Die Citadel - Bezirke
Xesh Investigations
17:24 Uhr
Zisch! Das scharfe Geräusch der sich öffnenden Tür schmerzte Xesh in den Ohren. Das tat sie in letzter Zeit andauernd, es wurde Zeit, dass sie sich die Sache einmal näher ansah – wenn sie diese Zeit denn auch fand.
Sie schob sich durch die rasch öffnende Tür, bevor die sich richtig geöffnet hatte. Der kugelrunde Volus saß nur wenige Meter von ihr entfernt auf einem Stuhl, der für den kleingewachsenen Alien deutlich zu hoch eingestellt war, aber nur so konnte Ban Malun den Computer bedienen, an dem er ständig Buch führte und Rechnungen sortierte.
„Hallo, Chef…“ Diesmal war es Maluns Druckanzug, der zischte. „Wie ist es gelaufen?“
Vasinia zog den PDA hervor. Ihr Kiefer bebte kurz in der turianischen Version eines grimmigen Lächelns. „Ehemann, will herausfinden, ob seine Frau ihn betrügt.“ Kurze Pause, in der sie den PDA an ihren eigenen Computer anschloss. „Zeitverschwendung und Verschwendung meiner Fähigkeiten.“
„Natürlich, Chef.“ Der Anzug des Volus zischte. „Aber Sie brauchen die Credits!“
„Ich arbeite nicht wegen der Credits.“
Der Volus gab ein missfälliges Geräusch von sich. „Sie haben schon wieder keine Vorkasse verlangt, nicht wahr, Chef?“ Jedes zweite oder dritte Wort wurde begleitet von dem typischen Zischen des Druckanzugs.
Xesh stützte sich auf die Lehne ihres Schreibtischstuhls und starrte den Volus an. Malun war nützlich und er hielt ihr die Finanzen vom Hals, und im Vergleich zu anderen Volus war er vermutlich auch ganz bescheiden – sonst hätte er sich nie dazu herabgelassen, bei ihr zu arbeiten. Aber das hielt ihn nicht davon ab, ihr Vorgehen zu kritisieren. Er glaubte, Xesh Investigations würde auf lange Sicht nicht überleben. Zumindest nicht bei ihrem Führungsstil.
„Ihr Fehler, Chef…“ Der Volus stockte, was seinen Anzug nicht daran hinderte, weiter zu pfeifen.
„Heraus damit.“
„Sie denken zu turianisch.“
„Heißt?“ Xesh verschränkte die Arme vor der Brust.
„Sie verlangen zu wenig und zu spät, und das ist sehr turianisch.“ Maluns Anzug zischte erneut. „Erhöhen Sie Ihren Preis um zehn Prozent. Verlangen Sie Vorauszahlung, sagen wir, zwanzig Prozent des zu berechnenden Preises. Und verteilen Sie diese Visitenkarten offensiver. Und nehmen Sie mehr von den, wie nennen Sie es, unterqualifizierenden Aufträgen? an. Wir sind kein Wohlfahrtsverein.“
„Mehr betrogene Ehemänner und weniger Diebe und Vergewaltiger.“ Xesh verengte die Augen.
„Betrogene Ehemänner zahlen großzügiger, Palaven-Clan.“
„Ich denke darüber nach. Weitermachen.“
„Sie sollten wirklich dringend darüber nachdenken, Chef“, murmelte der Volus zischend. Er murmelte noch etwas, dass sich verdächtig nach „typisch turianisch“ anhörte, ehe er wieder damit begann, irgendwelche Zahlen zu überprüfen.
Vasinia ignorierte den Volus und überließ ihn der Buchhaltung, während sie die Daten des PDAs auf den eigenen Computer übertrug und durchging. Die Vorstellung, ihre Fähigkeiten an so einen banalen Fall zu verschwenden, gefiel ihr immer noch nicht, aber letztlich gefiel es ihr noch weniger, gar nichts zu tun haben.
Sie musste einen Einsatzpunkt finden, von dem aus sie beginnen konnte. Im Grunde würde es auf simple Überwachung herauslaufen, vielleicht gepaart mit ein paar Fragen hier und da. Dennoch durfte sie auch hier nichts falsch machen.
Laut ihren Informationen arbeitete Carlie Bernoff bei einem mittelständischen Unternehmen namens Hydragon Systems, das VIs programmierte und seinen Sitz auf der Citadel hatte. Die Wohnung, die sie gemeinsam mit Bernoff bezogen hatte, befand sich in den Bezirken. Soweit nichts Ungewöhnliches.
Xesh rief die Fotografie von Bernoffs Frau auf dem Desktop auf. Erneut war es das Tattoo an Carlies Hals, das ihr auffiel. Damit konnte sie die Frau notfalls einwandfrei identifizieren. Das Motiv war nicht gerade alltäglich. Es musste irgendein Tier von der Erde sein, allerdings keines der bekannteren wie der Delfin oder die großen Raubkatzen, die sie wieder erkannt hätte.
Aber das Studium des Tattoos brachte sie momentan nicht weiter. Am besten war es, wenn sie herausfand, wie Carlie Bernoffs Arbeitszeiten aussahen. Dazu hatte der vermeintlich betrogene Mann ihr aber nichts gesagt. Aber das war kein unlösbares Problem.
Vermutlich fand sich auf der Firmenseite von Hydragon Systems im Extranet irgendetwas Verwertbares. Zumindest, wenn Carlie Bernoff nicht einfach nur eine Reinigungskraft war.
Sie fand die entsprechende Seite schnell.
„Interessant.“ Thomas Bernoff hatte offenbar vergessen zu erwähnen, welchen Posten seine Ehefrau in dem Unternehmen bekleidete. Aber vielleicht war es auch dem Neid des geringer verdienenden Partners geschuldet.
Vasinia speicherte die Arbeitszeiten von Bernoffs unter den Informationen zum Fall Bernoff ab und warf einen Blick auf die Uhr. Bis Carlie Bernoff ihren Arbeitstag beendete, waren es noch fast zwei Stunden. Genug Zeit also, Hydragon Systems rechtzeitig zu erreichen und vorher noch ein paar Recherchen über die vermutet untreue Ehefrau ihres Klienten anzustellen.
Mit etwas Glück fand sie den Beweis für die Treue oder Untreue Carlie Bernoffs noch heute Abend oder zumindest in den nächsten zwanzig Stunden.
17:30 Uhr




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