"Die Jungs haben halt gesoffen"
Köln (RPO). Gegenwehr sieht anders aus: Mit 1:54 verlor der DJK Löwe II am letzten Spieltag der Kölner Kreisliga D gegen die Reserve des SV Rheinkassel-Langel. Jetzt meldet sich der Vorsitzende zu Wort - und nimmt seine Mannen in Schutz: "Die haben gesoffen, die können da nichts für", sagt Erich Schnitzler.
Der 62-Jährige erlebte das Debakel hautnah von der Seitenlinie, Manipulationsvorwürfe weist er entschieden zurück. "Die haben zwar bis morgens gefeiert und getrunken, aber absichtlich haben die das Spiel nicht hergeschenkt. Das schwöre ich auf alles!"
In der Liga-Staffel 9 stand Germania Nippes vor dem Saisonfinale auf dem zweiten Tabellenplatz und hatte ein um 37 Treffer besseres Torverhältnis als Rheinkassel, durch das 10:0 bei Ditib-Türk II war der Aufstieg in die Kreisliga C eigentlich gebongt. Mit einem Autokorso und gebastelten Meisterschalen wollten die Kicker durch die Stadt fahren und feiern.
Nichts war's, Rheinkassel zog nach dem munteren Wettschießen noch an Nippes vorbei. "Irgendwann war halt die Moral am Boden, da ging dann nichts mehr bei uns", so Schnitzler, dessen Mannen zur Pause noch ein 0:13 gehalten hatten.
Keine Reserve, aber ein routinierter Trainer
Dann mussten drei Spieler den Platz verlassen, sie hatten sich verletzt, Auswechselspieler gab es nicht. Aber einen Trainer, der ausnahmsweise die Fußballschuhe schnürte, er ist 55 Jahre alt.
Im Tor stand von Beginn an kein etatmäßiger Keeper. Der war ebenfalls verletzt, ein Feldspieler stellte sich als Zielscheibe zur Verfügung. "Der kann aber nichts als Torwart, bei dem ist ein Bein länger als das andere", erklärt Mittelfeldspieler Aydogan Mutluoglu die physische Beschaffenheit seines Teamkollegen. Mutluoglo selbst konnte übrigens auch nicht bis zum Ende mitspielen, er hatte sich - Sie ahnen es - verletzt.
"Natürlich waren wir so kein Gegner mehr, aber wir konnten das Spiel ja auch nicht abbrechen. Dann wären wir bestraft worden", sagt er. Dabei stand das Spiel dennoch vor einem vorzeitigen Ende: In der zweiten Halbzeit war ein Zuschauer - ein eingefleischter Kategorie-C-Fan der Nippes-Reserve, wird vermutet - auf das Spielfeld gelaufen und wollte Schiedsrichter Helmut Koch attackieren. Die Kicker konnten ihn daran hindern.
"Diese Aktion brachte die Mannschaft aber noch mehr aus dem Tritt", hat Vorsitzender Schnitzler noch eine Entschuldigung für die unterdurchschnittliche Leistung seiner sensiblen Jungs parat, die vor dem Saisonfinale sogar noch Aufstiegschancen hatten.
Nun sorgt sich Schnitzler um den Ruf seines Vereins. "Wir haben 800 Mitglieder, diese Geschichte ist nicht gut für uns. Wir wollen Wiedergutmachung betreiben." Wie, das weiß er noch nicht. Aber, das will er nochmal unterstreichen: "Wir haben nicht betrogen, wir haben auch kein Geld bekommen. Nicht mal eine Flasche Bier."
Der Durst war nach der nächtlichen Feier ohnehin erst einmal gestillt.