DieFlamme
02.09.2008, 19:23
Es ist jetzt zwei Jahre her, dass ich bei Lucien, Erik und Azrael gewesen war. Obwohl ich danach lange Zeit geglaubt hatte, es wäre ein Traum gewesen, entdeckte ich nach einigen tagen die langsam heilende Wunde, die Fabian mir im letzten Kampf zugefügt hatte. Am selben Abend noch versuchte ich zurück zu kommen und tat dieselben Dinge, die ich am Abend getan hatte, als ich dort ankam. Es klappte und wieder landete ich in Eriks Dorf. Ich stand an der gleichen Stelle an der ich beim ersten Mal gestanden hatte und während ich mich umsah, kam Erik angerannt. , Francis? Himmel, wo warst du die ganze Zeit? Lucien, Azrael und ich haben das ganze Land nach dir abgesucht! '' Ich schüttelte den Kopf. , Du willst gar nicht wissen, wo ich war. Sag ihnen bitte nicht, dass ich wieder da bin, ja?'' bat ich ihn und ging zur Koppel auf der die Pferde des Dorfes standen. Der graue erkannte mich wieder und kam auf mich zu gelaufen. Ich begrüßte ihn und drehte mich zu Erik um. Aber er stand nicht mehr da, sondern Lucien. Erik war verschwunden. Ich wandte mich wieder dem grauen zu und strich ihm über den Rücken. , Du wurdest nicht mehr geputzt, seit ich da war, was kleiner?'' murmelte ich und holte einige Putzsachen. Lucien stellte sich neben mich und schwieg eine Weile. Dann brach er das Schweigen und fragte: ,,Wo warst du, Francis? Wir haben dich überall gesucht aber du warst verschwunden.' Ich stoppte meine Arbeit, drehte mich zu ihm und seufzte. , Ich war zu Hause. Meine Freunde und meine Familie wussten drei Monate lang nicht, wo ich war. Niemand wusste wo die Wunde auf meinem Rücken herkommt. Ich habe ihnen nichts von der Schlacht erzählt. Auch nicht von dir, Azrael oder Fabian. ''Dann drehte ich mich wieder dem grauen zu und putzte ihn fertig. Ich machte ihn für einen kurzen Ritt durch die umliegenden Wälder fertig, stieg auf und ritt los. Lucien folgte mir und holte mich auf einer Lichtung ein. Wir stiegen beide von den Pferden, ich weil ich am Bach ein Stück entfernt etwas trinken wollte und er, weil er mir nach ging. Ich lief zum Bach, beugte mich über das Wasser und trank einige Schlucke. Als ich wieder aufstand und mich umdrehte, stand Lucien direkt hinter mir. , Warum bist du weg gegangen?'' fragte er und griff nach meiner Hand. Ich ging an ihm vorbei und versuchte, ihn zu ignorieren, aber als er sein Schwert zog und mich angriff, musste ich mich umdrehen und verteidigen. ,,Verdammt noch mal! Lass mich in Ruhe!'' schrie ich und blockte seinen Schlag. , Dann antworte mir!'' brüllte er und schlug härter zu. Irgendwann entwaffnete er mich und schleuderte mein Schwert weg, sodass es im Boden stecken blieb. Er kam näher und steckte sein Schwert weg. Ich lief zum grauen zurück und wollte aufsteigen, als eine Gruppe Reiter durch die Bäume geritten kam, allen voran Azrael. Damit das Azrael auftauchen würde hatte ich nicht gerechnet und war dementsprechend überrascht darüber. Als er abstieg und auf mich zu kam lächelte ich leicht und ging ihm ein Stück entgegen. Aber er sah sehr ernst aus und als ich ihn fragte was denn los sei antwortete er: ,,Erik sagte mir, du wärst wieder hier. Ich würde gern mit dir unter Vier Augen sprechen.'' Ich nickte und drückte Lucien die Zügel des grauen in die Hand. Der band beide Pferde an einen Baum und folgte uns, ohne das wir es bemerkten. Azrael blieb einige Meter von der Lichtung stehen und lehnte sich mit dem Rücken an einen Baum. , Wo warst du?'' fragte er. , Wir haben das ganze Land und alle Nachbarländer durchsucht, aber du warst nirgends zu finden.'' Azrael sah mir direkt in die Augen. , Ich war bei meiner Familie. Sie haben sich Sorgen um mich gemacht. Fabians Wunde ist gut geheilt, überzeug dich selbst davon, wenn du mir nicht glaubst.'' Azrael lehnte ab und schaute in die Baumkronen. , Wo lebst du, dass du uns nichts von deiner Heimat erzählst? Ist es dort so furchtbar?'' Als es das sagte musste ich schmunzeln. , Du würdest mir nicht glauben, wenn ich es dir erzählen würde, Azrael! Ich habe meiner Familie nicht von euch erzählt und genauso wenig erzähle ich dir etwas über meine Heimat oder meine Familie.'' Ich hob den Kopf und schaute in die Bäume über uns. , Du bist ein guter Herrscher und Kämpfer, aber von Gesprächen unter Freunden hast du keine Ahnung.'' Er sah mich überrascht an. Ich stieß mich von dem Baum, an dem ich lehnte ab und ging zurück auf die Lichtung. Lucien hatte alles mit angehört und stellte sich mir in den Weg. Aber ich ging an ihm vorbei als wäre er nicht da. Er hielt mich am Arm fest und ich blieb stehen. Bevor er oder ich etwas sagen konnte, hörten wir Lärm auf der Lichtung. Gefolgt von Lucien und Azrael lief ich auf die Quelle des Lärms zu und entdeckte eine Schar Soldaten, auf deren Rüstung ein fremdes Wappen zu sehen war.
, Das kann nicht sein!'' flüsterte Azrael hinter mir entsetzt. , Was ist? Kennst du das Wappen etwa?'' fragte Lucien. Azrael nickte und flüsterte geschockt: Das...das ist Fabians Sohn!'' Ich seufzte, zog mein Schwert, trat aus den Büschen heraus und warf einen Stein nach dem Jungen, der Fabians Sohn sein sollte. , Was zum...?'' Der Junge Mann, den ich mit dem Stein getroffen hatte, fluchte und drehte sich in meine Richtung. , Wer seid Ihr, dass Ihr es wagt mit einem Stein nach mir zu werfen?'' fragte er und stieg von seinem Pferd. Ich grinste nur. , Ich dachte immer, Fabians Sohn wäre viel...na ja...interessanter!'' Er wurde wütend, zog sein Schwert und griff mich an. Ich wehrte seine Attacke ohne große Mühe ab und stieß ihn ein paar Meter weit weg. Während er sich wieder aufrappelte, steckte ich mein Schwert weg. , Falls du nach dem Mörder deines Vaters suchst, du hast ihn grade gefunden! Und nur so nebenbei; es war mir eine Freude.'' Jetzt sah Fabians Sohn rot und stürzte auf mich zu. Er schlug mit seinem Schwert nach mir, doch ich wich ihm aus, zog mein Schwert und schlug ihm seines aus der Hand. Die Klinge bohrte sich einige Meter von uns in den Boden und blieb zitternd stecken. Ich griff nach hinten, zog mein Hemd hoch und drehte mich mit dem Rücken zu seinem Sohn. , Von dieser Narbe habe ich schon gehört. Allerdings hieß es in den Geschichten immer, Ihr wärt im Kampf gestorben.'' Ich strich mein Hemd wieder glatt, drehte mich um, steckte mein Schwert weg und schüttelte den Kopf. , Wie du siehst, bin ich am Leben. Und nicht ich sondern dein Vater starb an diesem Tag.'' Ich verschwand in den Büschen und kam mit Lucien, Azrael und den Pferden wieder zurück. Als wir auf der Lichtung ankamen, war ein Teil der Männer bereits wieder aufgebrochen. Fabians Sohn stand noch auf der Lichtung, neben ihm zwei seiner Soldaten. Als Azrael ihn entdeckte kniff er die Lippen zusammen und zuckte zusammen als der ihn ansprach. , Onkel Azrael. Es überrascht mich nicht, dich an der Seite von Vaters Mörder zu sehen.'' Azrael stieg auf sein Pferd, sah kurz zu seinem Neffen herüber und sagte: Gib es auf, so sein zu wollen wie dein Vater, Lion. Er starb an seiner Ignoranz und das gleiche wird auch dir passieren, wenn du nicht aufhörst zu sein wie er.'' Dann ritt er zurück ins Dorf und Lucien und ich folgten ihm. Erik hatte inzwischen eine eigene Hütte und bot mir einen Schlafplatz in seiner Hütte an. Aber ich lehnte ab, mir war nicht nach schlafen zu mute. Stattdessen nahm ich mir etwas zu Essen und setzte mich in den Stall neben den grauen auf einen Heuballen. Lucien kam in den Stall und setzte sich neben mich. , Warum bist du weggegangen??'' fragte er sicher zum hundertsten Mal. Ich seufzte, antwortete ihm diesmal aber. , Ich hatte Angst, du würdest mich aufhalten. Ich wollte nicht gehen und wissen dass du auf mich wartest oder glaubst ich wäre tot oder so was.'' Ich stand auf, trat in die Box des grauen und fing an, seine Mähne zu flechten. Lucien stand ebenfalls auf und kam zu mir in die Box. , Ich hätte dich aufgehalten das stimmt. Aber selbst wenn ich dich aufgehalten hätte, gegangen wärst du auch so.'' Er nahm meine Hände in seine und sah mir in die Augen. Ich versuchte seinem Blick auszuweichen, schaffte es aber nicht. Ich senkte den Kopf, zog meine Hände zurück und fuhr mit flechten fort. Lucien stellte sich hinter mich und schlang seine Arme um mich. Draußen hörte man, wie die Dorfbewohner die Tiere in die Ställe trieben und dann in den Häusern verschwanden. Nur Lucien und ich waren noch wach. Er gab mir einen Kuss auf den Hals und mir lief ein Schauer über den Rücken. Ich wand mich aus seinen Armen und lief nach draußen. Lucien lief mir nach und riss mich herum. , Was ist denn nur los mit dir, Francis? Tu mir den gefallen und sag mir was Sache ist!'' Tränen stiegen mir in die Augen. , Verdammt ich liebe dich, Lucien!'' schrie ich. Einen Moment lang war es still. Ich drehte mich um, rannte davon und lies Lucien einfach stehen.
Lucien
Irgendwann hörte sie endlich auf, zu rennen. Ich war die ganze Zeit hinter ihr hergelaufen und hatte gehört wie sie weinte. Beinahe wäre ich in sie hinein gerannt, als sie stoppte und sich umdrehte so als ob sie geahnt hätte, dass ich hinter ihr war. Warum sie mir erst sagte, dass sie mich liebte und dann davon lief, wusste ich nicht. Aber ich wollte sie beruhigen, wollten mir ihr reden und ihr sagen, dass ich dasselbe fühlte wie sie. Plötzlich kamen aus den Büschen um uns herum Soldaten, das Wappen auf den Schilden war Lions, Fabians Sohn. Ich sah nur wie einer von ihnen Francis niederschlug, sie auf den Sattel hob und gefolgt von den anderen davon ritt. Ich stand wie versteinert da, konnte mich kaum bewegen und irgendwann knickten mich die Beine weg. Als der morgen graute, fanden Erik und einige Bauern des Dorfes mich auf einer Lichtung sitzend. Erik fragte mich was los war und ich drehte den Kopf in seine Richtung. , Wir hatten Streit. Soldaten tauchten auf und nahmen sie mit.'' sagte ich nur und starrte wieder auf die Büsche, in denen Francis' Entführer verschwunden waren. Erik brachte mich ins Dorf, wo ich Azrael berichtete, was geschehen war. Erst schwieg er. Dann stand er auf und lief im Zimmer auf und ab. , Was wirst du tun?'' fragte ich und stellte mich ihm in den weg. , Ich werde nichts tun, sie ist in Lions Gewalt und der wird sie erst freilassen wenn es bereits zu spät ist. Denn er will Rache für seinen Vater und da Francis nun mal Fabian getötet hat...''Azrael beendete den Satz nicht, aber alle Anwesenden wussten was er sagen wollte. Die Tage und Wochen vergingen ohne eine Nachricht von Francis zu hören. Keiner wusste, wie es ihr ging und ob sie überhaupt noch am Leben war. Eines Tages kam Erik aus der Stadt zurück und wollte sofort mit mir reden. , Lucien? Ich habe schlechte Nachrichten für dich...in der Stadt sagen alle, Francis wäre...''Bevor er weitersprechen konnte unterbrach ich ihn. , Sei still! Ich weis, was sie sagen und es gefällt mir genauso wenig wie dir oder Azrael! Mittlerweile hätte sich doch längst etwas tun müssen!'' Ich stand auf und ging an Erik vorbei nach draußen, lief in den Stall und sattelte mein Pferd. Erik lief mir irritiert hinterher und fragte: Was hast du vor, Lucien?? Falls du sie befreien willst, vergiss es! Du weist wie gut Lions Schloss bewacht ist!'' Er versuchte, mir die Zügel aus der Hand zu nehmen, aber ich ging einfach an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten. Draußen wäre ich beinahe gegen Azrael gelaufen und als er sich umdrehte und mein gesatteltes Pferd sah wurde er misstrauisch. , Was hast du vor, Lucien?'' fragte er und runzelte die Stirn als er Erik entdeckte. Ich stieg auf mein Pferd und antwortete: , Ich werde jetzt etwas tun, was sich keiner deiner Soldaten traut: Ich rette Francis!'' Erik rannte in den Stall, kam mit seinem gesattelten Pferd zurück, stieg auf und rief: , Und ich komme mit!'' Ich blinzelte, zuckte mit den Schultern und ritt los. Wir brauchten nicht einmal einen Tag bis zu der Grenze zwischen Lions Land und dem von Azrael. Ich hielt an um einen Moment zu verschnaufen und einen Blick auf Lions Schloss zu bekommen. Erik hielt sein Pferd neben mir an und sah in die gleiche Richtung wie ich. , Da unten ist es.'' Dann schwieg er und wartete darauf, dass ich etwas sagte. Aber ich sagte nichts, sondern trieb einfach mein Pferd an. Erik folgte mir und als wir noch etwa zehn Meter von Haupttor entfernt waren, stiegen wir von den Pferden, banden sie hinter ein paar hohen Büschen an und schlichen in Richtung des Tores. Auf der hälfte der Strecke hockte ich mich hinter einige kleine Bäume. , Wir müssen da irgendwie reinkommen! Und ich hab schon so eine Idee wie wir das anstellen. Du gehst auf die linke Seite, ich auf die rechte. Wir schalten die beiden Soldaten am Tor aus und ziehen uns ihre Kleidung über. Dann suchen wir das Verlies und holen Francis da raus. Alles klar?'' Erik nickte. Alles lief glatt und wir kamen ohne Probleme ins Innere des Schlosses. Plötzlich tauchte Lion direkt vor uns auf. Aber er erkannte uns nicht und befahl uns, die Wachen an der Zelle ablösen in der der Mörder seines Vaters sich befand. Dann ging er und wir liefen zu der Zelle. Auch dort lief alles glatt und die beiden Soldaten gaben uns ohne Probleme den Zellenschlüssel. Die beiden waren kaum um die Ecke verschwunden, als ich schon den Schlüssel im Schloss umdrehte und die Tür aufstieß.
Was ich sah, lies mir den Atem im Hals stecken bleiben. Halb hing Francis an Ketten, die an der Wand hingen, halb hockte sie auf dem Boden. Und das war nicht das schlimmste. Ihr Kleindung war zerrissen und blutig, überall hatte sie Schrammen und tiefe Wunden. Sie hatte ein blaues Auge, eine blutige Unterlippe und noch einige andere Verletzungen. Ich lief zu ihr, suchte den Schlüssel zu den Ketten die sie hielten und öffnete sie. Ihre Arme fielen zu Boden, kaum das ich die Ketten geöffnet hatte. Dann kippte Francis nach vorne, ich konnte sie grade noch auffangen. Erik fluchte und lief zu uns. Ich schickte ihn aber zur Tür zurück, er solle etwas holen mit dem man Francis gefahrlos hier raus bekäme. Er verschwand und ich hoffte, dass niemand uns entdeckte. Plötzlich rührte Francis sich, öffnete langsam ihre Augen und lächelte schwach, als sie mich erkannte. , Hey...was machst du hier?'' flüsterte sie und kniff die Augen zusammen als sie atmete. Ich wollte etwas sagen, als Erik mit einer zusammen gebastelten Trage zurück kam. , Schnell, heb sie da drauf! Wir haben nicht viel Zeit, einer der Soldaten hat mich gesehen.'' Wir waren schon fast aus dem Schlosshof raus als Lion sich uns in den Weg stellte. Ich zog mein Schwert und griff ihn an. Aber er wich mir aus und lief Erik hinterher. Trotzdem schafften wir es, zu entkommen, weil ich Lion rechtzeitig erreichte und ihm das Schwert aus der Hand schlug. Wir ritten so schnell es ging zurück ins Dorf und brachten Francis in Eriks Hütte, wo sich Azraels Heiler um sie kümmerten. Das warten und hoffen war schlimmer als die Zeit in den Francis weggewesen war und ich kam kaum zur Ruhe. Wie ein nervöser Tiger lief ich vor Eriks Hütte auf und ab, völlig unfähig auch nur irgendwie wieder ruhig zu werden. Plötzlich öffnete sich die Tür und Azrael kam heraus. , Die Heiler sagen, du kannst ein paar Minuten zu ihr rein. Aber nicht zu lange, klar?'' Ich nickte und ging an ihm vorbei. Francis lag auf Eriks Bett, ihre Wunden waren versorgt worden. Sie war wach und sah mich, als ich die Hütte betrat. Ich setzte mich auf einen Stuhl, der neben dem Bett stand und schwieg. Sie lächelte und fasste nach meiner Hand. , Danke fürs Rausholen.'' Ich hob die Schultern. , Kein Problem. Azrael wollte es nicht tun, also sind Erik und ich...''Sie unterbrach mich, zog mich an meinem Arm zu ihr und küsste mich auf die Wange. , Du liebst mich, Lucien. Es ist völlig selbstverständlich, dass du mich da raus geholt hast.'' Francis ließ meine Hand los, sank auf das Kissen zurück und schloss ihre Augen. Ich saß noch eine Weile am Bett, hörte ihren gleichmäßigen Atem und sah ihr beim Schlafen zu. Als ich schließlich aufstand und nach draußen gehen wollte, kam mir Azrael entgegen. , Wie geht es ihr? Ist sie wach?'' fragte er. Ich warf einen Blick auf sie. , Wie soll es ihr schon gehen, nachdem sie Monatelang gefoltert wurde?'' fauchte ich und verschwand in der Hütte in der ich während der Zeit, die ich schon im Dorf war, bewohnte. Die Zeit verging, Francis’ Wunden heilten und irgendwann stand sie das Erste Mal von alleine auf. Für den Abend war ein Essen geplant, bei dem alle sich um ein großes Lagerfeuer setzten. Ich stand in ein paar Metern entfernt an einer Hauswand und sah den anderen beim Feiern zu. Francis entdeckte mich und kam zu mir herüber gelaufen. Ich stieß mich von der Wand ab und war schon im Begriff zu gehen als sie mich am Arm zu fassen bekam. , Warum willst du weg? Stimmt etwas nicht?’’ fragte sie, ich konnte hören, dass sie besorgt war. Ich schüttelte den Kopf. , Es ist nichts. Ich bin nur müde, die Wochen in denen du weg warst, waren anstrengend.’’ Sie seufzte, nahm meine Hand und lief ein Stück mit mir. , Sag mir doch endlich mal, was los ist! Du sagst kaum etwas und bist uns und vor allem mir gegenüber total abweisend!’’ Francis wollte weiterreden, aber ich unterbrach sie. , Früher oder später bist du doch sowieso wieder weg! Warum also noch groß versuchen, etwas aufzubauen wovon wir beide nie etwas haben würden?’’ Ich war noch immer wütend auf sie, weil sie vor Zwei Jahren so plötzlich verschwunden war. , Dann soll ich also wieder gehen? Wäre es dir lieber, wenn ich wieder verschwinde und dich hier zurücklasse? Wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich dich liebe und um nichts in der Welt hierlassen würde?’’ schrie sie. Ich schüttelte den Kopf. , Nein du sollst NICHT gehen! Ich könnte es einfach nicht noch ein zweites Mal ertragen wenn du gingst! Himmel noch mal, wir brauchen dich hier, Francis! Wir haben dich damals auch gebraucht, als du verschwunden warst!’’ Wir hatten nicht gemerkt, dass uns mittlerweile das gesamte Dorf zusah, aber im diesem Moment war das uns beiden egal. Francis sah mit einem mal ganz klein aus. Sie setzte sich auf einen Baumstumpf neben ihr und schwieg. Ich bereute sofort, was ich gesagt hatte und lief zu ihr um m ich zu entschuldigen, als plötzlich ein Bote im Dorf eintraf. , Ich habe eine Nachricht für König Azrael von seinem Neffen Lion!’’ Ich drehte mich zu ihm um, und brachte ihn zu Azrael. Francis saß noch an der gleichen Stelle, als ich zurück kam, aber sie war nicht alleine. Erik hatte sich vor sie gekniet und redete auf sie ein. Sie lächelte traurig, schüttelte den Kopf und stand auf. , Francis, warte doch mal! Du kapierst gar nichts das wir dich hier brauchen!’’ Aber Francis reagierte gar nicht auf Eriks rufe, sie verschwand einfach im Stall, sattelte den grauen und führte ihn in Richtung Wald. Ich lief ihr hinterher, weil ich wusste, dass Lion sie wieder gefangen nehmen würde, wenn er die Gelegenheit dazu bekäme. Francis war einige Meter vor mir und merkte nicht, dass ich ihr folgte. Sie brachte den grauen zum stehen, stieg ab und band ihn an einem Ast fest. Plötzlich tauchte Erik vor ihr auf. , Himmel noch mal, Francis! Wenn du wieder weg gehst, wäre das das Ende von allem! Lion würde uns mit einem Schlag nieder machen, weil er nicht bekommt was er will!’’ Wütend fuhr Francis herum. , Dann töte ich ihn eben auch! Ich habe es satt, dass ständig alle auf mich einreden und trotzdem behaupten nur das Beste zu wollen egal für wen! Wenn ich wieder verschwinde wird es das letzte Mal sein, Erik das sage ich dir jetzt schon!’’ Sie verschwand im Gebüsch und lies Erik einfach stehen. Ich lief ihr hinterher und hörte gar nicht, dass Erik nach mir rief. Ich rannte ihr hinterher und wäre beinahe in sie hineingelaufen. Vor uns stand ein junger Mann, offensichtlich schwer verletzt und kippte im selben Augenblick nach vorn. Francis fing ihn auf und schien ihn zu kennen, denn sie wurde mit einem Mal kalkweis. Ich rief nach Erik, wir brachten den Mann ins Dorf und ließen die Heiler mit ihm allein.Ich nahm Francis zur Seite und fragte leise: ,, Wer ist das? Du scheinst ihn zu kennen.’’ Francis sah an mir vorbei ins Leere und schwieg. Ich seuftzte und flüsterte ihr ins Ohr: ,, Ich liebe dich, Francis. Und ich weiß, dass du dasselbe tust. Also sag mir bitte, wer das ist!’’ Sie schluckte und ihre Stimme zitterte als sie mir antwortete. , Das ist mein Bruder. Ich weis nicht wie er hier her kommt aber er ist mein Bruder.’’ Tränen stiegen ihr in die Augen und ich drückte sie fest an mich. ,, Alles wird wieder gut, er wird wieder gesund, ich versprech es dir.’’ Sie wollte etwas sagen, als einer der Heiler nach draußen trat und Francis ins Haus bat. Sie ging rein und ich lief zu Azrael. ,, Hallo Lucien! Gibt es Neuigkeiten wegen dem Fremden den du und Francis gefunden haben?’’ fragte er. ,, Keine Ahnung was los ist, einer der heiler hat sie rein gebeten. Sie sagt, er wäre ihr Bruder.’’ Ich seuftzte und setzte mich auf einen Stuhl und starrte auf die Tischplatte vor mir.
, Ich denke es wäre das Beste, wenn ich erst mal wieder in die Stadt zurück kehre. Francis hat viel zu tun, sie muss ihrem Bruder erklären wo er ist und so weiter.’’ Ich stand auf, ging zu meinem Lager und packte meine Sachen. Als ich nach Draußen trat stieß ich beinahe mit Francis zusammen. Sie entdeckte meine Sachen und hielt mich zurück. , Wohin gehst du?’’fragte sie und sah mich besorgt an. Ich wollte ihr grade antworten als ihr Bruder auftauchte. ,, Fran? Oh hey da bist du ja! Könntest du mir noch mal in allen Einzelheiten erklären was hier eigentlich abgeht? Ich kapier da was noch nich so ganz…’’ fragte er und bemerkte mich erst, als er direkt neben mir stand. ,, Hi! Ich bin Lukas, Frans Bruder!’’ Ich schwieg, küsste Francis kurz auf die Wange, schulterte meine Tasche und verschwand im Stall. Während ich mein Pferd reisefertig machte und alles gleichmäßig auf dem Sattel verteilte betrat Azrael den Stall. , Denkst du, es ist eine gute Idee, weg zu gehen? Sie hängt so sehr an dir wie …’’ Er wollte weiter sprechen aber ich führte mein Pferd an ihm vorbei ins Freie, stieg auf und ritt in Richtung Stadt davon. Francis lief mir hinter her und stellte sich in meinen Weg. , Lukas wird wieder weg gehen und ich mit ihm. Aber ich gehe nicht ohne dich von hier weg.’’ Ich wollte ihr antqworten als Lions Männer im Dorf auftauchten. Francis wurde kalkweis, griff aber trotzdem zu ihrem Schwert um sich zu verteidigen. Sie griffen uns an, wir verteidigten uns so gut es ging. Plötzlich tauchte Lukas auf, er blieb in einiger Entfernung stehen und sah zu, wie seine Schwester mit mir gegen Lion kämpfte. Ich bemerkte ihn und rannte zu ihm. , Verschwinde von hier!’’ rief ich und versuchte ihn in Richtung Dorf zu schieben. Er stemmte sich gegen mich und zog mich zu Boden. , Was geht hier eigentlich ab, Mann? Warum hat Francis ein Schwert in der Hand und wer ist dieser Trottel da vorne der ihr grade eine rein hauen will?’’ fragte er und ich sah erschrocken in die Richtung in die er zeigte. Er hatte Recht, Lion war dabei den Zweikampf gegen Francis zu gewinnen! Ich fluchte, spurtete los und fuhr zwischen die beiden. Lions Schwert bohrte sich einen Meter entfernt in den Boden, Francis ging zu Boden und Lion zog einen Dolch aus seinem Gürtel. Ich sah ihn finster an. , Das war das letzte mal, dass du uns auf die Nerven gehst, Kleiner!’’ Ich steckte mein Schwert weg, holte aus und verpasste Lion einen Haken, der sich bei einigen Kameraden hätte sehen lassen können. Er ging zu Boden, hielt sich den Kiefer und sah mich überrascht an. Ich grinste nur, half Francis wieder auf die Beine und holte die Pferde. Während wir zurück zum Dorf gingen, redeten Francis und ich miteinander. , Du hast gesagt, wenn dein Bruder ginge, würdest du mitgehen, nur nicht ohne mich. Wenn ich bleiben würde, würdest du dann auch bleiben oder trotzdem gehen?’’ fragte ich und starrte einen unsichtbaren Vogel am Himmel an. Sie blieb stehen und sah mich an. , Ich würde nie ohne dich gehen, völlig egal ob du bleiben willst oder nicht!’’ Ohne eine Reaktion von mir abzuwarten, ging sie weiter. Ich schüttelte nur den Kopf und folgte ihr. Einige Tage später reiste Azrael nach Lunaris zurück und lies uns im Dorf um im Falle eines Problems eingreifen zu können. Erik hatte begonnen, regelmäßige Streifzüge durch die Wälder zu machen um zu sehen ob alles in Ordnung war. Eines Tages kam er schwer verwundet zurück, in seiner Bust steckte ein Pfeil, der nur von Lions Männern sein konnte. Francis saß drei Tage an seiner Seite und pflegte ihn so gut es ging. Aber am dritten Tag starb er an seinen Verletzungen. Wir begruben ihn und noch am selben Abend packte sie ihre Sachen und ritt in Richtung Lions Schloss. Ich versuchte noch sie aufzuhalten aber sie sah mich an, sah mir direkt in die Augen und ging an mir vorbei. Ich wollte ihr nachreiten aber Azrael hielt mich zurück. , Sie hat noch eine Rechung mit Lion offen, weist du das nicht mehr?’’ fragte er. Ich seuftzte und sah in die Richtung in der Francis verschwunden war. Ich war froh das Azrael aufgetaucht war, als er erfahren hatte, dass Erik tot war. Ich klopfte ihm auf die Schulter und verbrachte die folgenden Tage damit, auf Francis zu warten und irgendwann fing ich an, aus Langeweile auf eine Zielscheibe zu schießen. Aus den Tagen wurden Wochen und glaubte schon fast sie würde nie mehr wieder kommen wie schon einmal. Doch plötzlich tauchte sie am Dorfeingang auf, ihre Kleidung war übersäht mit getrocknetem Blut und Dreck. Ich etntdeckte sie, lies alles stehen und liegen, rannte auf sie zu und drückte sie so fest an mich wie es ging. Sie lachte und befreite sich ein wenig aus meiner Umarmung. Ich küsste sie und für einen Moment schien die Welt stehen zu bleiben. Ich umarmte sie noch einmal, lies sie dann los behielt aber eine Hand um ihre Hüfte geschlungen. , Ist er tot?’’ fragte ich und sah sie an. Sie lächelte stolz und nickte. , Ja, er ist tot. Endlich.’’ Sie seuftzte, führte den grauen, der sehr mitgenommen aussah, in den Stall und packte ihre Sachen auf einen Haufen, putzte den grauen gründlich und trug ihre Sachen in meine Hütte.
, Das kann nicht sein!'' flüsterte Azrael hinter mir entsetzt. , Was ist? Kennst du das Wappen etwa?'' fragte Lucien. Azrael nickte und flüsterte geschockt: Das...das ist Fabians Sohn!'' Ich seufzte, zog mein Schwert, trat aus den Büschen heraus und warf einen Stein nach dem Jungen, der Fabians Sohn sein sollte. , Was zum...?'' Der Junge Mann, den ich mit dem Stein getroffen hatte, fluchte und drehte sich in meine Richtung. , Wer seid Ihr, dass Ihr es wagt mit einem Stein nach mir zu werfen?'' fragte er und stieg von seinem Pferd. Ich grinste nur. , Ich dachte immer, Fabians Sohn wäre viel...na ja...interessanter!'' Er wurde wütend, zog sein Schwert und griff mich an. Ich wehrte seine Attacke ohne große Mühe ab und stieß ihn ein paar Meter weit weg. Während er sich wieder aufrappelte, steckte ich mein Schwert weg. , Falls du nach dem Mörder deines Vaters suchst, du hast ihn grade gefunden! Und nur so nebenbei; es war mir eine Freude.'' Jetzt sah Fabians Sohn rot und stürzte auf mich zu. Er schlug mit seinem Schwert nach mir, doch ich wich ihm aus, zog mein Schwert und schlug ihm seines aus der Hand. Die Klinge bohrte sich einige Meter von uns in den Boden und blieb zitternd stecken. Ich griff nach hinten, zog mein Hemd hoch und drehte mich mit dem Rücken zu seinem Sohn. , Von dieser Narbe habe ich schon gehört. Allerdings hieß es in den Geschichten immer, Ihr wärt im Kampf gestorben.'' Ich strich mein Hemd wieder glatt, drehte mich um, steckte mein Schwert weg und schüttelte den Kopf. , Wie du siehst, bin ich am Leben. Und nicht ich sondern dein Vater starb an diesem Tag.'' Ich verschwand in den Büschen und kam mit Lucien, Azrael und den Pferden wieder zurück. Als wir auf der Lichtung ankamen, war ein Teil der Männer bereits wieder aufgebrochen. Fabians Sohn stand noch auf der Lichtung, neben ihm zwei seiner Soldaten. Als Azrael ihn entdeckte kniff er die Lippen zusammen und zuckte zusammen als der ihn ansprach. , Onkel Azrael. Es überrascht mich nicht, dich an der Seite von Vaters Mörder zu sehen.'' Azrael stieg auf sein Pferd, sah kurz zu seinem Neffen herüber und sagte: Gib es auf, so sein zu wollen wie dein Vater, Lion. Er starb an seiner Ignoranz und das gleiche wird auch dir passieren, wenn du nicht aufhörst zu sein wie er.'' Dann ritt er zurück ins Dorf und Lucien und ich folgten ihm. Erik hatte inzwischen eine eigene Hütte und bot mir einen Schlafplatz in seiner Hütte an. Aber ich lehnte ab, mir war nicht nach schlafen zu mute. Stattdessen nahm ich mir etwas zu Essen und setzte mich in den Stall neben den grauen auf einen Heuballen. Lucien kam in den Stall und setzte sich neben mich. , Warum bist du weggegangen??'' fragte er sicher zum hundertsten Mal. Ich seufzte, antwortete ihm diesmal aber. , Ich hatte Angst, du würdest mich aufhalten. Ich wollte nicht gehen und wissen dass du auf mich wartest oder glaubst ich wäre tot oder so was.'' Ich stand auf, trat in die Box des grauen und fing an, seine Mähne zu flechten. Lucien stand ebenfalls auf und kam zu mir in die Box. , Ich hätte dich aufgehalten das stimmt. Aber selbst wenn ich dich aufgehalten hätte, gegangen wärst du auch so.'' Er nahm meine Hände in seine und sah mir in die Augen. Ich versuchte seinem Blick auszuweichen, schaffte es aber nicht. Ich senkte den Kopf, zog meine Hände zurück und fuhr mit flechten fort. Lucien stellte sich hinter mich und schlang seine Arme um mich. Draußen hörte man, wie die Dorfbewohner die Tiere in die Ställe trieben und dann in den Häusern verschwanden. Nur Lucien und ich waren noch wach. Er gab mir einen Kuss auf den Hals und mir lief ein Schauer über den Rücken. Ich wand mich aus seinen Armen und lief nach draußen. Lucien lief mir nach und riss mich herum. , Was ist denn nur los mit dir, Francis? Tu mir den gefallen und sag mir was Sache ist!'' Tränen stiegen mir in die Augen. , Verdammt ich liebe dich, Lucien!'' schrie ich. Einen Moment lang war es still. Ich drehte mich um, rannte davon und lies Lucien einfach stehen.
Lucien
Irgendwann hörte sie endlich auf, zu rennen. Ich war die ganze Zeit hinter ihr hergelaufen und hatte gehört wie sie weinte. Beinahe wäre ich in sie hinein gerannt, als sie stoppte und sich umdrehte so als ob sie geahnt hätte, dass ich hinter ihr war. Warum sie mir erst sagte, dass sie mich liebte und dann davon lief, wusste ich nicht. Aber ich wollte sie beruhigen, wollten mir ihr reden und ihr sagen, dass ich dasselbe fühlte wie sie. Plötzlich kamen aus den Büschen um uns herum Soldaten, das Wappen auf den Schilden war Lions, Fabians Sohn. Ich sah nur wie einer von ihnen Francis niederschlug, sie auf den Sattel hob und gefolgt von den anderen davon ritt. Ich stand wie versteinert da, konnte mich kaum bewegen und irgendwann knickten mich die Beine weg. Als der morgen graute, fanden Erik und einige Bauern des Dorfes mich auf einer Lichtung sitzend. Erik fragte mich was los war und ich drehte den Kopf in seine Richtung. , Wir hatten Streit. Soldaten tauchten auf und nahmen sie mit.'' sagte ich nur und starrte wieder auf die Büsche, in denen Francis' Entführer verschwunden waren. Erik brachte mich ins Dorf, wo ich Azrael berichtete, was geschehen war. Erst schwieg er. Dann stand er auf und lief im Zimmer auf und ab. , Was wirst du tun?'' fragte ich und stellte mich ihm in den weg. , Ich werde nichts tun, sie ist in Lions Gewalt und der wird sie erst freilassen wenn es bereits zu spät ist. Denn er will Rache für seinen Vater und da Francis nun mal Fabian getötet hat...''Azrael beendete den Satz nicht, aber alle Anwesenden wussten was er sagen wollte. Die Tage und Wochen vergingen ohne eine Nachricht von Francis zu hören. Keiner wusste, wie es ihr ging und ob sie überhaupt noch am Leben war. Eines Tages kam Erik aus der Stadt zurück und wollte sofort mit mir reden. , Lucien? Ich habe schlechte Nachrichten für dich...in der Stadt sagen alle, Francis wäre...''Bevor er weitersprechen konnte unterbrach ich ihn. , Sei still! Ich weis, was sie sagen und es gefällt mir genauso wenig wie dir oder Azrael! Mittlerweile hätte sich doch längst etwas tun müssen!'' Ich stand auf und ging an Erik vorbei nach draußen, lief in den Stall und sattelte mein Pferd. Erik lief mir irritiert hinterher und fragte: Was hast du vor, Lucien?? Falls du sie befreien willst, vergiss es! Du weist wie gut Lions Schloss bewacht ist!'' Er versuchte, mir die Zügel aus der Hand zu nehmen, aber ich ging einfach an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten. Draußen wäre ich beinahe gegen Azrael gelaufen und als er sich umdrehte und mein gesatteltes Pferd sah wurde er misstrauisch. , Was hast du vor, Lucien?'' fragte er und runzelte die Stirn als er Erik entdeckte. Ich stieg auf mein Pferd und antwortete: , Ich werde jetzt etwas tun, was sich keiner deiner Soldaten traut: Ich rette Francis!'' Erik rannte in den Stall, kam mit seinem gesattelten Pferd zurück, stieg auf und rief: , Und ich komme mit!'' Ich blinzelte, zuckte mit den Schultern und ritt los. Wir brauchten nicht einmal einen Tag bis zu der Grenze zwischen Lions Land und dem von Azrael. Ich hielt an um einen Moment zu verschnaufen und einen Blick auf Lions Schloss zu bekommen. Erik hielt sein Pferd neben mir an und sah in die gleiche Richtung wie ich. , Da unten ist es.'' Dann schwieg er und wartete darauf, dass ich etwas sagte. Aber ich sagte nichts, sondern trieb einfach mein Pferd an. Erik folgte mir und als wir noch etwa zehn Meter von Haupttor entfernt waren, stiegen wir von den Pferden, banden sie hinter ein paar hohen Büschen an und schlichen in Richtung des Tores. Auf der hälfte der Strecke hockte ich mich hinter einige kleine Bäume. , Wir müssen da irgendwie reinkommen! Und ich hab schon so eine Idee wie wir das anstellen. Du gehst auf die linke Seite, ich auf die rechte. Wir schalten die beiden Soldaten am Tor aus und ziehen uns ihre Kleidung über. Dann suchen wir das Verlies und holen Francis da raus. Alles klar?'' Erik nickte. Alles lief glatt und wir kamen ohne Probleme ins Innere des Schlosses. Plötzlich tauchte Lion direkt vor uns auf. Aber er erkannte uns nicht und befahl uns, die Wachen an der Zelle ablösen in der der Mörder seines Vaters sich befand. Dann ging er und wir liefen zu der Zelle. Auch dort lief alles glatt und die beiden Soldaten gaben uns ohne Probleme den Zellenschlüssel. Die beiden waren kaum um die Ecke verschwunden, als ich schon den Schlüssel im Schloss umdrehte und die Tür aufstieß.
Was ich sah, lies mir den Atem im Hals stecken bleiben. Halb hing Francis an Ketten, die an der Wand hingen, halb hockte sie auf dem Boden. Und das war nicht das schlimmste. Ihr Kleindung war zerrissen und blutig, überall hatte sie Schrammen und tiefe Wunden. Sie hatte ein blaues Auge, eine blutige Unterlippe und noch einige andere Verletzungen. Ich lief zu ihr, suchte den Schlüssel zu den Ketten die sie hielten und öffnete sie. Ihre Arme fielen zu Boden, kaum das ich die Ketten geöffnet hatte. Dann kippte Francis nach vorne, ich konnte sie grade noch auffangen. Erik fluchte und lief zu uns. Ich schickte ihn aber zur Tür zurück, er solle etwas holen mit dem man Francis gefahrlos hier raus bekäme. Er verschwand und ich hoffte, dass niemand uns entdeckte. Plötzlich rührte Francis sich, öffnete langsam ihre Augen und lächelte schwach, als sie mich erkannte. , Hey...was machst du hier?'' flüsterte sie und kniff die Augen zusammen als sie atmete. Ich wollte etwas sagen, als Erik mit einer zusammen gebastelten Trage zurück kam. , Schnell, heb sie da drauf! Wir haben nicht viel Zeit, einer der Soldaten hat mich gesehen.'' Wir waren schon fast aus dem Schlosshof raus als Lion sich uns in den Weg stellte. Ich zog mein Schwert und griff ihn an. Aber er wich mir aus und lief Erik hinterher. Trotzdem schafften wir es, zu entkommen, weil ich Lion rechtzeitig erreichte und ihm das Schwert aus der Hand schlug. Wir ritten so schnell es ging zurück ins Dorf und brachten Francis in Eriks Hütte, wo sich Azraels Heiler um sie kümmerten. Das warten und hoffen war schlimmer als die Zeit in den Francis weggewesen war und ich kam kaum zur Ruhe. Wie ein nervöser Tiger lief ich vor Eriks Hütte auf und ab, völlig unfähig auch nur irgendwie wieder ruhig zu werden. Plötzlich öffnete sich die Tür und Azrael kam heraus. , Die Heiler sagen, du kannst ein paar Minuten zu ihr rein. Aber nicht zu lange, klar?'' Ich nickte und ging an ihm vorbei. Francis lag auf Eriks Bett, ihre Wunden waren versorgt worden. Sie war wach und sah mich, als ich die Hütte betrat. Ich setzte mich auf einen Stuhl, der neben dem Bett stand und schwieg. Sie lächelte und fasste nach meiner Hand. , Danke fürs Rausholen.'' Ich hob die Schultern. , Kein Problem. Azrael wollte es nicht tun, also sind Erik und ich...''Sie unterbrach mich, zog mich an meinem Arm zu ihr und küsste mich auf die Wange. , Du liebst mich, Lucien. Es ist völlig selbstverständlich, dass du mich da raus geholt hast.'' Francis ließ meine Hand los, sank auf das Kissen zurück und schloss ihre Augen. Ich saß noch eine Weile am Bett, hörte ihren gleichmäßigen Atem und sah ihr beim Schlafen zu. Als ich schließlich aufstand und nach draußen gehen wollte, kam mir Azrael entgegen. , Wie geht es ihr? Ist sie wach?'' fragte er. Ich warf einen Blick auf sie. , Wie soll es ihr schon gehen, nachdem sie Monatelang gefoltert wurde?'' fauchte ich und verschwand in der Hütte in der ich während der Zeit, die ich schon im Dorf war, bewohnte. Die Zeit verging, Francis’ Wunden heilten und irgendwann stand sie das Erste Mal von alleine auf. Für den Abend war ein Essen geplant, bei dem alle sich um ein großes Lagerfeuer setzten. Ich stand in ein paar Metern entfernt an einer Hauswand und sah den anderen beim Feiern zu. Francis entdeckte mich und kam zu mir herüber gelaufen. Ich stieß mich von der Wand ab und war schon im Begriff zu gehen als sie mich am Arm zu fassen bekam. , Warum willst du weg? Stimmt etwas nicht?’’ fragte sie, ich konnte hören, dass sie besorgt war. Ich schüttelte den Kopf. , Es ist nichts. Ich bin nur müde, die Wochen in denen du weg warst, waren anstrengend.’’ Sie seufzte, nahm meine Hand und lief ein Stück mit mir. , Sag mir doch endlich mal, was los ist! Du sagst kaum etwas und bist uns und vor allem mir gegenüber total abweisend!’’ Francis wollte weiterreden, aber ich unterbrach sie. , Früher oder später bist du doch sowieso wieder weg! Warum also noch groß versuchen, etwas aufzubauen wovon wir beide nie etwas haben würden?’’ Ich war noch immer wütend auf sie, weil sie vor Zwei Jahren so plötzlich verschwunden war. , Dann soll ich also wieder gehen? Wäre es dir lieber, wenn ich wieder verschwinde und dich hier zurücklasse? Wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich dich liebe und um nichts in der Welt hierlassen würde?’’ schrie sie. Ich schüttelte den Kopf. , Nein du sollst NICHT gehen! Ich könnte es einfach nicht noch ein zweites Mal ertragen wenn du gingst! Himmel noch mal, wir brauchen dich hier, Francis! Wir haben dich damals auch gebraucht, als du verschwunden warst!’’ Wir hatten nicht gemerkt, dass uns mittlerweile das gesamte Dorf zusah, aber im diesem Moment war das uns beiden egal. Francis sah mit einem mal ganz klein aus. Sie setzte sich auf einen Baumstumpf neben ihr und schwieg. Ich bereute sofort, was ich gesagt hatte und lief zu ihr um m ich zu entschuldigen, als plötzlich ein Bote im Dorf eintraf. , Ich habe eine Nachricht für König Azrael von seinem Neffen Lion!’’ Ich drehte mich zu ihm um, und brachte ihn zu Azrael. Francis saß noch an der gleichen Stelle, als ich zurück kam, aber sie war nicht alleine. Erik hatte sich vor sie gekniet und redete auf sie ein. Sie lächelte traurig, schüttelte den Kopf und stand auf. , Francis, warte doch mal! Du kapierst gar nichts das wir dich hier brauchen!’’ Aber Francis reagierte gar nicht auf Eriks rufe, sie verschwand einfach im Stall, sattelte den grauen und führte ihn in Richtung Wald. Ich lief ihr hinterher, weil ich wusste, dass Lion sie wieder gefangen nehmen würde, wenn er die Gelegenheit dazu bekäme. Francis war einige Meter vor mir und merkte nicht, dass ich ihr folgte. Sie brachte den grauen zum stehen, stieg ab und band ihn an einem Ast fest. Plötzlich tauchte Erik vor ihr auf. , Himmel noch mal, Francis! Wenn du wieder weg gehst, wäre das das Ende von allem! Lion würde uns mit einem Schlag nieder machen, weil er nicht bekommt was er will!’’ Wütend fuhr Francis herum. , Dann töte ich ihn eben auch! Ich habe es satt, dass ständig alle auf mich einreden und trotzdem behaupten nur das Beste zu wollen egal für wen! Wenn ich wieder verschwinde wird es das letzte Mal sein, Erik das sage ich dir jetzt schon!’’ Sie verschwand im Gebüsch und lies Erik einfach stehen. Ich lief ihr hinterher und hörte gar nicht, dass Erik nach mir rief. Ich rannte ihr hinterher und wäre beinahe in sie hineingelaufen. Vor uns stand ein junger Mann, offensichtlich schwer verletzt und kippte im selben Augenblick nach vorn. Francis fing ihn auf und schien ihn zu kennen, denn sie wurde mit einem Mal kalkweis. Ich rief nach Erik, wir brachten den Mann ins Dorf und ließen die Heiler mit ihm allein.Ich nahm Francis zur Seite und fragte leise: ,, Wer ist das? Du scheinst ihn zu kennen.’’ Francis sah an mir vorbei ins Leere und schwieg. Ich seuftzte und flüsterte ihr ins Ohr: ,, Ich liebe dich, Francis. Und ich weiß, dass du dasselbe tust. Also sag mir bitte, wer das ist!’’ Sie schluckte und ihre Stimme zitterte als sie mir antwortete. , Das ist mein Bruder. Ich weis nicht wie er hier her kommt aber er ist mein Bruder.’’ Tränen stiegen ihr in die Augen und ich drückte sie fest an mich. ,, Alles wird wieder gut, er wird wieder gesund, ich versprech es dir.’’ Sie wollte etwas sagen, als einer der Heiler nach draußen trat und Francis ins Haus bat. Sie ging rein und ich lief zu Azrael. ,, Hallo Lucien! Gibt es Neuigkeiten wegen dem Fremden den du und Francis gefunden haben?’’ fragte er. ,, Keine Ahnung was los ist, einer der heiler hat sie rein gebeten. Sie sagt, er wäre ihr Bruder.’’ Ich seuftzte und setzte mich auf einen Stuhl und starrte auf die Tischplatte vor mir.
, Ich denke es wäre das Beste, wenn ich erst mal wieder in die Stadt zurück kehre. Francis hat viel zu tun, sie muss ihrem Bruder erklären wo er ist und so weiter.’’ Ich stand auf, ging zu meinem Lager und packte meine Sachen. Als ich nach Draußen trat stieß ich beinahe mit Francis zusammen. Sie entdeckte meine Sachen und hielt mich zurück. , Wohin gehst du?’’fragte sie und sah mich besorgt an. Ich wollte ihr grade antworten als ihr Bruder auftauchte. ,, Fran? Oh hey da bist du ja! Könntest du mir noch mal in allen Einzelheiten erklären was hier eigentlich abgeht? Ich kapier da was noch nich so ganz…’’ fragte er und bemerkte mich erst, als er direkt neben mir stand. ,, Hi! Ich bin Lukas, Frans Bruder!’’ Ich schwieg, küsste Francis kurz auf die Wange, schulterte meine Tasche und verschwand im Stall. Während ich mein Pferd reisefertig machte und alles gleichmäßig auf dem Sattel verteilte betrat Azrael den Stall. , Denkst du, es ist eine gute Idee, weg zu gehen? Sie hängt so sehr an dir wie …’’ Er wollte weiter sprechen aber ich führte mein Pferd an ihm vorbei ins Freie, stieg auf und ritt in Richtung Stadt davon. Francis lief mir hinter her und stellte sich in meinen Weg. , Lukas wird wieder weg gehen und ich mit ihm. Aber ich gehe nicht ohne dich von hier weg.’’ Ich wollte ihr antqworten als Lions Männer im Dorf auftauchten. Francis wurde kalkweis, griff aber trotzdem zu ihrem Schwert um sich zu verteidigen. Sie griffen uns an, wir verteidigten uns so gut es ging. Plötzlich tauchte Lukas auf, er blieb in einiger Entfernung stehen und sah zu, wie seine Schwester mit mir gegen Lion kämpfte. Ich bemerkte ihn und rannte zu ihm. , Verschwinde von hier!’’ rief ich und versuchte ihn in Richtung Dorf zu schieben. Er stemmte sich gegen mich und zog mich zu Boden. , Was geht hier eigentlich ab, Mann? Warum hat Francis ein Schwert in der Hand und wer ist dieser Trottel da vorne der ihr grade eine rein hauen will?’’ fragte er und ich sah erschrocken in die Richtung in die er zeigte. Er hatte Recht, Lion war dabei den Zweikampf gegen Francis zu gewinnen! Ich fluchte, spurtete los und fuhr zwischen die beiden. Lions Schwert bohrte sich einen Meter entfernt in den Boden, Francis ging zu Boden und Lion zog einen Dolch aus seinem Gürtel. Ich sah ihn finster an. , Das war das letzte mal, dass du uns auf die Nerven gehst, Kleiner!’’ Ich steckte mein Schwert weg, holte aus und verpasste Lion einen Haken, der sich bei einigen Kameraden hätte sehen lassen können. Er ging zu Boden, hielt sich den Kiefer und sah mich überrascht an. Ich grinste nur, half Francis wieder auf die Beine und holte die Pferde. Während wir zurück zum Dorf gingen, redeten Francis und ich miteinander. , Du hast gesagt, wenn dein Bruder ginge, würdest du mitgehen, nur nicht ohne mich. Wenn ich bleiben würde, würdest du dann auch bleiben oder trotzdem gehen?’’ fragte ich und starrte einen unsichtbaren Vogel am Himmel an. Sie blieb stehen und sah mich an. , Ich würde nie ohne dich gehen, völlig egal ob du bleiben willst oder nicht!’’ Ohne eine Reaktion von mir abzuwarten, ging sie weiter. Ich schüttelte nur den Kopf und folgte ihr. Einige Tage später reiste Azrael nach Lunaris zurück und lies uns im Dorf um im Falle eines Problems eingreifen zu können. Erik hatte begonnen, regelmäßige Streifzüge durch die Wälder zu machen um zu sehen ob alles in Ordnung war. Eines Tages kam er schwer verwundet zurück, in seiner Bust steckte ein Pfeil, der nur von Lions Männern sein konnte. Francis saß drei Tage an seiner Seite und pflegte ihn so gut es ging. Aber am dritten Tag starb er an seinen Verletzungen. Wir begruben ihn und noch am selben Abend packte sie ihre Sachen und ritt in Richtung Lions Schloss. Ich versuchte noch sie aufzuhalten aber sie sah mich an, sah mir direkt in die Augen und ging an mir vorbei. Ich wollte ihr nachreiten aber Azrael hielt mich zurück. , Sie hat noch eine Rechung mit Lion offen, weist du das nicht mehr?’’ fragte er. Ich seuftzte und sah in die Richtung in der Francis verschwunden war. Ich war froh das Azrael aufgetaucht war, als er erfahren hatte, dass Erik tot war. Ich klopfte ihm auf die Schulter und verbrachte die folgenden Tage damit, auf Francis zu warten und irgendwann fing ich an, aus Langeweile auf eine Zielscheibe zu schießen. Aus den Tagen wurden Wochen und glaubte schon fast sie würde nie mehr wieder kommen wie schon einmal. Doch plötzlich tauchte sie am Dorfeingang auf, ihre Kleidung war übersäht mit getrocknetem Blut und Dreck. Ich etntdeckte sie, lies alles stehen und liegen, rannte auf sie zu und drückte sie so fest an mich wie es ging. Sie lachte und befreite sich ein wenig aus meiner Umarmung. Ich küsste sie und für einen Moment schien die Welt stehen zu bleiben. Ich umarmte sie noch einmal, lies sie dann los behielt aber eine Hand um ihre Hüfte geschlungen. , Ist er tot?’’ fragte ich und sah sie an. Sie lächelte stolz und nickte. , Ja, er ist tot. Endlich.’’ Sie seuftzte, führte den grauen, der sehr mitgenommen aussah, in den Stall und packte ihre Sachen auf einen Haufen, putzte den grauen gründlich und trug ihre Sachen in meine Hütte.