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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Among Mad People



The Infected
27.10.2009, 11:57
Ohne viele Umschweife poste ich hier gleich mein neuerstes Machwerk. Zur Geschichte selbst will ich noch nicht viel verraten, und poste hier mal den Prolog. Wenn die Geschichte positiv aufgenommen wird, poste ich gerne noch mehr.


Among Mad People

Prolog – 8 Jahre zuvor

03:24 Uhr
Leise schlich Captain Price durch die Nacht, durch das Nachtsichtgerät in seinem Gesicht leuchtete die Welt um ihn herum gespenstisch grün auf. Schweiß perlte auf seiner Stirn. Mit der rechten Hand gab er seinem Team ein Zeichen, sich bereit zu halten. Das Haus, das sie suchten, war nur noch 30 Meter entfernt. Mit einem Nicken signalisierte er seinem Team, dass es sich an der Türe aufstellen sollte. Ein Mann, auf dessen Jacke leuchtend „POLIZEI“ geschrieben stand, trat mit einem Rammbock vor die Türe, bereit, diese auf Befehl einzuschlagen. Captain Price zählte mit den Fingern von 3 hinunter.
„3...2...1...los!“ Der Rammbock schwang durch, verfehlte sein Ziel jedoch, da die Türe schlagartig aufgerissen wurde. Der Polizist, unfähig, den Schwung abzubremsen, stolperte ins Innere des Hauses und fiel zu Boden. Hinter der Türe kam ein schmächtiger Mann Mitte 30 zum Vorschein.
„Polizei! Treten Sie aus dem Haus!“
Mit ruhiger Stimme antwortete der Mann: „Ah, Officer. Schön, Sie zu sehen. Sie haben länger gebraucht als erwartet.“
„Aus dem Haus, sage ich!“, schrie Price. Endlich kam der Mann der Aufforderung nach. „Michael West, Sie sind verhaftet. Sie haben das Recht zu schweigen. Alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Legen Sie sich flach auf den Boden, Hände auf den Rücken.“ Der Mann namens Michael West kam der Aufforderung stillschweigend nach. Price legte ihm Handschellen an. „Gut gemacht, Jungs. Führt ihn ab. Dieses Schwein wird den Rest seines Lebens in einer Gummizelle schmoren.“

Bevor jemand fragt: Ja, Captain Price ist geklaut. Seht das aber nicht als Ideenarmut, sondern als Stilmittel, ich werde im Laufe der Geschichte noch einige mehr oder weniger bekannte Nachnamen einbauen, aber jeweils nur bei Nebencharakteren.
Bitte sagt mir auch, ob es irgendwas zu verbessern gibt, egal ob orthographisch, inhaltlich oder sonst wie. Ansonsten wünsche ich euch nur viel Spaß beim Lesen.

The Infected
03.11.2009, 23:45
So, vor lauter Hektik habe ich ganz vergessen, hier den neuesten Teil meines Machwerks zu posten. Ohne viel Umschweife, hier ist er.


Kapitel Eins – Sanitarium
Das Bentley Asylum For The Criminally Insane war ein riesiger Gebäudekomplex, der mehr aussah wie ein Hotel oder eine Pension als eine Irrenanstalt. Das Hauptgebäude war siebenstöckig, die Anlage verfügte über einen Park, zwei Tennisplätze und eine Laufbahn.
Während Antonio Floretta das eindrucksvolle Gebäude noch beobachtete, klopfte jemand an die Fensterscheibe seines Wagens.
„Sir? Sie müssen sich ausweisen.“ Der Mann, allem Anschein nach ein Wärter der Anstalt, blickte freundlich ins Autoinnere.
„Wie? Oh, ach ja, natürlich.“ Floretta reichte dem Wärter seinen Führerschein.
„Antonio Floretta? Der neue Psychiater? Ich wünsche Ihnen viel Spaß dort drinnen.“ Per Knopfdruck öffnete sich die Schranke, sodass Floretta durchfahren konnte. Als er schon fast durch war, hielt ihn der Wärter nochmals auf. „Und Sir? Vergessen Sie nie – das dort drin sind keine Menschen mehr. Das sind Tiere. Die meisten würden Sie ohne zu zögern umbringen.“
„Ähm, danke...“ Antonio schielte auf das Namensschild des Mannes. „...Chester. Könnten Sie mir wohl zeigen, wo ich den Anstaltsleiter finde? Der Mann heißt...“Erneut unterbrach Antonio seinen Redefluss, um auf den Zettel zu schauen, der auf dem Armaturenbrett lag. „Doktor James Kramer. Er hat bezüglich meiner Jobanfrage angerufen.“
„Ja, Sir. Er ist der Direktor unseres Therapiezentrums. Ich führe Sie gerne hin.“
Antonio parkte den Wagen und folgte Chester, der offenbar keinen Nachnamen besaß. Aus reiner Gewohnheit zog er die Kopfhörer seines iPods heraus, und da Chester offenbar nicht reden wollte, steckte er sich einen der Hörer ins Ohr und drückte auf Zufallswahl. Seiner Erfahrung nach hatte Fortuna einen zu der jeweiligen Situation passenden Musikgeschmack. Und so war es auch diesmal.

Welcome to where time stands still
no one leaves and no one will
Moon is full, never seems to change
just labeled mentally deranged

Metallica, ein Lied mit dem passenden Titel „Sanitarium“. Antonio musste grinsen. Mit einem Ohr lauschte er dem Gesang aus seinem iPod, während er mit dem anderen den Ausführungen des Wärters zuhörte.
„Wissen Sie, unser Therapiezentrum existiert jetzt schon 150 Jahre. Nun ja, fast. Nächstes Frühjahr feiern wir Jubiläum.“
„Kriegen die Insassen Partyhüte?“ Foletta konnte sich diesen Kommentar nicht verkneifen und erntete einen bösen Blick von Chester.
„Wir sind kein Spaßbetrieb, Sir. Aber egal, hier entlang, bitte.“
Der Wächter führte Antonio in ein weitläufiges Büro, das offensichtlich dem Direktor gehörte. Antonio suchte vergeblich nach dem obligatorischen „Sie müssen nicht verrückt sein, um hier zu arbeiten, aber es hilft!!!“-Schild. Anscheinend war das hier wirklich kein Spaßbetrieb. Er machte es sich auf der Couch gemütlich und wartete auf Direktor Kramer, der, so hatte Chester ihm versichert, in einigen Minuten hier sein würde. Bis dorthin konnte er sich ja der Musik in seinem Ohr hingeben.

They think our heads are in their hands
but violent use brings violent plans
Keep him tied, it makes him well
he's getting better, can't you tell?

Beim Anblick der weiß gestrichenen, sterilen Wände und der Vorstellung, dass hinter jeder dieser Wände ein Wahnsinniger eingesperrt war, schauderte Antonio. Und die Musik machte es nicht gerade besser. Verärgert über seine eigene Feigheit zog er die Stöpsel aus dem Ohr, als die Türe aufschwang.


Feedback erwünscht! :)

Maximus 04
04.11.2009, 09:06
ich könnte mir vorstellen, dass die geschichte ganz gut wird. es war sehr angenehm zu lesen, nur an einer stelle in zeile 2 bin ich mir nicht ganz sicher, ob es nicht "als" statt "als wie" heißt, denn "als wie" habe ich noch nie benutzt, wenn der satz am ende gramatikalisch korrekt war.....


naja ansonsten: der prolog ist gut, denke ich, das erste kapitel könnte aber länger sein, also bitte nicht jetzt ins zweite kapitel wechseln, denn das ist, denke ich, nicht gut. ein kapitel sollte meiner meinung nach schon ein paar seiten lang sein, aber das ist natürlich nicht verpflichtend, der autor hat das letzte wort;) .

gruß
Maximus 04

The Infected
09.11.2009, 20:51
Danke erstmal für die Kritik, habe das leider lange übersehen, da ich meine Geschichte auch parallel in einem anderen Forum gepostet habe. ;)
Und ja, ich werde versuchen, die Kapitel immer etwas länger zu halten, leider ist das manchmal nicht möglich, bei extremen Wendungen in der Handlung gehört dann schon ein neues Kapitel. ;)
Und das "als wie" habe ich jetzt doch auf ein einfaches "als" ausgebessert, obwohl ich mir immer noch nicht ganz sicher bin. ^^
Aber ich rede wieder zu viel...hier die Fortsetzung, Kritik und Kommentare gern gesehen.


Antonio folgte dem Anstaltsdirektor durch einen spärlich beleuchteten Gang, an dessen Ende eine weitere Tür wartete. Vor dieser Türe stand ein Mann in Uniform, an seiner Seite trug er einen Schlagstock aus durchsichtigem Hartplastik und einen Elektroschocker. Beim Näherkommen streckte er einen Arm aus und sagte: „Sir, ich muss Sie durchsuchen, bevor Sie dort hineingehen. Reine Routine, aber Sie wollen nicht wissen, was diese Jungs mit so simplen Dingen wie Kugelschreibern anstellen können.“ Langsam und professionell begann er, Antonio zuerst mit einem handlichen Metalldetektor abzusuchen und dann manuell abzutasten. Als er sich wieder aufrichtete, meinte er: „Alles okay, Sir. Sie können jetzt reingehen. Hat Doktor Kramer Sie über die Vorsichtsmaßnahmen aufgeklärt?“
„Nein, welche Vorsichtsmaßnahmen?“ Langsam fühlte Antonio ein unheimliches, und doch so wohl vertrautes Gefühl in sich aufsteigen. Angst.
„Also. Vermeiden Sie Blickkontakt mit allen Patienten, mit denen Sie nicht direkt arbeiten. Kommunizieren Sie nicht mit irgendeinem anderen Patienten außer dem, der ihnen zugeteilt wurde. Jede Zelle hat eine Klappe, durch die wir Nahrung hineinschieben. Wenn es sich vermeiden lässt, geben Sie keinem der Patienten irgendetwas Scharfes oder Spitzes. Nehmen Sie nichts an, was Ihnen von Patienten angeboten wird. Glauben Sie, das schaffen Sie?“
Antonio schluckte schwer. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn. „Ja, ich glaube, das werde ich schaffen.“
„Wenn Sie mich brauchen, rufen Sie einfach laut. Ich heiße John.“
„Gut, danke.“
„Und Antonio,“ Kramer tippte Antonio noch auf die Schulter. „passen Sie auf sich auf.“
„Was, Sie gehen nicht mit?“ Erneut spürte er die kalte Berührung der Angst.
„Nein, die meisten Patienten sind mir nicht besonders...wohlgesonnen. Ich warte in meinem Büro. Michael's Zelle ist am Ende des Ganges. Wenn Sie soweit sind...John, öffnen Sie doch bitte die Türe.“ Mit dem gleichen hörbaren Zischen wie vorher glitt die Glastüre auseinander, Antonio schluckte sowohl Speichel als auch seine Angst herunter, und ging einen Schritt nach vorne. Schon kamen die ersten Zellen in Sicht. Entgegen den Anweisungen des Wärters schaute Antonio zu den Gefangenen hin, er konnte es einfach nicht lassen. Er war seit fast 3 Jahren Psychiater, aber hatte es noch nie mit Schwerverbrechern zu tun gehabt.
Die erste Zelle, Sie lag links von ihm, war in Dunkelheit gehüllt. Das Licht war abgeschaltet, es war kein Mucks zu hören. Die Neugierde trieb Antonio näher an die Gitterstäbe heran. Als er sich vorbeugte, um besser ins Innere sehen zu können, sprang eine Gestalt aus der Finsternis auf der anderen Seite der Gitterstäbe.
„Buh!“
Foletta ließ einen ersticken Schrei los und sprang ängstlich von der Zelle zurück. Der ganze Trakt begann brüllend zu lachen.
Grandioser Anfang, Antonio, grandios.
Zum zweiten Mal am heutigen Tag verfluchte er im Stillen seine Feigheit und ging langsam weiter geradeaus. Michael West's Zelle war nur noch 50 Meter entfernt.


Ich zögere das Treffen noch einen Tag hinaus, ich hoffe, das nimmt mir niemand übel. :D

Maximus 04
10.11.2009, 15:11
ja, die fortsetzung ist auch gut. mir ist jetzt erst aufgefallen, die story spielt in den USA (?), wenn ja, dann wäre es vielleicht vorteilhaft für die story, ein paar eigenheiten der italiener in den charakter von antonio einzubauen, da ich davon ausgehe, dass er italiener ist. beispielsweise so ein "herumgefuchtel" mit den armen, wenn er nicht weiter weiss. das soll natürlich nicht albern wirken, aber dennoch den charakterzug "italiener" unterstreichen. wenn du das nicht beabsichtigen solltest, würde es sich empfehlen einen anderen namen für die hauptfigur zu wählen, da ich zumindest sofort daran assoziiere.
denn ich beispielsweise bin halbspanier und man sagt mir oft nach, dass ich viel mit den händen "rumfuchteln" würde, bei den italienern ist das noch extremer....


gruß
Maximus

The Infected
04.12.2009, 18:39
Verdammt, tut mir Leid, dass ich hier so lange nicht mehr gepostet habe. Vollkommen verschwitzt und viel zu lange nicht mehr reingeschaut. Und natürlich viel weiter geschrieben.
Bitte verzeiht mein löchriges Hirn, jetzt geht's weiter.

Nach einem kurzen Marsch erreichte Antonio die Zelle seines neuen Patienten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Zellen war diese hier hell beleuchtet. Das Mobiliar, sofern man überhaupt von „Mobiliar“ sprechen konnte, bestand aus zwei am Boden festgeschraubten Metallstühlen, einem auf die selbe Weise befestigten Tisch, einem Plastikspiegel und einer Toilette aus billiger Keramik. Dazu kam ein dürres Metallgestell, das nur ein sehr gutmütiger Mensch als „Bett“ bezeichnet hätte. Auf ihm lag, gerade ausgestreckt, ein Mann. Michael West. Er lag ganz ruhig da, wären seine Augen nicht Richtung Decke gerichtet und weit aufgerissen, könnte man meinen, er schläfe.
„Mr. West?“ ,fragte Foletta zaghaft. „Mr. Michael West?“
Blitzschnell drehte Michael den Kopf. „Ja, wen erwarten Sie in meiner Zelle, Batman? Wer sind Sie überhaupt?“
Durch den rüden Angriff etwas aus der Fassung gebracht, räusperte sich Antonio. Währenddessen hatte er Gelegenheit, sich seinen neuen Patienten genau anzuschauen. Michael West war dünn, aber nicht hager, das schwarze Haar war kurz geschnitten, ein kleiner Spitzbart verlieh seinem ohnehin eingefallenen Gesicht noch mehr Länge, die Hände endeten an langen Fingern, die eher wie die eines Pianisten aussahen als die eines Massenmörders. Das Schlimmste waren die Augen. Sie hatten einen stechend olivgrünen Ton, in dem sich das Licht der Deckenlampe spiegelte, und sie blitzten bei jedem Wort boshaft auf.
„Ich bin Dr. Foletta, Dr. Antonio Foletta. Ich werde Sie die nächsten Wochen betreuen.“
„Ah, noch ein Seelenklempter, der neben mir sitzt und nickt, während der Staat ihm mehrere hundert Dollar dafür bezahlt. Großartig.“ ,spottete Michael.
„Michael, ich darf Sie doch Michael nennen, die Bezeichnung „Psychiater“ wäre mir lieber.“
West machte eine wegwerfende Handbewegung. „Wie Sie wünschen, Herr Doktor.“ Erneut der spöttische Unterton.
„Darf ich reinkommen?“ ,frage Foletta, obwohl das gar nicht nötig wäre. Michael hätte nichts dagegen tun können.
„Ja, kommen Sie ruhig. Ich würde Ihnen ja was anbieten, aber meine Mittel sind etwas eingeschränkt, seit ich hier drin sitze.“
Foletta ging nicht darauf ein, stattdessen zog er einen kleinen Rekorder aus der Jackentasche.
„Michael, ist es okay für Sie, wenn ich unsere Sitzungen aufzeichne?“ Damit sperrte er die Zellentüre mit dem Schlüssel, den John, der Wärter, ihm gegeben hatte, auf.
„Aber natürlich ist es okay für mich, Doc.“ Bis jetzt war noch kein Satz aus Michaels Mund gekommen, der nicht mit spöttisch-sarkastischem Unterton gesprochen wurde. Langsam wurde Foletta wütend.
„Ich glaube, Sarkasmus ist ein Vorrecht der Geistig Gesunden.“
Michaels Augen blitzten auf. „Ach ja? Aber das ist ja das Problem. Wo ziehen wir die Grenze? Die Menschen betrügen, lügen und töten, Mütter ersticken ihre Kinder, Männer prügeln ihre Frauen halbtot, andere missbrauchen Minderjährige, Staatsoberhäupter zetteln nukleare Kriege an, aber ich werde für verrückt, pardon, „geistig gestört“ erklärt? Das ist wirklich wahnsinnig.“
„Nun, immerhin haben Sie ein Blutbad angericht...“ ,setzte Antonio an.
„Nein.“ ,unterbrach ihn Michael.
„Was, nein? Sie leugnen die Tat?“
„Es war kein Blutbad. Es war ein Kunstwerk. Eine Komposition. Absolute Macht über Leben und Tod. Können Sie sich dieses Gefühl vorstellen, Sie Vorstadtpsychiater, Sie?“
Foletta kritzelte etwas auf seinen Block. Keine Achtung vor anderen Menschen oder deren Leben, kontrollbesessen.
Michael linste scheinbar interessiert zu ihm herüber. „Was schreiben Sie da, Doc? Bin ich irre, oder nur böse? Was meinen Sie?“
„Sie haben ohne Reue oder Schuldgefühle 5 Menschen umgebracht. Ich würde sagen, Sie sind irre.“
Michael atmete theatralisch auf. „Gott, da bin ich aber froh! Ich darf weiterhin in diesem Loch verrotten bis irgendjemand der Meinung ist, dass ich geheilt bin.“
Erneut schrieb Foletta auf seinen Notizblock. Subjekt will sich nicht mit der Haftstrafe abfinden.
Michaels Lippen bewegten sich langsam, als er versuchte, Foletta's Schrift verkehrt herum zu lesen. Dann grinste er.
„Aber natürlich finde ich mich nicht mit der Haftstrafe ab! Wieso sollte ich auch? Ich bin unschuldig!“ Freudig jauchzend erhob Michael die Hände.
„Vor einer Minute haben Sie noch gesagt, Ihre Tat wäre ein Kunstwerk gewesen!“ ,schrie Foletta verzweifelt.
„Habe ich das?“ Langsam ließ er seine Arme wieder sinken. „Oh. Nun, ich bin ja auch irre.“ Sein Lachen hallte von den Wänden der kleinen Zelle wieder.
Foletta stand kurz vor einem Wutausbruch. Mühsam schluckte er seine Wut hinunter und ging über zur nächsten Frage.
„Michael, wieso haben Sie diese Menschen umgebracht?“ Antonio fiel auf, dass er außer der Zahl der Todesopfer gar nichts darüber wusste. Offenbar sprach sein Gesichtsausdruck Bände, denn Michael grinste erneut schelmisch.
„Sie wissen nichts, nicht wahr? Sie haben absolut keine Ahnung, Doc.“
„Erzählen Sie es mir doch bitte. Ich möchte Sie verstehen.“
„Haha, Doc, lustig! Das möchte dieses Schwein Kramer auch!“
„Sie mögen Doktor Kramer also nicht?“
„Oh, doch. Ich liiiieeebe unseren ach so fähigen Anstaltsleiter.“
„Ich glaube Ihnen nicht.“
„Ach, wie schade.“ Michaels Gesicht verfinsterte sich. „Nein, ich mag Kramer nicht. Als ich hierher gebracht wurde, war er der Meinung, mein Fall sei ein Durchbruch der Psychologie. Ich wäre „auf einer neuen Stufe des Wahnsinns angelangt“, so hat er sich ausgedrückt. Ich sei ein paranoider Soziopath, schizophren obendrein. Ja, mit meinen Komplexen und Krankheiten könnte man eine eigenen Anstalt füllen!“ Michael lachte laut über seinen eigenen Witz.
Stark von sich selbst eingenommen, Soziopath.
Erneut schaute Michael auf den Notizblock von Foletta. Und erneut grinste er über beide Ohren.
„Oh, Doc. Ich glaube, wir zwei werden viiiieeeel Spaß miteinander haben!“

Über den geographischen Hintergrund der Story bin ich mir noch nicht sicher, da würde ich mich ungern festlegen, obwohl ich immer England im Kopf hatte.
Den "italienischen Touch" werde ich beim weiteren Schreiben berücksichtigen, ist eine gute Idee, die mir noch gar nicht gekommen ist. Wünsche viel Spaß beim Lesen und freue mich über Kritik.

The Infected
21.12.2009, 21:04
So, nachdem ich morgen nach Ägypten fahre und bis Silvester dort bleibe, poste ich noch schnell einen Teil meiner Story. Viel Spaß beim Lesen.


Foletta ignorierte die letzte Aussage seines Patienten und ging zu seiner nächsten Frage über. „Michael, glauben Sie denn selbst, dass Sie geistesgestört sind?“
„Sie fragen mich, ob ich glaube, dass irre bin?“ Michael zwinkerte hinter seiner randlosen Brille. „Das ist fies, Doc. Als würden Sie einen katholischen Priester fragen, ob seine Freundin weiß, dass er onaniert. Egal wie er antwortet – es ist falsch. Wenn ich sage, ich bin irre, gehöre ich hier rein. Wenn ich behaupte, ich wäre gesund, ist meine Sicht der Realität verzerrt, ich weiß nicht mal, dass ich krank bin, ich armer Mann, und gehöre erst recht in eine Anstalt wie diese.“ Erneut zwinkerte er. „Schlau, Doc, schlau. Aber nicht mit mir.“
Noch immer etwas verstört von der Metapher den Priester betreffend, schüttelte den Kopf, um ihn klar zu bekommen, und setzte erneut an: „Sie haben meine Frage nicht beantwortet. Sind Sie der Meinung, geistesgestört zu sein, oder nicht?“
„Hmm...ich würde sagen, nein. Oder wenn ja, dann gehören noch einige andere Leute eingewiesen. Wenn ich 5 Leute abknalle und es mir nicht Leid tut, bin ich irre. Aber wenn ein Präsident 500.000 Leute wegbombt und es ihm bei seinem Wahlkampf hilft, gehört er gefeiert? Wo ist da die Logik, Doc?“
Antonio rieb sich die Augen. Er war müde, und dieser Mann zermürbte ihn. „Ich bitte Sie nochmals, bleiben wir bitte bei „Herr Doktor“, ist das in Ordnung?“ ,bat er schwach.
Michael zuckte gelassen die Schultern, aber hinter seinen Brillengläsern blitzten die Augen frech. „Aber klar doch.“
„Danke. Als nächstes würde ich gerne wissen, was...“ Foletta wurde von der sich öffnenden Zellentüre unterbrochen. Der Wärter namens John betrat die Zelle, bewaffnet mit einer Elektroschockpistole. Hinter ihm kam zaghaft eine Krankenschwester herein, ihrerseits nur mit einem mit Wasser gefüllten Pappbecher in der einen und einer kleinen, blauen Pille in der anderen Hand bewaffnet. Sie schien sich nicht sehr wohl zu fühlen.
„So, Mr. West. Zeit für Ihre Medizin.“ Und an Antonio gewandt: „Herr Doktor, Sie müssen jetzt gehen. Die Besuchszeit ist vorbei, und Michael muss seine Medizin nehmen?“
„Meine Mutter hat immer gesagt, Drogen seien böse.“ ,kicherte Michael.
„Keine Witze. Schwester, die Tablette bitte.“ Zaghaft überreichte die Frau John sowohl den Pappbecher als auch die Tablette. Foletta verließ die Zelle und saß sich der Schwester gegenüber. Verlegen begann er ein Gespräch.
„Schwester...“ Er schielte auf ihr Namensschild, „Roberts, was genau wird Michael da verabreicht.“
„Ein Mittel namens Hypnocil, es stellt ihn ruhig. Eigentlich zählt Michael zu den ruhigeren Insassen, er neigt eher zur verbalen Attacke, aber besser Vorsicht als Nachsicht, nicht wahr?“
Während sie sprachen hörten sie, wie John mit Michael redete.
„Okay, Mr. West, jetzt machen Sie mal weit den Mund auf.“ Gehorsam öffnete er den Mund, nahm dem Wärter die Pille ab, steckte sie sich in den Mund, nahm dann den Pappbecher, trank das Wasser mit einem Schluck, zerknüllte den Becher und warf ihn in eine Ecke.
Nachdem er fertig war, riß John ihm gewaltsam den Mund auf und leuchtete mit einer kleinen Stiftlampe die Innenseite seines Mundes ab. Nachdem er die Pille nirgends entdecken konnte, ließ er Michael los und wandte sich zum Gehen.
„Was ist, trauen Sie mir nicht?“ ,fragte Michael sarkastisch, während er sich den schmerzenden Kiefer rieb. Er drehte den Kopf, als er jemanden sprechen hörte.
„Nun, Michael. Schlafen Sie gut. Wir sehen uns dann morgen.“ Freundlich lächelnd streckte Foletta seinem frischgebackenen Patienten die Hand durch die Gitterstäbe hindurch zu. Irritiert und etwas angeekelt schaute Michael auf die Hand seines Psychiaters, ohne den Gruß zu erwidern. Nach ein paar Sekunden ließ Antonio die Hand enttäuscht wieder sinken. „Nun, bis morgen.“ Geistig notierte er sich: Verachtung gegenüber der Menschheit im Allgemeinen. Eventuelle Agaraphobie. Damit wandte er sich zum Gehen.

Zehn Minuten, nachdem die letzten Schritte von Foletta und John verklungen waren, schlich Michael auf den in einer Ecke liegenden, zerknüllten Pappbecher zu. Vorsichtig öffnete er ihn, als wäre ein Schatz in ihm verborgen, und zog die durch seinen Speichel etwas nasse Hypnocil-Pille heraus. Freudig pfeifend ging er zur Toilette, warf die Tablette hinein. Sorgsam betätigte er die Spülung und sah zu, wie die Pille im Strudel des Wassers verschwand.
Zufrieden legte er sich auf sein Bett und schloss die Augen. Michael war froh, einen halbwegs intelligenten Gesprächspartner gefunden zu haben. Der morgige Tag würde lustig werden.



Und zum Abschluss noch:
Ich habe ein Bild von Michael gezeichnet bekommen!
http://www.wow-forum.com/de/attachments/2949d1261346197-michael-west.png
Der Dank für dieses wunderbare Stück Kunst geht an Denise Busch (http://www.budeni.com/).

Maximus 04
01.01.2010, 12:57
find ich nicht schlecht, mir ist so direkt nichts negatives aufgefallen, außer vielleicht, dass foletta einen schlüssel für die zelle hatte. normalerweise wird den leuten aufgeschlossen und sie werden wieder hinausgelassen wenn sie wollen. ansonsten hätte dieser west ja den schlüssel klauen und abhauen können.

ich hoffe bald kommt der nächste teil!

gruß

The Infected
04.01.2010, 18:29
Fliehen? Wohin denn? Es gibt aus der Zelle hinaus eine Türe, die auf den langen Gang führt, den Antonio gegangen ist, dieser Gang ist auf beiden Seiten nur von Zellen gesäumt und führt zu einer Türe aus Panzerglas, hinter der sowohl die Wärterkabine als auch noch eine Türe aus Panzerglas wartet. Keine rosigen Aussichten für unseren Killer. ;)



Kapitel Drei – Therapy Failed

Zu Hause angekommen warf Foletta müde seinen Mantel über --einen Sessel, machte das Licht an und versuchte, die geradezu kryptisch anmutenden Zahlen an seiner Wanduhr zu entziffern. Mit zusammengekniffenen Augen und unter einiger Mühe konnte er erkennen, dass es gerade einmal halb 8 abends war. Er fühlte sich so schrecklich müde, zwang sich aber, die Notizen des heutigen Tages noch einmal durchzugehen und sich vor allem die Audioaufnahmen erneut anzuhören, um irgendetwas rauszuhören, was ihm weiterhelfe. Entgegen seinen Erwartungen hatte dieser Fall sein Interesse geweckt, mehr als jeder Fall zuvor, mehr als jeder Fall, den er als privater Psychiater je hatte. Er nahm sich vor, morgen früher in der Anstalt, er musste sich zwingen, nicht „Irrenhaus“ zu denken, zu erscheinen. Vielleicht war Michael frühmorgens kooperativer. Antonio bezweifelte es. Seufzend setzte er sich in einen bequemen Ledersessel, nahm sowohl das Diktiergerät als auch seine Notizen zu sich und begann, die Aufnahme abzuhören. Die spöttische Stimme seines Patienten drang metallisch verzerrt aus dem Gerät.
Aber natürlich ist es okay für mich, Doc. Erneut stieg Wut in Foletta auf. Er wusste, er durfte sich nicht provozieren lassen, sollte sich nicht persönlich angreifen lassen, aber er konnte nichts tun. Dieser Mann traf einen Punkt an ihm, der ihn zum Kochen brachte. Währenddessen lief die Aufnahme weiter.
[...]Männer prügeln ihre Frauen halbtot, andere missbrauchen Minderjährige, Staatsoberhäupter zetteln nukleare Kriege an, aber ich werde für verrückt, pardon, „geistig gestört“ erklärt? Das ist wirklich wahnsinnig.“
Antonio dachte lange über diese Worte nach. Michaels Vergleich war ziemlich aus der Luft gegriffen und nur dazu gedacht, sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, nichtsdestotrotz enthielt er ein Körnchen Wahrheit. Wer durfte entscheiden, welcher Mensch verrückt war, und welcher nicht? Andere Menschen?
Quis custodiet ipsos custodes?
Während Antonio immer noch über diese Aussage Michaels nachdachte, schickte das Diktiergerät schon die nächste durch die Luft.
Es war ein Kunstwerk. Eine Komposition. Absolute Macht über Leben und Tod.
Absolute Macht über Leben und Tod. Michael war eindeutig kontrollbesessen, und er genoss es, wenn er die Kontrolle besaß. Die langen Jahre der Haft mussten wortwörtlich die Hölle für ihn sein, sie verhießen immerhin kompletten Kontrollverlust.
Dann fiel Foletta plötzlich wieder der angeekelte, fast entsetzte Ausdruck auf Michaels Gesicht auf, als er ihm die Hand reichen wollte. Erst jetzt fiel Antonio ein, dass sie sich auch beim Hereinkommen nicht begrüßt hatten. Das bedeutete entweder, dass Michael extrem unhöflich war oder dass er an einer, eventuell durch seine Misanthropie hervorgerufene oder verstärkte, Angst litt, andere Menschen zu berühren. Foletta notierte sich auch das, unterstrich einige andere seiner Notizen, strich welche wieder weg und legte seinen Block, als er fertig war, vor sich auf den Tisch. Das konnte er lesen:

Agaraphobie
misanthroper Einzelgänger
angewidert durch menschliche Nähe (= Einzelhaft?)
Soziopath, mitleidslos
hochintelligent
5-facher Mord
Selbstüberschätzung, großes Ego, fast narzisstisch
Eventuell schizophren, könnte vorgetäuscht sein

Beim Anblick dieser Liste wurde Antonio eins klar: Die Morde, die Michael verübt hatte, waren nicht aus nächste Nähe verübt worden, außerdem sprach er von einem Kunstwerk, was auf saubere, gut geplante Tötung hindeutet. Des Weiteren war Michael wahrscheinlich zu clever, um einen fatalen Fehler zu machen, ergo musste er geschnappt werden wollen.

Maximus 04
04.01.2010, 20:12
außer ein paar formalen dingen -über die sich jedoch streiten lässt- , hab ich nichts auszusetzen. ich bin schon richtig gespannt wie es weiter geht.

DieFlamme
04.01.2010, 22:23
WILL MEHR!!!!xD...ernsthaft jetz...
o_Ô...

The Infected
05.01.2010, 13:25
:D Danke, sowas motiviert natürlich enorm. ^^


Langsam dämmerte es Antonio. Auch ein Artikel, den er vor Jahren in einem kleinen Lokalblatt gelesen hatte, fiel ihm jetzt wieder ein. Es war ein kleiner Bericht gewesen, der es nicht einmal auf eine der ersten Seiten geschafft hatte. Er hatte ihn damals nicht weiter beachtet, eine weitere Bluttat in einem Land der Bluttaten, aber jetzt...
Amokschütze schießt scheinbar wahllos in Menge und tötet 5 Leute.
Natürlich! Antonio schlug sich gegen den Kopf. Vor acht Jahren...der Scharfschütze...die Angst vor nächster Nähe...Soziopathie...alles passte zusammen. Michael musste eine Militärausbildung hinter sich haben. Wahrscheinlich eine jahrelange. Wie in Ekstase rannte Antonio zu seinem Computer und loggte sich ein. Nach einer kurzen Suche fand er den gesuchten Zeitungsartikel.

Amokschütze gefasst!
Gestern Nacht gegen halb vier Uhr morgens gelang es der hiesigen Polizei, den Fall des Scharfschützen, der am 5.November mehrere Unschuldige erschoss, aufzulösen. Aufgrund der sechs am Tatort gefundenen Patronenhülsen wurde die Waffe identifiziert, ein High-Tech Scharfschützengewehr. Durch Zusammenarbeit mit dem Militär und dessen Datenbank konnte die Waffe bis zu einem Mann namens Michael West zurückverfolgt werden, der...

Antonio schloss den Artikel. Er rieb sich erneut die Augen, teils aus Müdigkeit, teils aus Überraschung. Er hatte es mit einem Scharfschützen zu tun. Einem legalisierten Auftragsmörder. Nicht nur das, sein Patient war auch noch intelligent und offensichtlich ein guter Schütze. Zum wiederholten Mal rieb sich Antonio die Augen und versuchte das Bild des auf einem Dach stehenden Michael zu vertreiben, der irre lachend in die Menge unter ihm schoss.
Peng, peng, peng. Jeder Schuss ein Toter.
Antonio schleppte sich Richtung Schlafzimmer. Es war leer. Auf ihn wartete niemand, der ihm ein warmes Bett anbieten konnte. Auf Antonio Foletta wartete nur der Wahnsinn. In einer kleinen Zelle 15 Autominuten von hier entfernt. Foletta versuchte, das Bild aus seinem Gehirn zu radieren und einzuschlafen, aber es wollte nicht recht gelingen.
Schließlich verfiel er in einen unruhigen, von Alpträumen geplagten Schlaf.

Der nächste Morgen
Antonio hatte schon besser geschlafen. Und schon mehr. Immer noch gähnend rieb er sich den Schlaf aus den Augen und taumelte in Richtung Kleiderschrank. Er griff wahllos nach einem Hemd und einer Hose, zog sich rasch an, putzte sich die Zähne, und verließ, immer noch gähnend, das Haus. Er würde am Weg etwas essen.
Nachdem er in einem Starbucks einen schwarzen Kaffee und einen überteuerten Donut konsumiert hatte, ging es Foletta langsam besser. Er hatte starke Kopfschmerzen, und fürchtete, sie könnten sich zur Migräne auswachsen, und schluckte deshalb zwei Aspirin.
Dabei fiel ihm der Anblick Michaels ein, der sich langsam die Hypnocil-Tablette in den Mund schob und sie mit Wasser runterspülte. Antonio nahm sich vor, mehr über dieses Mittel herauszufinden.
Nach kurzer Fahrt erblickte er die pompöse Vorderfront des Bentley Asylums. Der Wärter von gestern, Antonio hatte seinen Namen vergessen, öffnete die Schranke für ihn und winkte ihn freundlich durch. Antonio nickte dem Mann zur Begrüßung zu.
Wieder führte Antonio's Weg durch das Büro von James Kramer, der ihn schon erwartete. Offenbar sah man Antonio seine mehr oder weniger schlaflose Nacht an, der Anstaltsleiter schaute etwas schockiert drein.
„Guten Morgen, Antonio.“ ,sagte er fröhlich. „Haben Sie gut geschlafen?“ Antonio murmelte zur Antwort etwas Unverständliches, das durch ein mühsam unterdrücktes Gähnen unterstützt wurde.
„Wie auch immer, es freut mich, Sie heute schon so früh hier anzutreffen. Michael ist schon auf, soweit ich weiß liest er gerade etwas, Sie können gleich...“
„Wieso haben Sie es mir nicht erzählt?“ ,unterbrach ihn Foletta.
„Wie meinen?“ Kramer schaute verwirrt. „Was habe ich Ihnen nicht erzählt?“
„Dass Michael ein Scharfschütze ist! Dass er nicht im Affekt seine Familie ausgelöscht hat oder Ähnliches, dass er ein vom Staat bezahlter Profikiller ist!“
„Ich dachte, wenn jemand mit Michael redet, der seine Vorgeschichte nicht kennt, öffnet er sich demjenigen gegenüber vielleicht eher...“
Antonio schnaubte verächtlich. „Oh, ja. Tolle Idee.“
„Ich glaube, es ist noch zu früh für Sarkasmus.“ Kramer schüttelte traurig den Kopf. Anscheinend bereute er es jetzt, Foletta nicht eingeweiht zu haben. Dann sagte er:
„Reden Sie mit Michael darüber. Vielleicht war meine Idee kein kompletter Reinfall. Michael ist ein Kontrollfreak, und unglaublich von sich selbst eingenommen. Hören Sie sich seine Geschichte an. Er wird Ihnen mit Freuden alles sehr detailliert erzählen. Hier, nehmen Sie die Karte und sprechen Sie mit Michael. Sie sind der erste Mensch, mit dem er seit 8 Jahren mehr als ein paar Worte gewechselt hat.“
Gegen seinen Willen fühlte Antonio so etwas wie Stolz. Er hatte einen Mann geknackt, an dem viele andere Therapeuten gescheitert waren.
Einen Mann, der ohne Reue tötet. Der mich töten würde, gäbe ich ihm Gelegenheit dazu.
Schaudernd ging Antonio zur Türe, die in den Hochsicherheitstrakt führte, und zog die Karte durch. Kramer hatte offensichtlich wieder nicht die Absicht, mitzukommen.
„Guten Morgen, Dr. Foletta.“ John begrüßte Antonio ebenso freundlich wie der Wärter am Eingang. Schon komisch, kaum einen Tag hier und schon entwickelte sich ein gewisser Tagesablauf.
Nur meiner wird von Gesprächen mit einem geisteskranken Killer unterbrochen.
Er nickte John dankbar zu, als dieser die zweite Glastüre für ihn öffnete und ihm die Zellenschlüssel reichte. Diesmal ging er geradeaus, den Blick stur auf die gegenüberliegende Wand gerichtet. Ein solcher Fehltritt wie beim ersten Mal sollte ihm nicht nochmal passieren.


Diesmal geht storymässig, von der "Enthüllung" die Tat betreffend nicht viel weiter, sorry, aber sonst wäre es viieeel zu lang geworden. ;)

Maximus 04
10.01.2010, 14:28
so, hatte jetzt endlich zeit das zu lesen. gefällt mir ganz gut, nur ein sprachlicher fehler mit dem "er würde aam weg etwas essen", ich bin der meinung, dass es "er würde auf dem weg etwas essen" heißt. und du hast einmal "aspirin" geschrieben, da würde ich kopfschmerztablette schreiben, weil aspirin ein markenname ist. ansonsten, wie immer gut.

gruß

Maximus 04
17.01.2010, 19:39
wann gibts den nächsten teil?

The Infected
22.01.2010, 23:11
Jetzt. :D

Endlich bei Michaels Zelle angekommen, konnte Antonio sehen, dass sein Patient friedlich auf seinem festgeschraubten Stuhl saß und ein Buch las. Er hatte Antonio noch nicht bemerkt, und dieser nutzte die Zeit, um zu erfahren, was für ein Buch Michael las. In seinen Gedanken malte sich Antonio mehrere Möglichkeiten aus:
Die 9. Panzerdivison
Armory Weekly
Hunting Magazine
Als er den wirklichen Titel las, musste Antonio sich zurückhalten, um nicht laut aufzulachen.
Alice's Adventures in Wonderland. Das Lachen verging Antonio, als er bemerkte, dass jemand das Wonderland mit blutroter Wachsfarbe durchgestrichen und Madhouse darüber geschrieben hatte. Antonio räusperte sich hörbar. Michael, ganz in seine Lektüre vertieft, schien das nicht zu bemerken. Also sperrte Antonio die Zelltüre auf, setzte sich seinem Patienten gegenüber und wartete. Ihn jetzt zu unterbrechen würde ihn nur unnötig aufregen, und Antonio hatte alle Zeit der Welt. Nach einer Minute des Schweigens begann Michael laut zu lesen:

„But I don't want to go among mad people.“ ,Alice remarked.
„Oh, you can't help that.“ ,said the Cat. „We're all mad here. I'm mad. You're mad.“
„How do you know I'm mad?“ ,Alice asked.
„You must be.“ ,said the Cat. „Or you wouldn't have come here.“

Nachdem er fertig war, hob Michael seinen Blick von der Lektüre und schaute den leichenblassen Antonio an.
„Guten Morgen, Herr Doktor. Es freut mich, Sie schon so früh hier anzutreffen.“
Antonio, immer noch erschüttert, schluckte seinen Speichel hinunter und erwiderte die Begrüßung. „Ich wollte mit Ihnen über etwas reden, Michael.“
Michael schaute theatralisch drein. „Haben Sie mein dunkelstes Geheimnis entdeckt, Doc?“
„Nein, aber eines der dunkleren.“
Michael's Augen blitzten spöttisch. „Sagen Sie's mir.“
„Sie haben nicht einfach 5 Leute infolge einer Kurzschlusshandlung getötet, Sie haben das geplant und kaltblütig fünf Männer erschossen.“
„Drei.“ ,verbesserte Michael. „Es waren drei Männer. Eine Frau und ihr Sohn waren auch dabei.“
„Wieso? Wieso, Michael?“ Foletta war überwältigt und angewidert zugleich. Dieses...Monster sprach seelenruhig über seinen Mord an einem Kind.
Michael zuckte die Schultern. „Meine Eltern haben mich nie geliebt. Ich habe Computerspiele mit Gewaltinhalt gespielt. Ich hatte einen Onkel, der mich mehr lieb hatte als ich es gern gehabt hätte. Suchen Sie sich was aus.“
Erneut verlor Foletta die Geduld. Michael machte einen Witz aus seiner Tat.
„Verdammt nochmal, wieso?! Sagen Sie schon, oder ich schwöre bei Gott, ich werde genug Medikamente anfordern, um Sie Ihr restliches Leben lang zu Gemüse zu mach...“
„Weil ich konnte.“
„Was?“ Foletta unterbrach seine Drohung abrupt.
„Weil es einfach war. Alle Weltreligionen predigen von geheiligtem, wertvollem Leben, aber Mord ist nicht viel schwieriger als einen Lichtschalter betätigen. Klick, klack, klick, klack. Licht aus.“
„Für normale Menschen gibt es etwas, das wir „Moral“ oder „Gewissen“ nennen.“ ,knirschte Antonio.
Erneut zuckte Michael gleichgültig mit den Schultern. „Meine Seele ist mir egal. Ich will hier und jetzt Spaß haben.“
„Es hat Ihnen Spaß gemacht?“ Foletta wurde etwas lauter.
„Was glauben Sie, warum ich hier bin? Als normaler Mörder würde ich bald am Stuhl schmoren, aber als Irrer bin ich eine bemitleidenswerte Kreatur, die nicht weiß, was sie verbrochen hat.“ Michael verzerrte das Gesicht zu einer Grimasse, die wohl Trauer ausdrücken sollte.
„Was war daran denn...lustig?“ Foletta biss sich auf die Unterlippe. Seine Kopfschmerzen wurden stärker.
„Lustig ist das falsche Wort. Spaß im Sinne von...Befriedigung, ja. Es war so einfach. Und so genial.“
„Wie...haben Sie es getan, Michael?“ Foletta wusste nicht, ob er das wirklich erfahren wollte. Michaels Augen blitzten auf. Er freute sich darauf, seine Geschichte zu erzählen.
„Also, dem Ganzen ging lange Planung voraus, mit der ich Sie nicht weiter langweilen will. Wie Sie inzwischen wahrscheinlich wissen, war ich bei der Armee, bevor ich vor fast 10 Jahren den Dienst quittiert habe.“
„Wieso das?“ Foletta war wieder ruhig, ganz der Profi, und hielt den Block bereit, um sich Notizen zu machen.
„Das Schießen auf Pappfiguren machte mir keinen Spaß. Pappe blutet nicht, Pappe schreit nicht, Pappe fühlt nicht.
Hang zum Sadismus.
Wieder versuchte Michael, Foletta's Notizen von seinem Platz aus zu lesen. Dann sagte er: „Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, dass Ihr Schriftbild grauenhaft ist, Doc?“ Als er Antonios Schrift entziffert hatte, sagte er: „Sadismus? Ich bitte Sie! Das waren 6 schöne Schüsse, alle auf den Kopf gezielt! Die ersten paar wussten nicht, wie ihnen geschieht! Vollkommen schmerzlos.“ Grinsend fügte er hinzu: „Und doch so wundervoll.“ Aber Foletta hörte nicht richtig zu, ihm war etwas aufgefallen.
„Sechs Schüsse? In der Zeitung stand etwas von 5 Toten.“
Michael zuckte beiläufig die Schultern. „Nun, einmal habe ich daneben geschossen. Ja, ich weiß, das enttäuscht Sie, tut mir Leid.“ Michael senkte beschämt den Kopf. In Foletta kochte wieder heiße Wut auf.
„Hören Sie auf mit dem Theater, verdammt! Was ist passiert?“
„Okay, Doc. Schon gut.“ Michael hob beschwichtigend die Hände. „Kennen Sie sich mit Schusswaffen aus? Der erste Schuss ist schwierig, da man mit kaltem Lauf feuern muss. Danach wird es immer besser. Lustiger weise war mein kalter Schuss ein Volltreffer. Hat dem ersten Mann das Nasenbein gespalten. Sein Kopf ist förmlich explodiert, Doc!“ In Michaels Stimme schwang sogar so etwas wie Stolz mit. Foletta schluckte schwer. Er fühlte sich krank.
„Und Ihr zweiter Schuss ging daneben?“ ,fragte er, bereit, mit zuschreiben.
„Oh, nein. Der war auch noch nett. Leider kein Kopfschuss, dieser Idiot duckte sich, als er den ersten Schuss vernahm, und so traf ich ihn nur in den Rücken. Aber egal, er ist verblutet, bevor die Polizei kam. Der dritte Schuss ging daneben. Seltsam, denn der Lauf war jetzt eigentlich heiß genug. Vielleicht war ich ein bisschen aufgeregt, kann beim ersten Mal ja passieren. Wie dem auch sei, der dritte verfehlte eine Frau mittleren Alters knapp und schlug in den Beton ein. Mein vierter Schuss holte eben erwähnte Frau von den Beinen. Sie war sofort tot, ich hatte ihr durch den Rücken ins Herz geschossen. Mein fünfter Schuss hingegen...“
„Genug davon!“ Foletta schrie jetzt fast. „Ich will das nicht mehr hören, verdammt! Sie sind ja krank!“
Michael grinste höhnisch. „Darf ich Sie daran erinnern, wo wir hier sind, Doc? Bin ich „krank“, weil ich töte, oder weil ich reuelos töte?“
„Ich glaube, das wissen Sie ganz genau.“
„Ich würde es so gerne aus Ihrem Mund hören, Doc.“
„Weil Sie ein gottverdammtes Monster sind!“
„Ein einfaches: „Letzteres.“ hätte mir gereicht, Doc.“ Foletta rieb sich die Schläfen. Seine Migräne wurde schlimmer.
Michael legte bedauernd den Kopf schief. „Kopfweh, Doc? Das tut mir aber Leid.“
„Nicht so schlimm“ ,murmelte Foletta, obwohl sein Kopf zu explodieren schien. Wie der von Michaels erstem Opfer...Antonio schüttelte diesen Gedanken ab und ging zur nächsten Frage über.
„Wo haben Sie Ihre...Tat vollstreckt?“
„Das war ja das Beste, Doc! Kennen Sie die Parkgarage in der 12. Straße?“
„Parkgarage? Welche?“
„Hmm, vielleicht existiert Sie nicht mehr, ist ja lange her." Michael zuckte gleichgültig mit den Schulter. "Egal, auf jeden Fall habe ich diese Garage eine Zeit lang beobachtet, weil dort ein Umbau stattfand. Eines Tages, es war gegen sieben Uhr Nachmittags, fuhr ich zu besagter Garage. Ich wusste, dass dort weder jemand parken noch arbeiten würde, nicht um diese Zeit. Ich parkte mein Auto im obersten Stock, öffnete den Kofferraum, entnahm ihm die...wie sagt ihr?, die Tatwaffe, stellte mich an den Rand des Daches und begann zu jagen.
„Bei einer Jagd jagt man Tiere, keine Menschen.“ ,knirschte Foletta.
„Diese Leute waren keine Menschen...das waren Tiere. Allesamt. Ungehobelte, dumme, blind durch die Welt spazierende Idioten, deren Tod der Gesellschaft sicher nur zugute kam.“ Michael schien wirklich davon überzeugt zu sein.
„Moment, Sie glauben, das, was Sie getan haben, war richtig?“ Foletta konnte es nicht fassen.
„Richtig, falsch, ist doch egal. Sie sind tot, ich bin hier drin. Aber wissen Sie was, Doc? Ich würd's wieder tun. Immer wieder. Immer und immer wieder, und wieder...“
Beide unterbrachen ihr Gespräch und drehten sich der Türe zu, in der John stand. Er sah nicht freundlich aus.
„Dr. Foletta? Verlassen Sie die Zelle.“
„Wieso? Ich bin noch nicht fertig, die Besuchszeit ist noch nicht vorbei! Sie haben kein Recht...“
„Raus! Sofort!“ Im Laufschritt huschte Antonio hinter dem Wärter aus der Zelle.
„Zeit, dir Manieren beizubringen.“ ,knurrte der Wärter.
„Mir? John, Sie sind ein ungehobelter Klumpen Fleisch, der in einer Anstalt jobbt. Ich bitte Sie, bringen Sie mich nicht zum Lachen.“ Michael grinste boshaft.
„Du willst es so haben, was?“ John holte aus und schlug Michael mit voller Kraft ins Gesicht. Michael keuchte auf, baumelte unsicheren Fußes zurück und bedeckte sich mit beiden Händen das Gesicht. Er stand eine Minute lang so da, keuchte und schnaufte.
„Hey, West. Alles in Ordnung?“ Aus Angst um seinen Job ging John zu Michael heran, streckte die Hand aus, um ihn zu untersuchen. „Hey, was ist mit di...“
In dem Moment schnellte Michael hoch, und seine Fingernägel fuhren über Johns Gesicht und hinterließen dort vier blutige Striemen Sein Mittelfinger erwischte John's Auge. Der Schmerzensschrei des Wärters ließ ihn nicht innehalten, er schlug ihm mit der Faust in die Magengrube, woraufhin John seufzend zu Boden ging. Michael traktierte sein Gesicht und den Genitalbereich solange mit Tritten, bis drei Wärter rein stürmten, die Michael von dem wimmernden Etwas am Boden weg zogen und an beiden Armen festhielten. Michael leistete keinerlei Widerstand.
Er drehte den Kopf und schaute zu Foletta, der die Szene schockiert beobachtet hatte. Michaels Unterlippe war aufgeplatzt, und Blut rann ihm aus dem Mundwinkel. Trotz allem lächelte er.
„Auge um Auge, Doc...“ keuchte er und spuckte Blut, das den am Boden liegenden John ins Gesicht traf. Dann gab einer der Wächter ihm eine Spritze, Michaels Glieder erschlafften und seine Augen rollten nach hinten.

Diesmal ist es wieder etwas länger geworden, als "Entschädigung". ;) Und ich kann ja nicht mitten im Gespräch abbrechen.

Maximus 04
27.01.2010, 16:22
war wieder mal gut. jetzt wird einem auch der titel klar:). ich hoffe es geht weiter so voran. wobei ich mich jetzt schon frage, in welche richtung das nachher noch gehen wird... (hoffentlich nicht so ähnlich wie bei "Die Physiker" von dürrenmatt, das haben wir grad in der schule gelesen...)

ich freu mich auf den nächsten teil

gruß

The Infected
29.01.2010, 13:47
So, noch einen Schub, ich bin ab Sonntag für eine Woche weg, kann daher leider nichts schreiben oder posten.


Kapitel Vier – Punishment
Mehrere Stunden später
Langsam öffnete Michael die Augen, um sie gleich darauf wieder vor dem grellen Licht abzuschirmen, das sich ihm von oben erbarmungslos in die Netzhaut brannte wie bei einer Operationslampe. Nach der ungewollten Medikation schmerzte ihm der Kopf. Als er sich mit den Fingern die Schläfen massieren wollte, merkte er, dass etwas nicht stimmte. So langsam klärte sich seine Sicht auf, und er schaute an sich herunter. Und erblickte sogleich eine Erklärung für seine Unfähigkeit, die Arme zu heben. Seine Arme waren an seinen Körper gebunden. Mit einer Zwangsjacke. Dann kamen langsam die Erinnerungen zurück.
Obwohl Michael starke Kopfschmerzen hatte und ihm das Gesicht, in dem immer noch geronnenes Blut klebte, schmerzte, grinste er. Er hatte nicht viel gesehen, bevor er betäubt wurde, aber das, was er gesehen hatte, genügte ihm. John würde die nächsten paar Wochen nicht zur Arbeit erscheinen, falls er überhaupt je wieder erscheinen würde. Leise kicherte Michael in sich hinein. Dieser Spaß war ihm die paar Tage Isolierzelle wert gewesen. Außerdem würde sein neuer Freund ihn bald wieder besuchen kommen und ihm die Zeit vertreiben. Michael konnte es kaum erwarten. Freudig seufzend lehnte er sich gegen die gepolsterte Hinterwand und pfiff fröhlich vor sich hin.
Mit offenen Augen lag Antonio im Bett. Er wollte einschlafen, aber der Schlaf wollte nicht so recht kommen. Jedes Mal, wenn er die Augen schloss, sah er das Bild des blutig grinsenden Michaels, der den Wärter zu Brei trat. Als Antonio die Anstalt verließ, erklärte ein Wärter ihm, wie es zu dem gewalttätigen Übergriff gekommen war. Michael hatte offenbar nur vorgetäuscht, seine Medikamente zu nehmen, statt sie wirklich zu nehmen, und das möglicherweise über Wochen. John hatte eine Hypnocil-Tablette am Boden in Michaels Zelle gefunden und beschlossen, ihm eine Lektion zu erteilen. Antonio bezweifelte, dass John so bald wieder in der Anstalt erscheinen würde. Seufzend stand Foletta aus dem Bett auf und ging ins Badezimmer. Er öffnete den hinter dem Spiegel liegenden Medizinschrank und griff nach einem Schlafmittel. Er hatte es bitter nötig. Nach kurzem Überlegen nahm er auch noch eine Aspirin-Tablette dazu, drehte den Wasserhahn auf und goss sich ein Glas Wasser ein, um gleich darauf beide Tabletten zu schlucken. Dann schleppte er sich wieder zu seinem Bett und überdachte noch einmal den vergangenen Tag. Die Sitzung war heute insgesamt nicht besonders gut gelaufen, von dem Vorfall am Ende ganz zu schweigen. Michael war in Höchstform gewesen, die detaillierten Beschreibungen seiner Morde würden Antonio noch tagelang im Kopf herumspuken. Aber was ihn am meisten verstörte, war, dass Michael keinerlei Anzeichen von Reue, Schuld oder einem Willen zur Besserung zeigte. Er war immer noch höchstgefährlich und bereit, wieder zu töten. Tief in seinem Inneren betrachtete er wahrscheinlich alle als potenzielle Opfer.
Ungehobelte, dumme, blind durch die Welt spazierende Idioten, deren Tod der Gesellschaft sicher nur zugute kam.
Auch Michaels Denkweise erschreckte Foletta zutiefst. Er sprach vollkommen emotionslos von seiner Tat, wenn man von dem Glitzern in seinen Augen und dem Stolz in seiner Stimme absah. Er empfand keine Schuld, aber auch keinen Hass für seine Opfer, kein Mitleid. Michael empfand...nichts. Was veranlasste ihn nur, seinen Opfern jegliche Menschlichkeit abzusprechen, sie nur noch als Jagdvieh anzusehen?
Mit diesen Gedanken beschäftigt verfiel Antonio endlich in einen tiefen, diesmal traumlosen Schlaf.
In seiner Zelle hingegen fand Michael keinen Schlaf. Als Teil seiner Bestrafung hatte Dr. Kramer befohlen, ihn am Schlafen zu hindern. Der Kommentar „Ich dachte, Foltern sei seit der Spanischen Inquisition aus der Mode, Doc.“ fand Kramer nicht ganz so lustig wie Michael. Man zwang ihn, mehrere Koffeintabletten zu schlucken, und diesmal wurde ganz genau kontrolliert, ob er diese auch schluckte. Dann verließ der Anstaltsleiter die Gummizelle, und zurück blieb ein hellwacher Michael und ein etwas beunruhigter Wärter, der das Pech hatte, auf den Patienten aufpassen zu müssen. Nach einer Weile begann Michael, ihn anzusprechen.

Angeloni
13.02.2010, 21:09
Ich mische mich auch mal ein egal, ob das jemand hören will. Die Geschichte insgesamt ist recht gut geschrieben, insbesonders dein Stil gefällt mir persönlich (und offensichtlich einigen Anderen auch) sehr gut, da er entfernt an Thomas Harris erinnert (weshalb er anderen gefällt kann ich nicht sagen). Vielleicht liegt es aber auch an der ähnlichen Ausganssituation. Ich nehem mir nur eine Freiheit heraus, nämlich ein editorischer Vorschlag: Für den Schlafentzug wäre es logischer die üblichen Methoden der weißen Folter anzuwenden (grelles Licht, alle dreißig Minuten Armheben, sonst geweckte werden, dauerhaftes auf den Füßen stehen), als Koffeintabletten. Ob sie mich jetzt in Gedanken zum Teufel jagen oder nicht ist mir egal. Nur eine Frage: Wann geht es weiter? Die Geschichte ist besser als manch ein Buch für das bezahlt werden muss.