Lebensmittelvernichtung in Deutschland, Europa und den Industrieländern.
Da ich nach kurzem Bemühen der Suchfunktion hier im Forum nichts dazu gefunden habe,
will ich mit diesem Thread die Aufmerksamkeit mal auf eine Sache richten, die in den Medien bisher nicht so omnipräsent ist, wie die Staatsschulden-Bankeneigenkapital-Eurozone-Finanz-Wirtschafts-Krise, oder der Bundestrojaner. Nichtsdestotrotz halte ich sie persönlich für nicht minder wichtig.
Der Einstiegspost wird jetzt so ne Art Medley aus Rathaus- u. Kino-Thread - ich hoffe die Admins u. Mods haben genug Kulanz ;).
Zitat:
20 Millionen Tonnen Lebensmittel landen allein in Deutschland jedes Jahr auf dem Müll. Das Essen, das allein in Europa auf dem Müll landet, würde reichen, um alle Hungernden auf der Erde zweimal satt zu machen […].
/1/
Einige politische Aktivisten – Mülltaucher genannt – versuchen sich gegen diese Zustände aufzulehnen. Mit mäßigem Erfolg, denn nicht selten werden sie für ihr Engagement bestraft.
Zitat:
Er wird nun etwas tun, was ihm vor Gericht eine Verurteilung wegen Einbruchdiebstahls einbringen könnte (…) theoretisch wären auch Gefängnisstrafen drin.
(…)
Sein Rucksack, Fassungsvermögen 60 Liter, ist voll, der Reißverschluss lässt sich kaum noch schließen. Die Ausbeute sei "okay", urteilt er, "in richtig guten Nächten finde ich noch mehr, und die Auswahl ist noch vielfältiger".
/2/
Titel: Taste the Waste
Erscheinung: now playing
Genre: Doku
Regie: Valentin Thurn
Drehbuch: das Leben
Darsteller: die Lebensmittelerzeuger/-Discounter/–Großhändler u. –Verbraucher Europas u. USA
Infos:
Der Film soll ca. 1.5 h dauern. Hab ihn selbst noch nicht gesehen, bin allerdings über die weiter unten verlinkte Doku gestolpert (s.u.). Letztere ist knapp 1 Jahr alt u. kürzer als der besagte Film. Da sie jedoch vom selben Regisseur stammt vermute ich stark, dass sie als Prototyp/Vorgänger zu dem aktuellen Film gedient hat. Die Hauptargumente werden deshalb (imho) weitestgehend deckungsgleich sein.
"Frisch auf den Müll":
1/3
2/3
3/3
Also ich weiß nicht, wie es euch dabei geht, aber ich hatte beim Anschauen von Teilvideo zu Teilvideo das Gefühl mich tritt ein Pferd! mMn sind solche Zustände nicht hinnehmbar!
Hier mal einige Sachen, die ich darüber hinaus bisher zu dem Thema in Erfahrung bringen konnte. Vll könnt ihr ja weitere Quellen beitragen :).
Zitat:
Die Autoren hinterfragen nicht nur das Wegwerfverhalten, auch die Ernährung, wie etwa den deutschen Fleischkonsum. Denn die Tierzucht verschlingt große Mengen an Weizen, Mais und Wasser. Landen die Steaks und Schnitzel dann sogar noch im Müll, werden gleichzeitig viele wertvolle Ressourcen mit weggeworfen - von der Ethik einmal abgesehen.
/3/
Zitat:
in den USA wandern nach Erkenntnissen des Washingtoner World-Watch-Instituts 40 bis 50 Prozent der Lebensmittel in den Müll, obwohl sie noch gegessen werden könnten. (…) Eine Studie aus Österreich hat ergeben, dass eine einzige [Supermarkt-]Filiale knapp 50 Kilogramm pro Tag entsorgt.
/2/
Noch ein paar Worte zum MHD:
Zitat:
(...) die Händler [haben] großes Interesse daran, ab Erreichen dieses Datums die Waren zu entsorgen. Denn ab dann sei der Handel haftbar, falls sich ein Kunde etwa den Magen verdirbt – vorher ist es der Hersteller. (…) In großen, roten Lettern solle das Verbrauchsdatum statt des Mindesthaltbarkeitsdatums auf die Produkte. Das Verbrauchsdatum ist der Zeitpunkt, nach dem ein Lebensmittel auf keinen Fall mehr gegessen werden sollte – nur bei leicht Verderblichem wie Geflügel oder Hackfleisch wird dies derzeit gut sichtbar angegeben. (…) Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung [steht] für den Termin, bis zu dem das Produkt die versprochene Qualität hat – und das Verbrauchsdatum für den Termin, ab dem es weggeschmissen werden muss.
/4/
Was meint ihr? Würde eine solche Regelung Abhilfe schaffen?
Ich persönlich kann dem Vorschlag nur zustimmen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie seinerzeit ewig rumgejammert wurde, als jede Zigarettenpackung den Aufkleber „Rauchen kann tödlich sein!“ bekommen sollte. Mit Argumenten wie: „Es weiß doch eh jeder, dass es ungesund ist.“ :rolleyes: Und heute nimmt man den Sticker einfach als gegeben hin. Letzten Endes ist es natürlich jedem selbst überlassen, ob man den Hinweis beachtet oder nicht. Ich finde es jedoch wichtig, dass man als Verbraucher überhaupt erstmal eine korrekte Informationsgrundlage hat. Wie wenig Wissen die meisten von uns heutzutage über den richtigen Umgang mit Lebensmitteln verfügen, wurde ja erst vor kurzem bei der EHEC Krise deutlich, als wiederholt Tipps u. Hinweise vermittelt wurden, wie man das Gemüse etc. richtig zubereitet (sprich: abkocht) um nicht ins Gras zu beißen. Denn ...
Zitat:
es wäre letztendlich auch ein Gewinn, wenn wir uns wieder tatsächlich damit beschäftigen würden, was ist denn gut, was ist schlecht.
/1/
... und uns nicht blind auf die Angaben der Händler/Hersteller verlassen.
Denkt ihr auch, dass man allein durch Vermeidung von Lebensmittelabfällen das Welthungerproblem lösen kann?
Angeblich sollen ja allein in Deutschland 20 Mio. Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen. Unter anderem steht auch „Die Welt“ den Zahlenwerten des Regisseurs skeptisch gegenüber, allerdings kriegt in dem kritischen Artikel auch unsere Verbraucherministerin Ilse Eigner ihr Fett weg. Wenn man zwischen den Zeilen ließt kommt ganz deutlich die Frage zum Vorschein, wofür die Politiker in Berlin eigentlich ihr Geld bekommen, wenn sie buchstäblich verschlafen Erkenntnisse über Sachverhalte zu sammeln, die unmittelbar in ihre jeweiligen Ressorts fallen? Mir persönlich schlicht unverständlich!
Fakt ist, dass für den Film im europäischen Ausland + USA gedreht u. recherchiert wurde, weshalb die Mengenangaben sich auch auf die besagten Länder beschränken. In Deutschland existieren bisher keinerlei konkrete statistische Erhebungen zu dem Sachverhalt. Es bleibt also bei Schätzungen und Hochrechnungen, bis auch die deutschen Supermärkte ihre Abfallmengen offen legen.
Ich persönlich muss zugeben, dass ich von den Größenordnungen, die in den Beiträgen vermittelt wurden, erschlagen war. Doch auch wenn sie nur teilweise zutreffen, halte ich den Ansatz der Reduzierung/Vermeidung von Abfällen bei der Erzeugung usw. für die effektivere Methode zur Eindämmung des Welthungerpoblems, als beispielsweise überall wer-weiß-wie gentechnisch verändertes Saatgut zu verteilen und damit wiederum nur die Großkonzerne reich machen, die mit ihren Patenten darauf die Bauern in die Knechtschaft zwingen.
Was meint ihr dazu? Seht ihr das Problem, als ebenso gravierend an, wie in den Videos u. anderen Beiträgen geschildert? Oder denkt ihr vielleicht, das es überhaupt kein Problem ist und nur ein Nebeneffekt einer industrialisierten Gesellschaft, den man hinnehmen muss? Falls doch welche Lösungsansätze seht ihr?
Beste Grüße
lil_PK
Quellen:
/1/ Interview mit dem Regisseur im Deutschlandfunk (audio u. text)
/2/ Spiegel-Online Artikel zu den Mülltauchern
/3/ kritische Buchrezension vom Deutschlandfunk
/4/ „Die Welt“ kommentiert eine Ausgabe der „Late Night“ v. Günther Jauch, die sich mit dem Thema befasste.