Es ist Zeit für ein weiteres Review, dieses Mal vollgeladen mit Informationen, Fakten und einer Meinung. Sir Hammerlocks Großwildjagd im nicht-so-beinharten Review!
In the jungle, the mighty jungle...
Wer erinnert sich nicht an den genialen Wimoweh-Trailer zu Borderlands 2? Im stimmigen Liedchen wird dort desöfteren ein Dschungel erwähnt - Geben tat es diesen im fertigen Spiel aber nicht. Das ändert sich nun jedoch mit dem bereits dritten Story-DLC für Borderlands 2. Wie schon Mr. Torgues Kampagne des Metzelns ist auch Sir Hammerlocks Großwildjagd nach der Story des Hauptspiels angesiedelt. Der titelgebende Sir Hammerlock hat die Kammerjäger eingeladen, mit ihm ein Wochenende in den Dschungel und Sümpfen des Inselkontinents Aegrus zu verbringen und gemeinsam auf die Jagd zu gehen. Schließlich gibt es auf Pandora noch viel exotisches Getier, welches eleminiert werden möchte.
So machen sich die Kammerjäger also auf nach Hunter's Grotto, dem vielleicht größten Gebiet, welches in Borderlands 2 momentan existiert. Doch kaum hat die Jagd begonnen, schon werden Sir Hammerlock und die Kammerjäger von einem neuen, abartig fiesen Bösewicht unterbrochen. Dr. Nakayama, ein genialer Wissenschaftler von Hyperion und selbsternannter größter Fan von Handsome Jack ist fest davon überzeugt, diesen zu klonen und zurück an die Macht zubringen. Grund genug für die Kammerjäger, den gewaltig bösen Absichten Nakayamas ein Ende zu bereiten. In lediglich vier Story-Missionen ist es nun die Aufgabe von Salvador, Maya, Axton, Zer0 und Gaige, auf den abgestürzten Hyperion-Frachter H.S.S. Terminus zu gelangen und Nakayamas böse Pläne zu vereiteln.
Schnapp dir'n Dingi!
Trotz der geringen Anzahl an Haupt- sowie Nebenmissionen (dazu später) weiß Sir Hammerlocks Großwildjagd in vielen Aspekten zu überzeugen. Da wäre in erster Linie natürlich der Borderlands-typisch tolle Humor. Gerade Hammerlock, welcher bisher nicht umbedingt als der lustigste Charakter galt, legt in diesem DLC stark zu und kommentiert das Geschehen mit witzigen und schmutzigen Kommentaren. Aber auch der Charakter des Jahres 2012-Gewinner Claptrap kehrt zurück. Der Umfang des ein Gigabyte großen Zusatzinhalt ist ebenfalls ansehlich. Während Hunter's Grotto durch seine Größe besticht, findet man in Scylla's Grove viele Sümpfe und Höhlen vor. Ein weitläufiges Dschungellabor existiert in Form der Ardorton Station, steil aufwärts geht's im Candlerakk's Canyon. Nicht nur die Hyperion-Mondbasis ist nach wie vor von jedem dieser Orte aus sichtbar - auch die H.S.S. Terminus kann immer irgendwo entdeckt werden.
Da die Gebiete von Aegrus derart groß sind ist ein Fortbewegungsmittel natürlich wünschenswert. Dieses kommt in Form des neuen Luftbootes. Oder Dingi, wie Hammerlock es nennt. Wie für alle anderen Fahrzeuge lassen sich auch für das neue Luftboot dutzende Skins finden und freischalten. Desweiteren darf es mit einem von drei Elementen ausgerüstet werden: Feuer, Säure oder Schock. Mit Ausnahme der äußerlichen Erscheinung steuert sich das "Dingi" aber ähnlich wie der Sandgleiter des ersten Zusatzinhaltes, sie sind nur etwas schwerfälliger und daher besser zu kontrollieren.
Von Monstern, Einheimischen und Unbesiegbaren
Auch an Feindesgesindel hat sich Gearbox für Sir Hammerlocks Großwildjagd einiges einfallen lassen. Schließlich will ja eben gejagt werden! Wer damals für das erste Borderlands den Zusatzinhalt mit General Knoxx gespielt hat, der erinnert sich womöglich noch an die Drifter. Große, spinnenartige Vieher mit zwei Schwachstellen. Auch auf Aegrus sind diese Drifter in verschiedenen Variationen vorhanden. Ebenfalls zurück kehren die Bullymongs, Skags und Rakks. Diese haben sich jedoch nur geringfügig ihrer feuchteren Umgebung angepasst und lassen sich wie immer bekämpfen.
Doch der Dschungel bietet auch bisher ungesehene Kreaturen. Bei den Scaylions handelt es sich um Scorpion-artige Geschöpfe in sämtlichen Variationen, welche mal den Nahkampf, mal den Fernkampf bevorzugen. Die ebenfalls neuen Boroks sind da weit simpler gestrickt: Die Stalker-ähnlichen Kreaturen sind extrem flinke Biester und gehen immer in den Nahkampf über. Die dritte neue Gegnerart im Bunde sind die Sporen. Diese ballrunden, fliegenden Dinger fungieren als Mörser und lassen organische Bomben aller Elementartypen auf die Kammerjäger fallen. Solch grausige Geschöpfe wie im RTL-Dschungelcamp gibt es übrigens nicht, soweit wollte Gearbox dann wohl doch nicht gehen. Und nein, ich meine nicht das Getier der Serie.
Doch es will nicht nur gejagt werden, denn die Einheimischen von Aegrus haben wie ihr Meister Nakayama ebenfalls einen Handsome Jack-Fetisch. Das gewöhnliche Fussvolk der Feindesgruppe begrenzt sich dabei auf Nah- sowie Fernkampf. Manche Einheimische schlagen die Kammerjäger mit ihren Speeren, andere werfen diese lieber. Weit gefährlicher sind dagegen die Medizinmänner. Diese gibt es in mehreren verschiedenen Variationen und haben gefährliche Angriffsmanöver auf Lager. Laser, Tornados, Blitzgeschosse und Fledermausangriffe sind nur einige der Gefahren, welche Medizinmänner mit sich bringen. Ganz besonders gefährlich sind dabei die Super-Badass-Variationen.
Wie auch schon die vorherigen DLCs bietet auch Zusatzinhalt Nr. 3 zwei neue sogenannte "Unbesiegbare". Während der Stalker Voracidous dabei als Seraph-Wächter fungiert und als solcher die wertvollen Seraph-Kristalle fallen lässt, hat sich Gearbox beim Riesendrifter Dexiduous für eine ähnliche Struktur wie bei Terramorphous entschieden. So sind im riesigen Hunter's Grotto vier Eridium-Öfen verteilt, in welchen insgesamt über 90 Eridiumbarren verbrannt werden müssen. Zwar hat Eridium nun endlich wieder einen Sinn, jedoch ist der Preis für das Beschwören von Dexiduous viel zu hoch, wenn man beispielsweise alleine spielt. Zumal das Vieh ohnehin kaum was Gutes fallen lässt.
Jagdtrophäen
Doch wie sieht es mit den Nebenmissionen aus? Zwar ist die Anzahl an Nebenquests dieses Mal sehr gering ausgefallen, zumindest überzeugen aber auch diese mit Humor. So geht es beispielsweise in einer Mission darum, einen weiteren Claptrap aufzuspüren. Der Großteil der Missionen besteht allerdings passend zum Thema aus Jagdaufträgen. Rund zwei dutzend Bosskreaturen warten darauf, aus ihren Verstecken gelockt und ausgebeutet zu werden. Einige der Nebenmission sind allerdings künstlich in die Länge gestreckt worden. So bittet ein Einheimischer darum, zahlreiche seltene Kreaturen zu erledigen. Das ist deshalb doof, weil diese mitunter wirklich auf sich warten lassen und man die selben Pfade deshalb immer und immer wieder abläuft. Immerhin wird man für diese Mission mit einem exklusiven Skin belohnt.
Natürlich bietet auch Sir Hammerlocks Großwildjagd viele neuen Waffen, Besitzer zahlreicher orangefarbenen Waffen fühlen sich dabei wohl etwas ausgeschlossen. Zwar kehren einige Waffen aus Borderlands 1 zurück -so etwa die Hydra-Schrotflinte oder das Elefantentöter-Jagdgewehr- und auch viele neuen Waffen sind an Bord, eine Waffe über dem Seltenheitsgrad Blau wurde jedoch in ca. 12 Stunden Spielzeit nicht entdeckt. Seraph-Waffen nicht miteinbezogen, versteht sich. Allerdings machen die neuen Waffe überraschenderweise dennoch beachtlichen Schaden, auch wenn sie dafür immer klare Defizite aufweisen. Viele der neuen Waffen tragen übrigens den Vortitel "Sir Hammerlocks". Waffen für echte Gentlemen also!
Ein Wochenende mit Hammerlock
So langsam aber sicher muss eine große Veränderung auf Pandora geschehen. Das Wochenende mit Sir Hammerlock auf Aegrus ist einerseits der erste Schritt in die richtige Richtung, andererseits aber eben auch nicht. Der Zusatzinhalt bringt die richtigen Aspekte, scheitert teilweise allerdings an der Umsetzung. Wofür braucht man beispielsweise Boote, wenn das Wasser ohnehin nur knietief ist? Wieso kommt auch dieser DLC ohne Level-Erhöhung? Zudem zeigen sich langsam aber sicher Abnutzungserscheinungen, erneut verlangen die Gegner kaum Taktik oder eine gewisse Vorgehensweise. Immerhin ist man mit diesem DLC endlich vom Ödland-Setting weggekommen. Für den vierten Season Pass-Inhalt lässt sich Gearbox aber hoffentlich ein frisches Gameplay-Element einfallen. Wie wär's beispielsweise mit einer Weltraum-Oberwelt, steuerbaren Raumschiffen und der Hyperion-Mondbasis?
Pros, Kontras und Fragen
+ Endlich ein frisches Setting auf Pandora!
+ Viel neues Viehzeugs
+ Typisch toller Humor
+ Die Rückkehr einiger alter Feinde und Waffen
+ Der Nakayama-Bosskampf ist legendär
+ Sir Hammerlock ist endlich witzig
+ Einfach mehr. Mehr von allem...
- ...außer von Tiny Tina.
- Fehlende Innovation
- Abnutzungserscheinungen
- Im Grunde genau wie der Scarlett-DLC, nur mit Dschungel
? Wozu Boote, wenn man im Wasser gehen kann?
? Wann kommt die Levelerhöhung endlich?
? Warum gelten 15-20 Bäume bereits als Dschungel?
? WO IST TINA?
Fazit
Mir persönlich hat auch Sir Hammerlocks Großwildjagd gut gefallen. Mr. Torgues Kampagne des Metzelns gefiel mir zwar vom Humor her einen Tick besser (TINY TINA!), dafür hat mich das Dschungelsetting überzeugt. Auch wenn ich auf mehr Bäume und ein paar alte Ruinen gehofft hatte. Dennoch kommt dieser Zusatzinhalt durch das viele Grün exotischer und einzigartiger daher, als es bei den ersten beiden DLCs der Fall war. Als Nächstes will ich jetzt aber wirklich mal in den Weltraum!
Wertung: 8/10







