Im Prinzip ist deine Argumentationsstruktur in sich schlüssig. An dem Punkt, in dem du die lateinische Grammatik mit der französichen vergleichst, ist es für dich ohne Latein natürlich genau so schwer wie für mich ohne Französich, dies direkt zu vergleichen. Ich persönlich bezweifle es, dass Französich noch komplexer ist, wenn man sich die Konjugationtabellen im Latein ansieht, dann ist da jede erdänkliche Zeitstufe drin, sowohl Indikativ und Konjunktiv. Grade weil Französich auch lateinischen ursprungs ist, denke ich nicht, dass sie da noch mehr dazu erfunden haben, sondern viel mehr, dass sie wie wir in Deutsch teile überhaupt nicht übernommen haben. Aber wie gesagt, da kann ich nur spekulieren.
Und dass Wissen über damalige Ansichten jedweder Art, das praktischerweise im Lateinunterricht enthalten ist, lässt sich wenn auch mit etwas Mühe eigenständig erlernen und wird auch teils im Geschichtsunterricht vermittelt.
Der einzige Punkt, der so nicht aufgeht. Du hast nur eine Möglichkeit, ohne Lateinkenntnisse an das Wissen zu kommen: Bücher von speziellen Professoren, die sich mit der Übersetzung intensiv beschäftigt haben. Internet Übersetzungen kannst du vergessen, da stimmt meistens gar nichts mehr. Der nächste Nachteil: Selbst mit einer guten Übersetzung fehlt dir was, den in der deutschen Übersetzung stimmt der ursprüngliche Syntax nicht mehr, Verbformen sind eingedeutscht und fast alle sprachlichen Mittel gehen verloren, die haben wir in Deutsch oft nämlich gar nicht. Und leider sind in den Übersetzungen auch nicht immer die treffensten Begriffe gewählt, da die Möglichkeiten einfach zu groß sind. Wenn du es selbst übersetzt, natürlich nur wenns richtig ist, dann kannst du auf jeden Fall mehr lernen, als nur mit Übersetzungen.
Und im Geschichtsunterricht spielt die Antike fast keine Rolle. Es ist schon ein Unterschied, ob du allein in der Oberstufe die 200 Jahre die in Latein behandelt werden auf 2,5 Jahre verteilst, oder ob du die wenigen Monate in Geschichte, die für den Lehrplan normal anstehen, hast.
Man kann sich im Prinzip natürlich inhaltlich viel aneignen, auch ohne Latein je gehabt zu haben, auf dass selbe kommts natürlich nicht raus und ehrlich gesagt ist es auch zweifelhaft, ob man in der Freizeit solch imense Zeit aufwendet, für ein Fach, dass man nicht hat. Ist ja nicht so als hätte man sonst keine Arbeit.
Zum Schluss soll noch gesagt sein, dass die meisten ohne Latein aber selbst nach meiner Ansicht oft eine gute bzw. bessere Wahl treffen. Denn viele können in Zeiten der Globalisierung in der freien Marktwirtschaft die "gesprochenen" Sprachen besser gebrauchen, nicht wenige wollen in die weite Welt, raus aus Deutschland, als Abenteuer, oder für immer. Bei all dem ist Latein im Gegensatz zu anderen Sprachen im Nachteil.
Hat man meine eine Ansicht wie ich, ist es der richtige Weg. Ich mag Englisch nicht als Sprache, am wenigsten aber Französich und will so wenig wie möglich damit zu tun haben, die meisten Länder wie USA oder Frankreich reizen mich von der Natur und Landschaft, von der Kultur und den Menschen her überhaupt nicht. Ich hätte immer gerne Italienisch, Japanisch, Schwedisch oder Finnisch in der Schule gehabt, da interessiert mich nicht nur die Natur der Ländern, ist aber meistens nicht drinne, also blieb für mich nur eine Wahl.