Muramasa: Du zimmerst Dir Dein kleines Weltbild zusammen und hast gar keine Ahnung, was Studium bedeutet. Du argumentierst mit den üblichen Stammtischargumenten, wie schon immer gegen Studenten argumentiert wurde. Aber so einfach ist es nicht. Studierte planen Deine Straßen und Brücken, entwickeln Deine Medikamente und behandeln Deine Krankheiten, sorgen dafür, daß Deine Firma wirtschaftlich arbeitet und Dir einen sicheren Job bietet, daß Deine Kinder auf der Schule in den wichtigsten grundlegenden Dingen ausgebildet werden, entwickeln Deinen PC und die Software, die Du zum Arbeiten und zum Vergnügen verwendest, bauen Deine Fortbewegungsmittel. Sie entwickeln Deine Solarzellen und sorgen für die Energie, die Du täglich brauchst. Deine Tetrapack und die Recyclingmaßnahmen, mit denen die Umwelt erhalten werden soll. Den Dünger und die Pflanzenschutzmittel, die dafür sorgen, daß man als Bauer keine so hohen Ertragsverluste mehr hat wie früher und etwas mehr Geld abfällt. Und für sowas müssen sie mehr unbezahlte Lernzeit investieren als Du an Deinem Fließband. Sorry, aber das ist so. Am Fließband haben meine Freunde auch schon in den Semesterferien gearbeitet, um ihr Physikstudium zu finanzieren - und wahrscheinlich weniger verdient wie Du. Das Studium ist kein pure Muße, es ist eine Ausbildung wie jede andere auch und dient auch dem gesellschaftlichen Vorteil. Und dafür bezahl ich Geld und muss auch sonst all die gleichen Dinge bezahlen, wie ein Arbeiter auch. Ich muss Miete zahlen, Müll und Rundfunkgebühren, Essen und Kleidung kaufen, etc.
Es ist nicht so, daß die Arbeiter die einzigen sind, die die Gesellschaft braucht. Ohne Studierte würden die reinen Arbeiter auch ziemlich erbärmlich hausen. Und die Studierten verdienen durchschnittlich zehn Jahre weniger als ein Handwerker oder Arbeiter. Es ist kein Geheimnis, daß der durchschnittliche Student nie in seinem Leben soviel verdienen wird wie ein einigermaßen engagierter Handwerker oder Facharbeiter. Ein Azubi verdient Geld während seiner Ausbildung, wir bezahlen dafür.
Sry, aber ich habe bis heute z. B. keine Auto und kam auch nie in den Gehaltsbereich, in dem ich mir eins hätte leisten können. Viele meiner Bekannten mit Ausbildung hatten zum 18. oder spätestens zum 20. ein eigenes Auto. Was Eure Arbeitszeitenregelung und Heulerei über 40-Stunden Woche angeht, kann ich nur hohl kichern. Mein Arbeitstag beginnt um 8 und endet nicht vor 22h, jeden Werktag und am Wochenede wird auch gearbeitet. Ich kann mir meine freie Zeit zwar einteilen, aber ich kann nicht Stunden auf der Toilette verbringen und dann mit Schichtglocke meinen Arbeitsplatz verlassen. Jetzt komme mir nicht damit, daß die Arbeiter allein den Arbeitsaufwand gepachtet hätten. Mag vll körperlich nicht so anstrengend sein, aber jeden Tag über Büchern zu hängen ist nicht weniger fordernd. Und ja, ich möchte am Ende meines Lebensabends mindestens das gleiche Geld haben wie ein Arbeiter, denn ich arbeite mindestens genauso viel. Wenn nicht sogar mehr. Es ist nicht so, daß ich nicht die "Arbeiterjobs" kennen würde. Ich muss meinen Lebensunterhalt auch verdienen und ich wurde auch bei 400€-Jobs ausgebeutet - aber von Arbeitern, die zu Geschäftsführern geworden sind, nicht von studierten BWLern.
Wenn Du tatsächlich argumentierst, die Welt bräuchte keine Historiker und Musikwissenschaftler und ähnliches, dann tust Du mir ehrlich leid. Denn das wäre eine ziemlich beschränkte Sicht. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern auch von dem, was als brotlos gilt: Kultur & Wissen. Und es gibt viele Leute, die sowas sehr gerne sehen - gleich welchen "Standes". Die den Wert einer Oper oder eines Theaterstücks zu schätzen wissen. Sowas ist dann bereits wieder eine Dienstleistung, die dafür sorgt, daß man auch weiterhin seiner Arbeit nachkommen kann, ohne bekloppt zu werden. Denn das ist, was Marx eigentlich gestört hat: Die Chancenlosigkeit der Arbeiterklasse und ihr monotoner Lebenwandel. Wenn das zufällig nicht Deinen Vorstellungen entspricht, dann ist das nicht zwangsläufig schlimm. Aber wenn Du anderen ihre Individualität hinsichtlich dieser Dinge absprichst, die Dich eigentlich auch gar nicht berühren, dann ist das Gleichmacherei. Das ist dann ein Ausdruck totalitärer Systeme. Du kannst nicht allein von Dir auf andere schließen, das scheitert spätestens am Ural, wenn nicht sogar schon an der Oder.
Nur weil ein paar wenige Großverdiener aus dem Rahmen tanzen, heißt das nicht, daß das für alle Nicht-Arbeiter gilt.








). Sowas kann man nicht einfach mal in der Freizeit tun und außerdem würden das nur wenige machen, weil sie nichts dafür bekommen (heute machen einige solche Dinge zwar auch in ihrer Freizeit, aber viele hoffen auch darauf, damit eines Tages erfolgreich zu werden). Außerdem sollte im Kommunismus doch jedes Talent doch gleich wertvoll sein, oder? Wieso bekommt ein Beethoven in deinem Modell denn garnichts für seinen kulturellen Verdienst?
, aber die Werbefritzen müssen wirklich viel nachdenken).

