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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Elegante Entschuldung durch Inflation?



Warbeast
04.01.2007, 21:59
Die Inflation zehrt: bei 10% Inflation sinkt in 10 Jahren ein Schuldenbetrag von z. B. 100.000 Euro auf unter 29.000 Euro: Wer 1950 Geld in den Sparstrumpf stopfte, kann sich heute infolge der permanenten Inflation nicht einmal 25% des Warenwertes wie damals dafür kaufen. Dem Staat bietet aber die Inflation ein elegantes und zugleich 2x erprobtes Entschuldungsszenario, das mit schleichender Enteignung seiner Gläubiger einher geht. Dieser Wohlstand auf Pump durch Verschuldung würde im normalen Geschäftsleben strafrechtlich verfolgt. Doch davor sind Politiker grundsätzlich durch den staatlichen Führungsauftrag und ihre Immunität geschützt.

Wie ungeheuer der deutsche Staat von der Geldentwertung profitierte, zeigen die 164 Mrd. Mark Kriegsschulden des Ersten Weltkriegs, die sich durch die Währungsumstellung (1 Bio. : 1) am 15. November 1923 auf gerade einmal 16,4 Pfennig der neuen Rentenmark verringerte Im übertragenen Sinne würde ein Supermikroskop mit einer Vergrößerung von 1 zu 1 Bio. den bisher tiefsten Blick in die kleinsten Bausteine der Materie erlauben. Eine Währungsreform - also eine Enteignung der Bürger - ist ein radikaler Befreiungsschlag von der Schuldenlast. Das rigorose Abschaffen der Altschulden wäre ein deutlicher Schritt aus der nicht bewältigten Vergangenheit hin in eine "bereinigte" Zukunft mit wirtschaftlichem Kahlschlag. Die Wahrscheinlichkeit für eine bevorstehende Währungsreform liegt im Jahr 2010 bei 25%; sie steigt bis 2020 auf fast 70%, um bis 2030 auf 90% anzuwachsen. Wahrscheinlich wird das singuläre Ereignis zwischen 2010 und 2020 eintreten. Unternimmt die Bevölkerung rechtzeitig etwas gegen die drohende Gefahr, etwa durch Umschichten der Werte, ist sogar wesentlich früher mit einem Kollaps zu rechnen.
Quelle + ganzer Artikel (http://www.hierberlin.de/index.php?site=berichte_details&objekt_ID=1&PHPSESSID=db10412601e3294c1093f36be7da94f3)

...also ich hab gestern abend im tv eine interessante sendung über das thema gesehen.
witzig ist, das man uns ja immer einredet, das die inflation so ca. 1%-1,2% beträgt, leider stimmt das nicht und das merken wir alle ja selbst, oder?
es gibt leute, die führen buch über ihre ausgaben, ein über 90 jähriger schon seit 30 jahren und letztes jahr war das erste jahr, wo seine rente nicht mehr reichte, seine wohlgemerkt, gleichen ausgaben zu decken!
jedenfalls ist es wirklich so, das die inflationsrate eher so bei 7% liegen soll, was mir persönlich immer noch zu niedrig ist und das die letzten 5 jahre, macht so locker 35% inflation!
die statistik vom bundeamt soll eigentlich nicht falsch sein, nur sind dort viele dinge mit rein interpretiert, die eben weniger kosten als vor dem euro und eben für "normalos" nicht relevant sind.
diese inflation wurde mit einzug des euro's "aufgebaut" und wäre aber, lt. tv, auch mit der d-mark gekommen, weil es eben um die nicht mehr zurückzahlenden staatsschulden geht.
ich will hier kein "jammerthread" eröffnen, sondern einfach banal mal drüber reden, weil es geht uns ja alle an!
lest euch mal den ganzen artikel durch, ist schon interessant, was ich nur nicht verstehe ist, das dies erstmal nur in deutschland, t.w. auch in frankreich, so gemacht wird und die eurobank das spiel mitmacht.
wenn diese inflation mal rauskommen sollte (ist wahrscheinlich staatsgeheimnis nr.1 ;) ), müsste der euro doch tierisch einbrechen und den USD wieder zur währung nr.1 machen, oder?
mal angenommen man bezahlt auf ein einkommen, welcher art auch immer, so knapp 50% steuern, geht dann was einkaufen und bezahlt dann 19% mwst, hat man dann knapp 70% steuern gezahlt, oder lieg ich da falsch?
"2030 liegt die wahrscheinlichkeit für eine bevorstehende währungsreform bei 90%"- wie heisst diese währung, global oder d-mark :D ?
global find ich gut, den namen hätten wir uns hier ja schon fast gesichert, oder :D !

Thelias
04.01.2007, 22:48
Original von Warbeast
"2030 liegt die wahrscheinlichkeit für eine bevorstehende währungsreform bei 90%"- wie heisst diese währung, global oder d-mark :D ?
global find ich gut, den namen hätten wir uns hier ja schon fast gesichert, oder :D !

Wir sollten uns dann nur Globalgeldport.com reservieren :D

Hamster
08.01.2007, 20:06
Die "Qualität" dieses Artikels kann man an den ersten zwei Zeilen deines Zitats ablesen:


Die Inflation zehrt: bei 10% Inflation sinkt in 10 Jahren ein Schuldenbetrag von z. B. 100.000 Euro auf unter 29.000 Euro: Wer 1950 Geld in den Sparstrumpf stopfte, kann sich heute infolge der permanenten Inflation nicht einmal 25% des Warenwertes wie damals dafür kaufen.
Im ersten Satz fallen unvermittelt 10% Inflation vom Himmel, um dann im Nachsatz weiter davon zu reden, dass es in den letzten 56 Jahren eine Inflationsrate von durchschnittlich (habs eben nachgerechnet) 2.5% gegeben habe. Kleine Diskrepanz, oder?
Noch was anderes:


Insgesamt verbraucht der Bund zwei Drittel seines Haushalts allein für die tatsächlichen Gesamtschulden.
Hey, wenn man schon Pensions- und Rentenzahlungen, Kosten für die Wiedervereinigung und internationale Organisationen unter "Schulden" aufführt, warum dann nicht auch alle anderen Haushaltsposten? Seht es mal so: Wenn der Staat z.B. eine neue Autobahn bauen lässt, dann schuldet er danach dem Bauunternehmer natürlich die Kosten für den Bau. Der Staat schuldet Geld, also sind das auch "Schulden", also ist Investieren auch nur Schulden machen. Im Grunde ist alles Wirtschaften reines Schuldenmachen. Skandal! Skandal!


Die Schulden-Bergpredigt
Der Titel verrät uns: Hans Jörg Müllenmeister sieht sich offenbar als Heilsbringer oder Prophet. Ein Jesus der Geldwirtschaft. Ist das nicht etwas viel Selbstbewusstsein?


Eine Währungsreform - also eine Enteignung der Bürger - ist ein radikaler Befreiungsschlag von der Schuldenlast. ... Die Wahrscheinlichkeit für eine bevorstehende Währungsreform liegt im Jahr 2010 bei 25%...
Was echt? Schon in drei Jahren? Das müsste ja dann noch die jetzige Regierung beschließen. Was für eine Verschwörungstheorie ist das denn?


Nicht der schlechteste Lösungsansatz wäre es, wenn es (das Geld) der Bürger der staatlichen Kontrolle entzöge, um es als Privatgeld den privaten, konkurrierenden Marktkräften zu überlassen. Nur privates Gold als ehrliches Geld und strenger Eigentumsschutz böten einen dauerhaften Bann vor Inflation.
Genau da sehen wir, aus welcher Ecke der Autor seinen Mist herauswirft. Das ist radikal neoliberales "privatisiert alles, dann wird's super"-Gequatsche.


Hier noch ein paar Anmerkungen von mir:

Eine leichte Inflation ist für die Wirtschaft sinnvoll, denn sie schafft einen Anreiz, das Geld nicht "in den Spaarstrumpf zu stopfen", sondern es zu investieren. Viel schlimmer wäre eine Deflation, d.h. wenn das Geld immer mehr statt weniger Wert wird, denn bei so etwas geht die Wirtschaft rasant vor die Hunde.

Der Staat verschuldet sich nicht, indem er "Geld druckt". So funktioniert das nicht. Vergesst außerdem nicht, dass Geldpolitik von den Zentralbanken gemacht wird, und die sind unabhängig von den Regierungen.

Wer vernünftig ist, der Steckt keine 100000 Euro in seinen "Spaarstrumpf", sondern legt sie an. Und wer kein Zutrauen in Geldstabilität hat, der soll halt in Kunstwerke, Immobilien oder meinetwegen auch in Gold investieren. Tatsache ist, dass die anderen mit ihren Aktien usw. in den letzten Jahren ganz schön Kohle gemacht haben.



Original von Warbeast
mal angenommen man bezahlt auf ein einkommen, welcher art auch immer, so knapp 50% steuern, geht dann was einkaufen und bezahlt dann 19% mwst, hat man dann knapp 70% steuern gezahlt, oder lieg ich da falsch?
Ne, es sind etwa 60%. Multiplizieren, nicht addieren! Kennst du übrigens jemanden, der 50% Steuern zahlt? Also ich nicht. In Deutschland liegt der Spitzensteuersatz bei 42%, und dafür musst du über 50.000 Euro im Jahr verdienen.


Original von Warbeast
es gibt leute, die führen buch über ihre ausgaben, ein über 90 jähriger schon seit 30 jahren und letztes jahr war das erste jahr, wo seine rente nicht mehr reichte, seine wohlgemerkt, gleichen ausgaben zu decken!
Das hat weniger mit der Inflation zu tun, als vielmehr damit, dass die Renten nicht mehr real wachsen. Die Politik will es so, und zwar eben weil man die Staatsverschuldung bremsen möchte.


Original von Warbeast
die statistik vom bundeamt soll eigentlich nicht falsch sein, nur sind dort viele dinge mit rein interpretiert, die eben weniger kosten als vor dem euro und eben für "normalos" nicht relevant sind.
Glaub ich nicht. Und wenn es doch stimmte, dann würde das einen Unterschied von 1,2% zu angeblichen 7% kaum erklären. Es ist wahr, dass einige Dinge sehr viel schneller teuer geworden sind (z.B. Benzin), dafür sind andere Dinge das nicht (z.B. Lebensmittel). Weichst du in deinem Konsumverhalten wirklich so weit vom Durchschnittsbürger ab?

Hamster

Warbeast
08.01.2007, 20:43
Original von Hamster
Es ist wahr, dass einige Dinge sehr viel schneller teuer geworden sind (z.B. Benzin), dafür sind andere Dinge das nicht (z.B. Lebensmittel). Weichst du in deinem Konsumverhalten wirklich so weit vom Durchschnittsbürger ab?


...mhmm, weiss nich, gerade die lebensmittel sind doch so teuer, jedenfalls bei uns hier, wenn wir früher einen wochenendeinkauf gemacht haben und haben 100,-DM bezahlt, dann hatten wir alles was das herz begehrt.
heute kaufen wir das nötigste und liegen mindestens bei 80,-€ !

das es 2010 zu einer währungsreform kommt, halte ich auch absolut für blödsinn, aber wer weiss was in 20 jahren ist!

zum thema rente möcht ich nur sagen, wenn es keine inflation geben würde, dann bräuchte die rente auch nicht erhöht werden, genau darum geht es ja.
ich sage ja nicht, dass ich alles glaube was in dem artikel steht, ich weiss nur eins, das es eine inflation gibt und die ist um einiges höher, als uns die politik weissmachen will.

ja du hast recht, das der spitzensteuersatz bei 42% liegt, war ja auch nur ein beispiel von mir, zugegeben ein schlechtes mit 50% steuern :tongue: !
der spitzensteuersatz wird auch bei zinseinkünfte fällig, 2006 wurden 114 lottospieler zum millionär, also das geht schneller als man denkt, oder ;) !

aktien ist eine möglichkeit geld anzulegen, birgt aber auch einiges an risiken, das haben viele anleger am neuen markt in den 90igern zuspüren bekommen.
einer hatte damals in einem wald investiert und wurde damals belächelt, heute verkauft er holz und macht gute gewinne ;) !
übrigens halte ich aktien und aktiengesellschaften für höchst unsozial !

für mich klingt die argumentation mit dem zusammenhang inflation und staatsverschuldung plausibel, da ich jetzte auch schon eine 2. tv sendung zu dem thema gesehen hab.
falls das sich alles auch als wahrheit herrausstellt, bin ich ja gespannt, wie uns das die EZB erklären kann ;) !

Hamster
09.01.2007, 01:47
Diese Forderungen laufen schlicht darauf hinaus, die Staatsverschuldung auf Teufel komm raus zu reduzieren - z.B. indem man den Staat gleich selbst reduziert und so viel wie möglich öffentliche Aufgaben privatisiert. Es wird so getan, als verschwende der Staat einfach mal so in großem Stil Geld, ohne dass wir etwas davon hätten, und dass er uns gleichzeitig noch betrüge, weil er mit Inflation auch noch das Geld entwertet. Aber das ist doch Quatsch. Der Staat gibt Geld aus, um seine Aufgaben zu erfüllen, wichtige Aufgaben wie z.B. soziale Zwecke usw. Sicher gibt es da auch Verschwendung, keine Frage, aber "privat" kann's schließlich auch nicht wirklich besser, wie man an diversen Firmenpleiten sehen kann. Und "sozial" ist "privat" schon mal gar nicht. Einfach nur sparen, sparen, sparen macht das Gemeinwesen kaputt, anstatt es vor einem vermeindlichen Inflations-GAU zu retten. Und übrigens auch die Wirtschaft, das nur so am Rande.

Das Motiv für solche schwarzmalerischen Geschichten ist vermutlich ganz einfach, dass man den Leuten noch weitere Sozialeinschnitte verkaufen will, weil sie angeblich ja so wahnsinnig dringend nötig sind. Das unterstell ich den Herren Artikelschreibern und TV-Sendungsfabrikanten jetzt einfach mal so. Wetten, dass der Herr Müllenmeister kein Harz-4-Empfänger ist?

Ich will gar nicht bestreiten, dass eine starke Staatsverschuldung die Inflation antreiben kann. aber z.B. beim Öl/Benzin waren Preisanstiege in der letzten Zeit mit Sicherheit nicht auf die Staatsverschuldung zurückzuführen, da gibt es andere Gründe für, z.B. die gewisse allseis bekannte Nahostkrisen, usw.

Nehmen wir andererseits mal an, es gäbe tatsächlich eine Inflation von sagen wir mal 10%. Dann hieße das doch, dass zumindest einige Güter jährlich um mindestens 10% teurer werden. Wenn du so etwas kennst, Warbeast, dann lege dein Geld doch genau in diesen Gütern an. 10% ist viel, eine bessere Geldanlage findest du vermutlich nicht so leicht. Inflation ist Geldentwertung, und nicht Entwertung von allem und jedem; also wenn du das Geld weggibst und dafür Waren kaufst, schlägst du der Inflation ein Schnippchen. Es gibt aber auch Anlagemöglichkeiten, die anders laufen (z.B. Aktien, Geldeinlagen auf Banken, Anleihen, usw.) und trotzdem bisher zumindest auch gut funktioniert haben. Jeder kann seine paar Kröten so anlegen, wie er denkt.

Vielleicht hat Herr Müllenmeister auch nur sehr viele Goldzertifikate in seinem Depot, und schreibt solche Panikartikel, um den Goldkurs künstlich in die Höhe zu treiben. Wer weiß?

Aktiengesellschaften sind per se übrigens nicht unsozial. Im Gegenteil: Statt dass ein Unternehmen nur einigen wenigen gehört, macht es die AG möglich, dass jeder, der genug Geld für eine Aktie und ein Depot hat, am Besitz und Gewinn eines Wirtschaftsunternehmens Anteil haben kann. Es gibt sogar Aktiengesellschaften, bei denen die Mitarbeiter große Teile der Aktien besitzen. Genau das ist doch "sozial", im ursprünglichen Sinne dieses Wortes. Unsozial - oder besser gesagt: ungerecht - ist höchstens, dass Einige viel und Viele wenig oder nichts davon haben - aber das ist das alte Problem von Arm und Reich, das hat mit Aktien an sich nichts zu tun.

Hamster

Warbeast
09.01.2007, 12:06
...mhmm, eigentlich reden wir ja über inflation in diesem unserem lande ;) , das wir eine staatsverschuldung haben und wie die jetzte zustande gekommen ist, hat ja nichts damit zutun, das wir uns in einer inflationsphase befinden, wie hoch oder niedrig die auch sein mag.

ich gebe ja zu, das es auch nicht so sein muss, wie es in dem artikel steht, oder wie auch in den 2 tv-sendungen berichtet wurde, aber ich halte es eben für möglich und nachvollziehbar.
ich sehe in dem artikel nichts schwarzmalerisch o.ä., deshalb meinte ich ja, das dies hier kein jammer thread werden sollte.

wenn man sich doch nur mal anschaut, das ( so geht es mir jedenfalls ) das geld doch schon fast um die hälfte an wert verloren hat, sprich, mein leben kostet z.z. fast soviel in euro, wie damals in dmark!
damit hat der staat in meinen augen seine verschuldung von ca. 3billionen dmark halbiert, zu 1,5 billionen euro!
also geht das konzept der inflation auf, so sehe ich das.
inflation bedeutet ja soviel wie entwertung des geldes und so fühle ich das eben, das das ganze leben teuer geworden ist und nicht nur einzelne produkte.
deshalb ist es für mich persönlich unerheblich in ein produkt zu investieren, welches sich vieleicht in den nächsten wochen um 10% im wert erhöht.

zum thema aktien kann ich nur sagen, das es auf die betrachtungsweise ankommt, also auf welcher seite man steht, ob aktien und aktiengesellschaft unsozial sind!
meine persönlichen erfahrungen mit einer aktiengesellschaft sind aber sehr schlecht, gott sei dank sind wir nun keine mehr und ich hoffe auch das bleibt so!