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Thema: Citadel

  1. #1051
    Wie Feuer... Avatar von Milky_Way
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    Fundamente/ Sichere Wohnung

    "Eine der Drohnen hat wahrscheinlich Harrison entdeckt. Ich warte auf die Bestätigung", meinte James, bevor er landete.
    "Verstanden." Lyn verließ den SUV und stieg die Treppe hoch.
    James lief dem Commander zügig in die Wohnung nach und schaute zu, wie sie den Projektor aktivierte und alle im Wohnzimmer versammelte. Die Drohne gab tatsächlich die Position von Harrison durch und der N7er setzte sie sofort auf den implantierten Soldaten an. Der kleine Helfer wird dem jungen Mann förmlich am Arsch kleben. Im gebührenden Abstand hoch über seinem Kopf selbstverständlich. Er übertrug das Bild auf den Projektor.
    Der Commander beugte sich über den Couchtisch und rieb sich nachdenklich das Kinn. "Also gut, herhören!" Ihre Stimme klang so, als ob sie gewohnt sei, dass man auf sie hörte.
    Aeona reagierte am Offensichtlichsten und schlug schon fast die Hacken zusammen.
    Aurix hatte Probleme das Gesicht des menschlichen Commanders zu fixieren, nur die grünen Augen stachen klar hervor und wirkten sehr hart und unnachgiebig. Benommen schüttelte er mit dem Kopf, aber es half nicht, sondern machte alles noch viel schlimmer.
    "Wir schlagen in der Dunkelheit zu, also nutzt jetzt noch die Stunden um euch auszuruhen und eure Ausrüstung auf 100% zu bringen, klar soweit?" Lyns Blick suchte jeden einzelnen auf, wobei er länger auf den Söldnern ruhte.
    Kahn trat näher an Krom heran und legte ihm einen Arm um die Schulter. Ohne dass die beiden Männer einen Blick wechselten, kramte Krom eine Packung Zigaretten hervor, steckte sich eine in den Mund und hielt die Packung Kahn hin, der sich ebenfalls eine nahm. Nachdem sich Krom die Kippe angesteckt hatte, hielt er die Flamme blind zu Kahn, und kurz darauf stießen die beiden blauen Dunst aus. Lyn reichte dies als Antwort.
    "Commander, es gibt einige Anmerkungen bezüglich Ihrer Gästewahl...", fing Alter an.
    Konnten VIs sarkastisch sein? Wahrscheinlich nicht. Dann konnte man eine Maschine wohl auch nicht beleidigen. "Nicht. Jetzt." Lyn schnitt Alter das Wort ab und trat vom Projektor zurück. James folgte ihr direkt auf den Fersen. Die Soldatin schaute sich nicht mehr um, sondern steuerte eins der Schlafzimmer an, zog die Panzerung aus und fiel ins Bett. Nach ein paar Sekunden war sie schon eingeschlafen.
    Der N7er setzte sich in einen Stuhl, den er gegenüber der Tür und neben dem Bett platzierte. Die Eagle hielt er entsichert in der rechten Hand. Das Omnitool tauchte den Raum in ein orangefarbenes Schimmern ein, während es die Daten zeigte, die die Drohne brav übertrug. Harrison und seine Familienangehörigen waren teils in der Küche, teils im Wohnzimmer und ließen den Abend anbrechen. James lehnte sich zurück und vergrößerte den Abschnitt um Harrisons Kinder, die im Wohnzimmer spielten. Er beobachtete sie mehrere Minuten lang, bevor die Kamera wieder das komplette Haus umfasste und die Familie als helle Schemen mit kleinen Namensschildern daneben hervorhob.

    Man verteilte sich und jeder bereitete sich mit mehr oder weniger Elan auf die nächste Aktion vor.
    Aurix war jetzt nicht mehr in der Lage, seine Ausrüstung zu prüfen, aber diese war immer in bester Ordnung und einsatzbereit – er erledigte das Durchchecken aus reiner Gewohnheit direkt nach jeder Mission, sei sie auch noch so klein. Den Absturz hatte die High-Tech-Rüstung gut überstanden, nur an der rechten Schulter hatte sie einige neue Kratzer hinzubekommen, die nicht weiter besorgniserregend waren. Das Loch im Rücken hatte er einigermaßen wieder kitten können. Die Panzerung hing im Spind, zusammen mit den Waffen, deren nächste Wartung erst in ein paar Tagen anstand. Der Ghost erhob sich mit dem Glas in der Hand und ging langsam in die Küche. Er blieb an der Küchenzeile stehen, drehte den Wasserhahn auf, beugte sich herunter und trank mit gierigen Schlucken, um die Benommenheit aus dem Kopf zu vertreiben, um das hinzubekommen hatte er allerdings schon zu viel getrunken. Er drehte den Hahn wieder zu und lehnte sich gegen die Arbeitsfläche. Ach, was solls... Er nippte an dem Drink.

    Für die beiden erfahrenen Söldner gab es nach ein paar Minuten nichts mehr zu tun und so entschlossen sie sich fürs Fernsehen, als ihnen etwas Amüsanteres einfiel.
    Aeona war direkt nachdem sie ihre Ausrüstung durchgecheckt hatte in einem der Schlafzimmer verschwunden, das andere hatten Lyn und James für sich gepachtet. Gisele ist einfach auf dem Sofa eingeschlafen. Wer noch übrig war, war der Turianer. Der Ghost kippte sich nun schon den fünften Doppelten ein, oder war es schon der sechste – auf jeden Fall zeigte Aurix bereits die ersten Ausfallerscheinungen.
    Kahn grinste Krom direkt an, es dauerte einen Moment, bis der Söldner verstand worauf sein Kumpel hinauswollte, er begriff es aber schlussendlich.
    "Mein Freund!", rief Krom zu Aurix. "Komm mal her! Wir müssen was mit dir besprechen!"
    Aurix kniff argwöhnisch die Augen zusammen, ging unsicheren Schrittes dann aber doch tatsächlich zu den Söldnern und setzte sich auf das Sofa.
    Während Kahn nun aufstand und in die Küche ging, begann Krom auf den Ghost einzureden.
    "Wir sollten unsere Munitionsarten aufeinander einstellen. Es macht keinen Sinn, wenn wir alle mit Disruptormunition herumlaufen..."
    Aurix hatte offensichtlich Schwierigkeiten Krom zu folgen und versuchte mit Anstrengung einen konzentrierten Gesichtsausdruck beizubehalten, noch schien er zu glauben, dass er seinen Zustand verheimlichen könnte.
    "Genug mit diesem Gelaber!", mischte sich Kahn ein und hatte zwei Flaschen und Gläser dabei. "TRINKSPIEL!", rief er fast und verteilte die Gläser, die er auch gleich füllte. "Keine Angst, mein turianischer Freund, deine Flasche mit turianischem Wodka – unsere Flasche mit menschlichem Wodka, also alles gut!"
    "Kannst du Habenichts?", fragte der Söldner weiter und hielt einen Stapel Karten in der Hand. Bei Habenichts handelte es sich um ein bekanntes, einfaches Kartenspiel, das in den Terminusgebieten weit verbreitet war und üblicherweise mit batarianischen Spielkarten gespielt wurde.
    Aurix nickte und schon ging es los.

    Es dauerte nicht mal eine Stunde, und Aurix war sternhagelvoll und konnte kaum noch geradeaus sehen. Inzwischen hatten sie aufgehört zu spielen und nur noch gesoffen, wobei Aurix von sich aus anfing den Söldnern zu erzählen, dass er sich heftig in Aeona verknallt hatte. Was er natürlich nicht wusste – Kahn hatte den menschlichen Wodka stark mit Wasser verdünnt, sodass die beiden den Turianer gefahrlos abfüllen konnten und nun würden sie ihren Spaß haben.
    Denn kurz darauf stand Aurix vor einer Schlafzimmertür und wankte stark. Angestachelt durch die Söldner wollte er jetzt Aeona seine Liebe gestehen und sie verführen. Der Ghost atmete ein letztes Mal tief durch und betrat dann das Schlafzimmer.
    Was Aurix nicht wusste, oder vielmehr gar nicht mehr wahrnehmen konnte, war, dass die Söldner ihn vor Lyns Tür bugsiert hatten. Die beiden konnten sich ein Lachen kaum verkneifen, als sie zuerst heftiges Gemurmel und dann ein lautes Klatschen hörten.
    James stapfte aus dem Zimmer, den halb bewusstlosen Aurix hinter sich herziehend. Mit einem wütenden Gesichtsausdruck warf der Destroyer den Turianer auf das Sofa, schenkte den Söldnern einen ernsten Blick und meinte: "Wenn er sich rührt, haut ihm eine runter!" Er stapfte wieder zurück.
    Nun schickten sich auch die Söldner an ins Bett zu gehen – allerdings nicht ohne vorher noch dem bewusstlosen Aurix mit einem wasserfesten Permanentmarker einen dicken Penis auf das Gesicht zu malen.
    Beide gingen ins Schlafzimmer von Aeona, die aufwachte und verschlafen, jedoch mit Interesse den Männern beim Ausziehen zusah. Sie stützte sich auf einem Ellbogen ab und zog leicht die Augenbrauen hoch, als diverse Kleidungsstücke neben ihren auf dem Boden verstreuten Klamotten landeten.

    Nach wenigen Augenblicken standen die beiden Söldner splitterfasernackt vor dem Bett und lächelten Aeona an.
    Die Soldatin musterte Krom von oben bis unten, und zwar langsam. Der Körperbau und die Bestückung waren mit Kahn vergleichbar, nur die Details waren unterschiedlich: andere Tattoos, ein völlig anderes Narbenmuster und etwas mehr Haare auf der Brust. Der Söldner hob bedeutungsvoll die Augenbrauen nach oben, als sie ihm in die klaren Augen blickte, woraufhin sie schief lächelte, "Gute Nacht!" sagte und sich auf die Seite drehte, um weiter zu schlafen.
    Die Soldatin merkte noch, wie sich jeweils links und rechts von ihr die Söldner ins Bett legten. Kurz schaukelte die Matratze, bis die beiden Kerle endlich eine passende Schlafposition gefunden hatten. Doch etwas machte Aeona stutzig: Kahns Atemfrequenz, die sie mehr als deutlich vernahm, wurde mit der Zeit nicht langsamer und tiefer, sondern erhöhte sich sogar noch geringfügig.
    Sie öffnete die Augen und sah in die blauen Augen von Kahn. Der Söldner lag auf der Seite, den Kopf auf seinem Arm abgelegt, und sah mit einem sanften Lächeln die Soldatin an. Der Mann lag nahe genug bei ihr, sodass er ihren Wohlfühlabstand gerade so ankratzte. Sie glaubte auch seine Körperwärme zu spüren, es könnte aber auch nur Einbildung gewesen sein.
    Einen Moment zu lang erwiderte sie seinen Blick, bevor sie die Augenbrauen runzelte und wieder die Augen schloss.
    Deutlich bekam sie mit, wie Kahn einen tiefen Atemzug durch die Nase nahm. Sie öffnete erneut die Augen.
    "Hi", raunte er. "Kannst du nicht schlafen?", fragte er und lächelte dabei.
    "Gute Nacht!", erklärte sie erneut, diesmal mit etwas mehr Nachdruck.
    "Vielleicht fehlt dir ja was? Vielleicht können wir dir ja was Gutes tun?" Es klang nicht nur wie eine Frage.
    Aeona riss die Augen auf und sah Kahn unsicher an, als sie schon Krom bemerkte, wie er an ihrem Haar roch. Sie drehte sich halb zu dem anderen Söldner um, nur um Kahns Finger zu spüren. Lediglich mit den Fingerspitzen fuhr Kahn die schlanke Flanke der Soldatin entlang, über ihre Hüfte bis zum Oberschenkel.
    "Überleg es dir!", flüsterte Kahn fast schon. "Wie es sich wohl anfühlen würde..." Er sah Aeona erneut tief in die Augen. "Sich völlig fallen lassen zu können, von vier starken Händen aufgefangen, getragen..."
    Aeona war für einen Moment völlig sprachlos und reagierte nicht, selbst als Kahns Finger anfingen an der Innenseite ihres Oberschenkels nach oben zu wandern.
    Bevor sie überhaupt reagieren konnte, begann auch Krom sich enger an ihren Rücken zu schmiegen. Er hauchte der Soldatin einen Kuss auf den Nacken, während seine Hand sich auf ihren Hintern legte. Ohhh...
    Sie schloss die Augen, denn der kahlköpfige Söldner war überraschend zärtlich, seine Lippen strichen gerade so über ihre Haut und erzeugten wohlige Schauer. Unwillkürlich drückte sie sich etwas fester gegen Krom - als sie auch schon Kahns Lippen auf ihren spürte. Sie öffnete wieder die Augen und schaute direkt in die von Kahn, der in den Kuss hinein lächelte. Sie blinzelte, als Krom leicht an ihrem Nacken knabberte und sich noch enger an sie presste. Seine Arme umschlangen ihren Körper, während Kahns Hände gänzlich woanders beschäftigt waren, und ihr immer wärmer und wärmer wurde, was allerdings nicht nur daran lag, dass die Körpertemperatur der beiden Männer etwas über ihrer lag. Kahns Lippen wurden immer fordernder und sie fing schneller an zu atmen.
    Irgendeiner der beiden drehte sie auf den Rücken, ohne dass sie es bewusst wahrnahm. Kahns Mund verließ ihren und arbeitete sich nach unten voran, bis zu...
    "Hört... Hört auf...", flüsterte sie atemlos und wollte schon Kahn von sich wegdrücken, als Krom ihren Kopf sanft zu sich drehte und sie sinnlich zu küssen begann. Aeona atmete schwer in den Kuss hinein und erwiderte ihn so leidenschaftlich wie vorhin, als sie Kahns Hände an ihrem Slip spürte.
    "Hört auf, hab ich gesagt...", murmelte sie und drückte Krom, der einfach weiter machte, von sich weg.
    Kahn hielt inne und sah kurz, noch immer ihre Hüfte umfassend, zu ihr auf.
    "Wenn du unbedingt willst...", flüsterte er und küsste erneut ihren Bauch, während Krom sanft ihren Hals streichelte und dabei die feinen Härchen reizte.
    Diese beiden Söldner machten es nic... Oh, verdammt...! Der Gedanke riss abrupt ab, denn Kahn rutschte tiefer nach unten, küsste die Innenseiten ihrer Oberschenkel, während sich seine Finger unter den Saum ihres Slips einhackten. Der andere Söldner lächelte sie an, beugte sich etwas über sie und küsste sie wieder innig, und seine Hand begab sich auf eine Entdeckungstour, auch hierbei war er dermaßen zärtlich, dass Aeona wiederum schneller zu atmen begann, denn der Kerl wusste ganz genau, was er da tut.
    Die Soldatin atmete tief durch und riss sich mit Mühe zusammen. Sie schob Krom wieder von sich weg und blickte Kahn ernst in die Augen.
    "Ich meine es auch so."
    Beide Söldner hielten inne und musterten die Soldatin.
    Mit einem unzufriedenen Seufzen ließen sie aber schließlich von der Frau ab. Krom richtete sich auf. "Ist irgendwas nicht in Ordnung?", fragte er und wirkte schon beinahe besorgt.
    "Ich bin nicht in Stimmung!", behauptete sie rasch – und log dabei offensichtlich.
    Kahn schielte noch kurz nach unten, bevor er sich mit einem gespielten Ächzen neben Aeona auf den Rücken drehte.
    "Wenn du das sagst!", meinte er und grinste dabei spitzbübisch.
    Die Soldatin sah noch einmal kritisch von Kahn zu Krom, bevor sie sich wieder auf die Seite drehte. Nach einer Weile waren die Söldner eingeschlafen und es wurde ganz still in der Wohnung. Nur Aeona lag noch lange wach, hörte den Atemgeräuschen der Söldner zu und dachte nach. Hast Schiss bekommen, was? Ja, das hatte sie, es war einfach... zu viel des Guten auf einmal gewesen. Hinter ihr brummte Krom etwas Undeutliches, das Bett knarzte, sein Arm landete auf ihrer Hüfte, er drückte sich fest an sie und vergrub das Gesicht in ihrem Haar. Sie wollte ihn schon wegschieben, er aber seufzte nur zufrieden und schlief friedlich weiter, also ließ sie ihn. Irgendwann fiel sie in einen unruhigen Schlaf.

    Es war spät am Abend, als sie sich alle erneut um den Projektor versammelt hatten. Jeder trug seine Gefechtsmontur. Zwar sah Aurix nicht ganz so taufrisch aus, aber er war fit genug für einen Einsatz. Das Helmvisier hatte er heruntergelassen, aber noch nicht abgedunkelt. Die neue Bemalung auf seinem Gesicht wurde verdeckt. Der Chief runzelte kurz die Augenbrauen, als sie die Verletzung bemerkte, die gestern noch nicht da war, musste dennoch laut lachen – und sie empfahl ihm eine Schmirgelpaste aus dem Werkzeugkoffer, mit der man Metall polieren konnte, um auch die winzigsten Unebenheiten auszugleichen. Ganz abbekommen hatte er den Stift nicht, dafür war seine Haut jetzt blutig durchgescheuert.
    Kurz erläuterte Lyn die Lage. Sie hatten ihr neues Ziel aufgespürt.
    Der Allianzsoldat, Harrison, der sich im Moment daheim aufhielt.
    Harrison war schon vor dem Reaperkrieg auf der Citadel stationiert und hatte mit seiner Familie eine Wohnung in einem Allianzviertel bezogen. Es war eine Wohngegend, in der fast ausschließlich Allianzsoldaten mit ihren Familien wohnten, mit einer Allianzschule, Allianzläden, Allianzkitas, etc. etc.
    Sogar die Allianz-Militärpolizei patrouillierte dort regelmäßig, seit dem Cerberusangriff sogar vermehrt.
    So wie sich das Ganze anhörte spielte sich im Moment bei Harrison eine Bilderbuch-Familienszene ab. Nach dem Abendessen sitzt die Familie noch ein wenig beisammen, dann werden die Kinder ins Bett gesteckt und die Eheleute sehen einem entspannten Abend entgegen.
    "Wir wissen, wo er jetzt ist. Bei der derzeitigen Lage könnte Harrison bereits morgen abkommandiert werden..." Lyn schwieg für einen Moment, ohne die Miene zu verziehen. "...Wir lassen ihn nicht entkommen. Wir schlagen heute zu."
    James nickte bekräftigend, während er das Bild, welches die Drohne übermittelte auf die Projektionsfläche warf. Die Kinder schliefen schon, nur Harrison und seine Frau saßen auf der Couch und sahen fern.
    Aeona sah zu dem Destroyer, dessen Helm auf dem Tresen lag, direkt neben Lyns Kopfschutz. Etwas in seinen Augen beunruhigte sie, so sehr, dass sich ihre Nackenhaare sträubten.
    "Wir werden uns wieder aufteilen. Ihr nähert euch von dort." James vergrößerte den gesamten Allianz-Komplex und deutete auf eine Zugangsstraße, dabei wanderte sein Blick zu den Söldnern und der Infiltratorin. "Passt auf die Überwachungskameras auf. Diese sind hier, hier und hier", markierte er die Punkte auf der Karte. "Grey, schalte sie notfalls aus." Alle Daten wurden automatisch an die Omnitools der Anwesenden übertragen, dafür sorgten Lyn und Alter.
    "Verstanden", bestätigte Aeona.
    "Wir treffen uns hier." Hier lag in unmittelbarer Nähe der Zielperson. James sah alle der Reihe nach an.
    "Schnell zuschlagen, keine Spuren hinterlassen, ist das klar?", fragte Lyn in die Runde.
    Rauchend lehnten die Söldner nebeneinander an der Couch und nickten ohne den Blick vom Boden zu heben.
    "Ich sorge dafür, dass keine Notrufe rausgehen...", führte der Commander fort, als sie durch Krom unterbrochen wurde.
    "Wir lassens wie ein Überfall aussehn, der aus dem Ruder läuft!", schlug er vor und sah erst auf, als er zu Ende gesprochen hatte. Der Söldner neben ihm nickte kaum merklich und starrte weiter den Boden an.
    James stand breitbeinig und mit verschränkten Armen neben Lyn und musterte Krom aufmerksam. "Gut. Seid nicht allzu brutal", meinte er mit der Andeutung eines Lächelns, wobei er kurz zu Kahn linste, der interessiert ins Nichts starrte.
    Aeona hörte sich das Ganze an und ihr wurde immer mulmiger zumute. Ein Seitenblick zu Aurix und seine angespannte Haltung verrieten ihr, dass es ihm nicht anders ging.
    Der Ghost richtete sich auf und starrte James an: "Du willst die ganze Familie töten? Verstehe ich das richtig?" Das breite Visier ließ einen guten Blick auf die wütenden Augen zu.
    Trent nickte.
    "Das ist Mord!", zischte der Turianer.
    "Kollateralschaden, Mord... Nenn es, wie du willst. Es ist notwendig", entgegnete der N7er ruhig.
    Aurix schüttelte langsam mit dem Kopf: "Da mache ich nicht mit!"
    "Deshalb sind sie da", meinte James und zeigte auf die Söldner.
    Der Ghost wollte schon aufbrausen, aber Aeona griff nach seinem Arm und hielt ihn zurück. "Lass gut sein... Es hat keinen Sinn. Ich denke, ich weiß, warum er es tun will."
    James lächelte humorlos: "Tatsächlich? Verrätst du es mir?"
    Die Infiltratorin legte den Kopf schief und bohrte den Blick in ihren kommandierenden Offizier: "Nun, Aurix, du kannst dir sicherlich vorstellen, was passieren würde, wenn es wie eine Hinrichtung aussieht." Sie sah, wie sich die Augen des N7er verengten. "Ein sauberer Kopfschuss wirft Fragen auf, die Lieutenant Trent sicherlich vermeiden möchte, und ruft nicht nur die Kriminalpolizei auf den Plan, sondern zieht noch weiter unnötige Aufmerksamkeit auf die Sache." James Gesichtsausdruck veränderte sich nicht im Geringsten. "Wenn nur Harrison stirbt, bleiben unliebsame Zeugen zurück – auch etwas, was unser Chef nicht will. Ein Raubüberfall ist unkompliziert, Lieutenant Hellon." Sie warf einen Seitenblick zu Aurix, der sie reglos anstarrte, und verlegte ihre Aufmerksamkeit wieder auf James. "Es wird ein mediales Echo geben und man wird das Flüchtlingsproblem dafür verantwortlich machen. Das Ganze wird dann instrumentalisiert werden, bis nur noch die Sache zählt und nicht mehr die Identität der Opfer. Und ein gescheiterter Überfall mit Todesfolge ist keine Seltenheit. Nicht jeder kann mit einer Waffe umgehen – oder aber jemand dreht ganz einfach durch... Irre gibt es genug." Aeonas Augen wichen nicht von den kalten Augen des Destroyers, und dort las sie... Zustimmung? Sie runzelte die Augenbrauen.
    "Gut erkannt, Chief", nickte Trent knapp. Sein Blick verschob sich kurz zu Lyn. Der Commander zuckte unmerklich mit den Schultern und breitete leicht die Arme aus, so als wollte sie sagen: Siehst du, was hab ich dir gesagt?
    "Das kann man doch anders lösen!", meinte Aurix aufgebracht.
    "Nein", kam es ruhig, aber bestimmt von Lyn. "Aber der Chief wird auch mitgehen." Sie warf nur einen Blick zu dem Turianer, der protestieren wollte, und er verstummte sofort. Die Diskussion war damit beendet.
    "Grey", kam es plötzlich scharf von Trent.
    Sie sah auf: "Ja?"
    "Bring mir Harrisons Kopf...", begann James und lächelte eisig, als die Infiltratorin ihn entgeistert anschaute. "...Oder sorge dafür, dass das Implantat verschwindet. Soweit alles klar?"
    "Ja, Lieutenant", entgegnete Grey leise.

    "Wir müssen noch ein paar Sachen einkaufen, bevor es losgeht!", meinte Krom und sah Lyn und Trent ernst an. "Viel Geld brauchen wir nicht!"
    Der Commander nickte kaum merklich. "Beeilt euch! Wir koppeln am Treffpunkt!"

    Pfandleihhaus in den unteren Bezirken

    Pfandleihhäuser waren super. Man hatte generell eine große Auswahl und keiner stellte groß Fragen.
    Der salarianische Verkäufer zuckte mit keiner Miene, als die Söldner und Aeona schwarze Sturmhauben, billige schwarze Lederjacken und Jeans kauften.
    "Ha!", rief Krom freudig, und die anderen wandten sich zu dem Söldner um.
    Krom hatte sich voll und ganz in einen Baseballschläger verguckt und begutachtete ihn konzentriert und sorgfältig. Es war im Grunde genommen ein ganz gewöhnlicher Schläger aus Metall, mit rot-schwarzer Beschriftung und schwarzem, rutschfestem Gummi am Griff, um den Grip zu erhöhen.
    Krom befühlte den metallenen Schläger, umfasste den Griff mal mit einer, mal mit beiden Händen. Er umfasste den Griff so fest, dass es knirschte. Gekonnt ließ er ihn mit einer Hand kreisen und deutete schließlich Hiebe und Schläge an, bevor er sich mit einem sanften Lächeln zum Verkäufer wandte.
    "Und?", fragte Kahn lächelnd seinen Kumpel. "So gut wie Marie?"
    Krom antwortete zunächst nicht, sondern musterte mit einem Schmunzeln nochmals den Baseballschläger. "Sie hat auf jeden Fall Potential!"
    "Marie?", fragte Aeona interessiert dazwischen.
    "Mein kurzhaariger Freund hat ein Faible für Baseballschläger – er gibt ihnen Namen!"
    "Aha!", kommentierte die Soldatin und zog kritisch die Augenbrauen zusammen, während Kahn sich eine neue Zigarette anzündete und seinem Kumpel zusah.

    Fast wie in Trance schien der Söldner mit dem Schläger zu tanzen. Mit geschlossenen Augen drehte sich Krom langsam um die eigene Achse, während er den Schläger hielt, als ob es ein Tanzpartner wäre, er wiegte sich hin und her und vollführte zu einer unhörbaren Musik eine nicht ganz unästhetische Choreographie.
    Aeona schaute sich das Ganze an, sagte aber nichts. Manch einer entwickelte eine merkwürdig innige Beziehung zu seinen Tötungsinstrumenten. Sie konnte es nie nachvollziehen. Klar, das Kampfmesser, das ihrem Vater gehört hatte, war ihr schon ans Herz gewachsen, aber letztendlich war es bloß ein Werkzeug, mehr nicht. Werkzeuge sollten funktionieren – und Grey sorgte dafür, dass sie es taten. Sie zuckte schließlich mit den Schultern und sah sich Kroms Showeinlage an, während sie ein Sturmgewehr verstaute, welches sie soeben für wenige Credits erworben hatte. Warum, war offensichtlich: die Waffe war in einem miserablen Zustand.
    Schließlich schien Krom befriedigt zu sein und kam auf die anderen beiden zu.
    "Und?", fragte Kahn neugierig und blies dabei blauen Dunst in Richtung Decke.
    Der Angesprochene hielt den Schläger vor sich und mit einer dezenten Bewegung aus seinem Unterarm schleuderte er den Schläger leicht nach oben, um ihn scheinbar in der Luft zu wenden. In dem Moment, als sich der Schläger halb gedreht hatte und das Kopfende nun zu Krom zeigte, verpasste er dem Schläger mit einer blitzschnellen Bewegung einen Impuls in die Gegenrichtung, sodass sich der Schläger wieder zurückdrehte. Gekonnt packte er den Schläger wieder und hatte somit die Ausgangslage wieder hergestellt.
    "Hat auf jeden Fall Potential!", antwortete Krom mit einem Augenzwinkern.
    Die Soldatin betrachtete Kroms Kunststück mit hochgezogenen Augenbrauen. Das war tatsächlich eine Leistung, die ein hohes Maß an Geschicklichkeit erforderte.
    "Du musst wissen...", begann Kahn an Aeona gewandt. "...Ein Mensch kann ein Künstler sein mit dem Pinsel oder einem Stift. Er kann mit einem Shuttle ein wahrer Künstler sein oder ein Gewehr wie ein Künstler führen. Krom kann mit einem Baseballschläger wahre Kunst vollbringen – jetzt müssen wir nur noch herausfinden, WOZU DAS GUT SEIN SOLL!", schrie er fast Krom ins Gesicht. Kaum hatte er die letzte Silbe ausgesprochen, da schlug Krom mit dem Schläger nach Kahn. Man konnte dem Schlag die Kraft geradezu ansehen, doch Krom bremste abrupt und so präzise ab, dass der Schläger die Stirn von Kahn lediglich sanft berührte.
    "Sehr exakte Waffenführung... Ich bin beeindruckt!", meinte Aeona mit einem ironischen Unterton in der Stimme und musterte Krom von der Seite. "Und? Schon einen passenden Namen für sie gefunden?" Sie deutete auf den Baseballschläger.
    "Lasst uns gehen!", meinte Krom achselzuckend.

    Allianzwohnviertel

    "Die Situation hat sich geändert", erklärte der Commander kurz. "Harrison und seine Frau sind jetzt bei den Nachbarn." Lyn zeigte kurz die Drohnenaufnahmen.
    Sie hatten sich in einem Gewerbegebiet, ganz in der Nähe von Harrisons Haus, gesammelt und drängten sich nun alle um den Kombi.
    "Die Aufgabe bleibt gleich, nur der Ort ändert sich", erklärte Lyn weiterhin.
    "Wie viele Leute sind im anderen Haus?", fragte Krom und zog sich, gemeinsam mit Kahn, parallel um.
    Aeona machte es den Söldnern gleich. Ab und zu warf sie einen Blick zu Aurix, aber dieser beachtete sie nicht. Eigentlich beachtete er niemand – das Visier war abgedunkelt. Trents Augen waren auf Lyn gerichtet und er hörte mit einem aufmerksamen Gesichtsausdruck zu.
    "Sieben. Harrison, seine Frau und die Familie der Nachbarn, die Santiagos: Lorena, 51, und Manuel, 55. Die Kinder Raoul 17, Vanessa 14 und Tico 5."
    "Bleibt ansonsten alles beim Alten?", fragte Kahn und Lyn nickte knapp.
    Kahn nickte. "Alles klar, reingehen, alle umlegen und Chaos anrichten!"
    Aus dem Kofferraum kramte Krom eine billige Schrotflinte heraus, lud sie durch und reichte sie an Kahn weiter, während er selbst sich eine Allerweltspistole krallte.
    Stumm hörte die Infiltratorin den Ausführungen des Commanders zu und nahm die Informationen in sich auf. Auch hier... Kinder. Sie zog die Sturmhaube über. Das raue Material kratzte auf der Haut, aber es verdeckte auch den Ausdruck auf ihrem Gesicht. Sie verengte die Augen und starrte zuerst Lyn mit gesenktem Kopf an, bevor sie kurz zu James schaute. Wiederum kehrte ihr Blick zu dem Commander, ihre Fäuste ballten sich und die dünnen Handschuhe spannten sich auf den Handrücken.
    "Habt ihr noch Fragen? Irgendetwas unklar?", frage Lyn eindringlich.
    Die Söldner schüttelten lediglich mit dem Kopf und zogen sich Einmalhandschuhe und Sturmhauben über. Die einfachen Dreilochhauben hatten ihre ganz eigene Wirkung.
    Lyns grüne Augen richteten sich auf die Infiltratorin, weil diese nicht antwortete. Anstelle des hübschen Gesichts des Chiefs sah sie nur zwei glühende, dunkle Augen. "Alles verstanden?"
    "Ja, Commander."
    Der Tonfall, in welchem Grey das Wort Commander aussprach, gefiel Lyn ganz und gar nicht, sie beließ es aber dabei. Fürs Erste, schließlich hatten sie einen Job zu erledigen. Persönliches war völlig fehl am Platze im Moment.

    "Wollen wir?", fragte Kahn Aeona und bot ihr den Arm zum Einhaken an.
    Aeona sah den Söldner zweifelnd an, ließ ihn einfach stehen und setzte sich schweigend auf die Rückbank. Viel zu heftig schloss sie die Tür.
    "Lets get naughtyyyyyyyy!", rief Krom und stieg in den SUV.

    Die Fahrt zum Haus der Santiagos dauerte keine zehn Minuten, in denen sich die Söldner über SUVs und Skycars im Allgemeinen unterhielten. Aeona schwieg nach wie vor und hörte auch nicht zu, was die Söldner von sich gaben. Ihre Gedanken kreisten immer schneller um das Bevorstehende und wurden immer finsterer, und schließlich hielt der Wagen.

    Zügig eilten die drei zu der beleuchteten Eingangstür, wo Krom schnell und leise die Lampe kaputt schlug. Kahn läutete und kniete sich schließlich mit etwas Abstand vor die Tür hin und wartete.
    Aus dem Inneren waren leise Musik, etwas Gelächter und Schritte, die sich der Haustür näherten, zu hören.
    "Hallo?", war eine männliche Stimme zu hören. "Wer ist denn da?"
    Da Krom das Licht ausgeschaltet hatte, war lediglich die Silhouette des knienden Kahn zu sehen. Neben der Tür, unsichtbar für die Türkamera, wartete Krom mit erhobenem Baseballschläger.
    Eine verängstigte Mädchenstimme war nun zu hören.
    "Bitte! Ich hab mich verlaufen und weiß nicht, wohin ich gehen soll!" Die Stimme kam von Kahns Universalwerkzeug und hatte ihm schon so manche Tür geöffnet.
    "Großer Gott! Kleines, was machst du denn hier!..." Die männliche Stimme schien ernsthaft besorgt zu sein und man konnte hören, wie die Tür entriegelt und geöffnet wurde.
    Grey stand direkt neben Krom, in der einen Hand das Sturmgewehr haltend, und starrte geradeaus auf die benachbarte Häuserwand. Sie hörte Kahns Aufzeichnung zu und wünschte sich, der Mann an der Tür würde diese nicht aufmachen, aber ihr Wunsch ging natürlich nicht in Erfüllung. Die Stimmaufnahme war überzeugend genug, um jeden Familienvater in Alarmbereitschaft zu versetzten. Und sobald die schwere Haustür aufschwang, traten die Söldner in Aktion.

    Die Frage, was aus normalen Menschen eiskalte Mörder macht, beschäftigt die Menschheit schon seit Anbeginn der Zeit. Die Bereitschaft, auch die Wehrlosen als legitimes Ziel anzusehen, hat viele Ursachen.
    Zum einen gibt es Menschen, die ein großes Vergnügen darin finden Gewalt anzuwenden. Daneben führen Extremsituationen dazu, dass Menschen verrohen. Auf Dauer machte eine ganz bestimmte Kombination aus dem friedlichsten Menschen eine Bestie: Hass und Angst. Diese beiden Kernemotionen konnten dafür sorgen, dass sich Menschen innerhalb kürzester Zeit für Dinge entschieden, von denen sie noch zuvor behaupteten, so etwas nie tun zu können.
    Keine gesellschaftliche Gruppe war davor gefeit, weder Bildungsstand, Herkunft noch Sozialisation machte da einen Unterschied.

    Bei Kahn und Krom lag der Fall etwas anders. Wenn man, wie sie, in einem totalen Krieg aufwächst und hautnah miterlebt wie Millionen sterben, wird die Psyche ganz anders geprägt.
    Schon früh wurden die Beiden aktiver Teil des Bürgerkrieges auf ihrer Heimatwelt, der schon lange davor angefangen hatte, weit jenseits jeglicher Konventionen geführt zu werden.
    Eine der frühesten Erinnerungen der beiden verdeutlicht dies besonders.

    Krom und Kahn waren sieben Jahre alt und krochen mit einigen anderen, gleichaltrigen durch die Trümmer einer Stadt. Immer wieder drangen entfernte Explosionsgeräusche und Gewehrfeuer an ihre Ohren.
    Abrupt hielt die Gruppe an. Victor, Kahns älterer Bruder, war wie aus dem Nichts erschienen. Der Zwölfjährige stand, mit einem Gewehr in der Hand und einer Zigarette im Mundwinkel, im Schatten der Trümmer und bedeutete der kleinen Gruppe ihm zu folgen.
    Victor führte sie tiefer durch die Trümmer, bis sie auf einen weiten Platz stießen. Sich im Schutze der Trümmer bewegend, von Deckung zu Deckung hechtend, erreichten sie eine Position, von der aus sie alles gut überblicken konnten.
    Mit Interesse sahen sie zu, wie gut ein Dutzend Soldaten eine Gruppe von Zivilisten zusammentrieb. Keines der Kinder zuckte zusammen, als die männlichen Zivilisten erschossen wurden und die Soldaten anfingen die Frauen zu vergewaltigen. Als auch der letzte Soldat fertig war und seine Hose wieder zumachte, erschossen sie auch die Frauen.
    Victor rauchte zu Ende und wandte sich wieder seinem kleinen Bruder zu, als sein Kopf explodierte und ein Schuss brach.
    Der leblose Körper von Victor fiel fast geräuschlos zu Kahns Füßen, während der unsichtbare Scharfschütze das nächste Ziel unter Feuer nahm. Ein etwa sieben Jahre alter Turianer und guter Freund von Krom war der Nächste, der getroffen zu Boden ging, während der Rest panisch floh.
    Kahn hatte seinen Bruder abgöttisch verehrt und geliebt, und doch hielt sich seine Trauer in Grenzen, als ob er ein Salarianer wäre.

    So waren die beiden aufgewachsen, mit Brutalität als Normalzustand und dem Wissen, dass jederzeit alles was einem lieb und teuer ist, verschwinden kann.
    Es machte die beiden nicht automatisch zu Psychopathen, aber es machte es leicht für sie Gewalt anzuwenden, egal wem gegenüber – es war für sie normal.

    "...Komm rein! Da draußen kannst du nicht..."
    Gezielt schlug Krom mit dem Baseballschläger zu und brachte den Mann zum Schweigen und zu Fall. Mit einem Stöhnen fiel der Mann, der sich doch glatt als Harrison entpuppte, zu Boden. Während Krom ins Haus eilte, stieg Kahn über Harrison. Der Blick in Harrisons Augen änderte sich abrupt, sein Implantat begann wohl zu arbeiten. Doch es brachte ihm nicht mehr viel. Kahn richtete die Schrotflinte genau auf Harrisons Gesicht und drückte ab.
    Grey schloss die Tür hinter sich, während die Söldner im Inneren des Hauses verschwanden. Von Harrisons Kopf war nicht allzu viel übrig geblieben, der Fußboden klebte unter ihren Stiefeln. Blut, Gewebestückchen, Knochen: all das hatte sich in dem kleinen Flur verteilt, sogar die Wände sahen aus, als hätte sie ein wahnsinniger Künstler angemalt. Sie überprüfte den Halsstumpf des Mannes genauer. Es sah wie bei Tepec aus, als Trent ihn obduziert hatte: das Implantat hatte sich selbst zerstört. Aeona fragte sich, ob es an der Freilegung der Tech lag – oder aber an der Tatsache, dass der Träger tot war. Letztendlich spielte es jedoch keine Rolle.
    "Harrisons Verbesserung existiert nicht mehr", sprach sie in die Kom-Einheit.
    "Ausgezeichnet", kam eine zufriedene Antwort von James. "Beeilt euch!", fügte er hinzu und kappte den Kom-Link.
    Noch eine Weile betrachtete sie den leblosen Körper zu ihren Füßen, bevor sie zu den Söldnern aufschloss.

    Krom hörte hinter sich den Schuss von Kahns Flinte. Doch er hörte nur auf die verängstigten Rufe der Familie. In der Küche traf er auf zwei Frauen und einen Mann. Man musste kein Genie sein um herauszufinden, dass es sich um das Gastgeberehepaar und Harrisons Frau handelte. Die Frauen begannen zu schreien, als Krom in die Küche stürmte und den Mann brutal niederschlug, während hinter ihm Kahn eintraf und eine der Frauen erschoss.
    Der Schuss traf die Frau in den Bauch und schmetterte sie gegen die Spüle, wo sie dann stark blutend zusammensackte. Die zweite Frau rannte schrill schreiend davon.
    Aeona betrat hinter den Söldnern die Küche. Wegen des Küchentischs konnte sie nicht sehen, wie Krom den Schädel des Mannes einschlug. Lediglich die Füße konnte sie sehen, wie sie rhythmisch zu den Schlägen des Söldners zuckten. Auch die Frau konnte sie nicht genau sehen, da Kahn ihr die Sicht nahm. Der Söldner stellte sich vor die verwunderte Frau und schoss ihr mit der Flinte aus nächster Nähe in den Kopf.

    Außerhalb des Hauses sahen Lyn, Aurix und James zu. Sie parkten mit dem Kombi auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Hauses und hörten die Schreie, die abrupt abbrachen, und sahen das Aufblitzen der Mündungen bei jedem Schuss durch die Fenster.
    Lyn blickte über den Rückspiegel zu dem Turianer auf der Rückbank, aber seine Augen waren unsichtbar und der behelmte Kopf war auf das Haus der Santiagos gerichtet. Sie war sich sicher, dass der Ghost niemals gutheißen wird, was die Söldner und der Chief dort gerade taten. Aber Aurix verstand nicht, was auf dem Spiel stand. Es ging nicht mehr um den Verlust einer oder zweier Familien. Falls Cerberus tatsächlich vorhatte, diese verbesserten Menschen auf die Galaxie loszulassen, wird es noch viel mehr Tote geben. Lyn und James standen in der Pflicht dafür zu sorgen, dass es nicht dazu kommt. Zuerst musste die unmittelbare Gefahr beseitigt werden und zwar schnellstmöglich, auch wenn dies bedeutete, dass Unschuldige dabei starben. Nach den Erfahrungen mit Tepec – James hatte alles mit der Helmkamera aufgenommen, damit Lyn genau weiß, womit sie es zu tun hat – stand auch für den Commander fest: alle Versuchspersonen müssen getötet werden. Die CAT6-Kandidaten waren schon von vornherein gefährlich, all diese Männer und Frauen hatten Dreck am Stecken und mit diesen Implantaten im Schädel waren sie noch gefährlicher und unberechenbarer.
    Die ganze Sache dürfte natürlich niemals an die Öffentlichkeit gelangen, denn das würde die Allianz völlig kompromittieren. Dass sich Udina mit Cerberus zusammen getan hatte, war schon ein Schlag ins Gesicht für die Verbündeten der Allianz, aber diese Geschichte würde alles noch schlimmer machen. Keiner arbeitet gerne mit jemand zusammen, der von Cerberus praktisch unterwandert worden ist, das schafft ein immenses Maß an Misstrauen – ein Misstrauen, welches sich die Allianz momentan absolut nicht leisten konnte. Sowohl Lyn wie auch James war mehr als bewusst, dass dieser Krieg nur mit vereinten Kräften aller Spezies gewonnen werden kann, falls überhaupt ein Sieg in Aussicht stand. Laut den Berichten, die Lyn vor nicht allzu langer Zeit gelesen hatte, rückten die Reaper immer weiter in alle Systeme vor. Irgendwann werden sie auch die Citadel erreicht haben.
    Die Entscheidung, die heute gefallen ist, war hart, aber es wäre nicht das erste Mal, dass Lyn oder James solche Entscheidungen treffen mussten – irgendjemand musste es tun, und sie waren dazu mehr als geeignet. Bei der Allianz aufgewachsen, betreut von einem Mann, der wusste, dass Soldatenleben kein Zuckerschlecken ist oder nur salutieren in irgendwelchen Paraden bedeutet. Staff Commander Eric Jansen, mittlerweile der Befehlshaber einer Aufklärungsfregatte und ihr Ziehvater, musste oft solche Entscheidungen treffen – immer in dem Wissen, der Allianz bestmöglich zu dienen, auch wenn es manchmal bedeutete, die Allianz vor sich selbst zu schützen. Die beiden N7er sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Als der Geheimdienst der Allianz, genauer gesagt war es Kirilow höchstpersönlich, an Lyn und James herantrat, um sie quasi abzuwerben, zögerten die beiden keine Sekunde.
    Dass sie jetzt selbst im Visier der Ermittler der Internen standen, durchkreuzte zwar etwas ihre Pläne, aber solche Schwierigkeiten hielten weder James noch Lyn auf, ihre Befehle auszuführen. Es war Eile geboten. Die restlichen Versuchssubjekte waren überall in der Galaxie verstreut, manche waren vermutlich schon tot, denn sie waren zur Zeit des Reaperangriffs auf der Erde stationiert. Lyns Anhaltspunkte schwanden, je näher die Maschinenwesen kamen, System um System. Dennoch wird Kirilows Befehl erst dann als erledigt betrachtet werden, wenn bestätigt ist, dass alle Allianzsoldaten auf der Liste tot sind. Lyn war gründlich, wenn es um ihre Missionen ging. James war manchmal noch gründlicher als sie, vor allem, wenn es um Cerberus ging. Und wenn das erledigt ist... dann werden sich die beiden N7er die Verantwortlichen bei Cerberus vorknöpfen – sowohl diejenigen, die an der Entwicklung dieses Implantats beteiligt waren, wie auch diesen unglückseligen Agenten, der die Lügen über sie beide in die Welt gesetzt hatte. Und dieser wird leiden. Etwas, was selten vorkam, aber manchmal nahmen die beiden Soldaten etwas sehr persönlich, und wenn das eintraf, gaben sie keine Ruhe, bis die Sache zu Ende gebracht war.
    Der Commander warf einen Seitenblick zu dem Destroyer. Seine Augen hatten den gleichen Ausdruck wie ihre und sie wusste, dass ihm ähnliche Gedanken durch den Kopf gehen. Sie kannte ihn sehr gut, so gut, wie er sie kannte. Sie nickte ihm leicht zu, was er erwiderte, bevor er seine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Bild auf seinem Omnitool widmete. Die kleine Drohne schwebte immer noch da oben, James hatte ihre Sensoren auf Nachtsicht umgestellt, da es mittlerweile richtig dunkel war. Sollte sich eine Allianzpatrouille nähern, werden sie rechtzeitig gewarnt werden.
    Eine Sache wäre da allerdings noch: Lyn war sich unschlüssig, was mit Chief Grey geschehen soll. Wenn es nach James ginge, wäre die Frau ja schon längst tot...
    Lyn lehnte sich in dem Fahrersitz zurück und betrachtete stoisch das Haus. Wieder ein Aufblitzen von Mündungsfeuer.

    Die Söldner liefen aus der Küche hinaus, ohne sie großartig zu beachten. Aeona sah regungslos die zwei übel zugerichteten Leichen an. Überall war Blut: auf dem Boden bildeten sich schon dunkle, glänzende Pfützen, der weiße Küchentisch hatte auf der einen Seite einen neuen, roten Anstrich bekommen, ebenso wie die Spüle und das restliche Mobiliar. Die Soldatin hob den Blick, sogar an der Decke gab es feine rote Spritzer. Nach irgendwelchen Lebenszeichen bei den beiden zu suchen war verschwendete Zeit, sie waren tot, daran bestand kein Zweifel. James wird sich freuen, denn die Söldner taten genau das, was er wollte. Sie atmete tief durch, bevor sie leise in das Kom sprach: "Harrisons Frau und Manuel Santiago sind tot. Es sieht..." Sie brach ab.
    "Was, Chief?"
    Lyns beherrschte Stimme drang wie ein Messer in ihr Gehirn. Aeona biss die Zähne heftig zusammen, damit sie nicht losbrüllt. Selten ist ihr etwas so schwer gefallen.
    "Die Söldner leisten gute Arbeit", beendete sie emotionslos nach einem Moment der Stille.
    "Das sollten sie besser auch", mischte sich James tiefe Stimme ein. "Ihr habt nicht mehr viel Zeit."
    "Verstanden." Sie beendete die Verbindung und suchte nach Krom und Kahn.

    Kahn erwischte die andere Frau im Wohnzimmer, den 17-jährigen Sohn der Familie fand Krom in einem Schrank, als dieser verzweifelt versuchte mit seinem Mobiltelefon die Polizei zu rufen.
    Schließlich trafen sich die Söldner und Aeona vor der Treppe in das obere Stockwerk. Beide Söldner hatten Blut an ihren Klamotten, vor allem Krom und sein Baseballschläger, aber auch Kahn hatte nicht nur ein paar Spritzer an seiner Kluft.
    "Mommi?", drang eine sehr kindliche Stimme an ihre Ohren.
    Ein kleiner Junge, der 5-jährige Sohn der Familie, stand in seinem Schlafanzug am Fuß der Treppe und presste einen Teddybär an seine Brust. Der Junge zitterte am ganzen Leib, als er das ganze Chaos und die blutverschmierten Eindringlinge sah.
    Aeona versteifte sich augenblicklich.
    "Ich mach das!", erklärte Kahn. "Kinder lieben mich!", zwinkerte er dem Rest zu und ging auf den Jungen zu. Er beugte sich zu dem Kind herunter, hob es auf und verschwand damit im oberen Stockwerk.
    Kurze Zeit später erschien er wieder und bedeutete den anderen ihm zu folgen.
    Er führte die Gruppe zu einem der Zimmer und zeigte hinein.
    Ein Mädchen saß vor einem Computer und trug dicke Kopfhörer. Sie schien irgendein Computerspiel zu spielen und nahm von ihrer Umwelt nichts wahr. Sie hatten die 14-Jährige gefunden.
    "Nächste Welle, Jungs!... Wir müssen hacken! Denkt an die Tech- und Biotikkombos!", rief sie in ihr Mikrofon.
    "Willst du?", fragte Krom Aeona.
    Aeona funkelte Krom einen Moment lang finster an, bevor sie sich an ihm vorbei drängte. Das Mädchen war noch so jung. Für eine Sekunde schloss sie die Augen, dann betrat sie leise das Zimmer, was allerdings nicht notwendig gewesen wäre, denn die Kleine war völlig in das Spiel vertieft und merkte nicht, was um sie herum geschah. Aeona schloss sachte die Tür hinter sich.
    Nach nicht mal einer Minute kam die Soldatin wieder heraus. Sie blickte keinen der Männer an - in ihrem Rücken schien das Mädchen auf der Tastatur zu schlafen, sein Kopf ruhte auf den angewinkelten Armen.

    Ohne ein Wort an die Söldner zu verschwenden, steuerte Aeona direkt das Elternschlafzimmer an. Die beiden Kerle wussten wohl selbst am besten, was zu einem Raubüberfall gehörte, schließlich hatten sie ja Übung darin.
    "Wir durchsuchen jetzt das Haus", gab sie durch.
    "Ihr habt noch höchstens ein paar Minuten", meinte James ruhig. "Ich denke, wir bekommen bald Besuch." Die Drohne zeigte zwar nichts an, aber James Instinkte sagten ihm, dass etwas im Anmarsch war.
    "Bestätige. Wir brauchen nicht lange", entgegnete Aeona und ließ ihren Blick über den gemütlichen Raum schweifen. Auf dem Schminktisch stand eine kleine, rote Schatulle. Grey öffnete sie: Schmuck kam zum Vorschein. Aeona schüttete den Inhalt auf die Tischplatte aus und steckte alle Teile in die Innentasche der Lederjacke, dann ging sie zielstrebig zu der großen Kommode und zog wütend eine Schublade auf. Damenunterwäsche. Sie riss die Schublade vollständig heraus und kippte alle Kleidungsstücke auf den Boden. Höschen, BHs und andere feinen Dessous segelten nach unten, sonst nichts. Mit Wucht krachte die leere Schublade gegen die Wand. Die zweite Schublade, die zusammengelegte Socken enthielt, war da schon eine bessere Beute. Ein altes Portemonnaie landete neben den Socken. Grey sammelte es auf, es enthielt gerade mal an die fünfzig Credits. Sie steckte das Geld in die Hosentasche, die Geldbörse warf sie achtlos hinter sich. Auch diese Schublade ereilte das Schicksal der ersten. Grey machte weiter, arbeitete sich zügig durch die gesamte Kommode durch, bevor sie den Kleiderschrank öffnete und durchwühlte, sie fand aber nichts mehr, was sie mitgehen lassen könnte. Sie verließ das Zimmer und ging in die Küche, wo die Söldner gerade dabei waren, die Toten zu durchsuchen.
    "Beeilt euch", meinte sie mit einer tonlosen Stimme und lief zu der Haustür, und mit Beute im Gesamtwert von weniger als dreihundert Credits verließen die Drei das Haus.
    Geändert von Milky_Way (22.07.2015 um 15:08 Uhr) Grund: Rechtschreibung

    ME-MPFRPG Charaktere:
    Aeona Grey, Infiltratorin
    Aurix Hellon, Ghost
    James TrenT, Destroyer
    ME-FRPG Charaktere:
    Nadeschda W. Sokolowa, mittlerweile Ex-Patientin der Asylum

  2. #1052
    Wie Feuer... Avatar von Milky_Way
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    Der Wagen der Militärpolizei tauchte genauso unerwartet wie schnell auf. James konnte gerade noch eine kurze Warnung aussprechen, als der Jeep mit heulendem Triebwerk und einer kräftigen Bremsung vor dem Haus anhielt.
    Augenblicklich eröffneten die Söldner das Feuer, als sie das Allianzlogo auf der Motorhaube sahen. Der handelsübliche Streifenwagen hatte dem Feuer nichts entgegenzusetzen. Für einen kurzen Moment wurde die nächtliche Stille der Wohnsiedlung durch die Schüsse zerrissen.
    So schnell wie der Lärm anschwoll, so rasch wurde es auch wieder still, lediglich das leise Brummen des Triebwerks des Streifenwagens war zu hören.
    Der Allianzsoldat auf dem Beifahrersitz war reglos zusammengesackt, während der Fahrer schwer verwundet die Tür öffnete und sich auf die Straße fallen ließ, und dem Schicksal seines Kollegen zu entkommen versuchte.
    Aeona starrte die beiden Söldner über den Waffenlauf an. Sie hatte keinen einzigen Schuss abgegeben, presste jedoch aus reiner Gewohnheit das gekaufte Sturmgewehr an ihre Schulter fest, was sie besser hätte nicht tun sollen, denn diese war beim Weiten nicht voll einsatzbereit. Sie senkte die Waffe, marschierte mit schnellen Schritten zu dem Streifenwagen und überzeugte sich, dass der Beifahrer auch wirklich tot war. Durchsiebt von etlichen Kugeln, wobei zwei davon den Kopf getroffen hatten, lehnte der Tote an der Beifahrertür. Sie blickte dem Soldaten durch das zersprungene Fenster kurz in die gebrochenen Augen, bevor sie sich wortlos umdrehte.
    Die Söldner wechselten einen vielsagenden Blick, bevor sie sich anschickten, sich in Richtung des SUVs in Bewegung zu setzen.
    Zähneknirschend lief Aeona den beiden Männern hinterher. Langsam aber sicher wurde sie immer wütender: auf sich selbst, auf Trent, auf Lyn, und auf diese ganze beschissene Situation. Und was sie gleich sehen sollte, trug auch nicht gerade zu ihrer Beruhigung bei.

    Der Allianzsoldat kroch langsam, eine Blutspur hinter sich herziehend, vom Fahrzeug weg. Krom bog zu dem Allianzsoldaten ab, drückte ihn mit dem Fuß zur Gänze zu Boden, bevor er ihm zweimal in den Hinterkopf schoss.
    Greys Hände schlossen sich so fest um die Griffe des Sturmgewehrs, dass diese laut knirschten, und schon wollte die Infiltratorin Krom von dem Mann wegzerren, oder, noch besser, den Söldner einfach über den Haufen ballern, aber sie tat nichts dergleichen. Der Soldat war eh schon tot. Keine Zeugen. Wenn sie Trents Befehle nicht befolgt wird sie so enden wie diese bedauernswerten Allianzler, die das Pech hatten heute Dienst schieben zu müssen, und dann wars das mit der Cerberusjagd - wenn diese Mission allerdings weiterhin so verlaufen sollte, wäre das vielleicht doch die erfreulichere Alternative... Oh nein, du wirst dich nicht feige davon stehlen, sondern den Job zu Ende bringen!, protestierte sofort etwas in ihr. Fast knurrte sie und biss die Zähne noch heftiger aufeinander. Vor ihnen lag schon der kleine Platz, auf welchem der SUV wartete.
    Schweigsam stiegen alle ein und fuhren davon.

    Lyn startete das Triebwerk des Kombi, sobald die Söldner und Grey um die Ecke verschwunden waren. Die Drohne zeigte weitere Einheiten der Militärpolizei an, die mit Affenzahn hierhin unterwegs waren, und bis dahin sollte ihre Truppe möglichst weit weg sein. James tippte währenddessen auf dem Omnitool herum und schickte nun die Drohne auf die Suche nach Montgomery.

    Auf einem einsamen Industrieparkplatz machte der SUV Halt. Die Söldner und Aeona zogen sich vorsichtig erneut um und verbrannten ihre blutverschmierten Klamotten.
    So gut es ging verwischten sie ihre Spuren, bevor sie weiterfuhren.
    Bis zu dem Treffpunkt mit den anderen verlor Grey kein Wort. Sie verdunkelte das Visier und starrte aus dem Fenster.

    Der Kombi setzte sanft an den verabredeten Koordinaten auf, und kurze Zeit später trafen auch die Söldner und Aeona ein. Der SUV wurde auf dem schnellsten Wege zum Unterschlupf geschickt, die VI übernahm die Rolle des Piloten.
    Grey nahm auf der hintersten Rückbank Platz, direkt hinter dem Ghost. Sie lehnte den Kopf zurück und schloss die Augen. Trent, der ihr beim Einsteigen mit einem fast freundlichen Gesichtsausdruck zunickte, ignorierte sie völlig. Sie sah noch, wie er den Mund öffnete, um etwas zu sagen, dann aber entschied er sich doch um und zuckte bloß mit den Schultern.
    James wechselte einen kurzen Blick mit Lyn, die daraufhin kaum sichtbar nickte. Der Commander soll mit der Infiltratorin reden, das sagten ihr James Augen, ohne dass er ein Wort aussprechen musste. Der Destroyer lehnte sich entspannt zurück und schaute über den Rückspiegel nach hinten.
    Kahn stieg neben Aurix in den Kombi ein und schlug die Tür zu, als ihm ein Verkehrsschild auffiel, welches den Weg in Richtung Downtown wies.
    "Making my way downtown, walking fast, faces pass and I'm home bou..."
    Aurix schenkte Kahn einen säuerlichen Blick. Kurz überlegte er, ob er sich nicht zu Aeona setzen soll, aber die Soldatin schien nicht in der Stimmung für Gespräche zu sein. Nach so einer Aktion wunderte es ihn nicht wirklich.
    Die Maschine jaulte auf, und schnell stieg der Kombi in die Höhe. Lyn beschleunigte.
    Kahn rollte mit den Augen und zündete sich eine Zigarette an. Eine drückende Stille machte sich im Fahrzeug breit, während sich der Wagen seinen Weg zurück zum Unterschlupf bahnte. Die Stille wurde dann aber von Krom durchbrochen.
    "Ich kann hier eine gewisse Spannung fühlen!", meinte er übertrieben und untertrieb dabei eher die Situation. Kahn konnte sich ein Glucksen nicht verkneifen und rauchte lächelnd weiter.
    "Sei still...", kam es nur zischend von der hintersten Rückbank. Grey schlug die Augen auf, öffnete das Visier und betrachtete Kroms Hinterkopf eingehend. Ihre Hand wanderte zu der Carnifex an der Hüfte. Ein aufgesetzter Schuss, und er ist tot. Dann Kahn, und dann...
    Rauchend sah Kahn der Soldatin zu und überlegte, ob er Krom eine Warnung zukommen lassen sollte, wurde aber dann durch den Großen unterbrochen.
    "Schön locker bleiben, Chief." James erhaschte einen Blick in Aeonas Augen und was er dort entdeckte, gefiel ihm keinesfalls. Er sah, wie sich ihre Augen verengten, Wut und Zorn und Hass vermischten sich zu einem Ausdruck, der seine Alarmglocken laut läuten ließ. Der Destroyer drehte sich um und schaute Grey direkt an. Ihre Augen verengten sich noch weiter, bis sie nur noch zwei schmale Schlitze waren, die ihn finster anstarrten. "Ihr habt den Job gut ausgeführt", meinte er zu den Söldnern, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder der Infiltratorin widmete. "Du weiß ebenso gut wie ich, dass es nötig war", fügte er hinzu.
    Greys Finger schlossen sich fest um den Griff der Pistole, was der N7er zwar nicht sehen konnte, aber als hätte er einen sechsten Sinn spürte er es scheinbar.
    Der Kombi wurde immer langsamer, bis er fast still in der Luft stand. Lyn musterte die Infiltratorin im Rückspiegel. Aurix drehte sich schnell um und sein Mund formte nur ein Wort: Nein.
    "Ich an deiner Stelle würde es nicht tun", meinte James leise und richtete den Lauf der Eagle an Kahn und Aurix vorbei genau zwischen die Augen der Soldatin. "Bevor du gezogen hast, bist du tot."
    "Hör auf den Lieutenant, Chief", sagte Lyn gelassen. "Ich werde ihn nicht davon abhalten."
    Aurix zog schleunigst den Helm ab. "Nicht, Aeona...", meinte er kaum hörbar. Zur Bekräftigung schüttelte er mit dem Kopf.
    Der Blick der Soldatin verschob sich ganz bedächtig zu dem Ghost. Er schüttelte nochmals und bestimmt mit dem Kopf, und plötzlich sackte Grey in sich zusammen. Sie blinzelte, ihre Hand verließ den Griff der Waffe und schob stattdessen das Visier herunter. Sie lehnte sich wieder zurück.
    James ließ Aeona nicht aus den Augen, während Lyn wieder den Kurs aufnahm. Erst kurz vor der Ankunft an der sicheren Wohnung drehte er sich wieder nach vorne, beobachtete Grey allerdings weiterhin über den Rückspiegel, aber die Frau hatte sich wohl wieder gefangen und rührte sich kaum noch, nur ab und zu bewegte sich ihr Kopf, wobei James nicht sagen konnte, wen sie dabei ansieht.

    Fundamente/ Sichere Wohnung

    "So! Trautes Heim, Glück allein!", verkündete James laut, bevor er gleichzeitig mit Lyn den Kombi verließ. Der SUV parkte direkt vor dem Haus. "Öffne die Tür, Alter!", befahl der Destroyer. "Und ich will keine Kommentare hören!", fügte er hinzu, wobei er Lyn über das Dach des Wagens zuzwinkerte. Die Haustür glitt zischend auseinander, und die obligatorischen Geschütztürme fuhren heraus.
    "Ja, James", kam es leise von Alter.
    Der Commander kniff die Augen zusammen und zielte mit dem Zeigefinger auf Trent: "DU hast die VI angeschleppt! Wo hat August die eigentlich aufgetrieben? Das hast du mir nie erzählt."
    "Dag!"
    "Dag war es?", fragte Lyn etwas ungläubig nach. "Dem zieh ich die Hörner lang! So eine nervige Maschine hab ich selten gesehen!"
    "Nein, nein!", beeilte sich James mit einer Erklärung. "Dag ist nicht an der Programmierung der VI schuld, er hat sie nur etwas aufgeppept. Er meinte, sie wäre perfekt für das Haus. Soweit ich weiß, hat der Corporal sie von einem alten Kumpel bei der STG."
    "Derjenige hatte aber einen kranken Sinn für Humor!", brummte Lyn. Sie spähte in das Innere des Kombi. "Raus mit dir, Chief, wir haben was zu bereden!"
    Aeonas Kopf drehte sich in Lyns Richtung, sie selbst bewegte sich aber nicht.
    "Sofort", meinte der Commander beiläufig. "Du weißt, ich wiederhole mich nur sehr ungern." Lyn drehte sich um und lief die Treppe hoch.
    Jetzt rührte sich die Infiltratorin und stieg schnell aus. Sie verschwand hinter Lyn im Haus.
    Kurz schaute James den beiden nach, bevor er sich nach unten beugte und Aurix taxierte. "Und mit dir hab ich ein Hühnchen zu rupfen!"
    Der Ghost starrte den N7er an: "Was?"
    "Oh man...", verdrehte James die Augen. "Ich muss mit dir reden. War das verständlicher?"
    Der Blick des Turianers verdunkelte sich.
    "Jetzt schmoll nicht, sondern beweg dich!", meinte der Destroyer. Er musterte die beiden Söldner, die sich schon aus dem Fahrzeug bequemt hatten. "Stört uns nicht. Und auf gar keinen Fall solltet ihr Lyn stören!" Er lächelte schief. "Das ist nicht gesund. Macht es euch gemütlich, betrinkt euch, kocht was, bringt möglichst keinen mehr um... Was auch immer!" Mit diesen Worten ließ James die beiden Männer stehen, während Aurix sich an Kahn vorbei drängte und dem Soldaten hinterher lief. "Versiegele die Türen, sobald alle unsere Gäste drin sind", warf Trent noch der VI zu, bevor er das Haus betrat.

    Für die beiden Söldner gab es nicht viel zu tun. Sie ordneten ihre Ausrüstung, was nicht lange dauerte. Danach führte ihr Weg sie direkt in die Küche, wo sie sich mit ein paar belegten Broten kurz zurückzogen.

    Der Destroyer steuerte die Waffenkammer an. In dem abhörsicheren Raum war Lyn, das wusste er, denn der Commander hatte etwas mit der Infiltratorin zu besprechen, das für niemandes Ohren bestimmt war. Er wartete an der Tür auf den Ghost und ließ ihn vorgehen, bevor er die Kammer mit einem Code verschloss. Jetzt konnte niemand mehr raus, und auch niemand mehr rein. Er lehnte sich gegen die Tür und betrachtete den Turianer stoisch.
    Aurix blieb mitten im Raum stehen, drehte sich zu dem N7er um und verschränkte die Arme.
    "Was, verdammt nochmal, war das für ne Aktion im Schlafzimmer?", fragte James ruhig.
    "Lass mich in Frieden!", murmelte der Ghost.
    Langsam ging Trent auf den Turianer zu: "Ich soll was?" In einem halben Meter Entfernung blieb er stehen, legte den Kopf schief und betrachtete Aurix aufgeplatzte Unterlippe. "Sei froh, dass du es warst, sonst würdest du jetzt nicht vor mir stehen." Mit jedem gesprochenen Wort wurde seine Stimme leiser und entspannter.
    Der Ghost richtete sich vollends auf. Mittlerweile hatte er gelernt, dass sich etwas ganz tief unter James Gelassenheit verbarg, etwas, das er besser nicht an die Oberfläche herauskitzeln sollte.
    "Ich war betrunken", meinte der Turianer und wich James kaltem Blick aus.
    "Was du nicht sagst", kam es von dem N7er, nach wie vor sehr ruhig. "Darauf wäre ich nie von alleine gekommen." Auf einmal brachen die unterdrückten Gefühle aus ihm heraus und er zischte: "Reiß dich endlich zusammen, Soldat! So kann ich dich nicht gebrauchen!!"
    "Kannst du überhaupt einen von uns gebrauchen?" Die Verbitterung in Aurix Stimme war nicht zu überhören.
    James starrte den Ghost an: "Wie meinst du das?"
    "Du vertraust mir nicht, zumindest nicht ganz. Ganz zu schweigen von Aeona", entgegnete der Turianer und fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht.
    James trat einen Schritt zurück. "Das hat seine Gründe. Und du weißt ganz genau, warum ich Grey niemals vertrauen werde."
    Verdrossen lachte Aurix auf und verstummte sogleich. "Ja, ja, ich weiß: sie war bei Cerberus! Hast du dich niemals gefragt, wie sie da rein geraten ist?" Im gleichen Moment merkte er, dass er zu viel gesagt hatte, aber nun war es bereits zu spät.
    Misstrauisch kniff der Destroyer die Augen zusammen: "Was willst du mir damit sagen?"
    Aurix machte weiter, als wäre er von einem inneren Zwang getrieben. "Du kennst doch bestimmt ihre Akte ganz genau, nicht wahr?"
    James nickte langsam. Greys Daten hielt er nach wie vor unter Verschluss, der Ghost hatte keine Ahnung, was der Chief so alles getrieben hatte – und James wird sicherlich nicht derjenige sein, der aus dem Nähkästchen plaudert.
    "Und was sagt dir die Akte?", bohrte der Turianer nach.
    "Dass sie eine gute Soldatin war, mit viel Potential. Die Betonung liegt auf 'war'. Die letzten drei Jahre haben sie... verändert", entgegnete der Destroyer und funkelte Aurix an. "Du scheinst ja zu wissen, warum sie dort war. Warum teilst du es mir nicht mit, hm?"
    Jetzt wurde dem Turianer eines klar: wenn er es James erzählt, wird ihm Aeona niemals wieder etwas anvertrauen. "Weil ich es nicht darf. Ich habe es versprochen", meinte er leise. Erneut lachte er auf, auch dieses Lachen war kein bisschen fröhlich. "Schon alleine die Tatsache, dass ich es erwähne... Bei den Geistern, sie wird mir den Kopf abreißen!"
    "Du weißt, dass sie es könnte?", lächelte James eisig. Im Hinterkopf machte er sich eine Notiz, Grey bei Gelegenheit auszuquetschen. Mit einer Antwort ihrerseits rechnete er nicht, und im Grunde genommen war es ihm egal, was die Infiltratorin dazu bewegt hatte, der Terrororganisation beizutreten.
    Aurix zuckte mit den Schultern: "Und wenn schon!"
    James atmete tief ein und aus. Warum musste er eigentlich hier den Psycho-Doc abgeben? Lyn war für solche Spielchen besser geeignet. "Was ist eigentlich mit dir los, Aurix?"
    "Was mit mir los ist...", wiederholte der Ghost und blickte entgeistert den Menschen an. "Hast du dich in letzter Zeit mal umgeschaut? Die Galaxie geht langsam aber sicher in die Brüche – und ich jage menschliche Soldaten und frage mich langsam, ob es die richtige Entscheidung war!"
    "Du verstehst, warum wir es tun müssen?", fragte James ruhig. "Und warum wir keine Zeit zu verlieren haben?"
    Der Ghost sah James lange an, bevor er antwortete: "Erkläre es mir doch, denn ich glaube nicht, dass ich jemals verstehen werde, warum du zwei Familien hast auslöschen lassen!"
    Der Destroyer sagte es Aurix. Die Sache mit der Internen ließ er natürlich aus, aber alles andere legte er nun in einer kurzen, recht emotionslosen Berichtsform dar. "Verstehst du jetzt? Wir müssen diese Typen beseitigen, um jeden Preis!"
    Der Turianer starrte schon seit geraumer Zeit den Boden an. Er hob den Blick und schaute dem Menschen in die Augen: "Wir haben wohl keine andere Wahl."
    Stumm schüttelte James mit dem Kopf.
    Aurix biss zuerst die Zähne hörbar zusammen, bevor er leise fortfuhr: "Deine Vorgehensweise gefällt mir nicht, ganz und gar nicht. Ich begreife zwar jetzt, warum du so entscheiden hast, aber denk nicht, dass ich wie diese beiden Söldner handeln werde, James, denn das kann und will ich nicht. Nur damit wir uns nicht missverstehen: Wenn du mich schon ins Feld schickst, werde ich versuchen die Verluste an unschuldigen Zivilisten zu minimieren."
    "Ich weiß, dass du so etwas nie machen würdest und das ist genau der Grund, warum die Söldner hier sind, Aurix", meinte James.
    "Habe ich meinen Standpunkt klar dargelegt?", hackte der Turianer nach einem Augenblick Stille nach.
    James Kiefern mahlten kurz. "Ja, das hast du." Den Ghost vom Gegenteil zu überzeugen war sinnlos, das sah er in den klaren, turianischen Augen. Und er sah noch etwas anders dort: die Entschlossenheit, die er auf Sesmose erlebt hatte und die er schon seit langem vermisste. "Du wirst also hier bleiben."
    "Ich weiß, was auf dem Spiel steht. Ich werde mich nicht davor drücken, aber ich werde es auf meine Art erledigen", meinte Aurix bestimmt.
    Eine ganze Weile betrachtete James den Turianer, ohne etwas zu erwidern. "Gut. Ob du meine Vorgehensweise nun billigst oder nicht... wir müssen handeln." Wiederrum hielt James inne. "Wo, verdammt nochmal, war diese Entschlossenheit, die ich jetzt gerade in deinen Augen sehe? Oh, warte... Auf dem Grund eines Glases, richtig?"
    "Was?" Aurix machte einen Schritt auf James zu und ballte die Fäuste.
    "Denkst du, Alkohol hilft dir?" James wich keinen Millimeter von seiner Position ab und hatte dabei einen hervorragenden Blick in die Augen des Turianers, die sich zunächst verdunkelten und dann fast sofort wieder klärten.
    Langsam entspannten sich Aurix Hände. "Du bist echt ein Arschloch, James..."
    Der Destroyer verzog amüsiert die Lippen ohne ein Wort zu verlieren.
    "...Aber du hast recht. Es hilft nicht. Es hilft nie", fügte der Ghost hinzu und begann langsam auf und ab zu gehen. Plötzlich hielt er an und musterte James von der Seite. "Du verschweigst mir noch etwas, ist es nicht so?"
    Immer noch sprach der N7er nicht, sondern blickte Aurix mit einem amüsierten Gesichtsausdruck an.
    "Ich verstehe. Du hast deine Befehle." Der Turianer lächelte wissend.
    "Du bist gar nicht so dumm, wie du aussiehst", meinte James und lächelte kurz zurück.
    Aurix Augenplatten wanderten noch oben, er sagte aber nichts dazu. "Wie soll ich dich unterstützen, wenn ich nicht die ganze Wahrheit kenne?"
    "Vertrau mir einfach", meinte Trent.
    Aurix lachte auf, wenn auch ungläubig: "Dir vertrauen? Vertrauen will verdient sein, James!"
    "Meine Rede", sagte der N7er ruhig.
    "Hast du für alles einen Spruch parat?", fragte der Turianer, nachdem er James mit einem durchdringenden Blick bedachte.
    "Meistens... Da ist noch etwas: klär endlich die Sache mit Grey. So geht das doch nicht weiter."
    "Da gibt es nichts zu klären. Sie kann nicht anders handeln, als sie es tut."
    "Hm? Könntest du bitte aufhören in Rätseln zu sprechen?"
    Lange schaute Aurix James an und überlegte, ob er es zur Sprache bringen soll oder nicht. Dann fällte er seine Entscheidung. "Sie denkt, du tötest sie, weil sie auf der Liste steht. Und sie denkt, sie hat nichts mehr zu verlieren, vor allem keine Zeit."
    Von James kam keine Antwort, nur seine grünen Augen verengten sich etwas.
    "Warum sagst du nichts?"
    "Weil ich keine Antwort für dich habe", entgegnete Trent, drehte sich um und verließ den Raum.
    Der Ghost atmete geräuschvoll ein und blickte dem Mann hinterher. Langsam entließ er die Luft aus der Lunge und spürte einen leichten Stich in der rechten Seite. Einen Augenblick stand er reglos da und dachte über das nach, was James gesagt hatte. Dass er Aeona beseitigen wird hatte der Destroyer weder bestätigt noch geleugnet. Die Frage war, ob das ein gutes Zeichen war – oder ein ganz schlechtes. Er zog sich um und folgte James ins Wohnzimmer.

    In der Waffenkammer kam es zu einem fliegenden Wechsel und die Söldner machten sich nun dort breit. An der Werkbank nahmen sie gegenüberliegend Platz.
    Während Kahn sich ein Argus-Gewehr schnappte und eifrig anfing, es mit diversen Mods auszurüsten, kümmerte sich Krom um seinen neuesten Erwerb, seinen Baseballschläger.
    Er spannte den Schläger in der Werkbank zwischen zwei Masseneffektfeldern ein, sodass der Schläger vor ihm in der Luft fixiert schwebte.
    Mit einer Art Lötkolben begann er kunstvolle Muster in das Material zu brennen, ein wenig Farbe würde auch nicht schaden...

    Kaum dass sich die Tür des abhörsicheren Raumes schloss und sich die Barriere aufbaute, ging Aeona auf Lyn los. Und fand sich auf dem Bauch liegend vor, so schnell und vor allem so hart, dass ihr die Luft wegblieb. Der Commander rammte ihr ein Knie zwischen die Schulterblätter, setzte einen Hebel am rechten Arm an, überdehnte dadurch auch die Schulter, und die Infiltratorin jaulte schmerzerfüllt auf. Sie hörte ein zischendes Geräusch, welches von der Decke kam, und Alters emotionslose Stimme: "Kein freies Schussfeld. Commander, treten Sie zur Seite."
    "Fahr die verdammten Geschütze wieder ein!", rief Lyn entnervt. "Hab ich dich drum gebeten?"
    "Nein", entgegnete Alter. "Meine Priorität liegt jedoch in der körperlichen Unversehrtheit von Ihnen und Lieutenant Trent. Von diesem Gast geht Gefahr aus", fügte die Maschine tonlos hinzu.
    "Sie kann sich nicht bewegen!"
    "Präventivschlag", kam es prompt von der VI.
    Lyn murmelte: "Dich hat wirklich ein Salarianer entworfen..." Von Grey hörte sie nur derbe, leise Flüche, die merkwürdigerweise batarianisch klangen. "Ich werde mit unserem Gast schon fertig. Lass uns alleine und deaktiviere die Verteidigungsmaßnahmen in diesem Raum."
    "Das ist nicht ratsam, ich messe ein erhöhtes Aggressionspotenzial bei Ms Grey."
    Der Commander rollte mit den Augen: "Verschwinde! Sofort! Oder ich schalte dich ab."
    "Das ist ebenfalls nicht ratsam."
    "Verdammt, Alter! Ich werde mich nicht wiederholen!"
    "Wie Sie wünschen, Commander, aber Sie wurden gewarnt." Die Geschütze verschwanden. Und die VI wohl auch.
    Lyn erhöhte nun doch etwas den Druck auf Greys Arm, weil diese sich immer noch loszureißen versuchte. "Hör endlich auf zu zappeln!"
    "Fick dich, Carter!", fauchte Aeona durch die zusammengebissenen Zähne. In ihrer verletzten Schulter knackte etwas verdächtig. Sie versuchte nochmal sich zu befreien, was völlig sinnlos war – und das wusste sie ganz genau. Sie hatte noch nie gegen Carter... Lyn... wen auch immer, gewonnen, auch nicht während des Trainings in der Cerberusanlage.
    "Hör auf, Cold."
    "Chief Grey!"
    "Ja, ja, Chief Grey!", spottete Lyn. "Was hab ich dir gesagt? Nenn mich niemals Carter. Du weißt, was dir sonst blüht."
    "Dann bring mich doch einfach um! Und rede nicht nur andauernd davon! Ich hab die Nase gestrichen voll von deinen ständigen Drohungen!!"
    Lyn seufzte tief: "Hätte ich gewollt, dass du stirbst, wärst du es schon längst."
    "Du hast Trent gesagt, er soll mich nicht töten, nicht wahr!?"
    "Siehst du? Deswegen möchte ich dich lieber am Leben lassen – du bist clever. Und ich weiß, was du sonst noch kannst. Hast du dich jetzt beruhigt?"
    "Nein!"
    "Ich kann das stundenlang weiter so machen."
    "Ja! Ja, ich weiß!", brummte Aeona wütend.
    "Also? Kann ich dich jetzt loslassen?"
    "Ja!"
    "Sicher?"
    "Ja."
    Lyn ließ von der Soldatin ab, stand auf und schaute zu, wie sich Aeona langsam aufrichtete, während sie sich die Schulter vorsichtig massierte. "Tut es weh?"
    "Lass die blöden Höflichkeitsfloskeln!"
    Lyn hob beschwichtigend die Hände nach oben: "Ist ja schon gut!"
    Aeona ging zum Tisch und lehnte sich dagegen. "Wusstest du, an was Cerberus in der Erebos-Anlage arbeitet?", fragte sie unwirsch.
    "Von deiner Direktheit hast du ja nichts verloren, hm?", fragte Lyn amüsiert.
    "Weiche nicht wieder meinen Fragen aus! Wusstest du es oder nicht?!"
    Lyn wurde ernst: "Nein, ich wusste es nicht. Überleg doch, Chief. Ich hatte keinen Zugang zu der Forschungsebene, nur im Notfall. Das weißt du doch."
    "Ach, diesen Notfall meinst du!", lachte Grey verbittert auf.
    "Exakt. Außerdem... Die Forschungen von Cerberus waren nicht das Ziel meiner Mission. Mehr darf ich dir nicht sagen."
    "Also arbeitest du für den Geheimdienst, wie Trent auch", stellte Grey trocken fest. "Ich wusste doch, dass etwas faul an dir war."
    Lyn lächelte: "Wie ich schon sagte: clever!"
    Aeona ließ den Kopf sinken und meinte leise: "Ich muss zurück."
    "Nach Uluru?"
    Grey sah auf und nickte. Der Gesichtsausdruck von Lyn war merkwürdig, woraufhin die Infiltratorin die Augenbrauen runzelte.
    Langsam ging Lyn auf Aeona zu und ließ sie dabei nicht aus den Augen. "Raste nicht wieder aus, aber... Die Station existiert nicht mehr", sagte sie ganz vorsichtig. Aeonas Gesicht gefror förmlich zu einer Maske.
    "Was?", flüsterte Grey.
    Neugierig betrachtete Lyn die wechselnden Emotionen der Soldatin vor ihr. Am Ende blieb nur Resignation übrig. "Ich habe sie in die Luft gejagt, als du mit dem Shuttle abgehauen bist", meinte Lyn und ihre Stimme nahm dabei einen ungewöhnlich sanften Unterton an. "Dazu war der Sprengstoff da... Nicht nur als Ablenkung, Chief."
    Aeona schwieg und starrte den Boden an, ohne etwas richtig wahrzunehmen.
    Lyn wartete noch etwas, aber von der Soldatin kam nichts. "Cold?"
    "Nenn mich nicht so...", kam es Aeona über die tauben Lippen.
    "Du würdest in der Anlage nicht die Verantwortlichen finden. Die sitzen mit Sicherheit woanders."
    "Ich will nicht wie Tepec enden... Ich will es bloß aus meinen Kopf raus haben, Carter." Aeonas Stimme war kaum noch hörbar. "Verzeihung. Commander", berichtigte sie sich umgehend.
    Lyn atmete tief ein und aus. "Wir werden die Typen finden", sagte sie entschieden.
    Jetzt schaute Aeona hoch.
    Lyn nickte bekräftigend, während sie der Frau in die verzweifelten Augen blickte. "Das kann ich dir versichern." Ein Fünkchen Hoffnung keimte in den dunklen Augen auf, und Lyn lächelte aufmunternd. "Komm, Chief."
    Grey nickte leicht und verließ den abhörsicheren Raum hinter Lyn. Sie machte einen kurzen Abstecher in die Waffenkammer und zog sich schnell um. Die beiden Söldner, die konzentriert an der Werkbank arbeiteten, würdigte sie nicht mal eines Blickes – sie beachteten sie ebenso wenig. Schnell ging sie ins Wohnzimmer.

    James und Lyn verzogen sich wieder in eins der Schlafzimmer. Aeona und Aurix sahen den beiden kurz nach.
    "Geht es dir gut?", fragte der Turianer leise.
    Die Infiltratorin schüttelte mit dem Kopf und ließ sich in das Sofa fallen.
    Aurix nahm neben der Soldatin Platz. "Willst du reden?"
    Aeona nickte.

    Stockend und ohne den Ghost anzuschauen begann die Soldatin zu berichten, was im Haus der Santiagos vorgefallen ist – und was sie getan hatte. "Ich wollte nicht, dass die Söldner..."
    "Ist schon gut", kam es beruhigend von Aurix.
    "Es ist nicht gut, es ist schrecklich!"
    "Du hattest keine Wahl", meinte der Turianer und sah dem Chief in die müden Augen.
    "Man hat immer eine Wahl, Aurix. Die Frage ist, ob sie gut oder schlecht ist", widersprach Aeona entschieden.
    "Wenn du nicht tust, was James sagt, dann..." Aurix brach ab, weil er nicht wusste, was er sagen soll.
    "Dann bringt er mich um", beendete die Soldatin den Satz.
    Aurix schwieg zunächst, bevor er leise entgegnete: "Dessen bin ich mir nicht sicher."
    Grey runzelte die Augenbrauen: "Wie meinst du das?"
    Er erzählte ihr, was er und James in der Kammer besprochen hatten.

    Noch eine ganze Weile redeten die beiden flüsternd miteinander. Auch als Krom und Kahn aus der Waffenkammer auftauchten und das andere Schlafzimmer ansteuerten, sprachen Aeona und Aurix immer noch, bis der Infiltratorin immer wieder die Augen zufielen und sie einfach mitten im Satz einschlief. Aurix legte sie vorsichtig hin, zog die Decke über die Soldatin und legte sich neben sie. Schlafen konnte er aber nicht.

    ME-MPFRPG Charaktere:
    Aeona Grey, Infiltratorin
    Aurix Hellon, Ghost
    James TrenT, Destroyer
    ME-FRPG Charaktere:
    Nadeschda W. Sokolowa, mittlerweile Ex-Patientin der Asylum

  3. #1053
    Dokkan Dokkan Tsuiteru Avatar von Drellinator92
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    Citadel/Untere Bezirke

    Skarr und Knirsch nahmen eine Abkürzung durch die unteren Bezirke, um zum Trunkenen Kroganer zu gelangen.
    Komischerweise hatten sie keine Probleme die unteren Bezirke zu durchqueren, vermutlich wegen Skarrs Aussehen, etwas worüber er nichts gegen hatte, denn bei seiner Operation entschlossen sich die Doktoren - allesamt Salarianer -, ihn während des Eingriffs zu betäuben, um ihn daran zu hindern irgendwelche biotischen Kräfte zu aktivieren.
    "Ob sie mir wohl diese Betäubung gaben, um mich ruhigzustellen?", fragte sich der bullige Kroganer während er lief. Dabei passierte es auch, dass er während seiner Überlegungen nicht darauf Acht gab, wo lang er geht.
    Deshalb wunderte er sich, wie er hierherkam, eine Gasse, die zu einer Art Plaza führte, er erinnerte sich daran, dass er niemals so weit in die unteren Bezirke zu gehen brauchte.
    "Ach, verdammt! Da denkt man einmal während des Laufens nach und achtet nicht so auf den Weg, und schon ist man verirrt!"
    Plötzlich rannte Knirsch wie von Sinnen geradeaus, raus aus der Gasse. Skarr wunderte sich und folgte ihm sogleich.

    Skarr rannte Knirsch nach, bis sie beide an einen großen, aber leeren Platz ankamen, in dessen Mitte ein rothaariges Geschöpf saß und ihnen den Rücken zeigte.
    Knirsch kam dem Geschöpf immer näher, und Skarr blieb kurz stehen, um zu verschnaufen.
    Als Knirsch fast das Geschöpf erreichte, drehte es sich um, da konnte Skarr sehen, dass dieses Geschöpf eine hübsche, junge Menschenfrau war, die sich wohl beim Anblick des Varrens, der sich hinter ihr befand, sehr erschreckte und den Varren mit so einer Wucht wegschlug, dass er bei der nächsten Wand hart aufschlug und zu den Boden fiel. Nach einem kurzen Jaulen brach Knirsch zusammen und rührte sich nicht.

    Skarr wurde daraufhin wütend auf die junge Frau, denn niemand durfte seine Freunde, auch wenn es nur ein Varren war, ungestraft verletzen. So ging er bedrohlich zu ihr und schrie sie an.
    "Hey, dieser Varren gehört zu mir und wenn du jemanden zum Prügeln brauchst, dann such dir jemand in deiner Größe oder größer aus!!", schrie das organische Bollwerk, das sich Skarr nannte, zu ihr. "Und zur Strafe spielen wir jetzt mal Häschen hüpf!", fügte Skarr noch hinzu, dann entsicherte er seine Waffe und hielt kurz inne. "Wie heißt du denn überhaupt!?", fragte Skarr sie noch.
    Darauf antwortete sie: "Nenn mich Rose!", dann griff sie an.

    Skarr zielte auf sie und feuerte
    und...
    er traf sie nicht, Rose war zu schnell und wich jeden Schuss aus.
    Jeder der sechs Schüsse ging daneben, was Skarr zur Weißglut brachte. Als er gerade nachladen wollte, passierte es... Wie ein Falke stürzte sich Rose auf Skarr und brachte ihn zu Fall, sie rammte ihn mit ihren langen aber kräftigen Beinen und konnte ihn so von seiner Schrotflinte trennen, diese flog in die entgegengesetzte Richtung und landete auf dem Boden, unweit vom bewusstlosen Knirsch.

    Für Skarr lief es nicht gut. Durch die Wucht ihres Schlages landete die rothaarige Schönheit Rose auf ihren Beinen, Skarr wurde durch die Wucht zurückgeschleudert und landete an der Wand, die hinter ihm war, so dass ein großer, und tiefer, Abdruck eines Kroganers in der Wand klaffte.
    Doch Skarr sprang wieder auf, wütend über diese Überraschung grummelte er nur: "Wenn du im Nahkampf kämpfen willst, dann bitte sehr!!" Dann rannte er im vollen Lauf auf Rose zu, aber sie war nicht eingeschüchtert, ganz im Gegenteil, sie streckte ihre Arme in Skarrs Richtung, die dabei blau leuchteten, und schoss eine blaue Kugel gen Skarr ab.
    Zu spät bemerkte dieser, dass es sich um eine Warp-Kugel handelt, er konnte nicht mehr ausweichen und die Kugel traf ihn, und die blaue Masse verteilte sich über ihn und Skarr hielt an.
    Verwundert sprach er sie an: "Du bist auch eine Biotikerin!?"
    Rose grinste und meinte nur lehrerhaft: "Ja, euch Kampfdinos kann man nur verletzen, wenn ihr gewarpt wurdet!"
    Skarr grinste böse, denn er hörte, dass Kroganer oft als Kampfdinos bezeichnet wurden, aber er wusste noch immer nicht, ob dass als eine Beleidigung gemeint war, er hatte noch nie einen Dinosaurier gesehen, seine Reisen führten ihn nie ins Sol-System. Er gab nur ein kurzes "Clever!" zu Protokoll, dann griff er wieder an.

    Doch Rose wartete nur darauf.
    "Ihr Kampfechsen seid doch so langsam und so berechenbar!", spottete Rose, aber Skarr hörte nicht auf sie, oft hörte er sowas schon von seinen ehemaligen Kontrahenten und genauso oft landeten sie überrascht auf ihren Mäulern. Aber dieses mal war es anders. Dieses mal hatte Skarr keine Waffen bei sich, noch konnte er seine Biotik oder seine kroganische Regeneration einsetzen, kurz gesagt er war im Nachteil, woraufhin er kurz und übelst auf kroganisch die Salarianer verfluchte, denn durch die Narkose während seiner Operation konnte er noch immer keinerlei Biotik oder Barrieren erzeugen.
    Skarr holte aus... und er traf Rose nicht, da sie einfach verdammt schnell war, aber die Frau hatte keine Probleme Skarr zu treffen, ob mit Biotik, oder im Nahkampf. Skarr war zu langsam und das wusste er.
    Aber er gab nicht auf, typisch Kroganer eben. Rose malträtierte ihn, sie warf ihn, biotisch verstärkt, von einer Wand zu einer anderen Wand. Glücklicherweise war dieser Ort fernab jeglicher Zivilisation. Selbst für einen Teil der unteren Bezirken hatte es kaum Einwohner, und diese Gebäude, in die Skarr rein krachte, waren alte Gebäude, in der Art von ausrangierten salarianischen Flüchtlingsheimen, die zu der Zeit aber verlassen waren, und da es ja ein altes, verlassenes Gebiet in den unteren Bezirken war, dürfte selbst die C-Sec einige Zeit brauchen, um hierher zu kommen - ein Umstand der Skarr gefiel, denn so konnte er sich voll und ganz auf seine Kontrahentin konzentrieren und völlig frei gegen sie kämpfen. Klar, es gab immer ein paar Schaulustige, die zu nah herankamen, aber Skarr konnte nichts dafür und das war dann ihr Pech, wenn sie die Gefahr liefen, dabei zu sterben.
    Das Einzige, was ihm bei diesem Umstand nicht gefiel war: sollte er hier fallen, niemand würde es bemerken. Er machte sich während einer Kampfpause , so seine Gedanken. "Puh... mehr als 800 Jahre lebe ich schon, wird auch mal Zeit, dass ich den Löffel abgebe...", meinte Skarr erschöpft und sah sich Rose an, die die ganze Zeit, um ihn herumschlich, dann hielt er kurz inne und sah in ihre Augen.
    Er sah glänzende Augen, die nur nach Mord und Kampf gierten. "Augen eines Raubtieres bei der Jagd!", schoss es Skarr durch den Kopf. Er sah oft in solche Augen, aber anstatt dass er zitterte und ängstlich guckte, grinste er Rose an, dann grummelte er zu ihr: "Verdammt, ich bin zwar alt, aber durch so eine Psychopathin sterbe ich sicherlich nicht!" Dann brüllte Skarr und rannte auf Rose zu, sie schien verwundert zu sein und konnte nicht rechtzeitig ausweichen.
    Skarr rammte sie mit seinem Körper und bearbeitete sie auf kroganisch, das hieß: sie bekam ein paar Kopfnüsse und wurde durch mehrere Wände geworfen, bis sie ganz weit hinten in einem länglichen Gebäude liegenblieb und nicht mehr hochkam. Skarr nahm an, dass sie genug hatte, er drehte sich um und ging zu seiner Schrotflinte, bis er sich schnell umdrehte, weil er in eben diesem Gebäude etwas hörte. Als er dahin schaute, wo Rose liegen sollte, da staunte er nicht schlecht, denn er sah, wie Rose sich wieder hochkämpfte, dabei grinste er nur und meinte: "Mhm, so so, also bist du zäher, als so manch kräftiger Kerl, den ich kenne!" Dann schaute Skarr etwas genauer hin und sah, dass Rose, abgesehen von ihrer völlig zerstörten Kleidung und dem sonstigen Dreck, noch relativ munter aussah.
    "Und robuster bist du auch noch!", meinte Skarr anerkennend, doch Rose schwieg und blickte immer noch etwas irrsinnig zu Skarr herüber. Dann verstand Skarr, warum er sie vorübergehend traf: sie bereitete sich auf etwas vor. Kurz nach ihrer Vorbereitung verrenkte sie sich, dann schmiss sie mehrere Biotik-Bomben gen Skarr, der zuerst verwundert war und dann auszuweichen versuchte, was bei der Anzahl der Kugeln so gar nicht klappte.
    Skarr war zwar schwer, aber wenn selbst ein Kroganer wie er durch so viele biotische Würfe getroffen wird, und das gleichzeitig, dann hatte auch Skarr keine Chance gegen Rose.
    Skarr landete - durch die vielen Explosionen blutete er überall - an einer Wand und fiel auf den Bauch. Er verlor so viel Blut, dass er beim Aufprall an der Wand die Besinnung verlor.
    Siegessicher schritt Rose, deren Augen sich wieder aufklärten, zum ohnmächtigen Skarr, dabei lachte sie böse und sprach zu sich selbst, denn niemand hörte ihr zu: "Diese verdammten Dinos... Kämpfen, auch wenn sie keine Chancen haben...", dann richtete sie ihre Hände in Skarrs Richtung, um ihm den Rest zu geben, doch bevor sie ihre Ladung abfeuern konnte, hielt sie inne, denn Rose hörte Fußgetrampel, bemerkte sie, dass eine Gruppe von Personen, mindestens zwei, hierher eilten. "Mist, dieser verdammte Dino schluckte zu viel Biotik und jetzt bin ich zu erschöpft für einen weiteren Kampf! Diese Echse hatte nochmal Glück!!" Rose bewegte sich wieder normal und flüchtete durch eine breite Gasse.

    Kurz danach wachte auch Knirsch wieder auf, er richtete sich auf und erschöpft lief er zu seinem bewusstlosen Herrchen und versuchte ihn aufzuwecken, indem er ihn anstieß.
    Dann drehte sich Knirsch schnell um, denn er bemerkte eine kleine Gruppe von Personen, die sich ihnen näherten. Mutig stellte sich der Varren zwischen dem bewusstlosen Skarr und der Gruppe. Dabei fing er an, bösartig zu knurren
    Meine MPFRPG-Charaktere


    Skarr, die kroganische Atombombe, auch bekannt als Kampfmeister
    Bray, der batarianische Schläger Smėagol, der Vorchawächter




    "Du wirst dreist Eulchen" Horst Seehofer
    "Ich bin eine Zauberin und Zauberer sind boshaft und dreist." Angela Merkel

  4. #1054
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    Lindsey O'Louis


    Ich liebe Einkaufen. Jedes Mal wenn ich an die Kasse komme und diese schnucklige kleine Maus mir die Tasche packt, bekomme ich das Gefühl etwas ganz Besonderes zu sein. Halt nein, das stimmt nicht. Ich bin ja so oder so etwas ganz Besonderes. Ich bekomme nur das Gefühl, dass ich mal wieder ein wenig Gesellschaft gebrauchen könnte. Versteht mich nicht falsch. Ich hab ja euch, aber wer kümmert sich um meine anderen, körperlichen Bedürfnisse. (Nein, CC. Du noch nicht. Dafür musst du noch etwas arbeiten. Aber lass dich davon bitte nicht aufhalten. Ich liebe deine Kommentare, Süße. Und deine Bilder.)
    Worauf ich eigentlich hinaus wollte war, dass ich die Kassiererin mal wieder klar gemacht habe. Aber euch das jetzt haarklein darzulegen langweilt euch garantiert. Ihr seid ja hier, weil ihr nach Action giert und die will euch natürlich geben. #Lindseywashere
    Lindsey saß nun schon seit Stunden im Verhörraum und wartete endlich darauf, dass der beschissene, scheiß C-Sec-Beamte vorbei käme. Er sollte ihm endlich seine verkorksten Fragen stellen und ihn dann gehen lassen. Diese verdammten Reaper. Die mit ihren dummen Angriffen. Eigentlich kamen sie ihm super gelegen, weil sie seine Spur tarnten, aber egal wie gut man abtauchen konnte, irgendwann musste man wieder an die Oberfläche und das war sein Problem. Er musste auf der Citadel auftauchen. Auch wenn das nicht wirklich ein Problem war, Lindsey arbeitete in der Regel in Terminusgebeiten und damit außerhalb der Zuständigkeit der C-Sec, war es zumindest lästig. Gerade jetzt hätte er wieder über die Kassiererin rutschen können oder er hätte sich jemand anderes gesucht. Aber nein. Er musste ja in diesem wundervoll kargen Raum einem Verhör unterzogen werden.
    Immerhin hatte man ihm sein Handy gelassen und er konnte weiter auf seine Seiten zugreifen. Er hielt das Ding in die Höhe, zog eine Grimasse und betätigte den Auslöser. Das Bild versah er wieder mit einem „#y O’Lo“ und stellte es online mit dem Untertitel „Langweilig. Will etwas mehr Action.“.
    Die Tür sprang offen, ein Mensch mittleren Alters, dunkle Haut, angegrautes Haar, ein Gesichtsausdruck, der deutlich machte, dass er so langsam keinen Bock mehr hatte, betrat den Raum. Er warf Lindsey ein Handtuch zu und nahm ihm sein Handy ab.
    „Ey! Das gehört mir.“, protestierte der Blondschopf, nahm dann aber dennoch das Handtuch und hielt es sich ins Gesicht. Den Kopf in den Nacken gelegt konnte so endlich die Blutung verlangsamt werden.
    „Hätte ein einfaches ‚Bitte‘ nicht gereicht, Julius. Musstest du mir sofort die Nase brechen.“
    „Sie wissen wieso Sie hier sind, O’Louis. Und ich habe keine Lust wieder eine Ihrer Ausreden zu hören.“
    „Hör zu, Julius. Ich weiß, dass du kein Fan von meinem Blog bist, aber das gibt dir noch lange nicht das Recht…“
    Er wurde harsch unterbrochen. Der Mann nahm das Handy und warf es gegen die nächste Wand. Eine eindeutige Wutreaktion. Glücklicherweise blieb das Ding ganz und funktionsbereit. Lindsey investierte eben nur in Top-Hardware.
    „Ich habe das Recht, Sie festzuhalten, solange ich einen Verdacht gegen Sie habe.“
    „Aber maximal nur einen Tag, Julius. Nur einen Tag und bitte, hast du etwas Medigel für mich. Wie du sicher weißt ist meine Nase gebrochen! Man, ich brauche jemanden der sie mir wieder richtet oder dieses hübsche Gesicht wird nie mehr so hübsch sein wie vorher.“
    „Wenn ich mit Ihnen fertig bin, O’Louis, wird Ihnen Ihre Nase herzlichst egal sein. Also, zum Thema. Ich habe Beweise, dass Sie wieder gemordet haben. Ich habe sogar Ihr schriftliches Geständnis.“
    „Ich habe nicht gemordet, Julius. Ich bin Künstler.“
    „Künstler am Arsch. Meine Techniker haben herausgefunden, dass das Videomaterial, welches wir gefunden haben, authentisch ist.“
    „Ihr…“, er zog die Nase hoch und bereute sofort seine Entscheidung. „Argh, Fuck. Ihr habt ein Video davon? Kann ich es sehen?“
    „Oh, bitte. Bitte. Natürlich. Hier, schauen Sie her.“
    Detective Julius Taylor tippte auf seinem Omnitool herum. Eine Projektion erschien und zeigte Lindsey. Es war eindeutig er. Niemand sonst hatte so gute Gene und würde noch in absoluter Action so gelassen aussehen wie Lindsey O’Louis. Er tänzelte zwischen drei Wachen hin und her. Einfache Sicherheitsleute ohne großes Equipment. Er brauchte keine Waffen um diese drei fertig zu machen. Wie er es damals gelernt hatet: „Benutze die Kraft deines Gegners gegen ihn selbst.“ Ein Schlag kam in einem weiten Schwinger auf ihn zu. Er hatte mehr als genügend Zeit sich um den Arm zu klammern und den Kerl mit einem gezielten Tritt in die Kniekehle zu Fall zu bringen. Der Arm wurde auf den Rücken verdreht und mit einer schnellen Bewegung gebrochen. Gerade Rechtzeitig um den Tritt der zweiten Wache zu entgehen. Lindsey sprang in die Höhe und streckte sein Bein nach vorne aus. Er traf die Wache mit der Spitze seines Schuhes unter dem Kinn und verhalf ihm so zu einer unfreiwilligen und harten Landung auf dem Boden. Er blieb bewusstlos liegen. Die erste Wache krümmte sich vor Schmerz, hielt sich den Arm. Nun war die dritte Wache am Zuge und griff in Richtung Holster. Er zog eine Pistole und begann zu feuern. Lindsey rollte sich mehrfach ab, um den Kugeln zu entgehen und auf den Gegner zuzuhalten. Erst als er sich sicher war, dass er einen guten Schlag landen konnte, sprang er auf. Er entwaffnete ihn und zerlegte die Pistole von seinen Augen. Den Lauf behielt er in der Hand und benutzte es als kleines Baton. Er schlug ihm gegen die Hände und dann rammte er ihn ihm von unten durch die weiche Stelle des Kiefers tief in den Kopf. Leblos wie ein nasser Sack fiel die Wache zu Boden. Die erste Wache rappelte sich wieder auf. Auch sie griff nach dem Holster. Nur war seine Waffe in dem vorangegangenen Handgemenge abhandengekommen und irgendwo auf dem Boden zu finden. Lindsey nahm Anlauf und Boxte ihn schwer gegen den gebrochenen Arm, um den Schmerz noch ein weiteres Mal zu entfachen. Es zeigte Wirkung und die Wache taumelte etwas benommen zurück. Er stolperte über seinen bewusstlosen Kameraden und fiel hart auf dem Hintern. Das Brechen von Knochen hörte man. Dann einen lauten und hasserfüllten Schrei und dann das unkontrollierte Lachen von Lindsey: „Hast du dir gerade das Steißbein gebrochen? Hast du dir gerade etwa echt den Arsch gebrochen?!“ Er konnte nicht mehr vor Lachen und musste sich kurz hinsetzen. Er hielt sich den Bauch vor Lachen. Die Situation war so absurd. Voller Wut und Schmerz tastete sich der Mann nach der Waffe und richtete sie auf Lindsey. Dieser stand auf, mit Tränen in den Augen. Er blickte in den Lauf: „Komm, Mann. Lass gut sein. Du hast dir gerade den Arsch gebrochen.“, wieder lachte er. „Ich will dich nicht auch noch töten müssen. Es ist vorbei. Gib mir die Waffe und ich organisiere dir Hilfe.“
    Er hielt ihm auffordernd die Hand hin. Nach einem Augenblick der Ruhe und dem Grunzen der Wache mit dem gebrochenen Steißbein. Und nach wohl etlichen Überlegungen eben dieser, überreichte er Lindsey die Waffe. Lindsey hielt sie wiegend in der Hand: „Danke.“ Dann drückte er ab und erschoss die letzte, bewusstlose Wache. Die Waffe warf er weg. Dann griff er sich selbst in das Sakko und zog eine Visitenkarte hervor, die er in den Bruch des Armes der einen Wache schob

    „Was ein hübscher Kerl. Cooles Video. Der Winkel gefällt mir. Zeigt eindeutig seine Schokoladenseite. Die Beleuchtung ist aus dieser Perspektive auch viel besser. Kann ich davon eine Kopie haben?“
    Julius wollte seinen Ohren nicht trauen: „Sie bestreiten also nicht, dass sie das sind O’Louis?“
    „Ich bestreite gar nichts, Julius. Nur, kannst du mir irgendetwas davon nachweisen?“
    Julius tippe wieder einige Eingaben in sein Omnitool. Er rief den Blog von Lindsey auf.
    „Also streiten Sie auch nicht mit diesen Morden im Extranet geprahlt zu haben?“
    „Nope.“
    „Wie also können Sie also noch immer davon ausgehen, dass Sie hier straffrei herauskommen?“
    Julius sah ihn direkt an. Lindsey hatte den Kopf wieder in den Nacken gelegt, um die Blutung zu verlangsamen. Er presste sich das Handtuch ins Gesicht.
    „Verdammt! Tut das weh! Und du hast sicher kein Medigel für mich, Julius?“
    „Antworten Sie auf meine Frage, O’Louis und ich werde es mir überlegen.“
    Lindsey blickte ihn an: „Gut. Ich sage es dir. Das Geheimnis ist: Immersion.“
    „Immersion?“, fragte er ihn verblüfft.
    „Ja. Immersion. Lass dir das Wort auf der Zunge: Immersion.“, er zog den letzten Vokal in die Länge, als ob er dadurch dem Wort mehr Bedeutung verleihen könnte. Julius stand auf, lächelte gar ein wenig verschmitzt und griff Lindsey unter den Arm.
    „Mitkommen.“
    „Halt! Stop! Warte. Halt, halt, halt. Mit Immersion ist die Erzeugung einer dichteren Atmosphäre gemeint. Der Betrachter soll tiefer in das Geschehen einbezogen werden. Er soll sich als Teil des Ganzen fühlen.“, versuchte Lindsey sich zu retten, der noch immer das Handtuch in sein Gesicht presste.
    „Ich weiß was Immersion ist, O’Louis. Aber offensichtlich wissen Sie nicht, in was für Schwierigkeiten Sie stecken.“
    Der Griff um seinen Arm wurde kräftiger: „Okay, okay, okay. Mal hypothetisch gesprochen, ich hätte diese Männer ermordet, was ich nicht habe, denn es sind, wie all meine anderen ‚Opfer‘ auch, Laienschauspieler, die ohne Bezahlung und Namensnennung für mich arbeiteten, wo sind dann ihre Leichen? Wie kannst du mich ohne diese wichtigen Beweisstücke überhaupt festhalten wollen. Das Video und mein Blog beweisen rein gar nichts. Du kannst mir nichts, Detective. Gar nichts.“
    Und damit hatte dieser verdammte Bastard sogar Recht. Solange es keine Leichen gab, an denen man zweifelsfrei die Todesursachen feststellen konnte, hatte er nichts in der Hand, um ihn wegzusperren. Er ließ ihn mit einem verachtenden Schnauben los.
    „Außerdem. Wenn du noch mehr von mir hören willst, dann verlange ich meinen Anwalt. Oder du lässt mich endlich gehen. Verdammt!“
    Auf dem Gesicht des Polizisten sah man deutlich die Schweißperlen stehen. Lindsey sah die Verärgerung in seinen Augen und auch das Blecken seiner Zähne.
    „Das ist noch nicht vorbei, O’Louis.“, sprach er in einem Flüsterton, welches reißende Gewässer hätte gefrieren lassen können.
    Lindsey schaute sich im Raum um. Dem Mann über die Schulter und ihm dann tief in die Augen. Er lächelte: „Das hoffe ich doch.“
    Er hielt ihm die gefesselten Hände hin und lächelte schief. Das Grinsen offenbarte seine von Blut verschmierten, makellosen, weißen Zähne. Widerwillig und ruppiger als sonst öffnete der Beamte ihm die Handschellen.
    „Hey, hey. Au. Vorsichtig man. Pass auf.“ Dann griff sich Lindsey sein Handy und verließ den Raum.
    Erst als er die C-Sec verlassen hatte und die Präsidiumsluft wieder riechen konnte, was er auch sofort wieder verfluchte wegen seiner Nase, atmete er etwas erleichtert aus. Dennoch Lindsey war total angepisst. Er hatte viel zu viel von sich preisgeben müssen, um dieses Mal seine Haut zu retten. Lindsey wusste, dass Taylor seine Schlinge immer fester um seinen Hals zuzog. Er müsste sich irgendwann einmal mit ihm beschäftigen müssen. Doch irgendwann war nicht heute. Also schlenderte Lindsey los in die Bezirke, um sich eine günstige Apotheke zu suchen.
    Scheiß Bürokraten! #Lindseywashere

  5. #1055
    ♥ Forenteddy ♥ Avatar von -Nero-
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    Lindsey O'Louis


    Lindsey hatte nun eine wahre Fülle an Möglichkeiten sich für eine Apotheke zu entscheiden, die seinen durchaus nicht übermäßig unangebrachten Vorstellungen entsprach. Als er sich schlussendlich für eine kleine Filiale in den Bezirken entscheiden konnte, entdeckte er alsbald, dass er blank war. Kein Geld mehr. Seine Flucht aus den Terminus Gebieten zurück zur Citadel fraß jegliches finanzielles Polster auf. ‚Verdammt!‘, fluchte er innerlich. Er musste sich irgendwoher ein wenig Kohle organisieren. Doch zunächst brauchte er das scheiß Medigel, oder sein Gesicht würde nie mehr so makellos werden, wie es war.
    Ein echt beschissener Tag #Lindseywashere
    „Können Sie mir etwas Medigel erübrigen?“, fragte er einfach mal in die Runde. Einige Kunden standen Schlange. Ein paar wandten ihre verschnupften Gesichter dem Verdroschenen zu und betrachteten ihn abschätzig. Hinter der Theke waren einige PTAs damit beschäftigt den Kunden bestmöglich zu helfen. Als Lindsey ein zweites Mal nachfragte wurde er harsch von einer Asari unterbrochen.
    „Sie sind dran, wenn sie dran sind!“, schnauzte sie ihn an. Lindsey zog die aufgeplatzte Lippe hoch zu einem Lächeln. „Aber, aber. Nicht so feindselig, bitte. Ich möchte nur etwas Medigel. Dann bin ich auch schon wieder weg.“ „Dann stellen Sie sich hinten an!“, mischte sich ein anderer, ein Mensch ein. „Einer nach dem anderen.“ „Tut mir leid. Aber darauf kann und will ich nicht warten.“ „Sie können und sie werden.“, baute sich der Mensch auf. Lindsey seufzte abschätzig. Dann kam auch schon der rechte Schwinger geflogen. Gekonnt und ohne große Mühe blockte Lindsey den wilden Schlag ab. Mehr noch: Er nutzte den Schwung seines Gegners und verhalf ihm so zu einer unsanften Landung auf dem Boden. Überrascht von der schnellen und ungewohnten Reaktion seines Gegners, rappelte sich der Mann wieder auf, nur um ihn, mit einem wilden Sprung wieder zu attackieren. Doch auch dieser Angriff verpuffte im Nichts. Lindsey wich ihm einfach aus und der Mann stieß sich ungewollt hart den Kopf an der Wand.
    „Es reicht, Erdenclan!“ Das charakteristische, schwere Atmen eines Volus begleitete die Worte. „Wenn ihr euch bekämpfen wollt, dann verlasst mein Geschäft.“ Lindsey hob beschwichtigend die Hände: „Ich habe hier niemanden angegriffen.“ Eine Reihe lichtete sich und die Sicht des Volus auf die beiden Menschen wurde besser. „Ihr seid…“, er atmete wieder schwer: „Ihr seid Lindsey O’Louis.“
    „Zu euren Diensten, mi Lord.“ Er zeigte eine formvollendete Verbeugung. Der andere Mann sah nun seine Chance gekommen und versuchte nach dem Bein zu greifen, das nach hinten gestreckt war. Lindsey ließ sich fallen und trat mit dem anderen Fuß nach dem Kopf des Mannes, traf ihn schmerzhaft auf der Stirn. Ruckartig ließ er ihn los und hielt sich die plötzlich klaffende Platzwunde. „Jetzt reicht es aber echt, Erdenclan!“
    „Jawohl!“, bestätigte Lindsey mit einem Lächeln. Der Volus wackelte um die Theke herum und gebot Lindsey einen Medigelpen an. Er nahm ihn dankend entgegen und versorgte alsbald sein Gesicht. Schnell merkte er wie es warm wurde. Ein Zeichen, dass der Regenerationsprozess eingeleitet worden war. Ein leichtes Ziehen begleitete das Gefühl. „Und was ist mit mir?“, fragte der blutende Mann am Boden.
    „Stell dich hinten an.“, fauchte der Volus, der sich Lindsey in der Zwischenzeit als Nor’va vorstellte.
    Nor’va war, wie alle anderen Volus, die Lindsey kennengelernt hatte, auch wohlhabend. Er besaß mehrere pharmazeutische Unternehmen und war ebenfalls dick im Immobiliengeschäft vertreten. Dass ein Volus sich aber für Lindsey interessierte, das passierte dem Künstler nicht oft. Genauer gesagt, war das das erste Mal.
    „Ich bin ein großer Fan Ihrer Arbeit, Erdenclan. Ich genieße jede Ihrer Veröffentlichungen.“ „Schön, das freut mich. Sie wissen ja, ich liebe meine Fans.“, Lindsey tätschelte ihm die Schulter und lächelte ein wenig. „Aber, sie wissen nicht zufällig, wo ich für ein paar Nächte unterkommen kann? Etwas mit Klasse wäre schön.“ „Ah, Erdenclan.“, seine Atemintervalle verkürzten sich. Offensichtlich fühlte er sich geschmeichelt. „Ich habe das perfekte Objekt für Sie und ich möchte Ihnen ein Geschäft vorschlagen.“ Lindsey riss verblüfft die Augen auf. „Ein Geschäft?“ Der Volus richtete sich auf und blickte ihn durch seine beiden dunkel verglasten Augen an: „Ja, Erdenclan. Ich überlasse Ihnen eine Unterkunft für die Dauer ihres Aufenthaltes auf der Citadel.“ Nach einer kurzen Atempause fügte er hinzu: „Eines mit Klasse.“ „Klingt gut. Und was muss ich als Gegenleistung erbringen?“ „Nicht viel, Erdenclan. Es wird Ihnen gerfallen.“

  6. #1056
    ...wie Honig! Avatar von plasma13
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    In Zusammenarbeit mit Drellinator92 und Milky_Way entstanden
    Fundamente/ Sichere Wohnung
    (Trent/ Lyn)


    Piep, piep, piiiiep...
    James wedelte den kleinen Vogel mit der Hand weg. Es nützte nichts, das nervige Ding saß zu hoch in dem Baum. Er fuchtelte nun wilder mit beiden Armen herum, woraufhin der Piepmatz aber nur noch lauter und schneller mit seiner Kakophonie fortfuhr. Jetzt war es aber genug! James griff an seine Hüfte, stellte fest, dass er keine Waffe trägt, dafür aber Klamotten, die eindeutig mehrere Nummern zu groß sind - und plötzlich landete etwas Schweres auf seiner Schulter und er schreckte auf.

    "Wach auf, Kleiner!"
    "Wer ist hier klein?", murmelte er undeutlich, halb im Schlaf noch, und setzte sich auf. Ein klares Lachen drang in seine Ohren, und es wurde heller. Der Destroyer kniff die Augen zusammen und war nun völlig wach.
    "Was hast du denn geträumt?", fragte der Commander amüsiert, während sie sich wieder aufrichtete, die Pistole im Holster verstaute und den Alarm des Omnitools ausschaltete.
    "Äh... Nichts Besonderes", beeilte sich James zu sagen.
    "Sag mal... Du wirst doch nicht etwa rot?" Lyn starrte den Riesen an und fing breit zu grinsen an. "Verdammt, James! Du wirst echt rot!" Der Versuch, nicht zu lachen, scheiterte kläglich.
    "Ja, ja...", brummte der N7er ungehalten, wobei ihm tatsächlich ein wenig wärmer wurde. "Jetzt hör auf zu gackern!"
    Lyn verschluckte sich fast und gluckste immer noch ab und an, als sie neben James auf dem Bett Platz nahm. "Schau, wen eine unserer Drohnen entdeckt hat." Sie verdrehte den linken Arm so, dass sie beide die Szenerie gut überblicken konnten.
    James beugte sich etwas vor und legte den Kopf schief. "Ist das etwa...?"
    "Ja. Das ist Staff Lieutenant Rose Montgomery", bestätigte Lyn.
    "Was tut sie denn da?" Der Destroyer schaute der rothaarigen Frau zu, wie sie scheinbar ziellos durch die unteren Bezirke irrte.
    "Ich weiß es nicht", meinte Lyn, wobei sie sich nachdenklich das Kinn rieb. Sie zoomte näher heran und verstärkte die Sensoren der Drohne, und da hörten sie leises Gemurmel der Allianzsoldatin. Die Worte kamen schnell und gebetsmühlenartig über ihre Lippen und waren kaum zu verstehen.
    James runzelte die Augenbrauen, als die Frau zu einem großen Platz kam, sich fast exakt mittig darauf platzierte und sich hinkniete. Es sah aus, als würde sie beten. "Merkwürdig", sagte er leise.
    Montgomery saß ganz ruhig dort, es wirkte so, als würde sie auf etwas warten, nur die Worte sprudelten nach wie vor leise aus ihrem Mund. Die beiden N7er beobachteten sie eine Weile schweigend.
    "Zieh dich an, James, das will ich mir aus der Nähe anschauen", kam es schleppend von Lyn, die mit gerunzelter Stirn die kniende Frau betrachtete, als sich auf einmal die Lage änderte, denn urplötzlich kam ein riesiger Varren um die Ecke gerannt und steuerte unbeirrt die Platzmitte an. Montgomery reagierte blitzartig - Lyn konnte die Bewegung gerade noch so wahrnehmen -, und schleuderte das Tier gegen eine Wand, natürlich mit Biotik. Und jetzt tauchte zu allem Überfluss auch noch ein Kroganer auf, der nach kurzem Wortwechsel auf die Biotikerin losging. "Was zum... Verdammt nochmal! Beeil dich!"
    Der Destroyer war schon fast fertig mit der Panzerung. "Was ist mit den anderen?"
    "Keine Zeit!", rief Lyn und verließ den Raum.
    James lief ihr zügig hinterher und zog währenddessen den Helm über.

    Mit einem halsbrecherischen Tempo stieg der Kombi schräg nach oben, James musste sich abstützen, damit er nicht auf die Rückbank purzelt. Lyn stabilisierte die Flugbahn, und sie schossen davon.
    "Beobachte Montgomery", kam es von dem Commander.
    "Bin dabei", meinte James kurz abgebunden. "Oh, Scheiße... Sie macht den Kerl fertig!" Der N7er änderte die Position der Drohne. Montgomery zerlegte praktisch die große Echse, und das nicht nur mit Biotik. "Das sieht nicht gut für ihn aus", murmelte er, als Montgomery den Kroganer immer wieder gegen Wände schleuderte.
    Lyn warf einen kurzen Blick zu James Omnitool und holte aus dem Fahrzeug alles raus, was ging. Das Triebwerk jaulte daraufhin protestierend auf und sie und James wurden in die Sitze gepresst.
    "Autsch, das muss doch wehgetan haben!", kommentierte James und verzog das Gesicht unter dem Helm.
    "Was ist?", fragte Lyn neugierig.
    "Montgomery ist soeben durch ein paar Wände geflogen..."
    Eine Weile herrschte Schweigen. "Vielleicht können wir sie doch gleich ganz einfach einkassie...", begann Lyn.
    "Ups... Und da steht sie schon wieder! Armer Idiot!", meinte James und schaute mit hochgezogenen Augenbrauen zu, wie Rose den Kroganer unangespitzt in den Boden rammte, bildlich gesprochen. "Warum holen wir nicht die anderen und machen die Frau fertig? Irgendwann mal wird sie schon müde werden." Schon wollte er Aurix anfunken.
    "Nein. Wir werden sie nicht sofort angreifen." Der Commander beschleunigte noch etwas mehr, bevor sie kurz den N7er ansah. "Wir wissen nicht, wie sich das Implantat auf ihre Biotik auswirkt. Ich werde kein Risiko eingehen, allerdings interessiert es mich brennend, warum sich ein Kroganer mit jemand anlegt, der eindeutig besser als er ist...", fügte sie leise hinzu und setzte außerhalb des Platzes zur Landung an.
    "Wenn du mit ihm reden willst, solltest du dich besser beeilen. Ich glaube, er machs nicht mehr lange", meinte James und kniff die Augen zusammen. Nach der Biotikexplosion blieb der Kroganer reglos liegen und Montgomery näherte sich ihm langsam. Immer wieder sprach sie leise mit sich selbst.

    Untere Bezirke
    (Trent/ Lyn)


    Die beiden Allianzsoldaten sprangen aus dem Wagen hinaus und rannten zu dem Platz, von Montgomery fehlte jede Spur. Sie blieben stehen.
    "Sie hat uns gehört. Sie haut ab", meinte James lakonisch.
    "Lass die Drohne die Verfolgung aufnehmen..."
    "Schon geschehen!", kam es nur von James.
    "Jetzt kannst du die Anderen wecken", fügte Lyn trocken hinzu, als sie die Belustigung in James Stimme bemerkte. "Und hör endlich mit dem dämlichen Gegrinse auf."
    "Ähm... Ja."
    "Sie sollen Montgomery folgen, aber nur dann etwas unternehmen, wenn die Frau austickt! Sie wissen hoffentlich mittlerweile, was auf dem Spiel steht. In diesem Fall muss die Biotikerin verschwinden! Oder das Implantat... Mach es ihnen klar", meinte der Commander und zog den Helm ab, während sie sich dem Varren vorsichtig näherte, der immer lauter knurrte und mit seinem Körper den Kroganer abschirmte.
    "Lass mich das Drecksvieh beseitigen!" Der Destroyer schob sich mit der Eagle in der Hand vor Lyn und legte auf den Varren an.
    "Nein." Lyn legte den Kopf schief und starrte dem Tier in die wütenden Augen. "Steck die Waffe weg", sagte sie ruhig und ließ den Blick auf dem Varren ruhen, der nun begann mit kleinen Schritten hin und her zu laufen und dabei die Soldatin mit gesenktem Kopf fixierte.

    James beobachtete seine Vorgesetzte, während er mit Aurix leise sprach. Der Turianer verstand schnell, was Sache war und wollte sich um alles kümmern. James hoffte, dass sich der Ghost endlich darauf besann, was wichtig war. Plötzlich lächelte er schief, denn der Varren leckte an Lyns ausgestreckter Hand, setzte sich auf seine Hinterläufe, ließ die Zunge heraushängen und hechelte wie ein Hund.
    "Hast du ihn verzaubert, oder was?", fragte James und schaute abwechselnd Lyn und das Tier an.
    "Nein. Ich hab ihm bloß deutlich gemacht, wer das Alphatier im Rudel ist!", lachte der Commander auf und tätschelte den riesigen Varrenkopf, woraufhin das Tier ein seltsames Geräusch von sich gab.
    "Aha." Trent beäugte den Varren misstrauisch. "Warum erschießt du das Vieh nicht einfach? Ein Problem weniger!"
    "Weil dieses Vieh anscheinend der Freund dieses Kroganers ist", deutete sie auf den Schwerverletzten und tippte sogleich auf dem Omnitool herum. Einen Augenblick später setzte der Kombi neben der Gruppe auf. Lyn beugte sich zu dem Alien herunter, wobei der Varren sie nicht aus den Augen ließ, und jagte der Echse Stims in die Systeme seines Anzugs, vorsichtshalber die dreifache Dosis. Danach versorgte sie die größeren Wunden mit Medigel.
    "Verfrachte ihn in den Wagen, James", meinte Lyn gelassen und stand wieder auf.
    "Du willst ihn mitnehmen? Wir sind doch keine verdammte Wohlfahrt!"
    "Rede ich irgendwie undeutlich?", fragte der Commander und musterte Trent von der Seite.
    "Was? Nein."
    "Worauf wartest du dann noch?"
    "Ich mach ja schon!", brummte der N7er, schloss die Heckklappe des Kombis auf und klappte die hinterste Bank um, dann wendete er sich dem Kroganer zu und starrte ihn missmutig an. "Der Kerl wiegt mindestens zweihundert Kilo!"
    "Oh... Ist das etwa zu viel für meinen kleinen, schwächlichen Salarianer?", spottete Lyn und grinste breit.
    James ließ den Kopf hängen und murmelte: "Ich gebs auf!"
    Lyn lachte laut auf und haute dem Destroyer kräftig auf den Rücken: "Das schaffst du spielend, James! Das weiß ich ganz genau!" Sie zwinkerte ihm zu.
    "Ja, ja, ja! Ist ja schon gut!" James packte den bewusstlosen Kroganer unter den Achseln und zerrte ihn in Richtung des Kombi, wobei die Beine der Echse auf dem Boden schleiften. Die Servomotoren des Anzugs liefen fast schon am Limit, als er mit einem Ächzen die lebendige Fracht verstaute und die Heckklappe zuwarf. Der Schweiß rann ihm den Rücken hinunter. Er zog den Helm ab und wischte sich die Stirn ab: "Das nächste Mal darfst du es machen!"
    "Wofür hab ich denn mein kleines Frontschwein?", meinte Lyn und lächelte zuckersüß.
    James rollte mit den Augen: "Oh nein – mich kriegst du damit nicht rum!"
    "Sicher nicht? Tja, du musst ihn noch ins Haus tragen."
    James verengte die Augen: "Ist ja toll!"
    Lyn grinste breit, deutete dem Varren an, dass er ihr folgen soll, was das Tier auch tatsächlich tat, und setzte sich hinter das Steuer. Der Varren sprang auf die Rückbank hinter dem Pilotensitz, drehte sich zu dem Kroganer um und legte den Kopf auf der Rückenlehne ab. "Komm schon, James, rein mit dir!" Lyn lehnte sich aus dem Fahrerfenster hinaus.
    "Ich weiß nicht... Vielleicht sollte ich lieber zu Fuß gehen!", meinte der Destroyer und kratzte sich nachdenklich im Nacken, wobei er intensiv in der Gegend herumschaute. "Dann muss ich ja nichts mehr schleppen!"
    Lyn zog eine Augenbraue hoch und starrte den Soldaten argwöhnisch an: "Ist nicht dein Ernst, oder?"
    James versuchte mit allen Mitteln das Lachen zu unterdrücken, als er Lyns Gesichtsausdruck sah, was leider, wie immer, schief ging. Er lachte laut auf und nahm neben der Soldatin Platz.
    Der Commander verzog die Lippen zu einem zweifelnden Lächeln: "Eine Sekunde lang dachte ich, du schaffst es!"
    "Ha! Falsch gedacht!"
    Lyn startete das Triebwerk: "Behalte unsere Gäste gut im Auge..."
    "Sicher doch!" James drehte sich um und beäugte abwechselnd den weggetretenen Kroganer und den Varren. Die Eagle hielt er vorsichtshalber entsichert in der Hand. Vorsicht war schon immer besser als Nachsicht.

    Kombi
    (Skarr/ Trent/ Lyn)


    Knirsch beobachtete James und seinen Herrchen Skarr, der immer noch ohnmächtig auf der Ladefläche des Kombis lag. Der Flug verlief ruhig, was daran lag, dass Lyn ihrem Gast wegen recht ruhig flog, aber die unteren Bezirke der Citadel wären nicht die unteren Bezirke der Citadel, wenn sich nicht die Kriminalität hin und wieder melden würde und das tat sie... Mit durchschlagender Wirkung. Lyn wich mit dem schwerfälligen Kombi geschickt aus und flog ungestört weiter, doch bei diesen Erschütterungen schien es, als ob der Kroganer wieder zu sich kommen würde.
    Der N7er schaute zu Lyn: "Was, zum Teufel, war das gerade?"
    "Bloß ein Blindgänger", meinte der Commander achselzuckend.
    James verdrehte die Augen. "Diese verdammten..."
    Doch sie wurden beide unterbrochen, denn der Kroganer war dabei aufzuwachen, und das tat er mit einem lauten "Maaain Kooooppp!!!"
    Sofort wurde James daran erinnert was eigentlich seine Aufgabe war, denn er drehte sich wieder zu dem Kroganer um und starrte ihn finster an, die Eagle rückte keinen Millimeter von dem Kopf der Echse ab. Der Kroganer richtete sich etwas auf und haute dabei immer wieder kroganische Flüche raus, er schien noch immer unter Schmerzen zu leiden.

    Skarr wachte nach einer Erschütterung auf, er sah zuerst noch ziemlich verschwommen das Dach des Fahrzeugs, in welchem er lag. Aber langsam besserte sich seine Sicht und er konnte Kratzer an den Wänden erkennen. Er drehte sich, stützte sich an der Innenwand des Kombis ab und schaute sich etwas um.
    James zog eine Augenbraue hoch und begutachtete den Kroganer genauer: er war groß, ganz klar, und er sah recht gereizt aus, aber er blieb still. Sein tiefroter Panzer bewegte sich immer gleichmäßiger, was wohl daran lag, dass er sich beruhigte.
    "Dein Glück, dass du nicht ausrastest, Freundchen" murmelte James.
    Skarr war noch immer damit beschäftigt sich zu orientieren. Dann richtete er sich gänzlich auf, als er bemerkte, dass er nicht alleine war.
    Wie von einer Tarantel gestochen sprang Knirsch herunter von seinem Sitz. James wollte grade die Eagle auf ihn richten, da es doch recht verdächtig war, zumindest für ihn, dann zog er seine Waffe doch zurück, denn Knirsch wollte nicht James angreifen, sondern sprang zum Kroganer, um ihn willkommen zu heißen, genauer gesagt, um ihn abzuschlecken.
    Der Kroganer kniete sich schwerfällig hin und kraulte seinen Varren. Dann drehte er sich zu James um und fragte: "Mit wem hab ich eigentlich das Vergnügen?" Still wartete er auf eine Antwort, dabei blickte er auf James Waffe und fügte etwas gereizter hinzu: "Dreckige Plünderer seid ihr mal nich..."
    Sofort fragte James nach: "So? Und wie kommst du darauf?" Mit zusammengekniffenen Augen wartete der Destroyer auf eine einzige falsche Bewegung der Echse.
    Dem Kroganer gefiel das wohl, denn er grinste James böse an. "Du hast ein großes N7-Logo auf deiner Kampfpanzerung, die nur von Destroyern getragen wird, und ihr beide seht zu anständig dafür aus, um Plünderer zu sein", meinte Skarr lehrerhaft und bewies damit, dass er intelligenter als seine restlichen Artgenossen war.
    Lyn hörte natürlich alles mit und als Skarr mit seiner Rede fertig war, meinte sie belustigt zu der Echse: "Gut kombiniert, Watson."
    Skarr wusste nicht, was das soll. "Wie bitte? Wer ist Watsn? Ich bin Skarr", meinte der Gigant und stellte sich gleichzeitig den beiden vor.
    "Skarr, hm? Du kannst mich James nennen..." Der Destroyer lächelte schief und führte die Vorstellung fort: "...und die werte Dame am Steuer ist Lyn."
    Gelassen warf Lyn James einen Seitenblick zu: "Das waren jetzt genug Informationen. Fürs Erste."
    James grinste: "Wie Sie meinen, Sir. Ich meine natürlich: Ma'am!"
    Der Commander zuckte die Achseln und konzentrierte sich wieder auf den Verkehr.
    Die kurze Stile wurde durch das Kichern von Skarr unterbrochen, der die gesamte Unterhaltung der beiden stumm beobachtet hat. "Ihr scheint ja etwas Humor zu besitzen!", meinte er und kraulte seinem Varren weiterhin den Rücken, wobei er es irgendwie in dem engen Innenraum schaffte sich James gegenüber zu setzen. Der Varren sprang aufs Skarrs Schoß, legte sich hin und ließ sich von dem Kroganer streicheln, seine großen, lilafarbenen Augen wichen nicht von James.
    Der Varren fixierte ihn tatsächlich... Der N7er schmunzelte amüsiert. Glück für den Köter, dass er nur ein Köter war. Seine Aufmerksamkeit verlegte sich auf ihren nur geringfügig intelligenteren, zweiten Gast und er kniff leicht die Augen zusammen: "Also, Kroganer, wie kommt es, dass du gegen einen Menschen gekämpft und verloren hast?"
    Der Riese gab sich desinteressiert. "Zu deiner Information, Mensch, ich habe einen Namen: Skarr. Und von was für einem Kampf redest du denn? Ich hab schon gegen viele Menschen gekämpft, aber noch nie verloren, sonst wär ich ja nicht hier", meinte Skarr gereizt. Sein betontes Nie signalisierte dem Varren, dass er von seinem Herrchen heruntergehen sollte, was Knirsch auch tat. "Ihr müsst mich mit jemanden verwechseln." Allmählich beruhigte sich Skarr und seine Stimme nahm wieder einen normalen Ton an. "Ist das hier ein normales, privates Gespräch oder ist es eine Befragung vom Typ der Allianz?", fragte er gelangweilt.
    Lyn kam James zuvor: "Weder noch, wir wollen nur etwas wissen. Leugnen ist zwecklos, wir haben den Kampf zwischen dir und einer Rose Montgomery durch eine unserer Drohnen verfolgt."
    Skarr lehnte sich zurück und blickte nachdenklich James an, was diesen scheinbar etwas nervös machte, doch Skarr ignorierte dies gekonnt. Anschließend schaute Skarr in Lyns Richtung: "Rose? Montgomery?" Sein rechter Arm glitt dabei nach oben, um einen Teil seines Kopfpanzers zu erreichen und ihn scheinbar zu kratzen, dabei entfuhr ihm ein "Oh!"
    James Finger zuckte am Abzug, dennoch hielt er sich zurück. Lyn war noch nicht fertig mit der Befragung, das wusste er genau.
    Skarr ignorierte den Soldaten und fuhr lächelnd fort: "Ihr meint doch wohl Rose Montgomery, diese Sch... Schnalle oder wie ihr Menschen es immer sagt?"
    Lyns Augen verweilten kurz im Rückspiegel in den roten Augen des Kroganers. "Exakt."
    Das Einzige, was James dazu beisteuerte, war ein knappes Nicken.
    Skarr lehnte sich etwas nach vorne und fing zu erzählen an. "Diesen Kampf gegen Rose, den habe ich nicht verloren, sonst wäre ich ja nicht hier, klar soweit?", meinte Skarr ruhig, aber bestimmt. "Übrigens danke."
    "Oh, du hast verloren, glaub mir, mein Großer. Und wofür du dich bedankst, weiß ich echt nicht", kam es ironisch von Lyn. "Würdest du jetzt - bitte, bitte – weiter mit deiner überaus spannenden Geschichte fortfahren? Es ist wichtig."
    Skarr meinte zu Lyn: "Nur unter einer Bedingung! Du fliegst mich zuerst wieder zurück, wo ihr mich gefunden habt. Vermutlich ist meine Waffe noch immer dort und die will ich zurückhaben!"
    James starrte Skarr an: "Du machst wohl Witze, was? Du bist nicht in der Position um irgendwelche Forder..." Weiter kam er allerdings nicht.
    "In Ordnung. Kroganer, wir haben einen... Deal", unterbrach Lyn James.
    James schaute Lyn entgeistert an und zischte leise: "Was soll das, Commander?"
    "Vertrau mir." Die Soldatin zwinkerte dem N7er zu.
    "Tu ich das nicht immer?", meinte James kopfschüttelnd und rollte mit den Augen.
    Vom Skarr hörte man nur ein lachendes "Immer eine Freude mit euch Menschen Geschäfte zu machen!", dann lehnte er sich zurück und kraulte wieder seinen Varren.

    Untere Bezirke
    (Skarr/ Trent/ Lyn)


    Skarr staunte nicht schlecht über das Chaos auf dem weitläufigen Platz. Er grübelte nach, wie lange es inzwischen her sein musste, dass der Kampf zwischen ihm und Rose stattgefunden hatte. Die C-Sec war immer noch nicht da, doch dann fiel ihm ein, wo er sich befand. Deshalb war hier weit und breit nichts von den Sicherheitskräften zu sehen.

    Mit einem krachenden Aufprall sprang Skarr aus dem Kombi hinaus und sah sich um: "Mein lieber Dreschschlund, haben wir hier eine Unordnung gemacht, nicht, James?"
    Der Angesprochene stieg etwas gemächlicher aus und brummte: "Jaaaa... Das hast du prima hingekriegt, mein dicker, kroganischer Freund!" Die Stelle in der zerstörten Mauer, in welcher der unverwechselbare, kroganische Abdruck prangte, war durchaus imposant. "Zuschauer gabs wohl nicht allzu viele, hm?
    "Nicht, dass ich wüsste, ich war ja einer der Kontrahenten", murmelte Skarr zu James, wobei eine unterschwellige Portion an Ironie herauszuhören war.
    Ein langgezogens "Tja..." war nur von James zu hören.
    "Wärt ihr bitte so liebenswürdig und würdet euch mal beeilen? Vielleicht traut sich ja die C-Sec aus ihren Löchern, um nachzuschauen, was hier los war!" Der Sarkasmus in Lyns Stimme war mehr als deutlich. Der Commander bequemte sich nicht mal aus dem Wagen hinaus. Sie konnte es auch nicht wirklich, da der Varren seinen riesigen Kopf auf ihrer Schulter platzierte und hechelnd über ihr Gesicht leckte. "Igitt! Runter von mir!" Das Tier jaulte leise und irgendwie enttäuscht auf. Lyn seufzte tief. "Ist ja gut..." Sie kraulte den Varren am Kopf, woraufhin dieser freudig über ihre Wange schleckte. "Gewöhn dich bloß nicht daran, du hässliche Töle", murmelte Lyn grinsend und kraulte kräftig weiter. Der Varren stieß wieder diese merkwürdigen Geräusche aus, welche wohl der Ausdruck seiner Glückseligkeit waren.
    "Nun denn, Skarr, such mal nach deiner Waffe." James blickte sich um, konnte aber auf Anhieb nichts entdecken, was einer Waffe auch nur im Entferntesten ähnelte.
    "Äh... du hast recht, Lyn. Bis gleich, komm Knirsch", meinte der Kroganer. Als er losging sprang der Varren aus dem Kombi hinaus und folgte seinem Herrchen.

    James schaute dem ungleichen Paar einen Augenblick nach, dann stieg er wieder ein. "Bist du sicher, dass wir ihn unbeaufsichtigt lassen sollen? Was, wenn er entkommt? Er ist praktisch unser Zeuge."
    Der Commander zuckte mit den Schultern. "Er hat keine Chance und das weiß er, zumindest hoffe ich das für ihn. Bei den ganzen Verletzungen könnte er kaum schnell gehen, geschweige denn rennen oder weglaufen."
    "Da ist was dran", meinte James leise.
    "Was ist los? Du wirkst so... unzufrieden", beäugte Lyn seinen Partner interessiert.
    "Aurix meldet sich nicht. Schon viel zu lange für meinen Geschmack." James aktivierte das Omnitool und funkte den Turianer an.
    Lyn legte den Kopf schief, als James Versuche, den Kontakt auszunehmen, fehlschlugen. "Vielleicht sind sie gerade beschäftigt?"
    James funkelte den Commander an. "Ich dachte, Aurix hatte den Ernst der Lage begriffen. Wenn nicht, dann..." Er schickte seine Anfrage in immer kürzeren Abständen ab.
    "Ich denke, das hat er, James." Lyn betrachtete den Destroyer nachdenklich. Sie wusste, dass es ihm nicht passte, dass sie sich hier mit einem Kroganer herumschlugen, obwohl er bei seinem Team sein wollte.
    Plötzlich knisterte es in James Kom-Einheit. Zunächst war es still, dann folgte ein leises: "Ziel ausgeschaltet, James" von dem Ghost. Die Verbindung wurde nach diesen Worten abgebrochen.
    James presste die Lippen aufeinander. "Ich habe ihnen gesagt, nicht eingreifen."
    "Einer weniger auf der Liste, James", gab Lyn ruhig zu bedenken.
    Der N7er atmete tief ein und langsam wieder aus. "Gefällt mir trotzdem nicht", murmelte er säuerlich.
    Lyn lachte kurz auf und schwieg dann geflissentlich. James wäre gern selbst bei der Beseitigung eines ihrer Probleme dabei gewesen, das war ihr klar. Sie behielt ihre neuen Freunde im Blick, während sich der Destroyer dem Studium der Dienstakte des nächsten Kandidaten auf ihrer Todesliste widmete.

    Währenddessen war Skarr zusammen mit Knirsch auf der Suche nach seiner Waffe.
    "Hier ist so eine große Unordnung, wird schwer sein, meine Waffe zu finden", meinte Skarr zu dem Varren, als er stehenblieb und sich umsah.
    Auf dem Platz, auf welchem ein paar einsame und halb zerstörte Gebäuden standen, war sonst alles demoliert. Skarr meinte sogar in einer der Häuserwände einen Abdruck seines Körpers zu sehen, als Ms Montgomery ihn dorthin geworfen hatte.
    "War ein harter Kampf...", murmelte Skarr, doch bevor er in Nostalgie versinken konnte, hörte er Knirsch bellen, woraufhin er in die angezeigte Richtung lief. Der Varren wies eindeutig auf etwas hin. Und schon entdeckte Skarr seine Waffe, die auf dem Boden lag - unglücklicherweise vollkommen zerstört, in zwei Hälften gebrochen. Entnervt griff sich der Riese an den Kopf und murmelte wütend: "Typisch Menschenwaffen, akzeptabel im Einsatz, aber brechen wie die Arme eines Salarianers!" Dies war eine fundierte kroganische Meinung über Menschenwaffen.
    Skarr beruhigte sich wieder, und da spürte er etwas, etwas Lebendiges, was sich hinter ihm befinden musste. Sofort drehte er sich um - aber außer Zerstörung und dem schwarzen Kombi der Allianzler sah er nichts. Und doch... Da war doch etwas. Er hörte ein Schluchzen, nicht weit von ihm. Es kam hinter einem völlig zerbeulten Müllcontainer, also starrte er dorthin, während er darauf zulief.
    Er sah ein kleines Stückchen Elend vor sich, einen kleinen Salarianer, der sichtlich zitterte und das sicherlich vor Angst. Skarr verstand es. Was sollte man sonst als Angst haben, wenn man einen großen Kroganer vor sich hatte, der auch nicht gerade freundlich aussah? Also lockerte er seinen mürrischen Gesichtsausdruck und lächelte den Kleinen an, denn dieses Salarianerkind erinnerte ihn an jemand ganz Bestimmtes.
    "Hey, Kleiner", fing Skarr sanft an. "Hab keine Angst", versuchte Skarr das Kind zu beruhigen. Doch es funktionierte nicht, denn das Kind fing zu weinen an, als Knirsch ihm zu nahe kam.
    Oh, gut gemacht Skarr! Mit Kindern kannst du wirklich umgehen!, schellte sich der Kroganer innerlich. Er überlegte, was er jetzt machen sollte, und plötzlich fiel es ihm ein.
    "Knirsch, hierher!"
    Skarr bemühte sich so leise zu sprechen, wie er nur konnte, um das Kindchen nicht zu vertreiben. Knirsch trottete an Skarrs linke Seite, wobei er immer wieder zum Kind blickte. Dann fing Skarr Knirsch am Kopf zu kraulen, ganz langsam.
    "Möchtest du ihn vielleicht streicheln? Er ist lieb", fragte er den kleinen Salarianer, und war dabei ausgesprochen ruhig und nett. Er hörte mit dem Kraulen auf, was Knirsch zum Stillsitzen brachte. Der Varren blickte neugierig zum Kind, das sah Skarr in seinem, nun, Gesicht.
    Das Kind war noch am Schluchzen, aber als es Knirsch streicheln dürfte, beruhigte es sich und tat es tatsächlich, wobei der Wasserfall versiegte. Jetzt quietschte es vor Freude, als Knirsch sich nicht zurückhalten konnte und das Gesicht des Kindes ableckte.
    Skarr freute sich über den Anblick. Keine Ahnung von Kindern, aber immer über eine Ablenkung verfügen. Regel Nr. 43 im Krieg..., machte sich Skarr eine Notiz im Kopf.

    Knirsch ließ von dem Kind endlich ab, welches freudestrahlend nach oben zu dem riesigen Kroganer schaute.
    "Hör mal, Kleiner... Es ist schon spät, meinst du nicht, du solltest nach Hause gehen? Wo ist dein Haus überhaupt?", fragte Skarr etwas besorgt.
    Das Kind zeigte auf eins der zerstörten Gebäude hinter Skarr, der sich daraufhin umdrehte.
    "So ein Mist", grummelte der Kroganer leise.
    "I-Ich war b-bis jetzt bei Freunden, mein P-P-Papa wartet auf mich, aber ich finde ihn nirgendwo... I-I-Ist er vielleicht t-tot?", fragte das Kind zögerlich. Sein Gesicht wurde wieder traurig.
    Die Echse dachte fieberhaft nach. Das Kind hat wahrscheinlich seinen Vater verloren, aber hier? Plötzlich erstarrte Skarr innerlich, denn jetzt erinnerte er sich wieder. Rose... Sie hat mich gegen ein Haus geworfen, war das dieses hier? Hab ich vielleicht unabsichtlich den Vater des Kindes zerquetscht? Muss ich wohl, ich war so im Kampfrausch, dass ich nichts bemerkte... Dies waren so Skarrs Überlegungen, das Kind starrte ihn dabei die ganze Zeit über an. Verdammt, das kleine Ding darf nicht erfahren, dass ich seinen Alten unabsichtlich getötet habe... Der Kroganer spürte den Blick des Kindes auf sich ruhen.
    "Ähh... Is was?", fragte Skarr unschuldig den Kleinen.
    Von dem Kind kam allerdings eine Gegenfrage: "Nun... Weißt du vielleicht, was hier passiert ist?"
    Skarr ertappte sich dabei, dass ein Grinsen auf sein Gesicht kroch, also unterdrückte er es und log wie gedruckt: "Hmm... Keine Ahnung, muss wohl ein Kampf zwischen zwei der rivalisierenden Gangs gewesen sein, schließlich sind wir ja in den unteren Bezirken hier!" Ruhiger und trauriger fuhr er fort: "...und dein Vater ist wahrscheinlich zwischen die Fronten geraten und gestorben. Mein Beileid." Während er sprach, inspizierte er wachsam die Kleidung des Kindes. Haufenweise Lumpen, muss wohl ein Bettlerkind sein... Der Kroganer war sich ziemlich sicher, dass seine Beobachtungen zutrafen. So etwas sah er nicht zum ersten Mal.
    Das Kind war noch immer traurig. "Hm... Na gut, dann muss ich mich wohl alleine durchschlagen, danke für dein Beileid." Während es sprach, wurde es immer ruhiger, ganz so, als ob es die Trauer um den verstorbenen Vater schon überwunden hätte, was für einen Salarianer aber keine große Sache und völlig normal für diese Spezies war.
    Skarr wunderte sich nur ganz kurz, dann nahm er sich zusammen. "Was hast du da eigentlich bei dir?", fragte er, nachdem er bemerkte, dass das Kind etwas in den Händen fest umklammert hielt.
    "Oh, das ist nur Schrott, den ich gefunden habe. Wollte es mit Papa auf dem Schwarzmarkt verkaufen", gab das Kind die Information unbekümmert preis.
    "Schrott, sagst du? Zeig es mir", verlangte Skarr.
    Das Kind tat, was der Kroganer wollte.
    Das sieht wirklich nach einem Haufen Schrott aus. Laut sagte er allerdings: "Hör mal, das ist nur Müll, gib es mir, dann geb ich dir 500 Credits, um ein neues Leben anzufangen, ja?", bot ihm Skarr an.
    Das Kind hielt inne... und bejahte dann Skarrs Angebot. Der Rotzlöffel überreichte dem Söldner den Schrott und erhielt dafür die versprochenen Credits.
    Das Geschäft war somit abgeschlossen. Skarr schaute dem Kind nach, das mit einem lautem "TSCHÜÜÜß!" wegrannte. Sobald es außer Sicht war, warf der Kroganer den Schrott, der hauptsächlich aus irgendwelchen Metallteilen bestand, in die nächstbeste Ecke. Auf dem Schwarzmarkt hätte es einen Gewinn von höchstens dreißig Credits erzielt, kaum der Mühe wert.
    Hoffentlich geht es dem Kleinen bald wieder gut, aber nun: zurück zur Arbeit, hoffentlich haben die beiden Menschen was zu Mampfen. Er drehte auf der Stelle um und marschierte mit großen Schritten zum Kombi.
    Geändert von plasma13 (27.06.2016 um 20:42 Uhr)
    Do not turn away my friend! Like a willow I can bend. No man calls my name, no man came. So I walked on down away from you, maybe your attention was more than I could do. One man did not call. He asked me for my love and that was all!
    Kunstprojekt falsch zugeordnete Zitate:
    "...Fotzenverein!" - Otto von Bismarck

  7. #1057
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    Kombi
    (Skarr/ Trent/ Lyn)


    "Waffe gefunden?", warf Lyn über die Schulter, als Skarr samt dem Varren wieder einstieg. Das Skycar neigte sich gefährlich zur Seite und der Sitz knirschte protestierend unter dem Gewicht der Echse.
    "Ja", brummte der Kroganer mürrisch. "Kaputt. Scheiß-Menschenwaffen!"
    James und Lyn tauschten einen amüsierten Blick aus.
    "Ich denke, dem kann Abhilfe geschaffen werden", meinte Lyn bestimmt.
    "Ach ja?" Skarr strich Knirsch über den Kopf. "Und wie?"
    "Wirst du schon sehen." Der N7er drehte sich zu Skarr um, während Lyn den Wagen startete. "Also, erzähl mal, wie der Kampf mit Rose verlief."
    Skarr tat es. Er holte noch etwas mehr aus und erklärte, warum er seine Biotiken nicht einsetzten konnte, denn dann wäre die Auseinandersetzung mit Montgomery gänzlich anders verlaufen.
    Lyn scherte urplötzlich aus dem Strom der Fahrzeuge aus, was ihr empörtes Hupen der anderen Verkehrsteilnehmer bescherte, und stoppte. "Du bist ein Biotiker?"
    Der Kroganer nickte.
    "Interessant", murmelte Lyn und schaute zu James. "Was hältst du davon?"
    "Interessant", meinte James und grinste.
    Lyn verdrehte die Augen und lächelte. "Kannst du ihn gebrauchen, Lieutenant?"
    "Du meinst, ob ich eine biotisch begabte Riesenechse bei dieser Operation gebrauchen kann? Mit Sicherheit." James musterte Skarr genauer. "Du bist ein Söldner, sehe ich das richtig?"
    Der Kroganer lachte rau auf: "Ja, was sonst?"
    "Keine Ahnung... Ein kroganischer Gelehrter, ein Arzt, ein Wissenschaftler."
    Skarr starrte James an und lachte noch lauter. "Du bist seltsam!"
    "So hat mich noch nie einer betitelt." James erwiderte das Lächeln knapp. "Interesse an einem Job?"
    "Kommt drauf an."
    "Und worauf kommt es an?", hackte Lyn nach.
    "Auf die Bezahlung natürlich", entgegnete Skarr selbstzufrieden und kraulte kräftig den Varren.
    "Das wird kein Problem sein", meinte James achselzuckend.
    "Fünfzig Prozent im Voraus, der Rest nach Beendigung des Jobs. Ich habe... laufende Ausgaben", beäugte der Kroganer den Menschen.
    "Willst du nicht vorher wissen, was du tun sollst?" Lyn drehte sich ebenfalls um und betrachtete den Riesen nachdenklich.
    "Ich töte zwar alles, außer die Reaper-Schiffe, aber es wäre wünschenswert zu wissen, was die Ziele sind", meinte Skarr.
    "Ausgezeichnet. Die Informationen kriegst du. Später." Lyn drehte sich wieder um. Das Skycar schoss davon.

    Fundamente/ Sichere Wohnung
    (Skarr/ Trent/ Lyn)


    "Nein! Das Vieh kommt mir nicht in die Wohnung!" James stand breitbeinig in der Eingangstür und blockierte den Zugang.
    "James, Knirsch ist doch ganz lieb und..." Lyn zog amüsiert die Augenbrauen hoch und schaute kurz zu Skarr, der etwas verwundert zwischen den beiden Soldaten hin und her blickte.
    "NEIN! Das ist mein letztes Wort!" Der N7er starrte den Commander finster an. "Er kann hier im Flur bleiben und Wachvarren spielen!"
    "Jetzt sei nicht so stur!", versuchte Lyn zu beschwichtigen, wusste aber, dass es nichts bringen wird. James hasste alle Viecher.
    "Alter!" Der Destroyer ließ den Varren nicht aus den Augen, der völlig unschuldig drein blickte.
    Skarr wunderte sich ein wenig. Diese Menschen... Wer gibt einer VI den Namen Alter? Ist das überhaupt ein Name?
    "Ja, Lieutenant?", meldete sich sogleich die VI.
    "Wenn der Köter auch nur versucht in die Wohnung zu gelangen, erschießt du ihn." James drehte sich auf der Stelle um und betrat die Wohnung, ohne die Antwort der Maschine abzuwarten.
    "Selbstverständlich, Lieutenant", entgegnete Alter.
    Lyn seufzte tief und schaute Skarr an: "Tut mir leid, mein Großer, aber da ist nichts zu machen. James wird den Varren erschießen, wenn du dein Haustier nicht dazu bringst hier zu bleiben. Das ist kein Scherz." Sie deutete vage auf den breiten Flur. "Alter?"
    "Ja, Commander?"
    "Betäube den Varren, wenn er nicht tut, was er soll", meinte Lyn trocken und hebelte damit James Befehl aus. Sie war die Erste in der Kommandokette.
    "Natürlich, Commander", gab die VI knapp zu Protokoll.
    "Kein Problem, Knirsch ist sowieso nicht gern in Häusern...", gab Skarr zu Kenntnis.
    "Gut, dann wäre das geklärt." Lyn kraulte kurz Knirsch, der daraufhin freudig über ihre Hand leckte. "Wenn du soweit bist, komm nach. Die VI wird dich durchlassen", meinte Lyn zu Skarr und folgte James. Die Wohnungstür schloss sich zischend hinter ihr.

    "Ok, mein Kleiner..."
    Skarr kniete sich zu Knirsch hin, nachdem sie alleine waren. "Es sieht so aus: du darfst nicht rein," sagte Skarr und Knirsch gab ein langgezogenes Heulen von sich, wobei er den Kroganer mit seinem traurigsten Varrenblick anschaute.
    "Ach, verdammt! Schau mich nicht so an, der große James hat wohl was gegen Varren...", meinte Skarr mitleidig. "Oder er hat einfach Angst vor Varren und wills nicht zugeben." Skarr zwinkerte Knirsch zu, ganz wie es sein Stil war. "Wie auch immer, du musst draußen bleiben, aber ich komm immer mal wieder, um nach dir zu sehen, ok?", meinte Skarr und wartete auf eine Antwort und die kam: in Form eines herzhaften Jaulens.
    "Gut. Dass du mir ja schön hierbleibst und aufpasst." Skarr tätschelte den Kopf des Varrens. "Braver Knirsch."
    Skarr machte sich daran die Wohnung zu betreten, als er beim Eintritt von der VI aufgehalten wurde.
    "Sie sind also der neue Gast", stellte Alter emotionslos fest, was Skarr mit einem Grunzen beantwortete. "Wie wollen Sie bezeichnet werden?", fragte Alter weiter.
    Skarr blieb verwundert stehen und starrte zur Decke hoch, woher die Stimme kam. "Bitte was?", kam es von der Echse.
    "Ihren Namen. Er wird gebraucht", erklärte die VI mit Engelsgeduld.
    Der Kroganer lachte kurz auf, dann ging er weiter. "Oh... mein Name ist Skarr."
    "Willkommen Skarr! Sie können sich innerhalb der Wohnung frei und sicher bewegen." Die obligatorische Begrüßungsformel ließ sich Alter natürlich nicht nehmen.
    "Wurde auch langsam Zeit", meinte Skarr leise und betrat das Domizil.

    Gerade, als der Kroganer das Wohnzimmer betrat, wurde er von Lyn abgefangen. "Bevor du hier herumläufst, muss ich dich untersuchen und deine Wunden verbinden," meinte Lyn tonlos.
    "Wir Kroganer reg...", fing Skarr an, doch weiter kam er nicht, denn Lyn schnitt ihm rigoros das Wort ab.
    "Keine Widerrede! Ich will keine Blutflecken auf dem Teppich sehen. Verstanden?"
    "Bist ja schlimmer wie meine Mutter," grunzte Skarr.
    "Wie bitte?", fragte Lyn und starrte Skarr eisig an.
    "Verstanden. Ma'am!", beeilte sich Skarr zu sagen.
    Lyn wies auf den Platz neben ihr auf dem Sofa. Dort angekommen entledigte sich Skarr seines Oberteils und zeigte Lyn, wie prachtvoll er doch ausgestattet war... Beziehungsweise was ihm Rose alles angetan hatte, doch wie es schien, ließ es Lyn völlig kalt.
    Artig ließ er sich alles anbringen, was man für so eine Untersuchung brauchte, ab und zu grummelte er, als Lyn an seinen zahlreichen Wunden herumdokterte.


    Währenddessen...
    Fundamente/ Sichere Wohnung
    (Krom/ Kahn/ Grey/ Hellon)


    Ruckartig setzte sich der Ghost auf, vom aufdringlichen Summen seines Omnitools geweckt. Neben ihm brummte Aeona etwas, was sich nach "Mach das scheißverdammte Drecksding aus!" anhörte, und er schmunzelte, denn die Infiltratorin lag ihm zugewandt auf der Seite, völlig in die Decke eingewickelt, weswegen er dann wohl gefroren hatte, und ihr Arm lag quer über seinem Bauch. Sein Schmunzeln ging in ein schiefes Lächeln über. Er umfasste vorsichtig Aeonas Unterarm, um ihn zur Seite zu legen, aber der Chief murmelte bloß etwas, was ziemlich unanständig klang, packte kräftiger zu und vergrub die Nase an seiner Flanke. Also schüttelte er sachte an ihrer Schulter.
    "Was?!", brüllte sie fast, schubste ihn von der Couch herunter und fuhr hoch. Verschlafen rieb sie sich über das Gesicht und drehte sich auf die andere Seite, um weiter zu schlafen.
    Aurix landete auf seinem Hintern, seufzte tief und öffnete einen Kanal zu James: "Was ist?"
    Das Bild des Destroyers baute sich über Aurix linken Arm auf. "Macht euch bereit." James tippte auf dem Omnitool herum, übertrug die Steuerung der Drohne zu dem Ghost und erstattete gleichzeitig Bericht.
    "Ein Kroganer?", starrte Aurix James etwas verständnislos an.
    Der N7er nickte: "Weck die anderen, und folgt Montgomery. Bleibt auf Abstand und greift die Frau nur dann an, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ich habe keine Ahnung, ob und wie ihre Biotiken verstärkt werden, also seid vorsichtig. Das Implantat darf nicht entdeckt werden, das muss ich dir wohl nicht mehr sagen."
    "Verstanden", meinte Aurix.
    "Halte mich auf dem Laufenden", beendete James und trennte die Verbindung, sobald der Turianer knapp nickte.
    Aurix setzte sich auf die Couch und strich Aeona über die wirr abstehenden Haare. "Chief?" Er bekam nur Gemurmel zu hören, also beugte er sich zu der Soldatin herunter und drehte sie zu sich um. "Wach auf..." Seine Augen verengten sich leicht, als er die schlafende Frau betrachtete. Wie gern würde er sie auf den leicht geöffneten Mund küssen. Er legte den Kopf schief und betrachtete sehnsüchtig die weichen Lippen.
    "Was tust du da?", murmelte Aeona und schlug die Augen vollständig auf.
    Der Ghost blinzelte, sein Blick hob sich und er sah ihr in die nun wachen Augen. Hitze stieg ihm in den Kopf, und nicht nur dorthin. Er richtete sich auf. "Äh... Nichts!", erklärte er schnell und stand auf.
    "Ah, wirklich?" Aeona lächelte in sich hinein. "Warum weckst du mich dann auf?" Sie streckte sich genüsslich.
    Aurix schaute ihr dabei zu, wobei ihm noch etwas wärmer wurde. Er schluckte und meinte mit belegter Stimme: "Montgomery ist aufgetaucht."
    Schon sprang die Infiltratorin von der Couch herunter, die Decke landete achtlos auf dem Boden. "Wo ist sie?"
    Wieder dieser geschäftsmäßige Ton. Der Turianer wiederholte schnell, was James ihm mitgeteilt hatte.
    "Weck die Söldner", kam es nur von Aeona, bevor sie die Waffenkammer ansteuerte.
    "Aber...", konnte Aurix noch sagen. Er ließ die Schultern hängen und blickte missmutig zu der Schlafzimmertür. Das wird ihm sicherlich nicht gefallen.

    Es gefiel ihm nicht, und wie es ihm nicht gefiel... Natürlich waren die beiden Kerle nackt – schien ja schon fast Standard zu sein, wenn sie nicht gerade Leute abmurksten – und lagen halb auf der Assistentin drauf, die sich in ihrer Mitte befand. Aurix erhöhte die gedimmte Lichtstärke auf Maximum. Die Söldner bewegten sich träge, wobei Krom das Gesicht an Giseles Rücken versteckte. Der Ghost grinste schelmisch und brüllte plötzlich so laut er konnte: "AUFSTEHEN!!"
    Gisele fuhr schreiend im Bett hoch und blickte erschrocken den Ghost an, und die Söldner... Aurix starrte zuerst in den Lauf von Kahns Pistole und blickte dann kurz zur Seite: direkt über dem Lichtschalter zitterte ein Messer vor sich hin, welches von Krom mit solcher Wucht geworfen wurde, dass es sich in die Wand hineingebohrt hatte, etwa fünf Zentimeter von Aurix Kopf entfernt. Der Ghost blickte das Trio nacheinander an, schüttelte anschließend mit dem Kopf und verließ das Zimmer. Zügig ging er zu dem Chief in die Waffenkammer.

    Aeona war schon fertig mit dem Anziehen der Panzerung, nur der Helm lag noch auf der Werkbank. Sie stand mit verschränkten Armen vor den beiden Wänden mit den Waffen und betrachtete die unterschiedlichen Gerätschaften genau. Sie wog ab und verwarf ihre Ideen wieder.
    "Kannst du dich nicht entscheiden?", fragte Aurix und begann sich umzuziehen.
    Grey drehte sich um und musterte den Turianer, der plötzlich mit dem Oberteil seiner Funktionsunterwäsche in den Händen innehielt.
    "Ist was?", fragte die Infiltratorin. Aurix Gesichtsfarbe wurde geringfügig dunkler. Aeona blinzelte und grinste schief. "Soll ich mich wieder umdrehen?" Wenn man bei Turianern schon von rot werden sprechen konnte, dann sah es ungefähr so aus, wie bei Aurix im Moment.
    "Wie bitte?", fragte der Ghost verdattert und zog schnell das Kleidungsstück über. Gerade fühlte er sich, als wäre er fünfzehn Jahre alt und sein Vater ihn bei etwas Verbotenem erwischt hätte. Ist es plötzlich heißer in dem Raum geworden?
    Aeona zog eine Schnute und lachte leise auf: "Man könnte meinen, du seist nicht beim Militär!" Sie drehte sich wieder um und widmete sich wieder dem Betrachten der Waffen.
    "Womit fängt man einen wütenden Biotiker ein?", murmelte sie mehr zu sich, als zu Aurix, der fertig angezogen neben sie trat.
    "Du meinst: womit tötet man einen wütenden Biotiker", berichtigte Aurix die Infiltratorin.
    Aeona linste zu dem Turianer hoch: "Die Frau kann nichts dafür."
    "Ich weiß", entgegnete Aurix und checkte die Übertragung der Drohne. Montgomery war immer noch in den unteren Bezirken und schlich durch die engen Gassen. "Es ändert aber nichts daran, dass wir sie so oder so beseitigen müssen."
    "Hm...", kam es langgezogen von Grey. "Wo bleiben eigentlich Kahn und Krom?"
    Aurix erzählte ihr, was vor ein paar Minuten im Schlafzimmer vorgefallen ist, woraufhin sie ihn entgeistert anstarrte.
    "Bist du lebensmüde?!"
    "Was denn?" Aurix verstand nicht so recht, was die Aufregung soll. Er hat das Messer schließlich nicht geworfen sondern Krom.
    "Die beiden sind keine Soldaten! Wenn du da hereinplatzt und herum brüllst bedeutet das für sie bloß eines: Ärger!"
    Aeona lief zu dem Schlafzimmer. Natürlich lagen die Söldner nach wie vor im Bett und schliefen oder taten zumindest so, denn kaum hatte sie die Türschwelle überschritten, flog ihr ein Stiefel entgegen. Blitzschnell wich sie aus, fixierte Krom, der der Werfer war, mit verengten Augen und war mit einem Satz bei dem Söldner am Bett. Sie holte aus, schneller als der Mann reagieren konnte, und verpasste ihm eine heftige Schelle mit der Rückhand. "Tu es nie wieder!", zischte sie ihn an. "Aufstehen, sofort! Wir haben neue Befehle von Trent. Montgomery wurde gefunden." Abwechselnd musterte sie die nackten Kerle. "Den Rest besprechen wir, wenn ihr mehr an habt!"
    Ohne noch etwas hinzuzufügen, drehte sich Grey auf der Stelle um und verließ wutschnaubend das Zimmer. Idioten!

    Untere Bezirke
    (Krom/ Kahn/ Grey/ Hellon)


    Wenig später saßen die vier schon wieder in dem SUV und waren erneut auf dem Weg in die unteren Bezirke. Aurix fuhr und auf dem Beifahrersitz saß Aeona und behielt den Peilsender von Montgomery im Auge. Auf der Rückbank lümmelten Kahn und Krom.
    Gelangweilt trommelte Kahn mit den Fingern gegen die Scheibe im Takt eines allgemein bekannten Popsongs.
    "Lass das!", zischte Krom und sah Kahn ernst an.
    "Lass das!", äffte Kahn seinen Kumpel nach und widmete sich wieder dem Trommeln.
    Aeona runzelte bloß die Augenbrauen, drehte sich aber nicht zu den beiden Kerlen um, sondern beobachtete weiterhin Roses Position. Aurix warf einen kurzen Blick in den Rückspiegel, schüttelte nur genervt mit dem Kopf und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Verkehr in der Luft.
    "Reiz mich nicht, Alter!", warnte Krom und starrte mit einer Mischung aus Zorn und Nervosität weiter.
    "Sonst was?", fragte Kahn provokant nach und erwiderte ruhig Kroms Blick.
    Unhörbar seufzte die Infiltratorin und schielte für eine Sekunde zu dem Ghost, aber dieser leitete soeben die Landesequenz ein und konzentrierte sich auf den Vorgang, schließlich wollten sie ja heil herunter kommen. Der Landeplatz war etwas zu klein geraten, aber nichts, was ein erfahrener Pilot nicht meistern konnte, und noch ehe Krom antworten konnte hielt der Wagen an.
    "Schnell!", befahl Aeona und war schon aus dem Skycar herausgesprungen.
    Die drei eilten der Soldatin hinterher, die auf eine höher gelegene Ebene hechtete. An einer Stelle, von der aus man die untere Ebene mit den Läden und Restaurants einsehen konnte, hielten sie.
    Aeona starrte eine Weile auf die Passanten, die unter ihnen vereinzelt oder in kleinen Grüppchen umherzogen. "HIER!", erklärte sie schließlich und markierte Montgomerys Position für alle sichtbar.
    Tatsächlich konnte man die Frau schon bald ausmachen, wie sie sich etwas schlapp durch den Bezirk schleppte und scheinbar von ihrer Umgebung nichts mitbekam oder nichts mitbekommen wollte.
    In Aeonas ruhelosem Hirn ratterte es immer schneller: ein Biotiker benötigt sehr viele Kalorien, um die Kräfte freizusetzen und aufrechterhalten zu können. Das wusste Grey genau, schließlich hatte sie jahrelang in einem Zweierteam mit Hiro gearbeitet, der immer Energieriegel dabei gehabt hatte, auch wenn sie privat unterwegs waren. Und dort unten gab es mehr als genug zu essen. Dazu dürfte es nicht kommen. Die Soldatin beugte sich leicht über das Geländer und fixierte Montgomery. Sie müssen die Frau dazu bringen, diesen Bereich zu verlassen, aber wie? So sehr war die Infiltratorin in Gedanken versunken, dass sie nicht mitbekam, was hinter ihr geschah.

    "Also gut!", fing Krom an, ohne den Blick von Montgomery zu nehmen. "Wie packen wirs an?"
    "Gar nichts wird hier angepackt!", erklärte Aurix. "Unsere Befehle sind eindeutig! Wir sollen lediglich Kontakt zu Montgomery halten und nur eingreifen, falls sie wieder durchdreht!"
    Die beiden Söldner musterten für einen Moment den Turianer.
    "Befehle!" Kahn spie dieses Wort beinahe mit Verachtung aus. "Hör auf zu tun, als wärst du noch ein Soldat, Ratsjunge!" Er sah wieder kurz zu Krom, bevor er wieder Montgomery ins Visier nahm. "Fang lieber an, selbstständig zu denken!"
    Aurix biss die Zähne knirschend zusammen und starrte Kahn finster an.
    Kahn zog sein Gewehr von der Schulter, ging in die Knie, legte seine linke Hand auf das Geländer und in die Hand das Gewehr, bevor er anfing zu zielen.
    "Circa 180", erklärte Kahn ohne den Blick zu heben.
    "Alles klar, ich mach mich auf den Weg!", antwortete Krom und wollte sich gerade dazu aufmachen, die Ebene zu wechseln, als Aurix eingriff.
    Der Legionär riss Kahns Waffe hoch.
    "SPINNT IHR?!", schrie er fast. "WAS IST LOS MIT EUCH?" Aurix baute sich vor Kahn auf, der es ihm gleichtat. "Verdammte Scheiße, was glaubt ihr, wer ihr seid? Ihr seid dreckige Söldner und ihr tut gefälligst das, was man euch sagt!"
    Jetzt drehte sich Aeona um und senkte wortlos den Kopf. Aurix war ja kaum zu überhören gewesen. Sie verschränkte die Arme und betrachtete stumm die drei Männer.
    "Wie schafft man es nur, so dämlich zu sein?", fragte Kahn, als Aurix scheinbar fertig war. "Also gut, ich erklär dir das mal!
    Unser Job ist es, diese Fotze unter die Erde zu bringen und sonst nichts! Wenn du mal dein Vogelhirn anwerfen würdest, dann würdest du merken, dass wir es hier mit einer Biotikerin zu tun haben, die im Moment zu schwach ist, um zu zaubern! Je länger wir jetzt warten, desto eher erholt die Hure sich, also mach ich die jetzt kalt und wenn die Eiskönigin oder Jimmy das anders sehen, dann können die mich mal!"
    Mit einem verächtlichen Grunzen machte sich Kahn wieder daran, auf Montgomery anzulegen.
    Aeonas Mundwinkeln zuckten kurz, bevor sie das Lächeln unterdrückte. Kahn hatte völlig recht - und Aurix sah das selbstverständlich ganz anders. Die Soldatin schob das Visier hoch, legte den Kopf schief und beobachtete mit weitestgehend unberührtem Gesichtsausdruck weiterhin das Geschehen, ohne sich vorerst einzumischen. Der Ghost wirkte noch relativ beherrscht, so dass sie sich Zeit lassen konnte, bis sie intervenieren musste.
    "Ihr werdet nichts dergleichen tun!", erklärte Aurix leise und entschlossen.
    "Sonst was?", fragte Krom.
    "Ich werde nicht zulassen, dass ihr diese Operation gefährdet!", erklärte der Turianer, während seine Hand scheinbar ganz unscheinbar zum Pistolenholster glitt.
    Krom straffte seine Schultern und stellte sich seitlich von Aurix hin. "Ich wäre jetzt seeeehr vorsichtig, Ratsjunge. Überleg dir lieber ganz genau, was du jetzt machen willst!" Die Stimme des Söldners wurde dabei merkwürdig ruhig und gelassen, fast schon ausdruckslos und er nickte in Richtung von Aurix Hand, während seine schon auf der Pistole ruhte. Auch Kahn hatte Aurix Absicht mitbekommen und wandte sich nun direkt dem Turianer zu, wobei er sein Sturmgewehr noch gesenkt hielt, den Griff um das Handstück aber verstärkte.

    Plötzlich zog ein lautes, langsames Klatschen das Augenmerk aller Anwesenden auf die Infiltratorin. Aeona lehnte mit dem Hintern am Geländer, ein schiefes Grinsen klebte in ihrem Gesicht, und schaute zwischen Krom und Aurix hin und her.
    "Eine wunderbare Show!" Sie klatschte weiter, als ob es kein Morgen gäbe. Zwischendurch zwinkerte sie Kahn zu. Sie hörte mit dem Geklatsche auf, stieß sich von dem Geländer ab und drängte sich mit zwei schnellen Schritten zwischen Krom und Aurix, wobei sie dabei dem Söldner halb den Rücken zu kehrte und ihn so von dem Turianer abschirmte. Ob es eine gute Idee war, darauf zu vertrauen, dass Krom sich besser im Griff hatte als Aurix, war eine ganz andere Geschichte.
    "Seid ihr zwei jetzt fertig mit dem Schwanzvergleich?", fragte sie sarkastisch. Kurz sah sie zu Kahn und schenkte ihm ein zuckersüßes Lächeln: "Halte dich besser da raus, Schätzchen! Ich will doch nicht, dass dir etwas passiert! Das wäre... unverzeihlich!"
    Ihr Blick wurde hart und wanderte zu dem Turianer. "Sei vernünftig, Aurix. Kahn hat recht. Du sagtest, Montgomery hatte einen Kroganer ohne Mühe besiegt. Was, denkst du, wird passieren, wenn sie wieder zu Kräften gekommen ist, hm? Da unten...", deutete sie auf die Ebene unter ihnen, "...laufen dutzende unschuldige Zivilisten, wolltest du sie nicht beschützen? Das waren doch gestern noch deine Worte, oder hab ich mich da verhört? Montgomery ist labil, wenn ihr etwas nicht passt und sie zwischen diesen ganzen Passanten Biotiken freisetzt..." Sie sprach nicht zu Ende, sondern schaute dem Ghost eindringlich in die klaren Augen. Sie sah förmlich, wie es dahinter arbeitete, wie er das turianische Erbe abwog und vielleicht verwarf, zumindest hoffte sie es.
    Aurix schüttelte unwillig den Kopf und meinte zu Aeona: "Du verstehst es falsch."
    "Dann klär mich, uns, doch auf!" Sie runzelte die Stirn und blickte den Ghost fordernd an.
    Der Turianer entspannte sich sichtlich, seine Hand verließ den Pistolengriff, und sagte zerknirscht: "Ich mach das doch nicht für mich! Ich will auch, dass sie stirbt."
    "Und wieso sträubst du dich denn so dagegen?" Aeona starrte Aurix an und verstand nun gar nichts mehr.
    "Wegen James!", kam die prompte Antwort.
    "Was meinst du denn wieder damit?", blinzelte Aeona und sah kurz zu Krom und Kahn. Kapierten sie, wovon Aurix sprach? Wohl eher nicht, den Gesichtern nach zu urteilen.
    "Trent sagte, er tötet dich, wenn du seine Befehle missachtest. Also muss ich dafür sorgen, dass dies nicht eintrifft", meinte Aurix leise.
    Aeona fiel die Kinnlade herunter und sprachlos schaute sie den Ghost an, bevor sie ihre Sprache wieder fand: "Du... Du legst dich mit Krom wegen mir an?" Sie schüttelte mit dem Kopf, um ihre Gedanken wieder halbwegs zu ordnen. "Verdammt nochmal... Ich", brach sie ab, atmete tief durch und setzte wieder zum Sprechen an. "Ich weiß das echt zu schätzen, aber es ist nicht notwendig. Das weiß du. Das habe ich dir erklärt", fuhr sie fort. Erneut schüttelte sie mit dem Kopf und blickte den Ghost scharf an: "James muss nicht erfahren, was genau vorgefallen ist. Wir schalten die Frau aus, sage ich! Bist du dabei, oder nicht?"
    Die Kiefern des Turianers mahlten sichtbar, bevor er nach einer Weile knapp entgegnete: "Bin dabei."
    "Was ist mit euch?" Aeona sah abwechselnd die beiden Söldner an. "Das Implantat darf nicht entdeckt werden, also müssen wir Montgomery irgendwie hier herauslocken. Und wir sollten endlich anfangen zusammen zu arbeiten." Ob ihr Angebot angenommen wird, war zwar fraglich, aber sie musste es wenigstens versuchen. Alleine werden sie es alle nicht weit bringen, höchstens in eine Leichenhalle.
    Schnell checkte sie die Position der Biotikerin und fluchte lautstark. Die Frau war in einem der unzähligen Diner verschwunden.

    Obwohl die beiden Söldner es nie zugeben würden, aber Aeona hatte Recht, mit allem. Die beiden Männer sahen sich kurz an, bevor sie sich mit einem Grunzen in Richtung der Diner umwandten.
    Es galt nun vor allem Montgomery davon abzuhalten, wieder zu Kräften zu kommen!
    "Wir halten die Schlampe vom Fressen ab, bis dahin könnt ihr euch was Kluges einfallen lassen, um sie rauszulocken!"
    Nachdenklich sah Grey zu Aurix, bevor sie Kahn mit ebensolchem Gesichtsausdruck in Augenschein nahm: "Hm... Wenn Montgomery so wie Tepec ist, wird sie riechen, dass etwas nicht stimmt. Nein. Das müssen wir anders machen." Aeona runzelte die Augenbrauen und plötzlich blühte ein gemeines Grinsen auf ihrem Gesicht auf: "Krom, Kahn, ihr könnt doch sicherlich für Chaos sorgen, nicht wahr?"
    Die beiden Söldner sahen sich kurz gegenseitig an und ein boshaftes Grinsen zeichnete sich für einen Moment ab.

    Montgomery setzte sich mit einem Ächzen an einen freien Tisch und zog die Schale mit den Erdnüssen zu sich. Sie atmete tief ein und ließ ihren Blick durch die Karaoke-Bar schweifen. Sie hatte sich schlicht für das erstbeste Restaurant entschieden, das sie gefunden hatte. Ihr wäre in ihrem derzeitigen Zustand alles recht, ob Fastfoodkette oder Diner oder eben diese Karaoke-Bar – Hauptsache, es gab etwas zu essen!
    Der Kampf gegen den Kroganer hatte ihr doch mehr zugesetzt, als sie zuerst dachte. Früher wäre sie schneller ermüdet und hätte einen solchen Einsatz ihrer Biotik nie so lange durchgehalten. Diese verdammten Quacksalber mit ihren Pillen! Schon immer hatte Rose den Doktoren misstraut, sie wollten sie doch nur kontrollieren, in Schach halten, in ihrem Verstand herumpfuschen! Ihre Fäuste ballten sich unter dem Tisch.
    Als sie vor ein paar Tagen in ihrem Badezimmer stand und in ihre Hand sah, in der sie die drei verschiedenfarbigen Pillen hielt, wurde es ihr bewusst. Nie wieder würde sie zulassen, dass jemand mit ihrem Gehirn herumspielte und siehe da: Nun sah sie wieder klar. Sie würde jetzt erst mal was essen und dann...
    Montgomery zuckte etwas zusammen, als sich ein Mann in Rüstung mit Schwung an ihren Tisch setzte.
    Die Frau musterte den Typen, offensichtlich ein Söldner, von denen wimmelte es hier im Bezirk seit dem Krieg. Auffällig waren seine Frisur und eine Narbe, die quer über seinen Hals lief.
    "MEINE FRESSE! WAS FÜR EIN TAG!", rief der Mann übertrieben laut, nahm einen ersten, gierigen Schluck und leerte sein Glas fast bis zur Hälfte, bevor er genauso übertrieben rülpste, ohne Anstalten zu machen sich die Hand vorzuhalten.
    "Und? Wer bist denn du, hübsches Kind?", fragte er schließlich, nachdem er sich den Mund am Ärmel abgewischt hatte und sich weit über den Tisch vorgebeugt hatte.
    Montgomerys Reaktion bestand lediglich darin, zu dem Söldner hoch zu schielen und ein "Verpiss dich!" zu zischen.
    "Ich bin Midnight!", stellte sich der Mann vor. Er leckte sich über die Lippen und lehnte sich noch verschwörerischer vor. "Du weißt doch, was man über schwarze Männer sagt!"
    Die Angesprochene runzelte die Stirn. "Du bist nicht schwarz!", knurrte sie.
    "Vielleicht nicht in deiner Heimat!", antwortete der Mann, wobei er einen neuen Schluck nahm und dabei in die Menge sah.
    "Du hast jetzt genau drei Sekunden, bevor ich dich hier und jetzt umlege!" Rose reichte es jetzt.
    "Schon gut, schon gut...", murmelte der Typ und stand auf, wobei er noch "...humorlose Schachtel!" hinzufügte.
    Die Allianzsoldatin sah noch zu, wie der Typ verschwand, bevor sie für einen Moment die Augen schloss, um sich wieder zu beruhigen. Sie atmete mehrmals tief durch und wollte gerade erneut nach den Erdnüssen, diesen kleinen schnellen Energielieferanten, greifen, als sie erneut zusammenzuckte.
    Schon wieder saß ein Söldner an ihrem Tisch. Diesmal einer mit kurzen Haaren und einem ehrlichen Lächeln auf dem Gesicht. Der Mann holte Luft, um etwas zu sagen, Rose vermutete ein freundliches Hi oder so, doch sie hatte jetzt die Schnauze gestrichen voll!
    "VERDAMMTE SCHEIßE!", brüllte sie und stand wutentbrannt auf, wobei sie die Fäuste so fest ballte, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. "KANN MAN NICHT EINMAL IN RUHE WAS ESSEN, OHNE GLEICH DUMM VON DER SEITE ANGELABERT ZU WERDEN?!", schrie sie und zog damit die Aufmerksamkeit aller auf sich, sogar die beiden Volus, die auf der Karaokebühne standen und gerade noch gesungen hatten, waren verstummt – sehr zur Erleichterung aller.
    Der Mann vor ihr sah sie unbeeindruckt an, zuckte schließlich mit den Schultern und ging dann wieder.
    Rose ballte immer wieder die Fäuste und versuchte sich erneut zu beruhigen. Schließlich ging alles in der Bar wieder seinem gewohnten Gang, und Rose setzte sich wieder hin und griff erneut nach den Erdnüssen.
    "Oh, oh, oh... For the longest time..." klick
    Rose sah auf, als sie die laute Stimme aus den Lautsprechern hörte - der Typ, der sie als erstes angequatscht hatte, stand auf der Bühne und sang ein Lied, welches die Soldatin nicht kannte.
    "If you said goodbye to me tonight | There would still be music left to write..."
    "HALT DEINE SCHNAUZE!", ertönte es plötzlich aus der Menge so laut, dass alle hinsahen, auch Rose. Es war der andere Typ, der locker an einem Tisch angelehnt, gegen den Karaokesänger pöbelte.
    "FICK DICH!", konterte der Söldner auf der Bühne und wollte gerade weitermachen, als ihm schon ein Bierglas entgegengeschleudert wurde, welches ihn nur um Haaresbreite verfehlte.
    "ICH HAB GESAGT, DU SOLLST DEIN DRECKMAUL HALTEN!", wurde weiter gepöbelt.
    "WENN DU NICHT SOFORT RUHE GIBS, DANN..."
    "WAS DANN!?" Kam es provokant von dem kurzhaarigen Söldner, der sich nun aufgebaut hatte und schon damit begann, die Schultern kreiseln zu lassen.
    Für einen Moment herrschte Stille in der Bar. "Dachte ichs mir doch!", sagte der Kurzhaarige und murmelte noch ein "Schlappschwanz!" hinterher. Der pöbelnde Söldner wandte sich gerade ab, als der auf der Bühne sich wutentbrannt und mit einem lauten "WICHSER!!!" auf ihn stürzte.
    Der Sänger schlug in den Pöbler wie ein Güterzug ein, und beide Söldner krachten durch mehrere Tischgarnituren und verteilten Getränke und Speisereste im ganzen Lokal.
    Die Söldner rappelten sich auf und hoben die Fäuste. Einer schlug zuerst zu, doch der andere duckte sich unter dem Schwinger hinweg, sodass ein nahestehender Salarianer den Schlag abbekam und in einen Turianer taumelte und dessen Drink verschüttete.
    Mit einem Brüllen stürmte der ausweichende Söldner auf seinen Gegner zu, packte ihn und schob ihn rücksichtslos durch das Lokal, wobei sie eine Menge anderer Gäste umschubsten und schließlich auf dem Tisch von Rose aufschlugen.
    Geändert von plasma13 (28.06.2016 um 18:07 Uhr)
    Do not turn away my friend! Like a willow I can bend. No man calls my name, no man came. So I walked on down away from you, maybe your attention was more than I could do. One man did not call. He asked me for my love and that was all!
    Kunstprojekt falsch zugeordnete Zitate:
    "...Fotzenverein!" - Otto von Bismarck

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    "Duck dich, Aurix!"
    "Hä?" Der Ghost tat dennoch, wie ihm geheißen, und das Glas flog ein paar Zentimeter an seinem Kopf vorbei.
    Aeona sah hinter sich an die nasse Wand, die Scherben und der Bierrest klatschten auf dem Boden auf.
    "Verdammt nochmal, Chief... Soll das unsere Ablenkung sein?", brummte der Turianer unzufrieden und blickte kurz über seine Schulter. Der Tisch, an welchem die Biotikerin saß, brach in sich zusammen, das kleine Schälchen mit den merkwürdigen, braunen Dingern fiel auf den Boden und zerbrach. Die Menschenfrau sprang von ihrem Stuhl auf und starrte wütend auf Krom und Kahn – und auf die anderen Gäste, die mittlerweile fröhlich mitmachten. Eine Kneipenschlägerei, die immer mehr an Fahrt gewann.
    "Etwas mehr Geduld, Aurix, hab Vertrauen in die Künste der Söldner", zwinkerte Grey ihrem Gegenüber zu.
    Aurix sah Aeona perplex an, bevor er schallend zu lachen anfing.
    "Hab ich was Komisches gesagt?" Der Chief zog völlig unschuldig die Augenbrauen hoch und sog genussvoll an ihrem Drink. In ihrem Glas steckte ein dicker Strohhalm, sie hatte sich nicht mal die Mühe gemacht, den Helm auszuziehen, und beobachtete Montgomery unauffällig. Die Frau drehte sich schnaubend um und verzog sich zu einem anderen Tisch, wobei sie den anderen Gästen, die den sich Schlagenden zujubelten, geschickt auswich.
    "Jetzt!" Grey erhob sich. "Schirme mich ab", warf sie Aurix zu und versiegelte das Visier.
    "Verstanden." Der Ghost war direkt hinter der Infiltratorin und machte sich noch breiter, als er es schon war.
    Aeona tippte der sitzenden Rose auf die Schulter und als diese sich umdrehen wollte, schlug sie sie K.O.
    "Mitnehmen! Raus hier!", brüllte der Chief in das Kom. "Krom, Kahn, wir rücken ab!"
    Aurix warf sich die Frau über die Schulter und verschwand mit ihr durch den Lieferantenzugang, dicht gefolgt von Aeona, die ihn sicherte.
    "Was jetzt?"
    "Warte. Der Wagen..." Aeona tippte auf dem Omnitool herum und ließ die VI des SUVs anspringen.
    "Ähm... Chief!" Sein Omnitool blinkte und Aurix wusste genau, wer da am anderen Ende der Leitung immer ungeduldiger wurde, der steigenden Frequenz des Blinkens nach zu urteilen.
    "Was? Jetzt stör mich nicht! Verfluchte VI, wirst du wohl tun, was ich dir sage!"
    Ein durchdringendes Piepen ertönte mittlerweile an Aurix Ohr. "Chief!!"
    "Was de...?"
    Zu mehr kam Aeona nicht. Plötzlich ging alles ganz schnell. Aurix stöhnte laut und schmerzerfüllt auf und wurde abrupt in die Lüfte gehoben, nur um an einer Wand mit vollem Karacho zu landen. Bevor Aeonas Hand auch nur in die Nähe der Pistole kam, erwischte die Infiltratorin eine Warpkugel. Die blaue Masse verteilte sich über sie und verlangsamte sie erheblich. Dennoch... Rose unterschätzte sie. Grey grinste schief und sah Montgomery an, die sich überraschend schnell von dem heftigen Schlag erholt hatte – im Normalfall wäre sie mindestens fünf Minuten lang ausgeknockt geblieben. Die Biotikerin murmelte: "Jetzt mache ich dich fertig!"
    "Das glaube ich nicht!", knurrte Aeona und packte die Hände der Biotikerin an den Handgelenken, um sie am weiteren Einsatz ihrer Kräfte zu hindern.
    "Loslassen!", zischte Rose.
    "Ganz sicher nicht!" Grey holte aus und wollte Montgomery eine Kopfnuss verpassen, aber die Frau wich aus und zusammen prallten sie auf den Boden. Die beiden Frauen rollten hin und her und keine war gewillt, nachzugeben.
    "Aurix! Wach auf!!", schrie Aeona. Rose war nahe dran, sich loszureißen. Grey warf einen hektischen Blick zu dem Turianer, aber dieser rührte sich nicht. "Wirst du wohl still halten!", brüllte sie die Biotikerin an, die Frau tat ihr den Gefallen natürlich nicht, sondern verstärkte noch ihre Bemühungen, trat Aeona urplötzlich in den Bauch und sprang auf. Der Chief ließ die Frau los, aber anstatt sich zu krümmen, schrie sie zornig "Schlampe!", war mit einem Satz wieder auf den Beinen und verpasste der Biotikerin einen mächtigen Uppercut, gefolgt von einer noch schnelleren Gerade. Dem Uppercut wich Montgomery aus, indem sie sich zur Seite wegdrehte, aber die Gerade traf. Grey zischte die Frau an und setzte nach. Rose wich erschrocken zurück und stolperte beinahe über die eigenen Füße. "Ich werde dich zu Brei verarbeiten!" Aeona ging nun richtig auf die Frau los und deckte sie mit einer ganzen Reihe an Schlägen ein. Montgomery parierte die Schläge so gut es ging und wich immer weiter zurück. Grey blieb abrupt stehen, zog das Messer, starrte die Frau finster an und spürte, wie sie immer wütender wurde: "Du blödes Miststück! Wir werden dich so oder so töten!!" Warum sie Montgomery die Wahrheit sagte, wusste sie selbst nicht genau.
    "Was?"
    "Cerberus hat dir ein Implantat verpasst!", grinste der Chief eisig.
    "Was redest du für einen Schwachsinn?" Rose blickte die Infiltratorin entgeistert an. "Was denn für ein Implantat?"
    "Was denkst du, warum hast du so lange bei dem Kampf mit dem Kroganer durchgehalten?! Hä?!" Aeona wurde immer lauter.
    Rose blinzelte verwundert: "Woher... Woher weißt du davon??"
    "Weil..."
    Zwei Schüsse brachen nacheinander. Montgomerys Kopf explodierte förmlich und Aeona wurde mit Blut und Gewebestückchen bespritzt. Langsam drehte sich der Chief in die Richtung des Schützen um, während sie das Messer weg steckte – Aurix stand da, mit beiden Händen die Pistole haltend, und stützte sich an der Wand ab.
    Grey schwieg, ebenso wie der Ghost, bis er endlich in die Kom-Einheit leise durchgab: "Ziel ausgeschaltet, James." Das war alles, was er sagte. Die Carnifex senkte sich gen Boden und der Turianer verstaute sie sachte, als wusste er nicht genau, wie man es macht.
    Mit einem Knall fiel die Tür des Lieferanteneingangs auf und Kahn und Krom erschienen mit gezückten Waffen. Kurz fiel ihr Blick auf die tote Montgomery, bevor sie ihre Waffen wieder senkten. Die beiden wechselten einen Blick, dann steckte Krom seine Knarre weg und begann damit, sich an der Leiche zu schaffen zu machen, während Kahn die Umgebung im Auge behielt.
    Kahns Blick fiel auf Aurix. Der Turianer wirkte ein wenig benommen. "He, Ratsjunge!", rief er mit gerunzelten Augenbrauen dem Turianer zu. "Reiß dich zusammen! Wir müssen hier weg, bevor die Bullen auftauchen!" Er wandte sich Aeona zu: "Ist es wirklich klug, die Leiche mitzunehmen? Bei den ganzen Bullen hier?"
    "Wir müssen sie mitnehmen!", kommentierte Krom und zog damit die Aufmerksamkeit aller auf sich. "Wir haben hier ne tote Allianztussi, abgeknallt hinter irgendeiner Bar, das wird Kreise ziehen. Ich rede hier nicht nur von C-Sec, sondern auch Militärpolizei. Allianzpolizei!"
    Der Turianer schien sich wieder gefangen zu haben, denn er stimmte Krom stumm zu.
    Aeonas Antwort bestand darin ein Messer zu ziehen und, ohne ein Wort zu verlieren, der toten Biotikerin das Implantat herauszuschneiden, was eine ziemliche Sauerei machte.
    Das sich auflösende Cerberusimplantat sorgte für hochgezogene Augenbrauen bei den Söldnern.
    Anscheinend stimmte Aeona Kroms Ansicht zu, denn die Soldatin packte ihre tote Kameradin an den Füßen und sah den Söldner erwartungsvoll an. Gemeinsam wuchteten sie die Allianzsoldatin in den Kofferraum des SUVs, während die Geräusche der Barschlägerei langsam abebbten.

    Wenig später waren sie schon wieder unterwegs. Aeona fuhr und Aurix saß auf dem Beifahrersitz. Es herrschte Schweigen im Fahrzeug, zumindest bis sich Kahn von der Rückbank aus zwischen den Vordersitzen vorlehnte.
    "Eines würde mich doch schon interessieren!", begann er. "Hast du eigentlich keine Gewissensbisse, eine Kameradin einfach so umzulegen?", fragte er Aeona.
    Die Angesprochene zögerte einen Moment. "Es war notwendig", war schließlich das Einzige, was sie zu der Sache zu sagen hatte. Sie wandte dabei nicht einmal ihren Blick vom Verkehr ab, Aurix hingegen sah etwas besorgt zu der Soldatin.
    Kahn begann boshaft zu lächeln, während er sich eine Zigarette in den Mund steckte und sich dann schließlich wieder zurücklehnte.

    ME-MPFRPG Charaktere:
    Aeona Grey, Infiltratorin
    Aurix Hellon, Ghost
    James TrenT, Destroyer
    ME-FRPG Charaktere:
    Nadeschda W. Sokolowa, mittlerweile Ex-Patientin der Asylum

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