Zitat:
Leichenpräparator von Hagens eröffnet Online-Shop
In Gunther von Hagens Webshop gibt es bald menschliche Körperteile und Leichen zu kaufen. Die Kritiker des Leichenpräparators sind entsetzt.
Der umstrittene Leichenpräparator Gunther von Hagens will ab dem 3. November Plastinate auch im Internet zum Verkauf anbieten. Die Produktpalette umfasse in Kunststoff gehärtete und dauerhaft haltbar gemachte Gestalt- und Scheibenplastinate, wie sie bereits aus den Körperwelten-Ausstellungen bekannt sind, kündigte die Gubener Plastinate GmbH an. Dazu gehören unter anderem Ohrringe und Schlüsselanhänger, Scheiben von menschlichen Körperteilen und Organe, Ganzkörperplastinate sowie Tierpräparate.
Gunther von Hagens verwies darauf, dass Plastinate menschlicher Körper und vom Aussterben bedrohter Tierarten nur an qualifizierte Nutzer, unter anderem Universitäten, Krankenhäuser und andere Lehreinrichtungen sowie an Professoren zu Lehr- und Forschungszwecken abgegeben werden. Er hatte bereits am 27. Mai bei der Wiedereröffnung seines Plastinariums im südbrandenburgischen Guben den Verkauf von Plastinaten im Internet angekündigt.
Das Gubener Aktionsbündnis für Menschenwürde kritisierte den Internethandel. „Das ist unter der Gürtellinie und gegen die Menschenwürde gerichtet“, sagte Lothar Meusel von der Freikirchlichen Baptistengemeinde Guben. Die Würde des Menschen ende nicht mit dem Tod.
Möglich wird eine Präsentation wie „Körperwelten" durch die sogenannte Plastination, eine Erfindung des Heidelberger Arztes Gunther von Hagens. Dabei werden dem Körper Fette und Flüssigkeiten entzogen und durch Kunststoff ersetzt.
Zuerst pumpen die Spezialisten nach Angaben des Heidelberger Instituts für Plastination eine Formalin-Lösung durch die Arterien und Gefäße des toten Körpers. Dann spülen sie das Blut im Körper aus, töten die Bakterien ab und stoppen somit die Verwesung. Anschließend werden Haut, Gewebe oder Körperteile entfernt und diejenigen Bereiche freigelegt, die am fertigen Präparat dargestellt werden sollen.
Anschließend wird der Körper entwässert, wobei die Körperflüssigkeit durch Aceton ersetzt wird. Dieses Lösungsmittel beseitigt alle Konservierungsstoffe und Fett. Das durchtränkte Präparat wird in einer Vakuumkammer in ein Silikonbad gelegt. Dort siedet das Aceton und wird zugleich abgesaugt.
Durch den Unterdruck dringt die Kunststofflösung in jede Zelle des Körpers ein. Kopf, Gliedmaßen, Torso, Muskeln und exponierte Körperteile werden dann fixiert, das Silikon wird gehärtet. Insgesamt dauert es etwa ein Jahr, um ein Ganzkörperplastinat herzustellen.
Normale Präparate können nur in stark riechenden Lösungsmitteln oder in Kunststoffblöcken erhalten werden. Dadurch waren sie vor allem den Medizinern vorbehalten. Die Plastination bietet dagegen laut von Hagens geruchsfreie Präparate zum Anfassen und Ausstellen. dpa
Anzeige
Der Vorstand der Patientenorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sagte, die Bundesregierung habe hier einen dringenden Handlungsbedarf. „Es gibt keinen Schutz in Deutschland, Leichenteile zu kommerziellen Zwecken zu verkaufen.“ Es sei absurd, dass es bei Tieren durch das Artenschutzabkommen einen besseren Schutz gebe.