Deutschland scheidet aus
Chemnitz (RPO). Die deutsche Nationalmannschaft wird am kommenden Montag die Neuauflage der "Schmach von Cordoba" erleben und bei der EM schon in der Vorrunde scheitern. Das hat ein kleiner Affe aus dem Chemnitzer Zoo vorausgesagt.
Als "Weissager" fungierte am diesmal Springtamarin Baileys. Das Zwergäffchen stibitzte bei seinem großen Medienauftritt als erstes die Rosine neben der rot-weiß-roten Nationalflagge.
Nach dem tierischen Gesetz der Serie müsste Baileys Recht behalten, denn auch seine EM-2008-Vorgänger "tippten" die bisherigen Deutschland-Spiele richtig. Stachelschweinmann Leon schnappte bei der Vorhersage gegen Polen sofort den für die Ballack-Elf reservierten Zwieback, wie Zoosprecherin Anja Dube berichtet. Für die Begegnung mit Kroatien mussten dann schon ganze Kücken her. "Unser Eisfuchs Manitu ließ sich schließlich nicht mit Zwieback abspeisen", sagt Dube lachend.
Zweimal also lagen die Chemnitzer Tiere in diesem Turnier richtig. Ob es bei der Trefferquote von 100 Prozent bleibt, wird am Montag auf dem Wiener Stadionrasen entschieden. Tierpflegerin Yvonne Luger freut sich zwar über ihre findigen Schützlinge, aber "wir hoffen natürlich, dass Deutschland gewinnt", fügt sie sicherheitshalber gleich hinzu. Wetten der Kollegen auf die Vorhersagen der Tiere würden jedenfalls nicht abgeschlossen.
"Die Idee hatten ein paar Tierpfleger vor zwei Jahren vor der Weltmeisterschaft. Damals hatten wir zehn Richtige bei 22 gültigen Ergebnissen. Ich hab' den Spaß unterstützt, auch wenn ich selber kein Fußballfan bin", sagt Zoobiologin Dube. 2006 fand ein täglicher Ausscheid hinter den Kulissen statt, nur die Deutschland-Spiele und das Finale wurden live "erfressen".
Dube geht davon aus, dass auch die Fortsetzung jetzt zur EM ein deutschlandweit einzigartiges Spektakel ist. Von Nachahmern ist ihr jedenfalls nichts bekannt. Ob diesmal bis zum EM-Finale orakelt wird, wollen die Pfleger nach dem Montag-Spiel entscheiden.
Tiere dürfen nicht ängstlich sein
Dube achtet darauf, dass das Ganze ihre Zwei- und Vierbeiner nicht durcheinanderbringt. "Es müssen Tiere sein, an die der Pfleger gut 'rankommt und sie dürfen nicht ängstlich gegenüber fremden Dingen sein", sagt die Biologin. Als Leckerli gibt's Futterstücke, welche die jeweiligen Tiere auch sicher zu packen bekommen - schließlich muss die Entscheidung klar erkennbar sein.
Publikumsliebling Löwe Malik scheidet da schon mal aus. Ihm einen ordentlichen Brocken Fleisch vor laufenden Kameras zu servieren, käme nicht infrage. Auch die Emus dürfen dieses Jahr nicht "mitspielen", weil sie gerade einen aggressiven Hahn unter sich haben.
Bei den etwa 25 Zentimeter großen Springtamarinen hingegen lief alles friedlich ab: Vater Baileys machte sich zuerst an das rechte Rosinenhäufchen, um dann auch die Trockenbeeren neben der Deutschlandfahne zu inspizieren. Frau und Kind nahmen die Reste. Die südamerikanischen Zwergäffchen werden relativ selten in Zoos gehalten. Chemnitz ist mit ihnen ebenso wie mit den Nachbarn im Krallenaffenhaus, den Liszt- und den Goldenen Löwenaffen, am internationalen Zuchtbuch beteiligt.
Die bange Frage der Fußballnation ist, ob Zwergäffchen Baileys nun eine sichere Hand gehabt hat oder nicht. Denn schließlich schaffte das Chemnitzer Tier-Orakel bei der WM 2006