Für einige Menschen scheinen Menschenrechte und das Verbot von Folter nur so lange nicht von Bedeutung zu sein, wie man selbst nicht auf genau diese Rechte und die Aufrechterhaltung derselben durch Judikative und Exekutive angewiesen ist.
Interessant finde ich hierbei, dass die moderne Gesetzgebung die Verfechter der "Auge um Auge Vorgehensweise" genau von den Taten und den damit verbundenen juristischen Folgen (mal ganz abgesehen von der Problematik sich nach ausgelebter Wut und Hass mit der Tatsache auseinandersetzen zu müssen, einem Menschen körperliche Gewalt angetan zu haben oder zumindest andere Menschen dazu aufgewiegelt zu haben) zurückhält.
So sehr ich die Wut und den Hass auf Personen wie Gäfgen im speziellen oder Vergewaltiger und Kinderschänder/mörder im allgemeinen auch nachvollziehen kann - mich macht so etwas auch extrem wütend - sollten wir Menschen uns, sofern der Einzelne überhaupt Achtung vor dem Leben und dem Individuum an sich hat, zurückhalten, dem Beelzebub nicht nachgeben, sich bewußt machen was es bedeutet Mensch zu sein und die Justiz den Menschen überlassen, die dafür ausgebildet sind.
Da bin ich dann auch unweigerlich bei dem immer wieder aufgeführten Punkt "der ist kein Mensch mehr", "der ist ein Tier, nein schlimmer als ein Tier, weil ein Tier macht so etwas nicht", "der hat kein Recht mehr nach Maßstäben behandelt zu werden, die für Menschen gedacht sind.
Irgendwie entdecke ich da immer gewisse Paradoxen.
- der ist ein Tier - falsch
- der ist schlimmer als ein Tier - richtig
- der ist kein Mensch - falsch
Das jemand wie Gäfgen kein Tier ist, ist uns wohl allen klar.
Das jemand wie Gäfgen schlimmer als ein Tier ist, kann man bei genauerer Betrachtung schon daran festmachen, dass ein Tier so eine Tat nicht begehen würde, weil.... - Achtung jetzt wirds brenzlig -.... in jedem von uns eine Bestie schlummert, jeder von uns das Potential hat geplant zu töten. Nur ist bei manchen Menschen die Bestie nur schwer zu kontrollieren.
Und das bedeutet für mich, dass Gäfgen ein Mensch ist. Nur eben ein schlechter Mensch.
Sehe ich auch so. Das Gericht mußte so entscheiden. Wenn wir schon Gesetze haben, müssen sie für alle gelten.
Ich empfinde aber trotz allem Achtung für den Beamten, der sich gewiss bewusst war, welches persönliche Risiko er eingeht, um Leben zu retten.
Ich frage mich ob das überhaut rauskommen mußte. Warum die Beamten nicht kollektiv behaupten konnten, dass Gäfgen die Unwahrheit sagt.
Den Gedanken hatte ich auch schon des öfteren.
Mich würde mal interessieren in welcher Rolle sich der eine oder andere User bei der Betrachtung des Filmes "Blinde Wut" sehen würde.
Wie erkannte schon Marquis de Sade? Der Mensch ist für jeden Vorwand dankbar, ungestraft die Bestie rauszulassen.
Ein interessanter kleiner Artikel zum Thema Selbstjustiz als Filmthematik.






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Dorfmeister hat es ziemlich passend ausgedrückt.

