort woher der Salarianer die ganzen Ressourcen nahm. Immerhin war sein Lager nach James' entstanden und es war wirklich atemberaubend groß.
    ¨James, ich glaube, Sie eignen sich nicht als Führungskraft.¨, meinte sie halb im Spaß und stieß ihn leicht in die Seite.
    ¨Deswegen hatte ich mich gefreut, dass Sie wieder da waren, Lola. Ich dachte, Sie könnten vielleicht auch so etwas aufbauen.¨, erwiderte er und Jane war dankbar, dass er ihren Humor teilte.
    ¨Mein eigenes Imperium? Klingt verlockend. Vielleicht schaffe ich es ja, diesen Seli´sh zu überreden. Dann kann er ja gemeinsam mit mir über unseren eigenen kleinen Planeten herrschen...¨, sie lachte leicht.
    James musterte sie einige Sekunden lang. Er war erleichtert, wie offen sie wirkte. Überhaupt nicht mehr so distanziert und unnahbar wie in den letzten Wochen noch. Anscheinend hatte ihr das Gespräch gestern wirklich geholfen. Er war kurz davor ihre Hand zu nehmen und ihr zu sagen, wie froh er war, sie wieder Lächeln zu sehen, aber da zog ein gigantisches Horn seine Aufmerksamkeit auf sich und irritiert zog er eine Augenbraue hoch. Das war ein Witz, oder?
    ¨Ist das... Ein Horn?¨, fragte Jane und sie sah nicht weniger verwirrt aus als er.
    ¨Ich habe keine Ahnung...¨, stammelte James und verfolgte einen kleinen Salarianer mit seinem Blick, als der sich an das Ende des Instruments stellte und einmal heftig hinein blies.
    Jane neben ihm zuckte zusammen. Seit er sie gestern geküsst hatte, hatten sich seine Gefühle ihr gegenüber um einiges verstärkt und er hätte sie am liebsten schützend in seine Arme genommen. Er hielt sich aber gerade so zurück, dass er sich nur teilweise vor sie stellte.
    ¨Was zur Hölle soll der scheiß?¨, fragte Anaya sichtlich verärgert und stellte sich neben Shepard.
    Der Salarianer brabbelte irgendetwas, was James überhaupt nicht verstand. Als er in Kirrahes Gesicht sah, wurde ihm bewusst, dass der auch nicht so genau wusste, was sein Artgenosse wollte.
    ¨Was sagt er?¨, fragte James, nachdem Kirrahe die Worte des kleinen Salarianers nicht von selbst übersetzte.
    ¨Er... Will seinen hohen Herrscher ankündigen und bittet uns... Nein er befiehlt, vor ihm niederzuknien.¨, erklärte der Captain und James musste fast lachen, als er sah, dass der Salarianer selbst nicht ganz glauben konnte, was er da eben dolmetschte. ¨Das klingt zwar alles sehr absurd, aber es scheint, als meine es der Salarianer ernst.¨, fügte er hinzu und warf Jane einen fragenden Blick zu.
    ¨Das ist jetzt nicht wahr...¨, Jane hielt inne und starrte fassungslos auf den Stuhl der am Ende der großen Treppe vor ihnen stand. Sollte das etwa einen Thron darstellen? ¨James, wenn Sie mich verarschen, bringe ich Sie um.¨, warnte sie ihn, in der Hoffnung er würde ihr nun endlich sagen, dass das alles nur ein schlechter Witz war.
    ¨Shepard, ich schwöre Ihnen, ich habe damit überhaupt nichts zu tun.¨, erwiderte er und hob beschwichtigend die Hände.
    ¨Waffen runter.¨, befahl eine Stimme die noch zu keinem Körper gehörte. Jane suchte ihre Umgebung ab, konnte aber außer dem kleinen Salarianer niemanden sehen.
    ¨Kommen Sie raus und reden Sie mit mir.¨, entgegnete Jane und seltsamerweise lag wieder der altbekannte, autoritäre Ton in ihrer Stimme, den sie so lange vermisst hatte. Eine Waffe an ihrem Gürtel zu tragen schien ihrem Selbstbewusstsein erstaunlich gut zu tun.
    ¨Commander Shepard. Welch eine Ehre.¨
    Jane hätte schwören können, diese Stimme schon einmal gehört zu haben, aber sie kam selbst nach einigen Minuten nicht darauf, zu wem sie gehörte.
    ¨Sie kennen mich... Wie schön, dann müssen ja nur noch Sie sich vorstellen.¨, erwiderte sie und deutete ihrem Squad die Waffen wegzustecken. Jane hatte gar nicht bemerkt, dass Anaya ihre Pistole, Kirrahe sein Gewehr und James seine Schrotflinte gezogen hatten. Diese ganze Situation kam ihr merkwürdig absurd vor. Das schien so surreal, geradezu wie ein Traum. Allein der Thron und das Horn. Sie bekam einfach den Gedanken nicht los hier ganz deutlich auf den Arm genommen zu werden. Es gab doch wirklich niemand, der so etwas ernst meinen könnte, oder etwa doch?
    ¨Aber, aber Commander... Wir haben uns doch schon längst vorgestellt.¨, der Salarianer setzte sich gemächlich auf den Stuhl und besah Jane mit einem fast schon liebevollen Blick. ¨Ich freue mich sehr, Sie wiederzusehen, Commander Shepard.¨
    Jane ließ verdutzt ihre Waffe fallen und war in den ersten Sekunden komplett sprachlos.

    *Detective Anaya war die Asari, die in ME2 gegen Samara ermittelt hat
    Man muss nicht selber in der Pfanne brutzeln, um über ein Schnitzel schreiben zu können.

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