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  1. #261
    Rookie Avatar von Tifana Maldaran
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    Tag 4
    Uhrzeit: 06:20
    Citadel: Bezirke
    Vor dem Turianischen Restaurant in einer Gasse


    "Alles klar", sagte sie ihm abschließend und ging aus dieser schmierigen Gasse raus.
    'Endlich weg von hier'
    Tifana bekam Hunger während des Gesprächs, deshalb machte sie sich auf den Weg, um eine offene Imbissbude oder etwas Ähnliches zu finden. Sie guckte sich überall um, doch wo sie auch hinging war alles noh geschlossen, bis sie ein kleines geschäft sah, welches gerade öffnete und frische Waren zubereitete. Tifana lief glücklich hin und bestellte sich was. Sie wusste, dass sie etwas warten musste, aber sie war glücklich wenigstens einen Laden gefunden zu haben, als zurück auf ihr Zimmer gehen zu müssen, um sich was mit den 'nahrhaften' Allianzessen kochen.

  2. #262
    FRPG-Account Avatar von Octavian Visconti
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    Citadel Bezirke - Krematorium
    12:55

    „Autsch, Octavian. Sieht ganz so aus als wäre ich mal der einzige Visconti, der heute keine Abreibung bekommt.“
    „Der Tag ist noch lang, Antonius.“
    „Gewiss, Octavian. Aber sie ist nicht temperamentvoll, unsere Tante Gruska?“
    „Moment, das ist Tante Gruska?“
    „Sicherlich, sag’ uns bloß nicht du hast sie nicht erkannt?“
    „Nein, Lepidus. Ich dachte, die Alte wäre eine verflossene Liebschaft von Vater.“
    „Nun, vielleicht ist sie das:“
    „Redet nicht so unangemessen bei Vaters Einäscherung“, beendete Lepidus den flüchtigen, flüsternden Wortaustausch zwischen den Brüdern. Sie nahmen weitere Mitleidsbekundungen an.

    Tante Gruska war de facto nicht wirklich mit den Brüdern verwandt, sie bezeichneten sie nur als Tante, da sie jahrelang als Dienstmädchen im Hause Viehsack, den späteren Visconti, tätig war. Ihre forsche, penetrante Art stellte dabei ein Hindernis dar, sodass man sie nicht ohne zu flunkern als gutes Dienstmädchen bezeichnen konnte. Sie hänselte die jungen Burschen, war relativ faul und schon damals keine wirkliche Schönheit. Sie hatte Humor und wundervolle Augen, erinnerte sich Octavian. Zwei Dinge, die sie scheinbar über all die Jahre behielt und zu pflegen wusste. Ob sie tatsächlich einst eine Liebschaft von Julius war, wie Antonius behauptete, konnte man nicht sagen, aber es war auszuschließen, da sie aufgrund ihres Äußeren kaum Interesse bei Julius wecken konnte. Zudem führte sie jahrelang eine On/Off-Beziehung mit einer asarischen Matriarchin, die sich auf der Erde niederließ und die mehrere Angebote Julius unterbreitete, um Gruska aus ihrem Dienstvertrag freizukaufen. Irgendwann willigten sowohl Julius als auch Gruska ein und sie verschwand. Jahre später tauchte ihr Sohn vor dem Haus von Julius auf und behauptete, er sei Gruskas Sohn. Sein Name war Sejan. Der Vater sei anscheinend ein versoffener Minenarbeiter auf Terra Nova gewesen, der sie eines Abends geschwängert hatte, nach einem Streit mit ihrer asarischen Geliebten. Die Beziehung zerbrach daraufhin und über Gruskas weiteren Lebensverlauf schweigen Sejan und sie. Nach ihrem Zustand zu urteilen, hatte sie es aber vermutlich sehr schwer nach der Trennung. Der Buckel war der Rücken einer Minenarbeiterin oder einer Prostituierten, die zu viele aggressive Freier hatte.

    Die alte Buckelige kam näher an die Brüder und schüttelte die Hände aller Drei kräftig und gab den drei Brüdern – etwas, was sie nicht unbedingt wollten – jeweils einen dicken Schmatzer auf die Wange. Octavian fand die Geste ekelerregend, diese Frau hatte schließlich schon tausend Zungen in ihrem Mund und weiß der Herrgott was noch. Aber er ließ sie gewähren. „Nicht vergessen: Tick nicht aus“, flüsterte sie ihm in die Lauscher und Octavian spürte trotz des Schleiers ihre runzligen, trockenen Lippen auf seinem Ohr. Er machte große Augen, war ganz schön schockiert von dieser eindeutigen erotischen Geste von Sejans Mutter. Er drängte sie etwas mit den Armen von sich weg, lächelte irritiert und verlogen und antwortete: „Natürlich, Tante Gruska.“ Zufrieden nickte sie und ging weiter, ließ den weiteren Trauergästen die Chance mit den Brüdern ein paar Worte zu wechseln, aber sie zog nicht ab ohne davor Octavian einen – für ihr Alter durchaus – verführerischen Blick zuzuwerfen. Sie hatte Temperament, kein Zweifel.

    Octavian kam sich vor ein Schwächling, wurde er doch schließlich von einer alten Frau völlig überrumpelt und das gleich zweimal hintereinander. Die weiteren Trauergäste sagten Octavian zu einem großen Teil nichts und ihre Gesten sprachen von aufrichtigem oder falschem Mitleid und Herzweh. Er dachte an Tante Gruska einen Moment lang und daran wie sie als junge Frau die Betten faltete und herrichtete, während Octavian Bücher von ausgezeichneten Autoren las und wie er, in seiner hochpubertären Phase, immer wieder einen Blick auf ihren Hintern riskierte. Aber schließlich warf er diese frivolen Erinnerungen über Bord und schwor sich mit Tante Gruska kein weiteres Wort mehr zu wechseln.

    „Aw, Lepidus, mein herzlichstes Beileid.“
    „Vielen Dank. Es freut mich, dass du kommen konntest.“
    „Ich hatte noch ein paar Dinge zu erledigen, es war etwas stressig, aber zum Glück konnte ich alles rechtzeitig regeln. Morgen geht es schon nach Omega, eine wahrlich anstrengende Woche.“
    „Wem sagst du das. Darf ich dir meine Brüder vorstellen? Antonius und Octavian.“
    Lepidus machte eine einladende Geste und die Brüder schüttelten die Hand des Mannes. Der Mann hatte kurze Haare, blaue Augen und fein gemeißelte Gesichtszüge. Er trug einen noblen Anzug von erhabener Qualität.
    „Freut mich sie beide kennen zu lernen. Nun, nicht unbedingt unter diesen Umständen“, sprach der Mann und fuhr fort: „Mein aufrichtiges Beileid.“
    „Danke“, erwiderten die beiden Brüder und Antonius fragte noch nach seinem Namen.
    „Mr. Wilkinson, ein Geschäftspartner und Freund von Lepidus.“ Er machte eine leicht verbeugende Geste und wandte sich dann wieder an Lepidus. „Ich würde gerne bis zum Leichenschmaus bleiben, aber ich habe leider kaum Zeit.“
    „Schade, aber es freut mich, dass du hier warst.“
    Wilkinson schüttelte zum Abschied die Hand von Lepidus, verabschiedete sich mit einem Kopfnicken von seinen beiden Brüdern und verließ anschließend den Saal.
    „Recht edel der Herr“, sprach Antonius und sah Wilkinson noch hinterher.
    „Lass dich nicht von seiner Kleidung täuschen“, erwiderte Lepidus.

    Die Hälfte der Trauergäste hatten mittlerweile das Feuer passiert und den Brüder ihr Bedauern mitgeteilt, womit die Zeremonie bald zu ende war, denn die andere Hälfte blieb hocken, tratschte etwas und bestaunte den künstlerisch gebauten Ofen. Im Ofen brannte nur noch eine Glut und der Körper war endgültig zu Asche verfallen. Pavel trat erneut auf die Bühne, in seiner Hand trug er eine schmuckvoll gefertigte Vase mit römischen Motiven. Octavian erkannte bereits auf den ersten Blick den Lorbeerkranz und eine Zeichnung von seinem Vater darauf. Er empfand das Gefäß als kitschig und übertrieben pompös.
    Pavel rief die drei Brüder auf die Bühne und verkündete das Ende der Zeremonie mit von Glorie gefüllten Wörtern. Octavian musterte noch einmal die Menge und versuchte sich die Gesichter einzuprägen, während Lepidus zu Pavel trat und die Urne entgegennahm. Lepidus sah so aus als wollte er den Moment nützen um seine Rede zu ihrem verdienten Ende zu führen, aber er wandte sich dann vom Mikrofon ab und schritt langsam und mit einer, für Chardinisten typischen, demütigen Pose zum Ofen. Octavian hielt ihn am Ärmel fest und flüsterte ihm ins Ohr.
    „Ich würde gerne die Asche in die Urne schütten und in den kommenden Tagen ins All streuen.“
    „Es tut mir Leid, Bruder“, entgegnete Lepidus: „aber unsere Religion sieht es vor, dass dem ältesten Kind diese Ehre zuteil wird.“
    „Ich bitte dich, Lepidus. Ich würde es sehr gerne tun.“
    Aber Lepidus entriss nur seinen Arm aus Octavians Umklammerung und trat zum Ascheberg. Octavian verabscheute ihn für diese Handlung. Dämliche Tradition, dachte er sich und beneidete Lepidus um den letzten Gefallen, den je jemand Vater erbringen würde.

    Lepidus nahm eine kleine Schaufel und kniete sich vor den Ofen. Er sprach ein Gebet, bekreuzigte sich und besiegelte damit die Ehrerbietung. Dann fuhr er mit der Schaufel tief in die Asche hinein, berührte dabei immer etwas die Liege und die eingefahrenen Schienen und füllte die Urne mit Vaters letzten Resten.
    Octavian betrachtete jede seiner Bewegung und bezeichnete es im Geiste als merkwürdig, wie theatralisch sein Bruder jeden Schaufelstich vollbrachte. Die Beziehung zwischen Vater und Lepidus war nicht besser als die zwischen Julius und ihm selbst, aber Lepidus inszenierte sich hier gekonnt als der Lieblingssohn Vaters, so als hätten sie nicht schon genügend Streitereien ausgefochten. Vor allem in den letzten Jahren nahmen diese Streitereien zu und Octavian musste diesbezüglich ehrlich sein, denn viele entstanden nur wegen ihm, weil er es häufig geschafft hatte Lepidus auf seine Seite zu ziehen, womit sein Vater kontinuierlich mit ansehen musste, wie ihm die Kontrolle über Corefield Design entglitt.

    Im Saal herrschte unwirkliche Stille und man vernahm wie die Asche in die Urne rann, um dort die nächsten Tage zu verbringen. Jedes Stück Asche war dabei unweigerlich ein Teil von Vater und es war nicht möglich zu sagen, welcher Teil gerade in die Urne geschüttet wurde, aber Octavian dachte jedes Mal, dass jetzt Vaters zerstörte Leber oder nikotinverseuchte Niere drankäme. Ach, wie gern hätte er die Urne befüllt mit den Überbleibseln dieses Dreckskerls.

    Unaufmerksam und schleichend kam eine weitere Person auf die Bühne, drängte Pavel etwas zur Seite, sodass sie hinter Octavian stand. Nach mehrmaligem, nervösen Stupsen reagierte Octavian auf Sejans Aufmerksamkeitsdefizit.
    „Ja?“
    „Herr, Ihr solltet nun wirklich mit dem Salarianer sprechen. Die Zeremonie ist beinahe zu Ende und ich denke kaum, dass die anderen es mitbekämen sollten.“
    Das kam Octavian gelegen, denn er verspürte wahrlich keine weitere Lust mehr dazu, Lepidus dabei zuzusehen wie dieser seinen Moment auskostete. Er wünschte, Antonius würde wieder zu ihm stapfen und ihm eine ins Gesicht verpassen.
    „In Ordnung“, antwortete Octavian, „wo befindet sich der Salarianer?“
    „Direkt vor der Tür, er ist äußerst ungeduldig und schickt mir ständig PDA Nachrichten.“
    „Naja, zumindest hat er doch noch genügend Respekt vor den Toten, dass er nicht die Zeremonie selbst unterbricht.“
    Octavian klopfte Sejan dankbar auf die Schulter, woraufhin dieser erleichtert lächelte, und ging dann über die Außenseite zur Tür, bedächtig darauf niemanden zu stören. Er warf einen letzten Blick in die Menge und sah wie eine der älteren Frauen vor sich hindöste.

    Das Zischen der Tür unterbrach die Stille im Saal und noch bevor die Tür wirklich zu war, fing der Salarianer bereits an zu quasseln.
    „Oh danke, danke, dass sie endlich herauskommen. Man sagte mir, Sie seien für die Sicherheit von Corefield Design verantwortlich und da dachte ich mir, dass ich es Ihnen am besten mitteile. Draußen vor dem Gebäude, Sie werden es kaum glauben, ist eine aufgebrachte Meute von Quarianern und sie demonstrieren wegen irgendetwas, schreien immer wieder ‚Nieder mit Corefield Design’ und ‚Verflucht sei’, na, Sie können es wohl erahnen, ‚Ihr geschätzter Vater’. Das ist wirklich äußerst unpassend.“
    „Quarianische Demonstranten vor dem Gebäude?“
    „Jaja, korrekt. Folgen Sie mir bitte!“
    Der Gang widerte Octavian gleich an wie zuvor. All die Panoramabilder von Palaven, der Erde, Sur’Kesh, Thessia und anderen Welten, deren Name Octavian im Augenblick nicht einfiel, erzeugten eine zu unwirkliche, friedliche Stimmung in diesem Krematorium, die zu sehr an das Leben erinnerte und damit zu sehr den Tod missachtete. Die Aufstellung von religiösen Symbolen und Göttern, deren Zusammenstellung, den Eindruck einer Vernissage erweckte, tat ihr übriges und bestärkte Octavians Meinung beim erneuten Anblick, es handle sich hierbei eher um einen Flohmarkt als um ein Krematorium.

    „Haben sie irgendwelche Informationen über diese Quarianer? Sind sie Pilgerreisende oder im Auftrag der Flotte hier?“
    „Ich kann es Ihnen leider nicht sagen, aber sie wirken äußerst jung und naiv auf mich, ganz davon zu schweigen, dass ihnen jegliches Ehrgefühl fehlt“, sagte der Salarianer, der tausend Göttern huldigte, damit sein Profit möglichst groß war.
    „Ich kann mir kaum vorstellen, dass es Pilgerreisende sind. Es macht keinen Sinn, dass sie sich versammeln nur um ihre Missachtung einer Firma mitzuteilen, die quarianische Arbeitskräfte auf Illium beschäftigt.“ Octavian sprach dabei mehr zu sich selbst, um die Situation zu analysieren, um zu wissen, was er sagen sollte, um die Demonstranten zu beruhigen. Der Salarianer ging äußerst hastig, wodurch auch schon ein paar Meter Abstand zwischen den beiden war.
    Octavian hielt es für wahrscheinlicher, dass die Flotte sich wieder einmal dazu entschloss Corefield Design auf die Pelle zu rücken und etwas Stunk zu machen. Vermutlich wegen den Arbeitskräften die Corefield Design, wie jede andere Firma auf Illium, billig einkaufte und die dann für sie schufteten. Tatsächlich aber sorgte Corefield Design auch für die quarianischen Techniker und Mechaniker, die sich unter ihrem Banner befanden, und schaffte es eine verblüffend hohe Arbeitsmoral aufrechtzuerhalten durch ein paar Versprechungen.

    Der Salarianer drückte mehrere Male auf den Liftknopf und zappelte nervös herum.
    „Wissen Sie, es macht wirklich keinen guten Eindruck, wenn Quarianer vor dem Gebäude herumstolzieren, schreien und motzen. Ich bin Ihnen also mehr als dankbar, dass Sie die Sache in die Hand nehmen.“
    „Selbstverständlich. Wenn sie wegen Corefield Design hier sind, ist es nur logisch, dass ich mich darum kümmere.“
    Der Lift öffnete seine Türen und Octavian trat ein, der Salarianer blieb allerdings vor der Tür stehen.
    „Ich komme natürlich nicht mit, ich möchte mich nur ungern einmischen, und außerdem liegt es in meiner Verantwortung Ihre Familie und Freunde zu vera-.“ Octavian hatte bereits den Knopf fürs Erdgeschoss gedrückt und die Tür schloss sich. Er war froh den Salarianer dadurch abgewürgt zu haben und dachte sich, dass heute wohl obendrein noch der Tag, der unfertigen Sätze wäre.

    Die charakteristische, nervige Dudelei im Fahrstuhl nützte weder Octavians Überlegungen über die Quarianer etwas noch half es ihm sich zu entspannen. Am liebsten hätte er die Lautsprecher genommen und sie im Apartment des verantwortlichen Komponisten aufgehängt, damit dieser unter der Dauerbeschallung leiden musste.
    Schlussendlich gingen die Türen aber auf und erlöst trat Octavian in die Eingangshalle des Gebäudes, vorbei an der menschlichen Sekretärin, die verzweifelt am Telefon hing und immer wieder forderte mit der C-Sec zu sprechen. Octavian richtete sich etwas die Haare und dabei inspizierte er die quarianische Gruppe vor dem Gebäude. Sie liefen im Kreis und hielten – in klassischer Demonstrantenmanier – Schilder in die Höhe. Er stellte sich ans Glas und versuchte den Verantwortlichen ausfindig zu machen. Da die Fenster Spionspiegel waren, hatten die Quarianer keine Ahnung, dass Octavian sie gerade analysierte. Er schnippte der Sekretärin kurz zu und rief, sie solle ihm doch bitte einen Tee bringen. Geschwind nickte die brünette Frau und setzte etwas Wasser auf.

    Die Quarianer marschierten im Kreis, manche hielten Schilder in die Höhe, andere ballten die Faust zum Widerstand. Dabei schrien sie im Chor Sätze der arbeitenden Unterschicht, als die sie sich allzu gerne sahen. „Nieder mit Corefield, wir sind kein Vieh! Nieder mit Corefield, wir sind kein Vieh!“ Ein allzu lascher Reim, dessen Bedeutung aber unmissverständlich war. Seine erste Ahnung war nun, dass es sich hierbei um ehemalige Corefield-Angestellte handelte, die sich hier einfanden um gegen die Arbeitsbedingungen zu protestieren, auch wenn Quarianer wahrlich nicht wie Vieh behandelt wurden in den unteren Ebenen von Illium. Aber schließlich war dies eine quarianische Protestbewegung und er hatte schon genügend dieser Art miterlebt, dass er Vergleiche ziehen und Ähnlichkeiten ausfindig machen konnte. Eine drastische Überspitzung der eigentlichen Verhältnisse war der Grundbaustein eines jeden modernen, unbedeutenden Aktivisten, schien es ihm und er sehnte sich einen Moment lang nach einer wahrlich großartigen Bewegung, wie der Frauenbewegung im 20. Jahrhundert, die maßgeblich unter der Führung von - der von ihm sehr geschätzten - Simone de Beauvoir entstand.
    Auf den Schildern stand ‚Wir fordern mehr Respekt’ und diverse andere Ansprüche und Betteleien, die sie verlangten. Natürlich hatten sie ihr gutes Recht dazu, aber Octavian empfand es als mühselig über derlei Sachen diskutieren, wenn alle Beteiligten wussten, dass eine Veränderung, so kurz nach dem Citadel-Blitz, ausgeschlossen war. Diese Quarianer inszenierten sich hier schon mit einer gewissen Kaltschnäutzigkeit, die Octavian missbilligte, aber Dreistigkeit gewinnt oftmals bei solchen Themen und im Endeffekt fand er es sogar gut, dass sie friedlich auf sich aufmerksam machen wollten und sich überhaupt als Arbeitskräfte im Citadel-Raum zu etablieren versuchten, zumindest diese Handvoll von Demonstranten. In der Tat würde dies für Corefield Design eine lukrative Möglichkeit ergeben die quarianischen Arbeiterkontingente aufzustocken. Und er musste ihnen eingestehen, sofern es sich hierbei um ehemalige, aktive oder zukünftige Corefield Mitarbeiter handelte, dass es gut war, wenn auch nachwievor äußerst unangebracht an diesem heutigen Tag, dass sie sich an Corefield wandten und somit einen Berg zu erklimmen gedachten, der schaffbar war, anstatt wie so viele Protestschnürer vor ihnen alles auf einmal zu veränderen gedachten.

    Eine Kamera flog am Spionspiegel vorbei und richtete das Objektiv direkt auf Octavian, filmte sich aber nur selbst. Dann schwirrte sie wieder weg und nahm die Quarianer aus einer Vogelperspektive auf. Offensichtlich hatten die Demonstranten nicht nur vor bei Corefield Design zu stänkern, sondern nützten die Gelegenheit auch um auf die generelle Situation quarianischer Arbeitskräfte aufmerksam zu machen. Ein cleverer Schachzug musste Octavian ihnen zugestehen.
    Weiter hinten wurde gerade eine Quarianerin von einer asarischen Journalistin interviewt. Die Quarianerin machte dabei Gebrauch von ausladenden, dramatischen Gesten, wedelte mit den Armen in der Luft und griff sich immer wieder an den Bauch um das Notstandsleiden der Quarianer in dieser Galaxis zu zeigen. Wirklich zu Wort schien sie aber nicht zu kommen, denn die Asari unterbrach immer wieder die Quarianerin, woraufhin diese stets eifrig nickte. Er schärfte etwas seinen Blick und trat einen Schritt zur Seite um die Asari besser zu erkennen und als die Kamera bei der Asari kurz die Position wechselte, erkannte er die Asari vollends. Es handelte sich hierbei um Vulvia Terasy und Octavian griff sich erstmal an die Schläfe und gab ein Seufzen von sich. Somit legte er alle vorherigen Theorien über die Quarianer ad acta. Er wusste nun, dass es sich hierbei nicht um wirkliche Corefield Mitarbeiter handelten, höchstens eine paar Quarianer, die hier und da Geschichten aufgeschnappt hatten, aber selbst das war wohl noch zuviel verlangt.
    Er lernte Vulvia während seiner Zeit bei den Citadel-News kennen und schätzte eigentlich ihre Courage und ihre Neugier sowie ihren Willen unbedingt Storys zu finden. Jahre später, als er wieder in Kontakt mit ihr kam durch Corefield Design, lernte er sie dann zu hassen, denn ihre Fragen waren hinterlistig und oft doppelbödig. Aber vor allem war sie eine gute Freundin der D’sorni Schwestern und hatte es manchmal gar explizit persönlich auf die Viscontis abgesehen. Es war wunderlich, dass sie sich heute auf der Citadel herumtrieb, war sie doch schon seit Jahren eigentlich nur noch auf Illium unterwegs.

    Die Sekretärin brachte den Tee und entschuldigte sich für die mangelnde Auswahl, aber das war Octavian gleich. Die schneeweiße Tasse war mit Früchtetee gefüllt und er nahm einen sachten Schluck und passte dabei auf, dass er sich nicht die Zunge verbrannte.
    Die ganze Situation war durch Vulvias Gegenwart nun komplett anders zu deuten. Vermutlich hatte sie Pilgerreisende für diesen Tag zusammen getrommelt, ihnen ein paar Schilder in die Hand gedrückt und ihnen ein paar Credits versprochen, damit sie hier auf Missstände innerhalb von Corefield Design aufmerksam machten. Nicht gerade dumm von ihr um eine gute Geschichte zu bekommen, aber höchst respektlos. Er überlegte sich wie er die Situation gut und zufriedenstellend bereinigen konnte. Sein Ziel war es Vulvia wieder einmal zu diffamieren in ihrer journalistischen Tätigkeit, am leichtesten war dies wohl zu bewerkstelligen, wenn er sie wie so oft auf ihre persönliche Beziehung zu den D’sorni Schwestern ansprach. Allerdings hatte er dies in den letzten Jahren so häufig als Ausrede verwendet, sodass sie sich vermutlich mittlerweile schon darauf eingestellt hatte. Und außerdem saß sie stets am längeren Hebel. Nachbearbeitung und Interviewfetzen herausschneiden; das konnten sie, diese Journalisten, und das wusste Octavian, denn schließlich war er selbst mal einer. Er blies in die Tasse um den Tee abzukühlen und trank dann noch einen Tropfen, verbrannte sich aber trotzdem wieder beinahe die Zunge.
    Geändert von Octavian Visconti (03.09.2010 um 05:01 Uhr)

  3. #263
    Newbie Avatar von Griz Tremaran
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    Tag 3
    Citadel Bezirke - Turianisches Restaurant
    22:10 Uhr

    Tryss lies sich einen Moment Zeit und schlug dann vor das Gespräch anderen Orts fortzusetzen. Nichts anderes hatte Griz erwartet und bestätigte mit einem kurzen, stummen nicken.

    Der Quarianer orderte den Kellner zu Tisch, bezahlte und gab tatsächlich Trinkgeld. Der Turianer wollte seinen Augen nicht trauen. Hatte er gerade wirklich gesehen, was er glaubte gesehen zu haben?
    Ungläubig saß er da, den Mund leicht geöffnet, mit den Augen unwirklich in die Leere starrend, während sich die kurze Geste immer wieder vor seinem inneren Auge abspielte. Griz verstand die Welt nicht mehr.
    Der Meister hatte so eben seinem Sklaven gedient, der Tiger den Wärter dresiert, die Hure den Freier bezahlt.
    Alles wofür er gekämpft hatte, zerbrach wie ein Spiegel, getroffen von einem Schlaghammer.....oder nicht?
    Könnte es sein das er sich getäuscht hatte? Der Krieger in der strahlenden Rüstung selbst zum Teufel geworden war?
    Tausende Gedanken schoßen im Gleichzeitig durch den Kopf, alle jäh unterbrochen, von einer Geste des Quarianers. Sie holte ihn in die Realität zurück. Dieser eine Moment; Griz würde sich später nocheinmal darüber Gedanken machen. Jetzt galt es einen Deal abzuwickeln.

    Schweigend erhob sich der Turianer, würdigte den Kellner keines Blickes und folgte Tryss hinaus in die Bezirke. Er lief voran, scheinbar hatte er eine Ahnung wo sie sich ungestört unterhalten konnten.

    >>>> Citadel Bezirke - Offene Straße 22:11 Uhr

    Die Straßen waren gewohnt voll, während sich das Dunkel der Nacht, bildlich gesprochen, klangvoll mit den Lichtern der Citadel vermischte, ein wahrlich prächtiger Anblick und von irgendwoher hallten seichte Gitarrenklänge durch die Gassen und prallten an der sich bewegenden Meute ab.
    Das ungleiche Paar bog in eine der Gassen ab, und die Klänge mischten sich mit dem Gemurmel aus den ansäßigen Pubs und dem sinnlosen Gestammel der Betrunkenen.
    Und irgendwie brachte das alles kombiniert ein Lächeln auf Griz' Gesicht. So waren die Bezirke gewesen, seit er hier lebte und bei allem das ihm heilig war hoffte er das sie sich niemals ändern würden.
    Erneut bog der Quarianer ab, in eine Gasse, in der sich so gut wie niemand befand. Hier und da standen zwielichtige Gestalten, zwischen Müllwägen und alten Matratzen, die Schmuggelware anboten oder sonstige Dienstleistugen die man für eine Handvoll Credits in Anspruch nehmen konnte. Definitiv eine der dunkleren Ecken der Citadel,wo Tetanus und Salmonellen das harmloseste war das man sich einfangen konnte.
    Zielstrebig steuerte Tryss auf eine Tür zu, die Griz vorkam wie die Hintertür zu einer Spelunke. Jedenfalls deuteten die Unmengen an diversen, leeren Alkoholgefäßen, gepaart mit dutzenden Zigaretten/Zigarren Schachteln darauf hin. Der Quarianer öffnete die Tür und bedeutete Griz schnell einzutreten. Der Turianer huschte hinein und Tryss tat es ihm gleich.

    >>>> Citadel Bezirke - Kleines Hinterzimmer 22:14 Uhr
    Geändert von Griz Tremaran (16.09.2010 um 16:20 Uhr)

  4. #264
    Rookie Avatar von Tifana Maldaran
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    Tag 4
    Uhrzeit: 08:35
    Citadel: Bezirke
    In einem Imbiss


    Tifana aß eine Suppe und noch etwas Festes, dann bezahlte schließlich ihr Essen mit einigen Credits und begab setzt sich dann einfach auf eine Bank irgendwo in der Mitte des Bezirkes und sah sich so um, wer alles denn schon auf ist. Sie bemerkte, dass hier in der Mitte mehr Leute da waren und schon zur Arbeit gingen oder Ähnliches machten, manchmal sah sie einige Kinder spielen, welche dann von einem Mann der C-Sicherheit vertrieben wurde, was ihr nicht wirklich gefallen hatte. Dann sah sie zwei Männer, die anscheinend ihre Geschäfte trieben und einer der beiden schien nicht besonders glücklich. Naja das war ihr dann doch egal und sie wendete den Blick von ihnen ab, um weiter zu sehen, was alles hier so geschah.

  5. #265
    ME FRPG only Avatar von Daniel Jalowy
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    Tag 3
    22:01

    Daniel zog schmerzerfüllt die Luft zwischen den Zähnen ein als er abermals seinen Kiefer befühlte. Nach ein paar Kaubewegungen stellte er aber erleichtert fest, dass zumindest nichts gebrochen zu sein schien. Immerhin eine gute Nachricht! stellte er zynisch fest.
    Die Hände in den Jackentaschen vergraben bahnte er sich seinen Weg durch die Bezirke zu seinem Hotel. Der Söldner hätte locker ein Taxi nehmen können und so eine Menge Zeit gespart aber ihm war eher nach einem kleinen Spaziergang. Kurz überlegte er ob er sich eine weitere Zigarette genehmigen sollte entschied sich aber dann doch dagegen. Er fühlte sich unwohl, er rauchte zuviel, aß unregelmäßig und schlief schlecht. Sein Körper verlangte nach etwas Gesundem und er wünschte sich er hätte Zeit Sport zu treiben.

    Langsam schien das Nachtleben der Zitadel zu beginnen. Daniel konnte die ersten Grüppchen ausmachen, die sich für die Clubs, Bars und Discotheken zurechtgemacht hatten. Daniel machte einer größeren Gruppe von Teenagern Platz die sich, scheinbar bereits leicht angeheitert, auf dem Weg zu einem der Hotspots der Station befanden. Eines der Mädchen ließ sich von einem der Jungen Huckepack tragen und schwenkte lachend eine Bierflasche.
    Daniel vermisste diese Zeiten sehr, Zeiten als man noch alles tun konnte ohne an Konsequenzen denken zu müssen.

    Er sah der Gruppe noch kurz hinterher, hörte noch ihr Lachen wandte sich dann aber ab. Er gehörte nicht mehr dazu, dafür war er inzwischen zu kaputt innendrinn. Er lächelte bitter, diese Erkenntnis war zwar hart doch hatte er sie schon vor einigen Jahren erlangt und akzeptiert.
    Wie immer wenn er solch schwermütigen Gedanken nachhing wie er zu dem wurde was er heute ist, trieben ihn seine Gedanken zu den Erlebnissen auf Gallente zurück.
    Daniel lief ein kalter Schauer über den Rücken als eine Monorail mehrere Meter über ihn entlangsauste. Denselben hellen pfeifenähliche Ton der Monorail kannte er noch von Gallente. Immer wieder waren sie in Hinterhalte geraten und immer wieder dabei mit Raketen beschossen worden die denselben Ton erzeugten wenn sie auf einen zurasten.
    Langsam ging er weiter und ließ zu, dass die Erinnerungen wieder hochkamen. Wirr und unchronologisch kamen die Erinnerungsfetzen hoch, manche nur schmerzlich andere schlicht gräßlich.

    Kaum begannen die Erinnerungen hochzukommen fing er rein instinktiv an diese auch wieder abzublocken und zu verdrängen. Plötzlich blieb er aber stehen, er musste langsam sich der hässlichen Wahrheit stellen, dass er sich um seiner geistigen Gesundheit willen, irgendwann mal mit dem Erlebten auseinandersetzen musste. Allerdings fragte er sich immer ob er stark genug dafür war oder aber ob die Erinnerungen ihn zerstören würden.

    Schnell hatte er sich wieder gefasst und ging weiter. Sein Weg führte an an einer Werbetafel vorbei und das entschlossene Gesicht Commander Shepards rief alle Anwesenden dazu auf sich bei der Allianz zu verpflichten. Was wohl Shepard auf Gallente getan hätte? fragte er sich kurz bevor er Kopfschüttelnd sein Hotel erreichte.

    -----------------> Hotel in den Bezirken

  6. #266
    Let's Play-Gucker Avatar von Toran Bak'olo
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    Tag 4
    Uhrzeit: 07:13
    Citadel: Bezirke
    Irgendwo in den Gassen der Bezirke

    Er trottete nun schon fast eine Stunde durch die Bezirke. In welche Richtung er sich bewegte, wusste er gar nicht. Er ging einfach immer der Nase nach, hatte eigentlich keinen Plan wohin er gehen sollte. Diese Tatsache war aber gar nicht so schlimm, da er beim spazieren sowieso besser nachdenken konnte. Hauptthema war hierbei der Frachter, der gegen Mittag in den Zivilen Andockbuchten ankam. Würde es der Richtige sein? Würde ihn die Lieferung zu den richtigen Leuten bringen? Würde diese Aktion ihm überhaupt helfen? Würde er finden, wonach er suchte?
    Diese Fragen konnte ihm niemand beantworten, er musste es selbst herausfinden und genau das würde Toran auch tun. Sein Instinkt hatte ihn noch nicht oft getäuscht. Natürlich lag er manchmal falsch, aber bisher hatte er immer ein Gespür für so etwas.
    Wird schon schiefgehen...
    Die Straßen füllten sich nun immer mehr und die Betrunken waren verschwunden. Doch das nahm Toran nur nebenbei war, er war zu sehr in seinen Gedanken vertieft.
    Wo versteckt sich dieser Bastard blos?!
    Da er nicht auf das Geschehen vor sich achtete, wäre Toran fasst mit einem Füßgänger zusammengekracht, wäre dieser nicht noch im letzten Moment ausgewichen.
    "Kannst du nicht aufpassen?!", fuhr dieser ihn an.
    Toran antwortete nicht, sondern ging einfach weiter. Er hatte dem Fußgänger sowieso nicht zugehört.
    Eine andere Frage beschäftigte ihn noch zusätzlich. Konnte er Tifana vertrauen? Sie war von System Allianz, eigentlich nicht unbedingt die Sorte von Leuten, die gerne mit Attentätern zu tun hatten, beziehungsweise sie mochten. Doch sie schien ein bisschen anders zu sein. Sie verfolgte nicht stur die Regelungen und Gesetze die es im Überfluss gab, sie nahm das alles etwas lockerer, was ihr aber irgendwann auch noch Ärger einhandeln wird, da war sich "Butch" sicher. Es fing ja schon jetzt an. Sie half ihm einen Mord durchzuziehen. Wenn sie jemand dabei sah, dann war sie geliefert. Er wurde sowieso gesucht, ihm konnte es egal sein. Das Schlimmste was ihm hier auf der Citadel passieren konnte, war, dass er erkannt wurde, dass seine Identität aufflog. Tifana allerdings hatte ihr Leben, so wie sie es kannte, zu verlieren. Dann würde sie so leben müssen wie er. Immer auf der Flucht und auf der Suche nach Aufträgen, die Geld einbrachten. Ja, Toran war sich sicher, Tifana war unvorsichtig. Vielleicht war ihr aber auch nur nicht klar, auf was sie sich hier einließ.
    Sie ist alt genug, sie weiß schon was sie tut.
    "Butch" bog ab in Richtung Choras Nest, vielleicht gab es da noch etwas Interessantes zu erfahren...

    ----->Choras Nest

  7. #267
    Rookie Avatar von Tifana Maldaran
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    30.08.2010
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    Tag 4
    Uhrzeit: 09:59
    Citadel: Bezirke
    In der Bezirksmitte


    Tifana hat mittlerweile alle kommenden und gehenden Leute in eine selbsterfundene Geschichte eingebunden und musst ständig kichern. Ein paar Leute hatten sie deswegen komisch angesehen, doch das störte sie nicht weiter, stattdessen guckte sie aus Trotz ebenso komisch zurück. Nachdem es aber etwas ruhiger wurde und etwas weniger Leute kamen, wurde ihr wieder langweilig und sie ging deshalb weiter aus der Bezirksmitte heraus, um sich woanders umzusehen.
    'Wo gibt es ein schönes Plätzchen...ins Flux will ich nciht wieder, da war ich gestern schon...hmmm schwer...'
    Sie ging etwas unruhig die Straßen entlang und sah sich um, daraufhin bemerkte sie ein Schild, dass auf 'Choras Nest', eine Bar wies.
    'Hmm wieso nicht..', dachte sie sich und begab sich auf den Weg dorthin.

    ----> Choras Nest

  8. #268
    FRPG-Account Avatar von Octavian Visconti
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    Citadel: Bezirke – Eingangshalle
    13:35

    „Viel zu heiß“, meckerte Octavian die Sekretärin an und drückte ihr den Tee wieder in die Hand. „Sie machen wohl nicht oft Tee?“
    Die Frau war verwirrt und hätte nicht damit gerechnet, dass sich jemand am heutigen Tag über ihre Tee-Künste stänkert. Typische Kaffee-Tippse, oder wie?
    Elegant wandte er sich vom Empfangstisch ab und ließ die Empfangsdame zurück, die kurz an dem Tee siepte und schmerzverzerrt ihre Lippen zusammenpresste. Er trat an eine Kontrollekonsole und drehte die Stärke der Lampen hinauf. So wurde aus dem sanften, leicht bläulichen Licht der Eingangshalle, die angenehm zum Arbeiten war, schnell ein gleißendes, blendendes Lichtermeer. Die Empfangsdame blickte ihn ungläubig an und zog dabei aufgrund des plötzlichen Beleuchtungswechsels die Augen zusammen, aber Octavian gab ihr nur mit einem Fingerzeig zu verstehen, dass er sie aufgrund der Quarianer vor der Tür verändert hatte.

    Die automatische Schiebetür des Gebäudes zog auf und Octavian ging gemächlich hinaus, er holte eine Zigarette hervor und zündete sie an. Die Beleuchtung des Gebäudes und der Straßenlaternen sorgte dafür, dass Octavian einen langen Schatten nach außen hin auf die Straße mit den Quarianern warf, aber dafür war er auch in Licht getränkt und seine große Gestalt, geradezu diabolisch wirkend, eine schwarz gekleidete Dunkelheit für all die Augenpaare, war nur in Schattierungen für die Quarianer zu erkennen. Galant nahm er einen tiefen Zug von der Zigarette, und dachte daran wie viel lieber er sich jetzt diesen Glimmstängel in einem Hotel in den österreichischen Alpen, seiner Heimat, gönnen würde, zusammen mit ein paar Autoren des Wiener Zirkels, und ihnen dabei höchstentspannt und leicht betrunken das Buch über seinen Vater vorstellen würde, anstatt die Zeit hier mit der mühseligen Verteidigung von Corefields Geschäftspolitik verschwenden zu müssen.
    Er behielt Vulvia im Auge, sah mit an, wie mittlerweile ein Quarianer wütend, stampfend und sicherlich auch fürstlich bezahlt, in die Kamera schrie und Vulvia war begeistert von diesem Schauspiel, sodass sie erst gar nicht daran dachte den Beleuchtungswechsel zu registrieren noch sich den Mann näher anzuschauen, der sich ihr näherte, bedacht darauf, dass sie niemals sein Gesicht sah.

    Er hielt sich an den Seitenränder der Protestgruppe auf, musterte sie durch den Qualm, den er ihnen zustieß und ihnen damit seine Verachtung entgegenbrachte. Die junge Quarianerin, die zuerst das Interview gab, und Octavian erinnerte sich an die mattgraue Rüstung und das verschmutzte und angeloffene Visier, reagierte entblößt darauf. Octavian fühlte durch das verspiegelte Glas ihren Blick, und sie ließ ihr Schild, auf dem ‚Der Visconticlan gehört weg!’ stand, etwas gegen Boden gleiten, sie merkte, dass es ihre Stunde werden könnte und begab sich auf den Mann mit den blonden Haaren und der schwarzen Uniform zu. Sie erkannte entweder Octavian, dachte er sich, oder sie hielt ihn für einen hohen C-Sec Beamten. Beides war eigentlich nicht wichtig, denn Octavian interessierte sich nur für Vulvia.
    Der Quarianerin war dies aber herzlich egal, und zuerst noch leicht zögernd ob sie zum Mann gehen sollte oder nicht, kam sie dann rascher zu ihm gestackselt, so als würde sie vor Selbstvertrauen strotzen.

    „Verzeihen Sie unsere kleine Protestaktion“, fing sie an und Octavian konnte ihre Worte nicht recht einschätzen, „aber wir demonstrieren hier für einen guten Zweck. Und erachten es als notwendig, dass wir es tun.“ Octavian warf Vulvia einen flüchtigen Blick zu, konzentriere sich dann aber auf seine Gesprächspartnerin.
    „Sie müssen wissen, Corefield Design rangiert auf einer der Liste der schlechtesten Arbeitgeber für unser quarianisches Volk auf Rang...äh, elf. Das hat gerade eine kürzlich herausgegebene Studie bewiesen von – hm…“ Die Quarianerin wühlte aufgebracht in ihrer Tasche und resignierte, da sie bemerkte, wie Octavian leicht unruhig wurde. „Tja, Sie werden mir wohl vertrauen müssen.“ Octavian hörte schon gar nicht mehr richtig zu.
    „Und wir Quarianer schaffen es kaum alleine einen Konzern wie Corefield Design, der nicht nur Quarianer ausbeutet, in die Knie zu zwingen, sondern wir benötigen vor allem auch Ihre Hilfe und die Hilfe von anderen Menschen. Dort hinten ist ein Stand und es würde uns sehr freuen, wenn ein hoher Allianz-Beamter wie Sie unterschreiben würde.“
    „Ein Anzug macht mich nicht zu einem Allianzler, Miss.“
    „Oh, ich dachte nur, ihre Uniform sieht schon sehr militärisch aus.“
    „Ich arbeite trotzdem nicht für die Allianz.“
    „Das ist schade, Ihre Stimme hätte sicherlich ein gewisses Gewicht, nicht?“ Octavian fühlte sich erinnert an frühere Jahre, in denen er wahlweise durch die Straßen von Wien, New York oder Paris zog und stets von Leuten angesprochen wurde, die eine Spende von ihm zu ergattern erhofften. Er schien solche Organisation magisch anzuziehen.
    „Vermutlich schon, ja.“ Es verlief ähnlich. Persönliche, aber keine intimen Themen um den vorerst abgeneigten Spender etwas ins Gespräch zu ziehen, ihn vergessen zu lassen, dass man hier de facto ein Geschäftstreffen auf offener Straße hatte, ihm Respekt entgegen bringen und ihn wertschätzen.
    „Würden Sie dann vielleicht bei unserer kleinen Petition unterschreiben?“ Und wenn sie denken, sie hätten genug auf jemanden eingewirkt, dann fragen sie einen erneut und irgendwann schnappt die Falle bekanntlich immer zu. Octavian entsann sich einen Moment nach einem jungen, blonden Mädchen mit einem Piercing und wunderschönen blauen Augen, blond-brünette Haare mit gefärbten pinken Strähnen und wie sie ihm, in Wien, die ganze Mariahilfer Straße entlang folgte, auf ihn einredete, und er schlussendlich ihrem Ansinnen nachgab und unterschrieb – ihre Hartnäckigkeit musste belohnt werden und er erhoffte sich, nach dem sie ein Herz auf seine Bestätigung zeichnete, etwas mehr, und die beiden meinten, sie gingen am selben Abend zum selben Konzert, aber er sah sie nicht dort und dann auch nie wieder. Er kündigte seine Zahlungen ein Jahr später, Amnesty International war auch ohne ihn erfolgreich genug.
    „Nein, werde ich nicht tun. Sie kennen nicht einmal den Namen der Studie, scheinbar kann es also nicht sonderlich wichtig sein, wenn Sie zwar Ihre Zeit dafür opfern, sich aber nicht anschicken, überzeugend genug aufzutreten.“ Octavian war sein Geld nicht sonderlich wichtig, vielleicht hätte er sogar unter anderen Umständen gespendet, aber ihm lag etwas an seiner Stimme, an seinem Namen und es missfiel ihm generell an Petitionen teilzunehmen. Die Quarianerin reagierte empört und im selben Augenblick kam ein zweiter Quarianer daher gedackelt und wollte sich einmischen. Schlechte Idee: So konnte sich der angepeilte Spender nicht auf seinen Gesprächspartner konzentrieren und wenn er von zwei Seiten gedrängt wurde, würde er sich in die Ecke gedrängt fühlen – und schlussendlich genervt von dannen ziehen.

    „Es gibt ein Problem?“
    „Aber nein. Ich möchte nur nicht spenden oder gar unterschreiben.“
    „Mögen Sie Quarianer nicht?“
    „Ganz im Gegenteil, ich schätze sie sehr.“
    „Wieso wollen Sie uns dann nicht helfen?“
    „Kee’lah, lass es gut sein.“
    „Nein, ich möchte es gerne von Ihnen wissen. Wohnen Sie in Iihrem schicken Haus, hier mitten in der Citadel, und arbeiten Sie für einen Konzern, genießen Sie ihre Drinks an jedem Abend ohne über das Leid anderer nachzudenken?“
    „Ganz richtig, allerdings haben Sie einen Fehler gemacht“, antwortete Octavian ihm kühl, „ich besitze mehrere Anwesen und trinke Alkohol nicht nur am Abend.“ Er blies ihm den Zigarettenqualm entgegen und leichte Rauchrückstände sammelten sich auf dem Visier, nachdem er es zwei weitere Male getan hatte innerhalb von wenigen Sekunden. So etwas schaffen nur Kettenraucher. Die beiden Quarianer blickten sich fragend an, was man durch ihr Visier hindurch erkannte, die Augen waren je nach Blickwinkel und Lichteinfall kurz zu sehen.

    „Um genau zu sein, bezweifle ich sogar, dass irgendwer von euch zwei Herrschaften – oder sonst jemand von den geschätzten Demonstranten – eine wirkliche Ahnung hat, was Corefield Design ist und was es macht. Sonst würden Sie vermutlich wissen, dass die Quarianer zwar meist in den unteren Ebenen tätig sind, dies aber ganz sicherlich kein schlechteres Leben ist als es die Flottille bietet. Und zufällig beobachte ich jegliche Presseresonanzen bezüglich Corefield Design und da wäre mir eine solche Studie noch nicht aufgefallen, auch nicht von der Firma ‚…hm’. In diesem Sinne, und entschuldigt mich bitte, ihr bezahlten Berufsaktivisten, möchte ich nur noch festhalten, dass sie ganz schön respektlos sind den Toten gegenüber.“
    „Sie arbeiten für Corefield Design?“, hackte die Quarianerin überrascht nach und war scheinbar verblüfft, dass sich der angeblich arrogante, gierige Geschäftsmann ihr gegenüber so freundlich verhalten hatte: „Aber die Studie sagt es trotzdem aus und Vul…“
    „Was denkst du eigentlich wer bist du?“, unterbrach sie ihr männliches Pendant und trat drei Schritte näher an Octavian, versuchte den, ein Kopf größeren, Menschen zu überragen, indem er seinen Körper aufplusterte, aber das misslang ihm.
    „Nein, nicht.“
    „Tavya, sei ruhig.“
    „Bitte…“

    Octavian schob die Quarianerin gemütlich zur Seite und rammte dann den jungen, aufbrausenden Quarianer beim Vorbeigehen, um ihm damit klar zu machen mit welchem durchaus starken Herren er sich hier gerade anlegte. Der Quarianer strauchelte in seiner Haltung und braucht einen Moment um wieder stramm und entschlossen zu stehen. Er zog seine Pistole, richtete sie auf Octavian, der erst noch ein paar Schritte ging und erst durch den Aufschrei der wohl ein Dutzend Quarianer sich umdrehte. Die Waffe war auf ihn gerichtet und selbst wenn es sich bei dem Quarianer um einen schusseligen, miserablen Schützen handelte, würde er Octavian treffen. Da Octavian ausgezeichnete Schilde besaß, machte er sich keine Sorgen, trotzdem bewirkte die auf ihn gerichtete Waffe ein leichtes Unwohlsein. Es war schon Monate her, dass jemand versucht hatte ihn mit einer Feuerwaffe zu bedrohen, noch länger war es her, dass jemand tatsächlich auf ihn schoss. Ein wohl vertrautes Gefühl, aber keines das Octavian gefiel. Gewiss er schätzte den Nervenkitzel, genoss es aber mehr diesen von einer attraktiven Frau zu erlangen, während er über ihr lag und sie küsste, oder in dem er gewiefte Verhandlungen bei einem Geschäftstreffen führte, oder wie ein großartiger Plan langsam begann sich zu entfalten, unsicher, ob das Vorhaben gelingen würde.
    Er konnte sich jedenfalls nie mit dem Nervenkitzel eines Kampfes anfreunden, zu viel hing für ihn am seidenen Faden, zu viele unbekannte Faktoren und seien diese auch nur durch den Zufall bestimmt. Theoretische Frage: Was wäre wenn ausgerechnet im Moment des Schusses seine Barrieren versagen würden?

    Er starrte in den Lauf der Waffe und warf die Zigarette vor die Füße des Quarianers. Einer der Quarianer hinter ihm schrie ‚Bosh’tet’, ein anderer fragte lautstark, was mit dem Irren mit der Waffe eigentlich falsch sei. Octavian vernahm ihre Stimmen und merkte, dass der Quarianer scheinbar gerade eine spontane Aktion ablieferte, die den anderen missfiel. Tavya versuchte ihren aufgebrachten Artgenossen zu beruhigen, berührte seinen Arm, dieser zog ihn aber nur weg und hielt die Waffe dabei auf Octavian gerichtet.
    Auch die Kameras kamen nun herbei geflogen und filmten das Schauspiel, das sich ihnen bot. Noch ein paar Sekunden, dann würde Vulvia hier aufkreuzen und Octavian mit Fragen löchern, schlimmer als Kugeln, empfand Octavian. Diese zwielichtigen, verdächtigen Statements, die sie ablieferte, waren Octavian ein Dorn im Auge. Er schätzte es ganz und gar nicht, wenn Leute seinen Führungsstil kritisch betrachteten.
    „Gib mir einen guten Grund, warum ich nicht schießen sollte, du manipulatives Drecksschwein.“
    „Beruhig’ dich doch bitte.“
    „Ich beruhige mich sicher nicht. Dieser Mistkerl hat sogar dich auf seine Seite jetzt gezogen, bin ich der einzige, dem es um Gerechtigkeit geht?“
    Vulvias Stöckelschuhe waren von hinten zu hören.
    „Ich bitte dich.“ Octavian musterte den Konflikt zwischen dem wohl einzig wahren Aktivisten hier und der bezahlten Meute. Scheinbar ging es ihm tatsächlich um einen höheren Zweck, auch wenn er noch ein Pilgerreisender war, das merkte er an seinem gesamten Auftreten, war er ein Idealist, zumindest vielleicht und beides verstand sich ausgesprochen gut zu kombinieren, wenn man außer Acht ließ, dass er sicherlich nicht gerade der Klügste war.
    „Sei st-!“
    „Was tust du hier? Bist du bescheuert.“ Vulvia schoss an Octavian vorbei, trotz der Stöckelschuhe absolvierte sie geschwind und sicher die Distanz und auch ihr längeres, asari-typisches Kleid konnte sie nicht behindern. Sie hob schon, als sie noch ein paar Schritte entfernt war, die Hand, und signalisierte damit dem Quarianer, dass sie die Waffe senken würde, was dieser aber dann auch schon widerstandslos selbst tat.
    „Es tut mir Leid, ich dachte nur, wenn er bei Corefield Design arbeitet, dann…“, brachte der Quarianer noch stotternd hervor, dann riss ihm Vulvia auch schon die gesenkte Pistole aus der Hand und drückte sie Tavya in die Hand. Dann bewegte sie ihre zarten Lippen an sein Ohr und flüsterte ihm ein paar Sätze zu, die Octavian nicht hören konnte, obwohl er die Lauscher besonders weit aufsperrte, und der Quarianer nickte eifrig, aber doch beleidigt und gedemütigt. Tavya legte einen Arm um ihn und die beiden wandten sich einer Nische zu, wo sie für sich sein konnten, abseits der neugierigen Blicke der anderen Quarianer.

    Vulvia drehte sich stilvoll, wie es Octavian von ihr gewohnt war, um. Sie hatte ein falsches Lächeln aufgesetzt, die Wimpern schlug sie mehrere Male auf und ab. Ihre Augen vermittelten ihm eine gewisse Aufforderung, jedoch war dies wie immer ein Trugschluss. Sie winkelte ihre Gesichtszüge ab, schlenderte elegant und gemächlich zu Octavian, berührte ihn auf der Schulter. „Komm“, flüsterte sie, kaum wahrnehmbar.
    Den Kameras befahl sie mit einem einfachen Fingerschnipsen zu folgen, als die beiden sich von den Demonstranten entfernten. Sie glitt gemächlich über die Straße, ignorierte dabei die Schaulustigen und hielt beim Platz für ihre Interviews an.
    „Der richtige Ort? Vor dem Gebäude, in dem deine ganze Familie sich aufhält und dein Vater verbrannt wird?“
    „Warum bist du hier?“
    „Eine gute Story. Über Corefield Design, über die Viscontis.“
    „Kein Schamgefühl?“
    „Tz, ernsthaft?“ Sie tippte etwas in ihr Omni-Tool und die Hauptkamera, sicherlich mehrere zehntausend Credits wert, konfigurierten sich automatisch um das optimale Bild von Octavian und wahlweise auch von Vulvia zu erhaschen. „Bereit für ein paar Fragen?“
    „Nein.“ Vulvia ignorierte Octavians Antwort und die Kamera zoomte auf Octavians Gesicht, was dieser missbilligte. Alles was er jetzt sagte, wurde aufgezeichnet. Ein ungefragtes, zwanghaft geführtes Interview, Vulvia verstand ihr Spiel und Octavian musste antworten, eine Horde von Demonstranten zwang ihn förmlich dazu.
    „Corefield Design stand in letzter Zeit in harscher Kritik, insbesondere von Seiten der quarianischen Flotte. Ein Schiffskapitän hat unter anderem verlautbaren lassen, dass die derzeitige Arbeitssituation ‚nicht akzeptabel’ sei. Inwiefern entspricht dies der Wahrheit und wie möchte Corefield Design auf diese Anschuldigen reagieren?“
    „Miss Terasy, ich kann Ihnen versichern, dass die Arbeitsbedingungen der quarianischen Angestellten bei Corefield Design den gängigen Anforderungen entsprechen.“
    „Sie behaupten der Kapitän lüge?“
    „Ganz und gar nicht, ich denke nur, dass ihm falsche oder ungenaue Informationen vorliegen.“
    „Im Zuge jüngerer Entwicklungen, wie wird Corefield Designs weitere Geschäftspolitik aussehen?“
    „Sie werden sicherlich verstehen, wenn ich Ihnen dazu keine befriedigende Antwort liefern kann, ich möchte aber erwähnen, dass wir unser bestes tun werden um die weitere Planetenbesiedlung voranzutreiben und weiterhin darauf bedacht sein werden technische Innovationen für unsere Partner zu liefern.“
    „Wie wird nun die neue Geschäftsleitung nach dem Tod von Julius Visconti aussehen?“ Die Kamera hielt stur an Octavians Gesicht fest, scheinbar liebte sie ihn.
    „Sie wird aufgeteilt.“
    „Werden die D’sorni Schwestern ihre rechtmäßigen Anteile wieder zurückbekommen?“
    „Rechtmäßige Anteile? Sie wurden ausgezahlt.“
    „Ist…?“
    „Entschuldigen Sie mich jetzt bitte Frau Terasy, ich habe familiäre Pflichten zu erledigen.“
    „Gewiss.“ Vulvia schmunzelte, sie wusste, dass er nichts mehr preis geben würde und auch wenn sie oftmals ein hinterlistiges Stück war, war sie nicht dumm. Sie hatte genug Material bekommen, sodass es für einen Bericht in den Citadel-News reichen würde. Natürlich hatte Octavian so reagiert wie sie es von ihm vermutet hatte, er war nicht mehr der Mann von früher, der sich in Rage bringen ließ, wenn man ihm widersprach. Das musste sie in zahlreichen Interviews, die sie mit ihm während all seiner Jahre bei Corefield Design führte, verbittert feststellen. Er war feinfühliger geworden, wandte einen in seiner Zuneigung und verstand es durch die Ehrerbietung, die er einem entgegenbrachte, die Leute für sich zu gewinnen. Sie hielt ihn, womit sie die Meinung des Quarianers von zuvor teilte, für einen manipulativen Mistkerl, der mittlerweile, stärker als früher, seine eigene Meinung liebte und seinen mickrigen Horizont hinter seiner intellektuellen, manchmal sogar feinsinnigen Fassade gekonnt versteckte. Aber sie hatte bekommen, was sie brauchte. Ein paar Antworten, die er gewissenhaft und scheinbar korrekt formuliert und vielleicht sogar einstudiert hatte, jedoch wusste sie, dass der quarianische Kapitän, die D’sorni Schwestern und auch seine Brüder wohl die Antworten nicht schätzten. Durch leichte Nachbearbeitung im Tonfall von Octavian und in der Formulierung der Sätze, die er preisgab, hatte sie Sprengpulver in der Hand, was sie gedachte zu nützen.

    Vulvia deaktivierte die Kameras über ihr Omni-Tool und lächelte ihn gewohnt sanft an und untermauerte damit Octavians Vorstellung von ihrer zwieträchtigen Ader.
    „Kurz Zeit für ein privates Gespräch?“
    „Lassen Sie mich kurz telefonieren.“
    „Einverstanden.“

    Octavian bewegte sich an ihr vorbei, holte sein Komm hervor, während er über eine kleine Mauer stieg und sich hinein in den kleinen Park begab, der eigentlich zum Gebäude, indem das Krematorium sich befand, gehörte, aber durch die Straße den Eindruck erweckte, dass es ein öffentlicher Park sei. Er wählte die Nummer von Sejan, der prompt abhieb.
    „Herr, wo seid ihr?“
    „Fahr’ mit dem Shuttle vor die Eingangshalle, zum Park, und sorg dafür, dass weder Antonius noch Lepidus vor das Gebäude kommen. Sie sollen einfach ins Shuttle steigen und zum Restaurant fahren.“
    „Verstanden, Herr. Ich bin in Kürze hier.“ Octavian verstaute das Komm und winkte Vulvia zeitgleich herbei.

    Die Asari hatte ihre Mühe in ihrem eleganten, verführerischen Geh- und Kleidungsstil die Mauer zu überqueren und auch im Grasboden des Parks hatte sie ihre liebe Not mit ihren Stöckelschuhen.
    „Ich bin überrascht, dass Sie gar nicht mit meiner persönlichen Beziehung zu den D’sorni Schwestern gekontert haben.“
    „Es war ein rein geschäftliches Interview.“
    „Ich habe dazu gelernt, Octavian.“ Sie blinzelte mehrere Male fluchtartig hintereinander, schluckte hart und ihre Wangen waren äußerst angespannt, und sie offenbarte Octavian damit, dass sie nicht so selbstsicher war wie zuvor, jetzt wo die Kameras nicht mehr alles aufzeichneten und zig Videoframes sie vor Octavian beschützten. Und dann gab es einen kurzen Moment Schweigen und sie versuchte mit sicherer, nahezu herrschender Stimme fortzufahren, als würde sie Octavians Gedanken ahnen: „Ich habe keine Angst mehr vor dir.“
    „Das musst du mir erst beweisen.“
    „Liebend gern.“
    Octavian hörte wie ein Shuttle auf der Straße landete.
    „Und außerdem, ich glaube, du hast dazu gelernt. Dich angepasst an mich“, fing Octavian dann an, konnte sich ein Schmunzeln dabei nicht verkneifen und versuchte den jetzt aggressiven Unterton in ihrer Stimme weiter hervorzukitzeln oder zu verdrängen, je nach dem wie sie reagierte.
    „Du schmeichelst mir?“
    „In beruflicher Hinsicht – ja.“ Ihre Augen weiteten sich und ihr Mund wollte die wenigen Zentimeter, die zwischen Ober- und Unterlippe waren, nicht schließen. Sie war verblüfft.
    „Jetzt hast du mir geschmeichelt.“
    Octavian nickte und drehte sich um. „Aber du brauchst nicht erwarten, dass ich den Bericht zu deinen Gunsten verfasse. Ich bin eine neutrale Journalistin.“
    „Natürlich bist du das“, erwiderte Octavian im Gehen und warf ihr noch einen Blick zu, der sie wohl, wie die gesamte Begegnung mit ihm, zweifeln ließe. Sie interpretierte die Geste von Octavian zu ihren Gunsten und vermutete, eine Form von Dankbarkeit in seinen Augen, aber sie ahnte ebenso, dass Octavian vermutlich nur auf eine höfliche Art zuvorkommend war, weil er wusste, dass sie diesmal alle Trümpfe in der Hand hatte, und es sich durchaus beim nächsten Treffen in einen handgreiflichen Streit umwälzen konnte, insbesondere wenn sie ihn zu stark in ihrem Bericht diskreditierte – oder seinen Vater. Derartiges würde er nicht dulden. Die paar hundert Credits für die Quarianer hatten sich jedenfalls gelohnt, dachte sie sich, als Octavian ins Shuttle einstieg und dem Fahrer befiehl überraschen.
    Geändert von Octavian Visconti (08.09.2010 um 13:11 Uhr)

  9. #269
    Newbie Avatar von Tryss'Beeld
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    Tag 3
    Citadel Bezirke – Kleines Hinterzimmer
    22:15 Uhr


    Von draußen drangen die geschäftigen Geräusche der Citadel herein, wie sie zu jeder Stunde vorhanden waren. Durch die Metalltür wirkten sie jedoch stark gedämpft und eher wie das dumpfe Brummen einer Maschine, was der 'Wohlfühl'-Atmosphäre nicht gerade zuträglich war.
    Das Zimmer war generell nicht sehr einladend. Bis auf den kleinen Tisch und zwei einfachen Stühlen, die genau wie der Tisch aus massivem Metall bestanden, gab es keine Einrichtung. Die Wände sahen so aus als wären sie seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gestrichen worden und der Boden war von dem Unrat des Ungeziefers verdreckt. Das Licht in dem Raum stammte von einer kahlen Glühbirne die an einem kurzen Kabel von der Decke hing. Es war ein reiner 'Zweckraum', nicht mehr nicht weniger.

    Der Quarianer wartete einen Augenblick bis es sich der Turianer, mehr oder weniger, gemütlich gemacht hatte und begann erst dann zu sprechen.
    "Also Griz, ich möchte ehrlich zu Ihnen sein", begann er. "Der Auftrag überschreitet bei weitem die Grenzen der Legalität. Genau genommen geht es um Diebstahl. Bei den 'Schwierigkeiten' die ich vorhin erwähnt habe, handelt es sich um extreme Sicherheitsvorkehrungen in dem Gebäude. Die gesamte Anlage ist durch automatische Schießanlagen und Söldner gesichert. Es ist außerdem nicht unwahrscheinlich, dass sich z.B. Sprengfallen im Inneren befinden. Das Ganze wird also keine leichte Sache und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ziemlich gefährlich", klärte er den Söldner so ehrlich er konnte auf ohne zu viele Details zu verraten. "Ich kann verstehen wenn Ihnen die ganze Sache zu brenzlig ist", räumte Tryss ein. "Allerdings geht Ihnen dann ein ziemlicher Batzen Credits durch die Lappen..."
    "Ich will, und kann, Sie zu nichts zwingen, aber ich wäre ehrlich beruhigt wenn Sie ihre Unterstützung zusichern."
    Als er seinen kleinen Monolog beendet hatte fixierte er Griz über den Tisch hinweg um seine Reaktion einzuschätzen, mit herzlich wenig Erfolg. Der Turianer trug ein Pokerface und zeigte nicht wie er über die Sache dachte. Natürlich konnte seine schlechte Einschätzung auch daran liegen, dass der Dieb bisher wenig mit Turianern zu tun gehabt hatte und daher kaum Erfahrung mit ihrer Mimik und Ähnlichem gemacht hatte.
    Geändert von Andauril (08.09.2010 um 19:52 Uhr) Grund: Signatur eingeschaltet

  10. #270
    Newbie Avatar von Malik Buono
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    "Hey, ich will dir nichts tun.", versuchte Malik das Mädchen zu beruhigen.
    "Wer's glaubt, wird selig!", zischte es und verstärkte den Druck auf seinen Unterarm. "Ich werde's dir nicht leicht machen mich aus der Luftschleuse zu schmeißen!"
    "Was?!", er prallte zurück. Als Doktor hatte er bei so einem verängstigten Menschen fast schon mit Ablehnung gerechnet, aber die unsinnige Vorstellung jemanden aus der Leuftschleuse zu werfen, ließ ihn selbst in dieser Situation den Kopf schütteln.
    "Jetzt tun Sie nicht so scheinheilig, jedes Kind weiß doch, dass wenn die uns kriegen, die letzte Fahrt durch die Luftschleuse geht -"
    "So ein Blödsinn -"
    "Und Sie sind ein elender Lügner! Pah!", sie versuchte ihm ins Gesicht zu spucken, doch er wich geschickt aus, spürte dafür aber wie ihre Fingernägel lange Kratzer auf seiner Haut hinterließen.
    "Und wer ist überhaupt "die"?", machte der Schwarzafrikaner weiter, als ob nichts passiert wäre.
    "Was für eine lächerliche Frage! Aber gut, ich werd sie Ihnen beantworten, alleine kämen Sie ja wahrscheinlich nie drauf", ihre Stimme trof vor Sarkasmus, und die nächsten Worte hätte er verächtlicher nicht sagen können, ""Die" ist die Obrigkeit, der Rat, mit all seinen Armen, den Spectren, der C-Sec, und all die anderen, wie ihr Verein, die Allianz." Als die Rede auf die "Arme des Rats" kam, musste er sich bei der Vorstellung ein Spectre könnte abgestellt werden, um diese Kinder aus der Luftschleuse zu werfen, auf die Lippe beißen, um nicht loszulachen. "Na was ist? Auf einmal ein schlechtes Gewissen bekommen?", stichelte sie weiter.
    "Nein.", langsam wurde ihm klar, dass er hier mit Worten nicht weiter kommen würde, daher schnellte er urplötzlich nach vorn schnappte dich das Mädchen und warf es sich über seine Schulter. Zunächst war das Mädchen zu verblüfft, um Gegenwehr zu leisten, dann fing es an mit Fäusten auf seinen Rücken einzuschlagen und als das nichts half nahm es die Füße dazu, sog aber sofort scharf die Luft ein als ihr rechter Fuß seine Brust traf. Von alldem völlig unbeeindruckt marschierte Malik auf den Durchgang zu, wo die Lichtverhältnisse besser waren, er packte sie nur noch fester als sie nach ihm zu treten begann und versuchte mit seiner freien Hand ihr verletztes Bein festzuhalten.
    Ursprünglich hatte er vor noch weiter zu gehen, als sie aber ein paar Schritte vor dem Gang, durch den er vorher gekommen war, waren, fing sie auch noch an ohrenbetäubend zu Kreischen an, also setzte er sie kurzerhand, allerdings mit größtmöglicher Vorsicht ab, packte das Kind dann bei den Schultern und schaute es eindringlich an. "Ich habe nicht vor dich aus der Luftschleuse zu werfen ..."
    " - Natürlich nicht, du hast gemerkt, dass es einfacher ist mich gleich hier umzubringen, oder? - "
    "... sondern war bloß neugierig.", fuhr er fort, ohne auf ihren Einwurf zu achten, "Und jetzt möchte ich dir helfen. Immerhin fühle ich mich etwas schuldig an deinem gebrochenen Bein."
    "Etwas ist wohl stark untertrieben!"
    "Dann halt jetzt still, damit ich es wieder richten kann."
    Ihr Mund öffnete sich, schloss sich wieder, doch dann als er gerade ihr Hosenbein hochkrempelte platzte sie heraus, "Selbst wenn du mir nur helfen willst", dabei schaute sie immer noch misstrauisch, ", woher weiß ich, dass du das überhaupt kannst?"
    Dem Doc entfuhr jäh ein Seufzer, aber fragte sie trotzdem geduldig, "Wie sehe ich aus?"
    "Wie ein Allianzler."
    "Ein Soldat?"
    "Eher nicht", gab sie schließlich zu, "Ein bisschen, wie ein Wissenschaftler."
    "Das ist richtig, ich bin ab morgen wieder Schiffsarzt." 1. Medzinischer Offizier verkniff er sich, hätte es sich doch sehr militärisch anghört.
    "Also gut, dann mach jetzt was du machen musst und lass mich danach wieder gehen, klar?"
    Er nickte ernsthaft, um sie zu beruhigen und begann dann damit den Bruch zu ertasten, während er fast unhörbar den Wunsch nach einer tragbaren Röntgenstation in seinen Bart murmelte. Schließlich lächelte er sie an, "Sieht so aus als hättest du Glück gehabt, es ist ein gerader Bruch. Es wird zwar kurz wehtun, wenn ich ihn richte, aber das ist notwendig damit deine Knochen wieder sauber zusammenwachsen. Auf Drei ganz fest die Zähne zusammenbeißen.", riet er ihr, dann fing er an zu zählen.
    Obwohl ihr Gesicht vor lauter Anstrengung total verkniffen war, entrang sich doch ein gequälter Schrei ihrer Kehle, um gleich darauf erleichtert die restlich Luft auszustoßen.
    Und dann wurden ihre Augen auf einmal noch größer als sie ohnehin schon waren. Nachdem Malik sich umgedreht und dasselbe gesehen hatte verstand er warum.
    Einige der anderen Kinder waren zurückgekommen und standen oben auf der Ballustrade.

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