Story
Assassins Creed 3 erzählt wie die Vorgänger die Geschichte von Desmond Miles, der auf der Suche nach einer Weltrettungsmaschine ist, die verhindern soll, dass die Erde von einem Sonnensturm zerstört wird. Für dieses Vorhaben braucht er einen Schlüssel, den sein Vorfahre Connor Kenway versteckt hat. Erfrischend an Desmonds Geschichte ist, dass man nun mehr in seiner Zeit agiert. So reist man nach New York, Brasilien und Italien, wobei die Missionen sehr gut inszeniert sind. Den Hauptteil des Spiels bestreitet man jedoch in einer anderen Epoche. Während des Sezessionskrieges kämpft der halb britische, halb mohawkindianische Connor für das Land seines Volkes und die Sache der Assassinen. Im Verlauf der Geschichte trifft man auf viele Persönlichkeiten dieser Zeit. Seien es nun George Washington, Charles Lee, Benjamin Franklin oder Samuel Adams. Die Entwickler schaffen es dabei sehr gut nicht Partei für eine der Konfliktgruppierungen zu ergreifen. Anfangs meint man noch, die Engländer dienten als einziges Feindbild, aber das Ganze wird im Laufe der Handlung wesentlich differenzierter. Die geschichtliche Verwebung funktioniert in Teil 3 dabei besser als in den vorherigen vier Spielen. Man hat wirklich das Gefühl, als würde man die Geschicke des Krieges lenken und beeinflussen. Schade ist lediglich, dass die Schlachten nicht ganz so epochal ausfallen, wie es manche der Trailer suggerierten. Enttäuschend dagegen war der Abschluss der Desmond-Handlung, denn die Auflösung fiel sehr gehetzt aus. Auch Connor erhielt keinen zufriedenstellenden Abschluss. Es bleibt zu befürchten, dass die Geschichte noch in ein oder zwei Assassins Creed Spielen vollendet wird, ähnlich wie bei der Ezio Trilogie.
Technik
Was sofort auffällt, sind die verbesserten Gesichtsanimationen. Störend ist lediglich die erneute „Umbesetzung“ von Desmond. Sein Gesicht ähnelt nun einer Kamelvisage. Auch seine beiden Begleiter wurden überholt, wodurch die Identifikation schwer fällt. Es fühlt sich an, als hätte man die Schauspieler ausgetauscht – schon wieder. Aber zurück zum technischen Aspekt. Durch die bessere Mimik gewinnen die Charakter an Tiefe und man erkennt nun auch kleinere Gefühlsregungen auf ihren Gesichtern. Über jeden Zweifel erhaben ist derweil die Bewegungsanimation. An der wurde gehörig geschraubt und Connor hüpft nun geschmeidig wie kein Assassine vor ihm durch Baumkronen, über Zäune und Dächer. Die Kämpfe sehen ebenso sehr schick aus und sind nun eine Spur wuchtiger inszeniert. Störten am Vorgänger noch einige übertrieben brutale Finisher (Ich sage nur Schwert in den Kopf und Kopf einmal gedreht) sind die Manöver nun wesentlich direkter und wirken dadurch zwar brutal, aber nicht übertrieben comichaft. Bugfrei ist das Spiel aber leider nicht. So kam es vor, dass eine Muskete in der Luft schwebte oder Connor mal zwischen einer Bank und einer Wand stecken blieb, worauf die Mission neu gestartet werden musste. Die Umgebungsgrafik kann sich übrigens sehen lassen. In den Wäldern hoppeln Hasen umher und Füchse liegen auf der Lauer. Die Fauna ist sehr vielseitig und die Jagd auf die verschiedenen Beutetiere macht sogar einen Tick mehr Spaß als in Red Dead Redemption. Auch die Flora ist sehr vielfältig und man erlebt sie vor allem in zwei unterschiedlichen Jahreszeiten. Ich habe mich ein paar Mal dabei erwischt einfach stehen zu bleiben, um die Aussicht zu genießen. Top. Dieser Durchweg gute Eindruck setzt sich auch bei den Seekämpfen fort. Matrosen wetzen über Deck, der Rumpf pflügt durch die Wellen, die durch Stürme meterhoch werden können und Kanonenschüsse reißen Stücke aus dem Holz der Schiffe.
Gameplay
Ein Hauptproblem der Serie sind die bis heute sehr einfachen Kämpfe. Auch Connor kann sich locker mit 20 oder 30 Gegnern anlegen. Dadurch hat man das Gefühl, man spiele einen gottgleichen Charakter, der nicht unbedingt schleichen muss. Dieses doch sehr große Manko wird jedoch wett gemacht durch die Missionsvorgaben, die man einhalten muss um die hundertprozentige Synchronität zu erreichen. Teilweise kamen mir diese Vorgaben aber auch unfair schwer vor, vermutlich stellte ich mich aber auch nur dumm an. Ich gab mir Mühe alle Vorgaben zu erfüllen, aber in ein paar Missionen habe ich vorerst kapituliert und werde sie später irgendwann noch einmal angehen. Richtig gut gelungen ist das Baumlaufen, denn es macht enormen Spaß über Äste und Baumgabeln zu kraxeln. Auch das erklimmen von Gebirgen ist sehr schick anzusehen, auch wenn das Klettern weiterhin absolut anspruchslos ist. Abseits dessen gelang es den Entwicklern mit den beiden neuen Minigames - Jagd und Seegefechte – die nervigen der Vorgänger – Kriegsmaschinen und Tower Defense – vergessen zu machen. Die Jagd ermöglicht es Spuren zu lesen, Fallen zu stellen und mit Pfeil und Bogen bewaffnet Rehen nachzujagen. Die Häutungssequenz ist dabei Gott sei Dank nicht so übertrieben blutig und zynisch wie noch in Red Dead Redemption. Richtig punkten kann das Spiel, wenn es hinaus aufs Meer geht, denn dort geht es richtig zur Sache. Man hat die Wahl zwischen schwenkbaren Kanonen, die präzise Schüsse erlauben und der vollen Breitseite, die kleinere Schiffe augenblicklich versenkt. Hinzu kommen verschiedene Munitionstypen und die Möglichkeit Connors Schiff – die Aquilla – aufzurüsten. Es bedarf schon einer gewissen Taktik, um feindliche Schiffe effektiv auszumanövrieren. Außerdem kann man ihre Mäste zerschießen und sie dann entern. Oder man rammt sie einfach und versucht sie so zu versenken. Die Möglichkeit sind vielfältig und befriedigend wuchtig inszeniert. Die Seeschlachten sind somit ein Element, dass durchaus Potential für ein eigenständiges Spiel hätte. Angereichert mit Handelssystemen und Piraterie. Pirates! In modern käme mir da in den Sinn. Zu erwähnen wären außerdem noch die diversen Spiele im Spiel. Sei es nun Mühle, Boccia und einige mehr. Man hat genug Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben.
Sound
Die Akkustik des Spiels ist herausragend. Schnee knirscht unter den Stiefeln, Gewehrfeuer klingt wuchtig, ebenso wie Kanonenbeschuss auf hoher See oder während den Schlachten und auch sonst wurde sehr viel wert auf eine ansprechende Klangkulisse gelegt. Überall hört man das Getrommel der Soldaten, die Laute der Tiere oder das Tosen des Windes, wenn mal wieder ein Unwetter über Connor herein bricht. Die Sprecher der deutschen Version sind außerdem sehr gut gewählt. Connors Vater wird zum Beispiel von der deutschen Stimme von Daniel Craig synchronisiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, bekommen es die Sprecher außerdem hin Gefühle recht gut zu transportieren. In dem Bereich ist Ubisoft mustergültig. Toll und absolut gelungen ist auch die Musik. Sie fällt zwar etwas ab im Vergleich zu den Vorgängern, aber Jesper Kyd liefert auch dieses Mal sehr eingängige Stücke ab, mit sehr guten Varianten des Hauptthemas der Serie. Passend zum Setting werden nun mehr Trompeten, Trommeln und Panflöten benutzt, was für Atmosphäre sorgt.
Fazit
Ubisoft ist es gelungen einen weiteren, sehr guten Teil abzuliefern. Über die gesamte Länge des Spiels hinweg wird man gut unterhalten. Lediglich das Ende enttäuscht.
9 von 10 Punkten

