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DieFlamme
03.03.2009, 21:51
wir sind zu dritt im wald, irgendwo bei wiesbaden.
ich gebe nina meine tasche,sage ihr sie soll sie bitte kurz halten, ich will die aussicht genießen.
ich trete an den rand der klippe, sodass meine fußspitzen über den rand hinausragen.
ich sehe einen falken über dem tal fliegen, er dreht den kopf in meine richtung, kreist eine weile in der luft und vergewissert sich, dass wir keine gefahr für seine jungen sind.
dann fliegt er weiter.
ich sehe dem falken eine weile nach, wende den blick von ihm ab und richte meine augen auf einen punkt im tal unter mir.
hinter mir höre ich, wie lena fragt, wann wir denn endlich eine pause machen.
nina sagt, wir würden jetzt kurz rast machen und setzt sich auf einen stein.
ich höre wie sie ihren proviant auspacken und anfangen zu essen.
nina fragt mich, ob ich nicht aus etwas zu essen will.
ich schüttle den kopf, im moment nicht.
die beiden unterhalten sich, beachten mich nicht weiter.
ich höre lenas stimme, höre ihr lachen und begreife, dass es kein zurück gibt.
das wird es nie geben, sage ich mir selbst leise.
meine worte werden vom wind fortgetragen, der mit einem mal aufkommt.
ich richte mich auf, straffe meine schultern.
ich habe einen entschluss gefasst.
meine augen tränen vom staub den mir der wind in die augen bläst und ich fahre mir mir dem ärmel übers gesicht.
eine zeile aus einem lied das ich vor einiger zeit gehört habe kommt mir in den sinn;


this is the way you left me
i'm not pretending
no hope no love no glory
no happy ending
this is the way that we love
like it's forever
then live the rest of our lives
but not together


ich erinnere mich, dass der sänger mika heist und das lied happy ending.
lena sagt etwas und ich merke, dass das lied zu unserer jetzigen situation passt.
ich schlucke und ein schauer läuft mir über den rücken, als ich mich an die zeit danach erinnere, die zeit nach der lüge.
plötzlich ist es mir egal, was als nächstes passiert, was sie als nächstes tut oder sagt.
ich begreife, dass es nichts gibt was mich noch auf dieser welt halten könnte, nicht ein ding.
ich seufze, sehe zum horizont hinüber und sehe die sonne untergehen.
ich trete einen schritt vor, direkt ins leere.
ich kippe mit dem körper der nicht wirklich meiner zu sein scheint, nach vorne, spüre den wind in meinem gesicht.
sie rufen nach mir, rufen meinen namen, strecken ihre arme nach mir aus.
aber sie erreichen mich nicht, sie werden es nicht schaffen.
hilflos müssen sie mit ansehen, wie ich in das loch falle aus dem ich nie entkommen konnte.
ich komme auf dem boden auf, werde ein paar zentimeter hochgeschleudert, rolle einen abhang hinunter.
mit einem ruck endet meine abfahrt an einem jungen baum, mein kopf wird nach vorne gerissen, alle luft aus meiner lunge gepresst.
mein körper sackt in sich zusammen, ich bleibe liegen mit offenen augen.
vor mir stehen ein paar kleine waldpilze, ich kann sie aber nicht einordnen.
ich weis nicht, wie viel zeit vergangen ist, aber irgendwann berührt eine haarige schnauze mein gesicht.
ein hund, denke ich.
der hund bellt, in meinen ohren klingt es wie das gebrüll eines wilden stiers.
ein älterer mann kommt angelaufen, gleichzeitig auch lena und nina.
sie kären den mann auf und der holt seinen hund zu sich.
nina ruft einen krankenwagen und setzt sich ein bisschen von mir entfernt auf den waldboden.
lena setzt sich neben meinen kopf, sie flucht wie ein ganzer schwarm spatzen.
ich will lächeln, will mit ihr reden aber meine muskeln, mein gesamter körper fühlt sich an wie blei.
der mann mit dem hund fragt lena nach unseren namen, will unsere ausweise sehen.
nina holt iohren und meinen geldbeutel hervor, zeigt dem mann unsere ausweise.
lena tut dasselbe mit ihrem ausweis und der mann ist zufrieden.
der krankenwagen kommt, ich werde in die horst - schmidt - kliniken eingeliefert.


eineinhalb monate ist mein zustand kritisch, immer wieder bleibt mein herz stehen.
aber jedes mal holen sie mich wieder zurück, zurück an den ort an dem ich eigentlich nie sein wollte.
als ich die reha hinter mir habe und weider arbeiten kann, scheint alles wieder so zu sein wie immer.
dann treffe ich nina auf der straße.
wir setzen uns in ein café, sie erzählt von der zeit nach meinem "unfall" wie sie es nennt.
sie erzählt mir, lena wäre von zu hause ausgezogen, sie würden jetzt zusammen wohnen.
dann bin ich an der reihe mit erzählen.
ich erzähle von der reha, von den eineinhalb monaten, in denen ich wach war.
nina schweigt die ganze zeit, während ich erzähle.
ich sage ihr, es wäre meine entscheidung gewesen, zu fallen.
sie nickt, sagt, sie hätte in den wochen vor dem ausflug darauf achten sollen, was ich gesagt habe.
ich beruhige sie, sage ihr, sie soll sich keine vorwürfe machen.
immerhin sei nicht sie gesprungen, sondern ich.
sie lächelt traurig, meint man hätte es verhindern können.
ich schüttele den kopf, will etwas sagen, als ihr handy klingelte.
ich zucke zusammen, sie sieht mich irritert an.
nach ein paar minuten klegt sie auf, sagt sie müsste los.
ich sage ihr, sie soll lena grüßen, aber ich sehe an ihren augen, dass sie es nicht tun wird.
wir verabschieden uns leise, sie geht, ich bleibe noch einige zeit im café sitzen.
in der zeit danach treffe ich immer wieder abwechselnd auf nina und lena, aber jedes mal tun wir so, als ob wir uns nicht kenne würden.
wir wissen alle drei, dass es besser ist, so wie es ist.