Kapital entstehe, wenn die
Zirkulation von Ware, die gegen Geld mit anderer Ware getauscht wird, sich verselbstständigt zu einem Einsatz von Geld zur Warenproduktion, um mit deren Verkauf wiederum mehr Geld (
Mehr-wert) zu erzielen. Lebendige Arbeit, die eigentlich menschliche Selbstverwirklichung sein und gesellschaftlich nützliche Produkte herstellen soll, wird dann zur
Ware, die es möglichst billig einzukaufen und auszubeuten gilt. Die Arbeiter erhalten also immer weniger
Lohn, als der Kapitalist (im Durchschnitt) durch den Verkauf der Ware gewinnen kann (
Profit). Dieses "
Wertgesetz" ist der Kern des Klassengegensatzes von Kapital, das die Bourgeoisie einsetzt, und Arbeit, die das Proletariat leistet.
Klassenherrschaft ist demnach für Marx keine zufällige, sondern eine gesetzmäßige Folge von
Ausbeutung. Diese ist aber kein böser Wille der Kapitalisten, sondern ein Zwang: Um auf dem vom Kapital beherrschten Markt konkurrieren zu können, müssen sie
lebendige Arbeit, die den Mehrwert produziert, ausbeuten. Die
Konkurrenz führe zu immer größerer
Kapitalkonzentration (
Monopol- und Kartellbildung) und damit zwangsläufig zu Absatzkrisen und Kriegen. Sie zwinge die Kapitaleigner dazu, die Arbeitskosten so gering wie möglich zu halten und den größtmöglichen Profit anzustreben, um diesen in technologische Neuerungen investieren zu können. Dies wiederum führe zu einer immer stärkeren Bewusstwerdung der Notwendigkeit eines Umsturzes. Die sozialistische Revolution ist also nach Marx in den kapitalistischen Strukturen selbst angelegt. Damit erscheint die bürgerliche Gesellschaftsform nicht als moralisch zu verurteilende, sondern als nüchtern zu durchschauende Klassenherrschaftsform. Deren Analyse will die realen Ansatzpunkte zur Umwälzung der Macht- und Besitzverhältnisse erkennbar machen.