atghunter schrieb...
Hallo allerseits,
Zunächst einmal, vielen Dank für den Repost. Das schmeichelt mir sehr.
Folgend ein paar Gedanken für alle, die sich wundern was in den letzten Tagen auf der anderen Seite des Spiegels vor sich geht:
Erstens, Operation Goliath, das kostenlose Star Wars-Online-Wochenende und die neuerdings unverbindlichen Angebote dass man zuhöre
sind lediglich unechte Olivenzweige. Tut mir leid. Kunden wollen wirklich glauben, dass Unternehmen welche sie unterstützen zuhören und wenn sie aufhören das zu glauben, müssen die Unternehmen sagen dass sie zuhören und alles dafür tun, die bösen Zungen abzuschalten. Für dieses Vorgehen gibt es Dutzende Namen aber die bekannteste Bezeichnung dürfte wohl "Hütchenspiel" lauten.
Ihr werdet erkennen dass es für den Unternehmensbunker ein aufrichtiges
Verlangen nach Dialog gibt, wenn "Wir hören zu" sich wandelt in "Wir räumen ein dass wir Kommunikationsproblem mit unseren Kunden haben
könnten und sind bereit, über eine sinnhafte Lösung für das Problem zu diskutieren." Dies signalisiert ein Ende der unengagierten Ablenkung und die Öffnung für echte Gespräche um das Problem zu lösen (nebenbei: man nennt das auch "Seine Kehle zeigen"). Wie euch auffällt, haben BioWare/EA nur gesagt dass sie die Mass Effect-Enden erklären werden. Das ist kein Geben, das ist eine Verzögerungstaktik.
Aber hier gibt es eine Sache, die sogar mich alten PR-Hasen verblüfft und absolut neu ist. Die entrechtete Basis verändert hier die alte Methodik. Das ist der Vergleich zwischen der altgedienten Bunker-PR-Verteidigung mit den neuen Blitzkrieg-Kunden. Bis heute, wurde die "Bunker-Verteidigung" immer von Unternehmen verwendet, weil sie nahezu idiotensicher war. Soziale Netzwerke und der 24-Stunden-Nachrichten-Zyklus haben jedoch alles verändert. Vor 20 Jahren konnte man 30.000 Protestierende nicht ohne Geld, einer Überzeugung, etwas Glück und (am wichtigsten) Zeit in einer vernetzten Basis sammeln. Bis man diese damals organisiert hatte, waren diese bereits ausgebrannt oder haben das Interesse verloren. Gruppen wie "Take Back" haben diese Landschaft verändert und plötzlich ist der Wettbewerb weg von den alten Paradigmen und zu einer neuen verrückten (und meiner Meinung nach wundervollen) Landschaft geworden. Vorbesteller-Käufe nahmen dem Kunden in der Vergangenheit die größte Waffe (nämlich das Produkt erst später zu kaufen). Jetzt aber fühlen sich Kunden, die das Gefühl haben, etwas unter versprochenem Wert bekommen zu haben neu gestärkt - durch das Internet. BioWare/EA spüren die volle Wucht dieser neuen Stärke, während die Leidenschaft der Protestierenden am stärksten ist. Die Unternehmen formieren schneller Gegenmaßnahmen als die alten Strategien es zugelassen hätten. Zu einem gewissen Grad werden sie momentan ausmanövriert, aber jetzt kommt es darauf an, wie lange der Protest/die Beschwerden anhalten.
Zwei weitere kurze Punkte, dann bin ich fertig. Punkt Eins:
Die Child's Play-Petition-Idee war brillant. Beachtet nur wie sehr die intuitiven Kritiker der Proteste in den letzten Tagen ihre Aussage von "Ihr seid verwöhnte egoistische Hater" in "Gut, ihr habt was für einen guten Zweck getan aber ihr seid trotzdem verwöhnte egoistische Hater" ändern mussten. Man ist einfach nur gegen den Protest, denkt selbst aber nicht kritisch. Auch gut: einige, die vorher "Bestes Spiel aller Zeiten" dachten, denken nun "Okay, vielleicht hat das Spiel Probleme aber es ist immer noch eine Form von Kunst", damit sie nicht in den Mainstream (den Protest) geraten. Wenn sie etwas wissen, dann, dass Kunst, wenn sie den Markt betritt, zur (Handels)Ware wird, nicht mehr. Ihr habt damit die "unvoreingenommenen" Kritiker in Kriegstrommler, die euch einfach nur wütend machen wollen verwandelt. Die PR-Leute von EA beneiden euch jetzt sicher (widerwillig).
Punkt Zwei: glaubt nicht an dieses "nur X Leute von 1 Milliarden Kunden haben an den Umfragen teilgenommen, also kann es ihnen egal sein". Das ist Unsinn. Klar, es gibt auf beiden Seiten des Tischtuchs "Kriegstrommler" die nur Streit wollen, aber würde ich bei BioWare sitzen und die Umfragewerte sehen, bräuchte ich erst mal eine Zigarette.
Zu guter Letzt, denkt dran, dass EA/BioWare viel mehr Daten zur Verfügung haben. Sie wissen genau wie die Verkäufe laufen, wie lange die Kunden über Origin spielen usw. Sie werden diese Zahlen dieses Wochenende beobachten. Wenn die Verkäufe abflauen, achtet auf Preisnachlässe innerhalb von 10 Tagen (nach den zwei Wochen nach dem US-Release). Das wird zeigen dass die Verkäufer nervös werden und weniger Einheiten nachbestellen. Wie ich schon einmal gesagt habe: irgendwann wird sich das auf harte Währung einwirken. Wenn die Proteste sich darauf einwirken, wird es auch eine Antwort geben.
Ich bin ein älterer Gamer und weiß den Protest zu schätzen. Jeder (egal auf welcher Seite): hört nicht auf eure Stimmen zu erheben. Ihr seid Kunden und habt jedes Recht euch an diesem Diskurs zu beteiligen. Dass die Foren gestern geschlossen waren beweist, dass man euch beobachtet und sich der Angelegenheit bewusst ist. Ich bin auf der Ending-Hasser-Seite, da könnt ihr euch sicher sein, aber ich bewundere jeden von euch, der für das an was er glaubt einsteht, egal auf welcher Seite er steht.
Cheers.
Vielleicht sind viele Menschen bereit heldenhaft für eine noble Sache zu sterben, aber nur wenige würden demütig für eine leben. Wilhelm Stekel