Beinahe andächtig schüttelte Samuel den Kopf. „Nein! Die Kapitänin weiß es noch nicht allerdings wusste sie von Anbeginn, dass dieser Moment einmal kommen würde. Deswegen werde ich morgen mit ihr sprechen und sie darum bitten mich an einer nahegelegenen Helium 3 Tankstation von Bord gehen zu lassen.“
Aufmerksam hörte er weiterhin Lucy zu wobei er begann sie eindringlich zu mustern. Sein Blick bohrte sich in ihren Verstand und suchte nach ihren wahren Motiven. Ob des gehörten zog er seine Augenbrauen etwas zusammen.
Der Blick der jungen Frau schweifte erneut ab.
„Lucy!“ begann Samuel und sein Tonfall hatte diesmal etwas eindringlicheres, etwas forderndes. Er fixierte ihren Blick mit dem seinen um zu verhindern, dass sie ihm auswich „Warum sind sie nicht endlich ehrlich zu mir?“ sein sanftes Lächeln war einer scharfen Ernsthaftigkeit gewichen und in den Augen der Asiatin las er etwas wie aufkeimenden Widerstand gegen das Kommende.
„Sie sagen sie kämpfen für die Menschheit doch kennen sie die Menschheit nicht. Sie sagen sie kämpfen für die Völker der Galaxie doch kennen sie auch diese nicht! Im Gegenteil fühlen sie sich, obwohl sie solange auf diesem Schiff sind, nach wie vor fremd hier. Sie sagen sie kämpfen endlich für die Richtige Sache aber ihre Worte strafen sie Lügen Lucy – sie wissen nicht wofür sie kämpfen. Derzeit kämpfen sie lediglich des Kämpfens wegen! Darin liegt keine Stärke!
Sie sagen ihr Mantra wäre der Kampf jedoch nur weil sie außer dem Kampf nichts haben. Das ist auch der Grund warum sie auf einem Schlachtfeld so gut zurechtkommen. Weil sie im Kampf nicht über ihr Leben nachdenken müssen! Wenn sie vom Kampf sprechen machen sie schon fast einen besessenen Eindruck als ob es ihnen auf kurz oder lang egal ist gegen wen sie kämpfen und wofür sie kämpfen, Hauptsache sie kämpfen – wie ein wildes Tier!
Ich glaube eher sie befinden sich derzeit in einer Art Schockstarre. Erstmals in ihrem Leben wird ihnen der Zweck ihres Daseins nicht vorgegeben, erstmals müssen sie selbst entscheiden wofür sie zu leben und kämpfen bereit sind! Aber solange sie ihre Vergangenheit nicht bewältigt haben werden sie keinen Frieden finden!
Sagen sie mir Lucy, haben sie schon für ihre Sünden Buße getan? Oder anders ausgedrückt haben sie ihre Vergangenheit bei Cerberus vernünftig aufgearbeitet? Ich weiß, dass sie ihre Therapie abgebrochen haben. Stattdessen verwenden sie, wenn sie von Cerberus sprechen Worte wie Garde und heilige Organisation – selbst wenn es nur Ironie war so lässt es doch tief blicken! So lange sie ihre Vergangenheit nicht bewältigen werden sie auch von ihr verfolgt und so lange werden sie sich vor ihr verstecken müssen. Solange sie an Bord dieses Schiffes bleiben wo man sich ihrer so wenig annimmt, sodass es geduldet wird sie in einem solch verletzlichen Zustand zu lassen werden sie keinen Schritt weiterkommen!“
Sein stechender Blick ruhte auf der Frau, suchte in ihren Augen, in ihrer Mimik nach irgendwas jedoch starrte ihn Lucy lediglich fast schon leer und emotionslos an.
Mit einmal packte er den Tisch und warf ihn mit einer Hand zur Seite hin um. Erschrocken nahm Lucy die Fäuste hoch, jedoch war Samuel schon bei ihr. Er packte sie an den Schultern, zog sie hoch und drückte sie nach hinten gegen den Schrank.
„Sie waren eine Nemesis Lucy, ein Avatar des Zorns Cerberus! Nur jene die wahrhaft fest im Glauben an Cerberus sind können diese Profession erfüllen. Wie viele Leben haben sie im Glauben an die gerechte Sache von Cerberus ausgelöscht? Dutzende? Hunderte?“ Seine Nasenspitze berührte fast die von Lucy als er auf sie einredete
„All diese Leben, diese unschuldigen Leben ausgelöscht für eine Lüge! All diese Jahre, all diese Mühsal im Dienste von Verrätern und Renegaten! Selbst wenn sie nicht immer zu 100% mit Cerberus einverstanden waren, so glaubten sie doch immer daran, dass es im Kern zum Wohl der Menschheit war was sie getan haben. Niemand der wahrhaftig glaubt, wie sie es getan haben, wird so leichtfertig damit fertig, dass er einer falschen Lehre sein Leben gewidmet hat! Es muss sich angefühlt haben als ob ihre Seele in sich zusammengefallen wäre! So etwas schüttelt man nicht so einfach ab! So etwas verändert einen dauerhaft, lässt einen verwirrt und verletzlich zurück und macht einen empfänglich für die Finsternis!
Seien sie einmal im Leben ehrlich zu sich selbst und übernehmen sie Verantwortung!“
Samuels Stimme war im Verlauf langsam lauter geworden jedoch noch weit davon entfernt zu brüllen, viel eher war sie immer eindringlicher und unerbittlicher geworden.



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