Porno-Vorwürfe gegen Tauss schwerer als bekannt
Karlsruhe/Mainz (dpa) - Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den unter Kinderporno-Verdacht stehenden Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss sind offenbar schwerer als bislang bekannt.
Laut Anklageschrift hat der fraktionslose Politiker gezielt nach Kinderpornos mit Jungen gesucht und das entsprechende Material bestellt, berichtet das ARD-Magazin "Report Mainz".
Außerdem sprächen die Fundorte der sichergestellten DVDs und des Handys mit den kinderpornografischen Dateien in der Berliner Wohnung von Tauss für eine private Nutzung, berichtete das Magazin unter Berufung auf die Anklageschrift. Tauss räumt in dem Bericht ein, die Indizien seien "durchaus ambivalent". Die Staatsanwaltschaft äußerte sich auf Anfrage nicht dazu.
Laut Anklageschrift widersprechen die Untersuchungsergebnisse den Aussagen von Tauss in sieben Punkten. Die Karlsruher Staatsanwaltschaft sehe es daher als erwiesen an, dass sich der Bundestagsabgeordnete das illegale Material beschaffte, um sich damit sexuell anzuregen.
Der als Internet-Experte bekannte Bundestagsabgeordnete beteuert dagegen nach wie vor seine Unschuld. Er habe das Porno-Material im Zusammenhang mit seinen Recherchen als Parlamentarier genutzt. Mit seinen Ergebnissen habe er einen Kinderporno-Ring sprengen wollen.
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Tauss war nach Bekanntwerden der Vorwürfe als Generalsekretär der Südwest-SPD und als medienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion zurückgetreten. Aus Protest über das vom Bundestag verabschiedete Gesetz zur Sperrung von Kinderpornografie im Internet trat er Ende Juni zur Piratenpartei über. Diese lehnt eine Sperrung von Internetseiten mit Kinderpornografie ab und fordert ein Löschen der illegalen Angebote.