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Peer van Aklyssa
20.06.2007, 02:43
Hier ist meines:
Hermann Hesse
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Ich bin zwar nicht der Fan von Poesie, aber das hier hats mir schon seit jeher angetan:
Spuren im Sand
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"
Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
Da neigt sich die Stunde und rührt mich an
mit klarem, metallenem Schlag:
mir zittern die Sinne. Ich fühle: ich kann -
und ich fasse den plastischen Tag.
Nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut,
ein jedes Werden stand still.
Meine Blicke sind reif, und wie eine Braut
kommt jedem das Ding, das er will.
Nichts ist mir zu klein und ich lieb es trotzdem
und mal es auf Goldgrund und groß,
und halte es hoch, und ich weiß nicht wem
löst es die Seele los...
Auszug aus dem Buch vom mönchischen Leben von Rainer Maria Rilke
Tears of Dawn
27.06.2007, 10:23
Glück
Das Glück ist ein Traum in der Nacht
Und eine Illusion am Tag
Es ist eine Gedanke voll Hoffnung
Und ein Wunsch des Herzens,
Der nach Erfüllung verlangt.
Doch wie oft tritt das Gegenteil der Erfüllung ein.
Es ist ein Gesang, der an unser Ohr tönt,
Ohne das unser Herz ihn versteht.
Khalil el Khatib
DerDerIstOhneZuSein
28.08.2007, 00:08
Christian Morgenstern
Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
fließt weißes Mondlicht
still und heiter
auf ihren
Waldweg
u.s.
w.
im original is es ein ganzer trichter ned ein halber aber dieses ignoranten forum unterdrückt "unnötige" abnsbstände^^
aber dieses ignoranten forum unterdrückt "unnötige" abnsbstände
Wir werdem ihm ernsthaft ins Gewissen reden, damit es sich bessert... ;)
DerDerIstOhneZuSein
28.08.2007, 21:36
Wir werdem ihm ernsthaft ins Gewissen reden, damit es sich bessert... ;)
OT: LOOOOOOOOOL
Tears of Dawn
30.08.2007, 15:06
Dieses Gedicht habe ich durch Zufall entdeckt und finde es sehr schoen:
Ganz nahe bei dir (vonAnnegret Kronenberg)
Weine nicht, weil ich dich verlassen muss.
Ich habe keine andere Wahl,
lass dich bestimmt nicht gern allein.
Behalte mich in deinem Herzen.
Hülle dich ein in die Schleier der Nacht
und lausche still dem Atem der Welt.
Dann bin ich bei dir,
ganz nahe bei dir,
und unsere Seelen berühren vereint
die höchsten Gipfel der Berge.
one-cool
30.08.2007, 16:06
OT: LOOOOOOOOOL
schreib den Text mal in Code Form
alco [code*] [/code*]
ohne die Sterne ;)
Der Doktor
30.08.2007, 16:29
This Be the Verse
They fuck you up, your mum and dad,
They may not mean to, but they do.
They fill you with the faults they had
And add some extra, just for you.
But they were fucked up in their turn
By fools in old-style hats and coats,
Who half the time were soppy-stern
And half at one another's throats.
Man hands misery on to man.
It deepens like a coastal shelf.
Get out as early as you can,
And don't have any kids yourself.
- Philip Larkin
sh4d0wl0rd
30.08.2007, 17:34
Kenn ich - ein richtiges Rebellen-Gedicht. :)
Allerdings sollte man vllt darauf hinweisen, dass "to fuck someone up" hier ein Anachronismus ist und in etwa soviel hießt wie "verderben/vermurksen". ;)
Raikou_1203
25.09.2007, 14:14
Finster war’s, der Mond schien helle
Auf die grünbeschneite Flur,
Als ein Wagen blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf dem Wasser Schlittschuh lief
Und ein blondgelockter Knabe
Mit kohlrabenschwarzem Haar
Auf die grüne Bank sich setzte,
Die gelb angestrichen war.
von Oskar Dähnhardt
^^ mir gefällts, weils mal son richtig gegensätzliches gedicht ist und jeder, der des des erste mal liest doof schaut.:gruebel *gg* :list3no:
Wie konnte ich Poesie-Freund diesen Thread übersehen?
Mein momentanes: Siehe Signatur.
Ich habe hier etwas von mir. Es ist zwar kein Gedicht, aber Poesie steckt auch ein bisschen drin;)
Wenn ich heute an morgen denke, denke ich an die Zukunft. Wenn ich aber am morgigen Tag, das denke was ich da erlebt habe, dann bin ich der Gegenwarttyp. Und wenn ich am morgigen Tag, an den Tag davor denke, dann denke ich an die Vergangenheit.
Wäre es eigentlich nicht einfacher, wenn ich morgen an gestern sowie heute denke? Dann könnte ich mir nicht so viele Gedanken machen^^:D
Zitat von R4bb1t
Falls ihr fragt warum ich sowas geschrieben hab. Ganz einfach, in einem anderem Forum fragte jemand ob wir ein Vergangenheitstyp oder eher ein Zukunftstyp sind. Ich hatte ihm dann mit diesem Text geantwortet.:D Er war erstmal verwirrt. Naja, seitdem nennt er mich nur noch "der Prophet".
Aber der Titel nervt seit einiger Zeit. :tongue:
Ohja, schöner Thread *händereib*...
Ich glaube nicht, dass ich ein Lieblingsgedicht habe, aber "Funeral Blues" von W.A.Auden ist meiner Meinung nach eines der besten.
Funeral Blues W.H.Auden
Stop all the clocks, cut off the telephone,
Prevent the dog from barking with a juicy bone,
Silence the pianos and with muffled drum
Bring out the coffin, let the mourners come.
Let aeroplanes circle moaning overhead
Scribbling on the sky the message He is Dead.
Put crepe bows round the white necks of the public doves,
Let the traffic policemen wear black cotton gloves.
He was my North, my South, my East and West,
My working week and my Sunday rest,
My noon, my midnight, my talk, my song;
I thought that love would last forever: I was wrong.
The stars are not wanted now; put out every one,
Pack up the moon and dismantle the sun,
Pour away the ocean and sweep up the woods;
For nothing now can ever come to any good.
Altair the Assassin
22.10.2007, 20:14
Der Albatros
Oft kommt es dass das schiffsvolk zum vergnügen
Die albatros - die grossen vögel - fängt
Die sorglos folgen wenn auf seinen zügen
Das schiff sich durch die schlimmen klippen zwängt.
Kaum sind sie unten auf des deckes gängen
Als sie - die herrn im azur - ungeschickt
Die grossen weissen flügel traurig hängen
Und an der seite schleifen wie geknickt.
Der sonst so flink ist nun der matte steife.
Der lüfte könig duldet spott und schmach:
Der eine neckt ihn mit der tabakspfeife
Ein andrer ahmt den flug des armen nach.
Der dichter ist wie jener fürst der wolke -
Er haust im sturm - er lacht dem bogenstrang.
Doch hindern drunten zwischen frechem volke
Die riesenhaften flügel ihn am gang.
Charles Baudelaire
Sternenstaub
03.12.2007, 15:13
Ich kann nicht rasten vom Reisen, ich will das Leben
trinken bis zum letzten Tropfen. Ich habe es jederzeit sehr genossen,
habe sehr gelitten, sowohl mit denen,
die mich liebten, als auch allein; an Land, und wenn
durch dahinjagende Böen die regnerischen Hyaden
das düstere Meer quälten. Ich bin ein Name geworden;
denn ständig umherziehend mit hungrigem Herzen
habe ich viel gesehen und kennengelernt - Städte der Menschen
und Gebräuche, Klimazonen, Ratschlüsse, Regierungen ,
Mich selbst nicht am wenigsten, sondern von all denen geehrt,
und die Freude der Schlacht mit meinesgleichen getrunken.
Heideröslein
Sah ein Knab' ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
war so jung und morgenschön,
lief er schnell, es nah zu sehn,
sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: Ich steche dich,
daß du ewig denkst an mich,
und ich will's nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach's
Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
half ihm doch kein Weh und Ach,
mußt' es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.
Johann Wolfgang von Goethe
Echt ein tolles Gedicht von Goethe vorallem, weil es so zweideutig is xDD
nidhoegger
11.01.2008, 14:41
Belsazar: die Walküren
Und sieh
und sieh
an weißer wand
da kams hervor
wie von Menschenhand
Und schrieb
und schrieb
an weißer Wand
Buchstaben aus Flammen
und Schrieb und schwand.
ein gutes, zum nachdenken anregendes gedicht ist von meinem absoluten lieblingsautor kurt tucholsky:
An das Publikum
O hochverehrtes Publikum,
sag mal: Bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: "Das Publikum will es so!"
Jeder Filmfritze sagt: "Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!"
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
"Gute Bücher gehn eben nicht!"
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?
So dumm, daß in Zeitungen, früh und spät,
immer weniger zu lesen steht?
Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
könnten mit Abbestellung drohn?
Aus Bangigkeit, es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände
und protestierte und denunzierte
und demonstrierte und prozessierte...
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?
Ja dann...
Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmässigkeit.
Hast du so einen schwachen Magen?
Kannst du keine Wahrheit vertragen?
Bist also nur ein Griesbrei-Fresser-?
Ja, dann...
Ja, dann verdienst dus nicht besser
Kurt Tucholsky, "Die Weltbühne" (v 1931)
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